Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sony-kopfhoerer-wh-1000xm3-im-test-eine-oase-der-stille-oder-des-puren-musikgenusses-1811-137943.html    Veröffentlicht: 29.11.2018 11:58    Kurz-URL: https://glm.io/137943

Sony-Kopfhörer WH-1000XM3 im Test

Eine Oase der Stille oder des puren Musikgenusses

Wir haben die dritte Generation von Sonys Top-ANC-Kopfhörer getestet - vor allem bei der Geräuschreduktion hat sich einiges getan. Wer in lautem Getümmel seine Ruhe haben will, greift zum WH-1000XM3. Alle Nachteile der Vorgängermodelle hat Sony aber nicht behoben.

Der MDR-1000X hat als Sonys erster Top-ANC-Kopfhörer in unserem Test vor zwei Jahren bereits sehr gut abgeschnitten. Im Bereich Geräuschunterdrückung war der Sony-Kopfhörer seinerzeit führend und auch an der Klangqualität gab es nichts auszusetzen. Bei der Nutzung war nicht alles so fantastisch. Umso gespannter waren wir, ob Sony die Kritik daran aufgegriffen hat.

Sonys ANC-Kopfhörer-Historie ist etwas verwirrend. ANC steht dabei für Active Noise Cancelling, also der Unterdrückung von Außengeräuschen. Das erste Modell war der MDR-1000X, aber nur die 1000X haben es in die Produktbezeichnungen der späteren Modelle geschafft. Das zweite Modell nennt sich WH-1000XM2. Immerhin wurde die Nomenklatur beim neuen Modell beibehalten, der WH-1000XM3 ist Sonys aktuelles Topmodell bei ANC-Kopfhörern.



Der WH-1000XM3 unterstützt Bluetooth 4.2 und kann drahtlos mit Smartphones, Tablets oder Notebooks verbunden werden. Parallel dazu kann der Kopfhörer mit Kabel verwendet werden, ein passender Adapter für Flugzeuge ist dabei, um es mit den dortigen Entertainment-Systemen verwenden zu können. Die Nutzung ohne Kabel verschafft mehr Bewegungsfreiheit, so dass wir wohl nur im Flugzeug zum Kabel greifen würden. Denn die Nutzung per Kabel bringt Komforteinbußen mit sich.

Verbesserte ANC-Fähigkeiten

Das Besondere des neuen Sony-Kopfhörers ist zweifelsohne die ANC-Funktion. ANC steht für Active Noise Cancellation, also einer aktiven Geräuschunterdrückung. Der Kopfhörer analysiert mit Hilfe von Mikrofonen die Geräuschkulisse und spielt passend dazu einen Gegenschall ab, so dass die Geräusche im Idealfall komplett verschwinden. Systembedingt arbeiten ANC-Systeme vor allem bei niedrigen Frequenzen besonders gut, etwa beim Brummen in einem Flugzeug, wo die Technik zuerst eingesetzt wurde.

Auch die Fahrgeräusche in Zügen, Autos oder Bussen werden damit erheblich verringert, gleichfalls lässt sich damit die Belästigung von Baulärm von draußen minimieren. Typische Bürogeräusche wie Telefonklingeln, Gespräche und Tastaturlärm werden prinzipbedingt weniger gut gefiltert. Wenn wir dabei Musik hören, ist von den genannten Hintergrundgeräuschen nichts mehr zu hören. Das alles ist auch beim neuen Sony-Kopfhörer so, aber im Vergleich zum sehr guten Vorgängermodell hat sich doch eine Menge verbessert.

Prinzipiell kann die ANC-Funktion auch ganz ohne Musikzuspielung verwendet werden - dann erzeugt der Kopfhörer Stille, so gut es geht. Beim WH-1000XM2 funktioniert das weniger gut, weil bei diesem dann ein ständiges Rauschen zu hören ist, sofern wir uns in einer vergleichsweise ruhigen Büroumgebung befinden. Das Rauschen nervt schnell und wir setzen uns dann doch lieber der Büro-Geräuschkulisse aus. Sobald der Außengeräuschpegel steigt, nehmen wir das Rauschen nicht mehr als störend wahr.

