Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/drahtlos-headsets-im-test-ohne-kabel-spielt-sich-s-angenehmer-1811-137922.html    Veröffentlicht: 27.11.2018 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/137922

Drahtlos-Headsets im Test

Ohne Kabel spielt sich's angenehmer

Sie nerven und verdrehen sich in den Rollen unseres Stuhls: Kabel sind gerade bei Headsets eine Plage. Doch gibt es so viele Produkte, die darauf verzichten können. Wir testen das Alienware AW988, das Audeze Mobius, das Hyperx Cloud Flight und das Razer Nari Ultimate - und haben einen Favoriten.

Wenn es um Gaming und Kabel geht, sind viele Menschen noch immer traditionell: Kabelmaus, Kabeltastatur und ein verkabeltes Netzwerk müssen es sein, damit eine möglichst geringe Eingabelatenz und keine Störungen von außen eine gute K/D-Rate ermöglichen. Da nehmen hartgesottene Profis auch gerne vom Kopf hängende Kabel in den Kauf - die fieseste und störendste Version der Verbindung. Wir fragen uns: Warum?

Wir testen vier verschiedene kabellose Headsets und stellen dabei fest, dass ein Spielen ohne Kabel am Hals ein angenehmes und befreiendes Gefühl vermittelt. Wir spielen auf dem Sofa und am Schreibtisch, gehen musikhörend nur mal kurz AFK auf den Balkon und hören sogar auf der Toilette noch die Taktikbesprechung vor dem entscheidenden Match gegen einen übermächtigen Gegner.

Wir entscheiden uns für vier Kontrahenten, die sich in e-sportlicher Manier miteinander messen und unterschiedlicher sind, als sie zunächst vermuten lassen: das HyperX Cloud Flight für 150 Euro, das Razer Nari Ultimate für 200 Euro, das Alienware AW988 für 215 Euro und das Audeze Mobius für etwa 450 Euro. Dabei fällt zuerst auf, dass für drahtlose Headsets generell etwas mehr Geld ausgegeben werden muss als für kabelgebundene Alternativen. Doch wie schon im satirischen Film Team America besungen wurde: Freedom isn't free - Freiheit ist nicht umsonst. Und die bekommen wir bei allen getesteten Headsets.

HyperX Cloud Flight - funktional ohne viel Drumherum

Für etwa 150 Euro gibt es das Hyperx Cloud Flight zu kaufen, teilweise bietet der Onlinehändler Amazon das Produkt aber auch für etwa 100 Euro an. Für das Geld gibt es ein Headset, das ohne viel Drumherum auskommt. Der 2,4-GHz-Dongle ist relativ groß und kann auch nirgendwo am Headset verstaut werden. Die Verarbeitungsqualität ist dafür recht solide. Die Schale besteht zum großen Teil aus Kunststoff. Der Bügel und die Ohrmuschelarme wirken stabil. Hier wurde definitiv kein teures Material verwendet, das kann für das Geld auch kaum erwartet werden.

Im Gegenzug ist das Headset relativ leicht. Es wiegt etwa 270 Gramm, da Kingston, der Betreiber der Marke Hyperx, wenig Verkleidung verbaut. Dass es sich um ein Gaming-Produkt handelt, erkennen wir lediglich an dem rot beleuchteten Hyperx-Logo. Die Polsterung am Bügel und an den Ohrmuscheln ist relativ dünn, aber angenehm weich. Beim mehrstündigen Tragen werden die Ohren zwar warm, wir schwitzen aber nicht unangenehm stark.

Akku ohne Ende

Beeindruckend ist die Akkuleistung des Hyperx Cloud Flight. Wir können damit 16 Stunden spielen und müssen es noch immer nicht laden - sehr gut. Wie bei allen drahtlosen Headsets hängt die Laufzeit von der angeschalteten Beleuchtung ab. Die können wir nicht individuell anpassen, mit einem Druck auf den Power-Schalter lediglich ausschalten. Das machen wir auch, da wir sie sowieso nicht sehen.

