Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/denic-journalisten-erhalten-wieder-zugang-zu-whois-daten-1811-137941.html    Veröffentlicht: 27.11.2018 14:15    Kurz-URL: https://glm.io/137941

Denic

Journalisten erhalten wieder Zugang zu Whois-Daten

Die Denic hat wegen der DSGVO den Zugriff auf Whois-Daten stark eingeschränkt. Nun werden die Bestimmungen für Medien wieder gelockert. Wenn die Voraussetzungen stimmen.

Journalisten können künftig wieder Auskünfte über die Inhaber von .de-Domains erhalten. Das Deutsche Network Information Center (Denic) habe sich nach Gesprächen mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und dem Netzwerk Recherche auf eine Lösung verständigt, berichtete das Netzwerk Recherche in einem Newsletter vom 26. November 2018. Nach dem Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung war die Whois-Anfrage praktisch zu einer reinen Selbstauskunft umgestaltet worden.

Auch Journalisten konnten danach nicht mehr ermitteln, welche Person oder Organisation hinter einer .de-Domain steckt. Diese Informationen sind aber oft hilfreich, um Fake-News aufzudecken oder einschätzen zu können, welche Zwecke mit einer neuen Domain verfolgt werden.

Legitimation erforderlich

Der nun getroffenen Vereinbarung zufolge erhalten Journalisten "Auskünfte über den Inhaber einer Domain und auch über historische Whois-Daten, sofern ein journalistisches Interesse verfolgt wird, das die Interessen am Schutz personenbezogener Daten des jeweiligen Domaininhabers überwiegt". Eine Anfrage mit dem automatisierten Auskunftssystem ist aber nicht möglich.

Statt dessen müssen sich Journalisten per E-Mail an die Denic wenden und sich entweder durch den eingescannten bundeseinheitlichen Presseausweis oder eine Bescheinigung der Redaktion legitimieren. Darüber hinaus müssen sie das Thema der Recherche nennen, damit die Denic überprüfen kann, "ob es um einen journalistischen Ansatz geht oder um ein privates Anliegen", heißt es weiter.

Wenige Anfragen erlaubt

Die Denic wolle dabei "so wenige Angaben von den Journalisten wie möglich, aber so viel wie nötig". Die Verbände hatten Bedenken angemeldet, dass eine ausführliche Darstellung der Recherchezwecke als Eingriff in die Pressefreiheit gewertet werden könne. Stichwortartige Angaben sollen jedoch genügen. Die Denic wolle entsprechende Anfragen umgehend beantworten.

Bislang sind Anfragen Dritter zu Domainangaben nur zu wenigen Zwecken möglich. So können Behörden zum Zwecke der Strafverfolgung, Gefahrenabwehr oder zur Durchsetzung von Pfändungsverfügungen anfragen. Außerdem können "Inhaber eines Namens- oder Kennzeichenrechts" ein berechtigtes Interesse im Sinne der DSGVO nachweisen, um Auskünfte zu erhalten, wenn etwa eine Webseite Markenrechte verletzt. Auch im Falle eines vollstreckbaren Titels etwa zur Pfändung einer Domain können Nutzer eine Auskunft beantragen.  (fg)


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