Sony hat das Grundrauschen beim WH-1000XM3 eliminiert

Beim Rauschverhalten schneidet der neue WH-1000XM3 deutlich besser ab: Sony hat es geschafft, das Rauschen so stark zu verringern, dass wir es auch in Büroumgebungen nicht mehr als störend wahrnehmen - ganz im Gegenteil: Die dann erzeugte Stille unter dem Kopfhörer ist gewöhnungsbedürftig und wir müssen erst mal lernen, diese auszuhalten. Dabei filtert das neue Modell typische Bürogeräusche ebenfalls so stark heraus, dass diese deutlich gedämpfter und damit weniger störend sind. Stimmen werden entweder komplett stummgeschaltet oder auf ein entferntes Gemurmel reduziert und lenken nicht mehr ab. Es ist damit das ideale Gerät für Arbeiten ohne Ablenkungen - etwa in Großraumbüros.

Erfreulicherweise hat Sony dem neuen Modell die Möglichkeit gegeben, mit aktiviertem ANC eingeschaltet zu bleiben, auch wenn keine Bluetooth-Verbindung besteht. Ansonsten kann eine Ausschaltzeit von 5 Minuten, 30 Minuten, 1 Stunde oder 3 Stunden bestimmt werden.

Beim Vorgängermodell ist ein 5-Minuten-Zeitfenster vorgegeben. Nur mit einem Kniff lässt sich dieses Verhalten umgehen: Sobald ein Kopfhörerstecker in der entsprechenden Buchse steckt, schaltet sich der Kopfhörer nicht mehr ab - dafür genügt ein Steckerendstück. Beim WH-1000XM3 könnte damit die Bluetooth-Technik abgeschaltet werden. Allerdings sieht es natürlich etwas sonderbar aus, wenn immer etwas aus der Buchse herausschaut, daher ist es eher eine Notlösung. Es ist schade, dass Sony bisher die Änderung der Abschaltzeit nicht als Firmware-Update für das alte Modell bereitgestellt hat.



Aber auch etwa in der S-Bahn kann der ANC des WH-1000XM3 überzeugen. Die Fahrgeräusche sind so stark gedämpft, dass sie kaum noch wahrnehmbar sind, wenn wir keine Musik hören. Schalten wir dann Musik an, ist davon nichts mehr zu hören und wir können uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Dabei werden die Ohren geschont, weil die Musik nicht unnötig laut gestellt werden muss, um die Hintergrundgeräusche zu übertönen. Der ANC filtert sie weg.

Ausgewogenes und dynamisches Klangbild

Bei all dem überzeugt der neue Sony-Kopfhörer - wie auch die Vorgängermodelle - mit einer sehr guten Klangqualität und einem homogenen, ausgewogenen Klangbild. Im Unterschied zum Vorgängermodell wurde der kräftige Bass noch einmal etwas intensiviert, ohne dass dieser die anderen Klangbereiche überdeckt oder zu aufdringlich ist. Die Höhen sind klar und deutlich erkennbar, so dass Gesang gut zu verstehen ist. Das Ganze wird durch einen intensiven Mittenbereich ergänzt - der Klang ist voll, voluminös und dynamisch. Dabei verändert eine Abschaltung des ANC das Klangbild nicht. Das Klangbild des WH1000-XM3 gefällt uns etwas besser als beim Vorgängermodell, das im Bassbereich minimal schwachbrüstiger ist.

Auch das neue Modell ist ziemlich windempfindlich. In die Musik mischt sich das Pfeifen des Windes, das von den Mikrofonen in den Kopfhörer gelangt, die zur Messung der Außengeräusche verwendet werden. Wir können der Musik zwar weiterhin lauschen, aber - wenn es windig ist - mit entsprechenden Nebengeräuschen.