Abseits der Power-Taste finden wir an der rechten Ohrmuschel einen Lautstärkeregler und an der Abdeckung der linken Ohrschale eine Mikrofonstummschaltung. Verschiedene Soundprofile können wir ebenso wenig auswählen wie die Farbe der LEDs. Das Hyperx Cloud Flight liefert nur das Nötige: einen für den Preis ungewöhnlich guten Sound.

Überraschend klarer Sound mit schwammigem Bass

Eigentlich haben wir vom Cloud Flight klanglich nicht allzu viel erwartet, da selbst kabelgebundene Headsets in dieser Preisklasse oft nicht vollends überzeugen können. Wir müssen allerdings sagen, dass der Klang überraschend gut ist. Gerade hohe und mittlere Töne klingen ordentlich definiert. In tiefen Frequenzbereichen werden allerdings Tonlagen teils verschluckt, was einen schwammigen Eindruck hinterlässt. Das spüren wir in bassbetonter Elektromusik und bei tiefen Tönen in Filmen. Die Lautstärke des Headsets geht in Ordnung.

Gerade im Taktikshooter CS:GO finden wir die räumliche Darstellung von Schüssen und Schritten gelungen. Wir können jederzeit gut erkennen, von wo uns Gegner angreifen. Battlefield 5 hingegen spielen wir lieber mit normalen Lautsprechern, da die kleinen 50-mm-Treiber des Hyperx Cloud Flight nicht genug Volumen haben, um ein Mittendrin-Gefühl zu erzeugen - auch wenn die klangliche Abmischung gut ist. Bedauerlich ist auch, dass Kingston keinen Equalizer mitliefert. Wir sind also entweder mit dem Klangbild des Headsets zufrieden oder eben nicht. Wir finden, es ist in Anbetracht des Preises gerade in E-Sport-Titeln wie CS:GO gut.

Leises Mikrofon

Das Hyperx nutzt ein abnehmbares biegbares Mikrofon, das wir bei Bedarf in die rechte Ohrmuschel stecken. Wir halten so eine Lösung nicht für ideal, da es uns bei Nichtbenutzung immer im Weg hängt. Die Sprachqualität des Headsets ist solide. Allerdings müssen wir es nahe an den Mund führen, damit unsere Stimme registriert wird. Ohne Softwareverstärker in Windows könnte es zu leise sein.

Dafür ist unser nächster Testkandidat weder leise noch dezent: das Razer Nari Ultimate mit Vibrationsmotoren in den Hörern.

Razer Nari Ultimate - es wummert am Ohr

Das Nari Ultimate ist die High-End-Version des neuen drahtlosen Headsets von Razer. Einmal ausgepackt sieht es nicht komplett anders aus als andere Headsets in unserem Test. Angeschlossen wird das Gerät mit einem 2,4-GHz-USB-A-Dongle, der praktischerweise in der rechten Ohrmuschel verstaut werden kann. Insgesamt ist es mit 450 Gramm schwerer und größer als andere Kontrahenten im Test. Das liegt zweifelsohne an den integrierten Vibrationsmotoren, die das Alleinstellungsmerkmal des Headsets sind.

Wir müssen zugeben: Tatsächlich haben wir selbst oft Vorurteile gegenüber solch eigenwilligen Funktionen, da sie sich häufig als überteuert und wenig sinnvoll herausstellen. Beim Razer Nari Ultimate sind diese Vorurteile aber unbegründet. Die Vibrationsmotoren erwecken abseits eines übergroßen Subwoofers unter dem Schreibtisch ein echtes Bassdröhnen.

Explosionen, Vibrationen, Gesichtsmassage

In Battlefield 5 waren wir davon sehr beeindruckt: Vor uns fährt ein Tiger-Panzer, an unserer Seite rennen unsere Teamkameraden und es pfeifen Schüsse von gegenüber durch die Luft. Der Turm des Panzers vor uns dreht sich, ein lauter Knall aus der Kanone ist zu hören und unser Gesicht vibriert. Wir fühlen uns wirklich mittendrin. Der Weltkriegs-Shooter zelebriert Bombast und Explosionen wie kaum ein anderes Spiel - eine Philosophie, die auch die Nari Ultimate verfolgen. Die Motoren sind gerade hier ein echter Vorteil. Ein netter Nebeneffekt: Die Partie Battlefield bietet eine angenehme Gesichtsmassage inklusive.