In der App für den Kopfhörer gibt es einen etwas versteckten Modus zur Windreduzierung, der in der Sony-Anleitung nicht erwähnt wird. Der Schiebeschalter für die Intensität der Geräuschreduzierung in der entsprechenden App muss von links aus gesehen auf die erste Stufe gestellt werden, die aber leicht übersprungen und damit übersehen wird. Wenn wir den Kopfhörer in diesem Modus verwenden, sind die Windgeräusche nicht mehr störend. Das funktioniert sogar bei starkem Sturm vorbildlich gut. Leider merkt sich der Kopfhörer die Einstellung nicht. Wenn der WH-1000XM3 also ausgeschaltet wird, muss der Nutzer die Windredezierung jedesmal neu einschalten, wenn diese benötigt wird. Hier wäre eine Umschaltung direkt am Kopfhörer praktischer.

Bei Telefonaten hört der Gesprächspartner recht viel von den Umgebungsgeräuschen, so dass der Kopfhörer nicht für Telefonie prädestiniert ist.

Der Tragekomfort hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell leicht verbessert. Die Kopfhörer umschließen die Ohren etwas angenehmer, dafür sorgt auch die etwas weichere Polsterung. Selbst nach langem Tragen sind die Kopfhörer auch für Brillenträger nicht unangenehm, der Anpressdruck ist nicht zu hoch. Daher sind die Kopfhörer nur bedingt für den Sporteinsatz geeignet, weil sie bei vielen schnellen Bewegungen verrutschen können.

Die Oberfläche der Polsterung besteht aus Kunstleder, so dass der Träger bei entsprechenden Temperaturen darunter schwitzt. Wer den Kopfhörer als Brillenträger öfter ohne Musikzuspielung verwendet, muss sich damit abfinden, dass die Ohrpolster bei Kopfbewegungen das Brillengestell entlanggleiten, was zu knarzenden, deutlich hörbaren Geräuschen führt.

Sony bleibt beim neuen Modell der Touch-Bedienung treu.

Großes Touch-Bedienungsfeld

Bei der Bedienung des Kopfhörers ist alles Wesentliche vom Vorgängermodell übernommen worden. Auf der linken Seite befinden sich zwei gut erfühlbare Tasten: Eine schaltet den Kopfhörer ein oder aus, die andere regelt die Funktion zur Geräuschunterdrückung. Die Außenseite der rechten Hörmuschel ist ein großes Sensorbedienfeld. Mit Tipp- und Wischgesten kann damit Musik und Telefonie gesteuert werden. Allerdings musste Sony einräumen, dass das Sensorfeld mit Temperaturschwankungen zu kämpfen hat und dann keine Bedienung mehr möglich ist. Bisher sind keine Pläne bekannt, dieses Fehlverhalten zu korrigieren.

Wird die Ein-Aus-Taste bei eingeschaltetem Kopfhörer gedrückt, wird der Akkustand in Prozent angesagt. Ein Druck auf die ANC-Taste wechselt zwischen ANC, Ambience Sound und deaktiviertem ANC. Mit Ambience Sound werden die Mikrofone im Kopfhörer verwendet, um ständig die Umgebungsgeräusche auf dem Kopfhörer zu hören. Wird die ANC-Taste länger gedrückt, passt sich der Kopfhörer an das Trageverhalten des Nutzers an.

Der Ambience Sound kann auch kurzzeitig aktiviert werden, indem die Handfläche auf den Sensorbereich gehalten wird. Dabei werden laufende Musik oder ein Telefonat leiser gestellt, um etwa Ansagen in Zügen oder Flugzeugen hören zu können, ohne die Kopfhörer abnehmen zu müssen. Sobald der Sensorbereich losgelassen wird, ertönt die Musik in der zuvor eingestellten Lautstärke und Außengeräusche werden wieder abgeschirmt - eine sehr praktische und gut umgesetzte Funktion. Auch Unterhaltungen mit anderen Personen sind so möglich, allerdings dürfte es den Gesprächspartner verwirren.

Wenn wir die Umgebungsgeräusche in den Kopfhörer leiten, werden auch Fahrgeräusche oder ähnliches unangenehm verstärkt. Wenn wir damit etwa Ansagen in der Bahn verfolgen wollen, nehmen wir lieber die Kopfhörer ab. Denn die Verständlichkeit der Ansagen erhöht sich nicht, wenn die Fahrgeräusche stark verstärkt werden. Die Umgebung hört sich unnatürlich an, wir benutzen den Modus nicht gerne, obwohl die kurzfristige Aktivierung durch Berühren des Sensorfelds praktisch gelöst ist. Alle Ansagen des Kopfhörers erklingen in englischer Sprache, eine Umstellung auf deutsche Ansagen ist nicht möglich.



Der Sensorbereich auf der rechten Hörmuschel reagiert gut. Mit einem Doppeltipp können wir Musik anhalten oder fortsetzen oder einen eingehenden Anruf annehmen. So kann der Kopfhörer auch als Headset zum Telefonieren verwendet werden. Dabei hören wir den Anrufer angenehmerweise auf beiden Ohren. Wischen wir von oben oder unten über die Sensorfläche können wir die Lautstärke regulieren und ein seitlicher Wisch erledigt den Titelsprung beim Musikhören. Tippen wir länger mit den Fingern auf den Sensorbereich, wird der jeweilige digitale Assistent des Smartphones aktiviert.

Bei allen Befehlen des Touchbedienungsfelds piept der Kopfhörer als Bestätigung - das ist auch nicht abschaltbar. Die gute Reaktionsfähigkeit des Sensorbereichs hat aber auch seine Tücken. Beim Abnehmen des eingeschalteten Kopfhörers muss darauf geachtet werden, diesen Bereich nicht zu berühren, weil ansonsten entsprechende Funktionen ungewollt ausgeführt werden. Hier wären klassische Tasten ein Vorteil, weil man diese eher nicht versehentlich bedient. Es gibt keine manuelle Abschaltoption für das Sensorfeld.

Klinkenkabel deaktiviert das Sensorfeld

Die gesamte Steuerung über das Touchbedienfeld steht - wie schon beim Vorgängermodell - nur dann zur Verfügung, wenn der Kopfhörer im Bluetooth-Betrieb läuft. Sobald das mitgelieferte Klinkenkabel verwendet wird, ist das Sensorfeld abgeschaltet. Es ist ärgerlich, dass Sony diese unpraktische Beschränkung auch in der dritten Gerätegeneration nicht aufgehoben hat. Wer also die Sony-Kopfhörer vor allem im Kabelbetrieb verwendet, muss sich auf erhebliche Komforteinbußen einstellen. Sobald das Kabel herausgezogen wird, schaltet sich der Kopfhörer aus - wie es auch beim Vorgängermodell der Fall ist. Die am Kopfhörer befindliche USB-C-Buchse dient nur zum Laden des eingebauten Akkus; eine Musikübertragung ist darüber nicht möglich.

Auch das neue Modell erkennt weiterhin nicht, wenn es abgenommen wird. Diese Erkennung wird von anderen Herstellern dazu verwendet, die Musikwiedergabe automatisch zu pausieren. Im Idealfall startet die Musikwiedergabe erneut, sobald die Kopfhörer wieder aufgesetzt wurden. Diese Komfortfunktion ist sehr praktisch und es ist schade, dass der Sony-Kopfhörer das nicht beherrscht.

Weitere Konfiguration in der App möglich

Auch für das neue Modell gibt es wieder Sonys Headphones-App für Android und iOS, um den Kopfhörer umfangreicher konfigurieren zu können. Für den grundlegenden Betrieb ist die App nicht erforderlich. Auf iOS-Geräten wird direkt die Installation der entsprechenden App im App Store vorgeschlagen, sobald wir den Kopfhörer verbunden haben. Android-Nutzer müssen sich die App selbst aus dem Play Store heraussuchen.