Das Problem mit Razers Headset ist, dass die großen 100-mm-Treiber nicht sehr gut abgestimmt sind. Wir vernehmen überwiegend tiefe Töne und Bass. Gerade mittlere Frequenzen und Spitzen sind schlecht definiert und hören sich schwammig an. Das ist besonders schade, wenn wir uns nicht im virtuellen Krieg befinden, sondern etwa den Taktikshooter Counter Strike: Global Offensive anschalten. Hier sind gerade hohe Töne wichtig. Schritte, das Öffnen von Türen und andere Geräusche sind für einen Rundensieg essentiell. Mit dem Nari Ultimate auf dem Kopf konnten wir durch den dröhnenden Bass diese aber sehr schlecht orten - gerade in vertikaler Richtung. Die Motoren verstärken den Effekt des wummernden Basses noch zusätzlich, so dass wir komplett verwirrt und halb taub durch das Level stapfen - und dann sind wir auch schon tot.

Software wenig hilfreich

In der Razer-Synapse-Software können wir die Vibration deshalb komplett abschalten. Allerdings ändert das nichts an den viel zu stark definierten tiefen Tönen. Dieses Klangbild können wir nicht einmal mit dem integrierten Equalizer ändern, wenn wir tiefe Frequenzen leiser und hohe Frequenzen lauter drehen. Komplexe elektronische Ambient-Musik können wir uns dadurch zwar anhören, empfehlen würden wir es aber nicht. Allerdings eignet sich das Headset gut für Beat- und bassbetonte Musik, etwa Rap, Electro-Industrial und Gabber. Gerade bei Letzterem scheppern die Ohrmuscheln bei eingeschalteter Vibration ordentlich - cool.

Das relativ unausgeglichene Klangbild ist bedauerlich, da das Nari Ultimate eine sehr gut verarbeitete Plattform ist: Die großen weichen Polster umschließen unsere Ohren und drücken selbst mit aufgesetzter Brille nicht. Wir können das Headset somit mehrere Stunden lang ohne Probleme tragen, die Ohren werden dabei leicht warm. Allerdings ist nach knapp fünf Stunden der Akku leer, wenn wir die Motoren angeschaltet haben. Ohne Vibration können wir ohne Probleme zehn Stunden lang kabellos hören.

Auch der Funktionsumfang des Nari Ultimate ist ordentlich. Wir können am Headset mit diversen Schaltern und Reglern die Lautstärke einstellen, das Mikrofon und das Headset einschalten. Das Headset meldet sich am PC als zwei verschiedene Audiogeräte an. Zwischen diesen können wir die Lautstärke an einem separaten Drehregler einstellen. Ein Anwendungsszenario: Wir nehmen das Chat-Audiogerät für ein Programm wie Teamspeak oder Skype und stellen als Standardgerät das zweite Soundprofil ein. Innerhalb eines Spiels können wir so die Stimmen unserer Mitspieler lauter oder leiser stellen, was praktisch sein kann.

Solides Mikrofon mit guter Rauschunterdrückung

Das Mikrofon des Nari Ultimate ist nicht entfernbar und lässt sich ein- und ausziehen. Wir finden diese Lösung für ein Gaming-Headset sinnvoller als etwa ein Ansteckmikrofon wie beim Hyperx Cloud Flight, da es bei Bedarf eingeklappt werden kann und nicht nervig im Gesicht hängt. Die Sprachqualität des Mikrofons ist dabei in Ordnung. Unsere Stimme ist leicht verzerrt, was für ein Gaming-Headset aber normal ist. Dafür ist die Rauschunterdrückung recht effizient, was für einen klareren Klang sorgt.

Schade ist, dass sich das Headset beim Einklappen nicht selbst stumm schaltet. Dazu müssen wir eine Taste mit dem Finger betätigen. Auch teilt uns das Headset nicht akustisch mit, ob wir stummgeschaltet sind oder nicht. Es leuchtet lediglich eine kleine rote LED an der Spitze, die wir gerade so mit Schielen erkennen können - ziemlich unkomfortabel.