In der App können wir die Intensität des ANC verändern, die ANC-Einmessung vornehmen und Einfluss auf das Klangbild des Kopfhörers nehmen. Zudem dient die App dazu, bei Bedarf Firmware-Updates des Kopfhörers einzuspielen, die Ausschaltzeit festzulegen oder die Funktion des ANC-Knopfes zu verändern. Mit einem Schieberegler können wir die Wirksamkeit der Geräuschreduzierung anpassen und bei Bedarf eine bessere Erkennung von Stimmen dazuschalten. Standardmäßig ist der Kopfhörer auf die maximal mögliche Beseitigung von Außengeräuschen eingestellt - wir haben in der Praxis keinen Bedarf gehabt, daran etwas zu verändern.

Zudem können wir das Einmessen des ANC direkt in der App erledigen. Wenn die Kopfhörer im Flugzeug verwendet werden, wird empfohlen, die Einmessung nach Erreichen der Reiseflughöhe durchzuführen. Umgekehrt sollte die Einmessung bei Verlassen des Flugzeugs erneut durchgeführt werden. Aber auch wenn etwa ein Brillenträger den Kopfhörer ohne Brille nutzt oder sich andere Dinge rund um das Tragen des Kopfhörers ändern, wird eine erneute Optimierung empfohlen. Das Ganze kann auch ausgelöst werden, indem die ANC-Taste am Kopfhörer länger gedrückt wird.

Adaptive Geräuschsteuerung mit Schwächen

In der App kann eine adaptive Geräuschsteuerung aktiviert werden. Dabei wird der ANC-Betrieb oder der Ambiance-Modus abhängig vom Verhalten des Nutzers eingeschaltet. Dafür gibt es die Modi spazieren, laufen, verweilen und wird befördert, wenn wir etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. In den beiden ersten Modi wird der Ambiance-Modus standardmäßig ein-, in den beiden anderen ausgeschaltet. Alle Modi können vom Anwender angepasst werden.

Die Erkennung der jeweiligen Modi erfolgt über die Standortdaten des Smartphones, das funktioniert unterschiedlich gut. Wenn wir auf der Straße laufen und dann in eine S-Bahn steigen, wird der Modus nach wenigen Sekunden geändert. Das wird mit einem Piepton signalisiert. Auch das Verlassen der S-Bahn wird nach einigen Sekunden erkannt. Wenn wir nach einem Spaziergang eine Wohnung betreten, dauert es um die fünf Minuten, bis erkannt wurde, dass jetzt der Verweil-Betrieb angesagt wäre - das dauert uns zu lang und wir ziehen es dann vor, die Umschaltung lieber manuell vorzunehmen.



In der App können wir den Klangqualitätsmodus wechseln. Sony nennt den einen Priorität auf Klangqualität, den anderen Priorität auf Verbindungsqualität. Mit der bestmöglichen Klangqualität hatten wir keine Probleme mit der Bluetooth-Verbindung. Wenn dieser Modus gewählt wird, wird abhängig vom verwendeten Zuspielgerät der LDAC-, AAC- oder aptX-Codec verwendet, die eine höhere Bandbreite und eine größere Abtastrate bieten als der Standard-Codec SBC. Dieser wird eingesetzt, wenn wir auf die bessere Verbindungsqualität schalten. Der verwendete Codec wird in der Sony-App angezeigt.

Die moderneren und leistungsfähigeren Codecs versprechen eine bessere Klangqualität, der LDAC-Code eignet sich für Nutzer, die damit High-Res-Inhalte übertragen wollen. Zudem bietet die Sony-App mit der Funktion DSEE HX eine Möglichkeit, komprimiertes Quellmaterial auf eine höhere Qualität zu skalieren und einen klareren Klang in hohen Frequenzbereichen zu erreichen.

Viele Optionen zur Klangbeeinflussung

Ferner gibt es in der App einen Equalizer, eine Klangpositions-Steuerung und eine virtuelle Surround-Steuerung. All diese Funktionen stehen ärgerlicherweise nur bereit, wenn der SBC-Codec verwendet wird. Im Equalizer gibt es einige Voreinstellungen wie mehr Bass, mehr Höhen sowie eine bessere Verständlichkeit von Sprache. Zudem können zwei eigene Konfigurationen gespeichert werden. Aufgrund des guten Klangbildes in der Standardeinstellung sahen wir keine Notwendigkeit, den Klang mit dem Equalizer anzupassen.

In den Surround-Einstellungen stehen Arena, Club, Open Air und Konzerthalle zur Verfügung. Damit wird das Musikmaterial so abgemischt, als ob es in den entsprechenden Orten abgespielt wird. Für uns war das eher eine nette Spielerei. Das Gleiche gilt für die Veränderung der Klangposition. Damit können wir die Musik in der Wahrnehmung anders positionieren - das klappt sehr gut. So können wir den Klang von vorne, vorne links, vorne rechts, hinten links oder hinten rechts hören, wenn wir das wollen. Standard ist eine weitere Mittenposition.

Wer Siri oder den Google Assistant mit der ANC-Taste aufrufen will, kann die betreffende Taste entsprechend umbelegen. Dann kann der ANC-Modus nur noch über die App umgeschaltet werden. Da wir den Assistenten auch über das Sensorfeld aufrufen können, ist die Option für uns verzichtbar.

Über die Sony-App lässt sich der Kopfhörer bei Bedarf mit einer neuen Firmware versorgen. Zudem zeigt die App den Akkustand an. Leider ohne zumindest einer groben Schätzung der verbleibenden Zeit. Stattdessen gibt es nur eine Angabe in Prozent und das auch nur in Zehnprozent-Schritten. In der Sony-App kann zudem die laufende Musik gesteuert werden, so dass nicht unbedingt zur eigentlichen Musik-Software gewechselt werden muss. Wie bereits erwähnt, dient die App auch dazu, die Abschaltzeiten zu konfigurieren, wenn keine Bluetooth-Verbindung besteht. Bei Bedarf schaltet sich der Kopfhörer dann gar nicht mehr ab.

Erfreulicherweise liefert der Kopfhörer mit aktiviertem ANC eine vergleichsweise lange Akkulaufzeit.

Lange Akkulaufzeit und stabile Bluetooth-Verbindung

Sony verspricht für den WH-1000XM3 eine Akkulaufzeit von bis zu 30 Stunden bei aktiviertem ANC. Diese Werte erreichen wir in unseren Tests nicht ganz. Abhängig vom verwendeten Codec schwankt die Akkulaufzeit: Verwenden wir die Kopfhörer mit einer LDAC-Verbindung ist der Akku nach 23,5 Stunden leer. Bei Nutzung des SBC-Codecs verlängert sich die Akkulaufzeit um etwas mehr als 5 Stunden auf 28 Stunden und 45 Minuten. Auch wenn Sony die selbst versprochene Akkulaufzeit in beiden Fällen nicht erreicht, ist die Akkulaufzeit ausreichend. Auf einem langen Transatlantikflug müssen wir die Kopfhörer nicht zwischendurch aufladen.

Sony gibt die verbleibende Akkuladung immer nur in Zehnprozent-Schritten an. Bei normaler Nutzung ist diese Skala ausreichend, aber wenn der Akku fast leer ist, wünschen wir uns genauere Angaben, wenn es schon keine Angaben zur verbleibenden Restzeit gibt.

Zum Aufladen hat das neue Modell eine moderne USB-Typ-C-Buchse, beim Vorgängermodell ist es noch eine Micro-USB-Buchse. Der WH-1000XM3 unterstützt auch einen Schnellladebetrieb. Wenn der leere Akku 10 Minuten geladen wird, verspricht Sony eine Musiknutzung mit aktiviertem ANC von fünf Stunden. Im Unterschied zu den anderen Angaben zur Akkulaufzeit hat sich dieser Wert in unseren Tests bei LDAC-Nutzung bestätigt.



Bis der Akku vollständig geladen ist, gibt Sony eine Ladezeit von bis zu drei Stunden an. Bei uns war der Kopfhörerakku bereits nach weniger als zwei Stunden vollständig geladen. Dafür nutzten wir ein USB-Netzteil mit 5 Volt und 1 Ampere. Die vergleichsweise kurze Ladezeit ist erfreulich, denn während des Aufladens kann der Kopfhörer nur im Kabelbetrieb und mit abgeschaltetem ANC verwendet werden.

Der WH-1000XM3 ist mit Bluetooth 4.2 versehen, das Vorgängermodell läuft noch mit Bluetooth 4.1. Wir nutzen den Kopfhörer am liebsten mit einer drahtlosen Verbindung, weil so kein lästiges Kabel irgendwo hängen bleiben kann. Die Bluetooth-Verbindung war immer sehr stabil und zeigte eine vergleichsweise hohe Reichweite.

Stabiles Bluetooth mit einem Nachteil

Der WH-1000XM3 eignet sich auch gut zum Schauen von Videomaterial, denn dabei kommt es mit verschiedenen Wiedergabegeräten nicht zu einem zeitlichen Versatz von Bild und Ton, der bei manchen Bluetooth-Geräten vorkommt. Löblicherweise macht Sony hier alles richtig und wir können den Kopfhörer uneingeschränkt zum Anschauen von Filmen, Serien und anderen Videoclips verwenden.

Wie auch beim Vorgängermodell ist es auch beim Neuling möglich, zwei Geräte parallel mit dem Kopfhörer zu verbinden - allerdings unnötig kompliziert und praxisfern. Wenn Kopfhörer, Headsets und Ohrstöpsel anderer Hersteller ebenfalls zwei Verbindungen parallel verwenden können, dann müssen nur beide Geräte mit dem Audiogerät verbunden werden. So einfach könnte es auch beim Sony-Kopfhörer sein.



Stattdessen muss sich der Nutzer entscheiden, welches der beiden Zuspielgeräte für Musikwiedergabe verwendet werden soll. Mit dem anderen kann dann nur telefoniert werden. Dazu müssen bei Bedarf recht mühsam die entsprechenden Bluetooth-Funktionen auf den Zuspielgeräten deaktiviert werden. Komplizierter und unpraktischer geht es kaum noch und es ist ärgerlich, was Sony seinen Kunden hier zumutet.

Praktische Transporttasche

Wie auch beim Vorgängermodell legt Sony eine stabile Transporttasche bei, die verbessert wurde. Darin kann der Kopfhörer zusammengeklappt transportiert werden, damit er bei Nichtgebrauch keinen Schaden nimmt. In der neuen Version ist auch Platz für alles mitgelieferte Zubehör. Dazu gehört ein 1,2 m langes Klinkenkabel, ein Doppel-Klinken-Adapter für In-Flight-Entertainment-Systeme in Flugzeugen sowie ein sehr kurzes USB-C-Ladekabel. All das kann in der Tasche griffbereit verstaut werden. Bei der Tasche des alten Modells fehlten diese Fächer noch. Unverständlicherweise liegt dem Produkt kein Netzteil bei.

Außen an der Transporttasche gibt es zudem ein Netz, in dem weitere Kleinigkeiten untergebracht werden können. Sonderbarerweise befindet sich das Netz auf der Rückseite. Wenn die Tasche mit dem Netz nach oben gehalten und dann geöffnet wird, fällt alles heraus. Nach einiger Übung ist das kein Problem, aber es wäre logischer, wenn das Netz auf der Vorderseite wäre.

Verfügbarkeit und Fazit

Der ANC-Kopfhörer WH-1000XM3 von Sony ist für 380 Euro verfügbar. Zum Lieferumfang gehört neben einem Klinkenkabel, einem Flugzeugadapter und der Transporttasche auch ein sehr kurzes USB-C-Kabel. Das Vorgängermodell wird weiterhin verkauft und ist derzeit für rund 270 Euro zu haben.

Fazit

Alle ANC-Funktionen sind viel besser als beim Vorgängermodell - das ist die Quintessenz unseres Tests des WH-1000XM3 von Sony. Der WH-1000XM2 agiert bei der Geräuschreduzierung bereits auf einem sehr hohen Niveau, das wird vom Neuling noch übertroffen. Wer einen ANC-Kopfhörer auch mal benutzen will, um möglichst pure Stille zu genießen, kann dies mit dem WH-1000XM3 erreichen. Das Vorgängermodell rauscht für diesen Einsatzzweck noch zu stark. Wer sich an die gute Geräuschreduzierung des Sony-Kopfhörers gewöhnt hat, möchte sie nicht mehr missen.

Beim Tragekomfort ist das neue Modell deutlich angenehmer. Der Kopfhörer umschließt die Ohren besser und drückt dabei noch weniger. Der WH-1000XM3 liefert ein ausgewogenes Klangbild, das im Bassbereich etwas zugelegt hat, ohne dass Höhen und Mitten darunter leiden - er geht dynamisch und schwungvoll zu Werk.

Erfreulicherweise ist die Bluetooth-Verbindung immer stabil und auch das Schauen von Videos verursacht keinen störenden Zeitversatz zwischen Bild und Ton. Dafür ist die parallele Nutzung von zwei Bluetooth-Verbindungen weiterhin unnötig kompliziert. Hier muss Sony unbedingt nachbessern. Angenehm lang ist die Akkulaufzeit von bis zu 28 Stunden, so dass der Kopfhörer einen langen Transatlantikflug problemlos durchhält.

Die Bedienung über das Sensorfeld ist intuitiv und die Aktivierung des Aufmerksamkeitsmodus könnte nicht einfacher sein. Bei all dem ist jedoch darauf zu achten, dass Befehle nicht versehentlich etwa beim Abnehmen ausgelöst werden. Hier würden wir klassische Knöpfe vorziehen. Damit hätte es die Probleme mit Temperaturschwankungen wohl nicht gegeben.

Unverständlich ist, dass wir den Kopfhörer weiterhin nicht bedienen können, wenn wir ihn mit einem Kabel nutzen - das schränkt den Komfort unnötig ein. Die Windempfindlichkeit ist beim neuen Modell kein Problem mehr, allerdings ist die Funktion viel zu versteckt. Die Windreduzierung wollen wir gerne per Knopfdruck am Kopfhörer ein- oder ausschalten können - der Griff zur App ist keine komfortable Alternative.



Sony bietet mit dem WH-1000XM3 einen toll klingenden Kopfhörer mit besonders guter Geräuschreduzierung, der aber auch einen hohen Preis hat und dennoch nicht alles perfekt umsetzt. Wer eine besonders gute Geräuschreduzierung sucht, greift zum WH-1000XM3, muss sich dabei aber auch mit den ein oder anderen Einschränkungen arrangieren, die eines Prestige-Produkts nicht würdig sind.

Wer etwas Geld sparen will, greift zum Vorgängermodell WH-1000XM2, der bei der Geräuschreduzierung viel erreicht, aber nicht ganz das Niveau des neuen Modells erreicht. Auch ist der Tragekomfort nicht ganz so gut, aber das fällt vor allem im Direktvergleich auf. Wer keinen ANC-Kopfhörer für pure Stille braucht, sondern damit vor allem Musik hören will, erhält ein Gerät mit guter Leistung.

Nachtrag vom 11. Januar 2019

Sony hat in einem Support-Dokument darauf hingewiesen, dass die Steuerung des WH-1000XM3 bei starken Temperaturschwankungen ausfällt. Golem.de kann das bestätigen. In einem solchen Fall rät der Hersteller dazu, den Kopfhörer aus- und wieder einzuschalten. Käufer müssen nach derzeitigem Kenntnisstand mit dem Fehler leben.  (ip)


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