In diesem - und anderen Punkten - ist unser nächster Testkandidat deutlich überlegen: das Alienware AW988.

Alienware AW988 - keine Alientechnologie, trotz UFO-Optik

Typisch Alienware: Auch das AW988 kommt in einem kantigen, an Raumschiffe erinnernden Gehäuse. Und natürlich ist die LED-Beleuchtung bei Dells drahtlosem Headset auffälliger als bei der Konkurrenz. Das Design des Headsets ist Geschmackssache, wir finden es für ein Gaming-Produkt aber gelungen und nicht zu aggressiv.

Das Headset fühlt sich im Gegensatz zum Nari Ultimate nicht ganz so hochwertig an. Die Ohrmuschelhalter sind von einem gummierten Material überzogen und der Bügel wirkt mit seinem einzelnen Metallelement nicht ganz so robust. Außerdem verwendet Dell eine merkwürdige Polsterung für den Kopf, die sich fast gelartig anfühlt. Der Tragekomfort des Headset ist damit aber sehr gut, selbst nach vielen Spielestunden werden die Ohren nicht unangenehm warm. Wie beim Razer-Pendant können wir auch hier unseren 2,4-GHz-Dongle in der rechten Ohrmuschel verstauen.

Sehr gut abgestimmter Klang

Zwar hat das Alienware-Headset nicht den Vorteil, von Vibrationsmotoren unterstützt zu werden, allerdings ist das Klangbild des 50 Euro teureren Produktes wesentlich ausgeglichener. Höhen, Mitten und Tieftöne sind gut wahrnehmbar. Die Lautstärke des Headsets ist ausreichend. Außerdem können wir zwischen drei verschiedenen Soundprofilen wählen: Film, Musik und Gaming. Diese sind jeweils bassbetont, ausgeglichen oder höhendefiniert. Wir haben das Headset allerdings nur im Musikmodus benutzt. Gerade das Gamingprofil setzt zu hohen Wert auf hohe Frequenzen, so dass Spiele klingen, als hätten wir einen Hörsturz.

Einen Vorteil bringt das unserer Meinung nach sowieso nicht. In CS:GO können wir Schritte durch die gute räumliche Darstellung der zwei Lautsprecher sehr präzise orten, was uns den ein oder anderen Sieg beschert hat. Das virtuelle 7.1-System scheint hier recht gut zu funktionieren. In explosionslastigen Actiontiteln wie Battlefield 5 ist uns der Bass des Alienware AW988 ein wenig zu zahm. Das nehmen wir aber gerne in Kauf, wenn wir dadurch zumindest hören können, von wo ein Schuss kommt. Außerdem ist das Filmeschauen und Musikhören von elektronischer Musik angenehm und nicht so verzerrt wie beim Nari Ultimate.

Ergonomisch komisch

Die verschiedenen Tasten am AW988 sind unserer Meinung nach etwas zu klein. Wir ertappen uns immer wieder dabei, dass wir verschiedene Knöpfe blind mit dem Finger suchen. Das liegt eventuell auch daran, dass jede Seite des Headsets zwei Oberflächen hat: die äußere Schale und den Sockel der Ohrmuschel. Einstellungstasten sind außen angebracht, während das Mikrofon innen sitzt. Wir haben uns letztlich nur den Lautstärkeregler gemerkt. Die anderen Tasten sind nicht allzu wichtig, da wir nur ein Soundprofil nutzen und das Mikrofon sich beim Hochklappen stummschaltet - das ist sehr praktisch und fehlt uns etwa beim Nari Ultimate.

Auch Dells Headset meldet sich als zwei Soundgeräte an, die wir für unterschiedliche Anwendungen nutzen können - praktisch. Ein Regler am Gerät ermöglicht die Lautstärkeanpassung beider Profile. In der Software Alienware Headset Center können wir ebenfalls einen Equalizer nutzen. Den brauchen wir aber eigentlich nicht, da der Klang des Headsets ab Werk ausgeglichen ist. Freunde der Individualisierung können ihre Soundprofile aber manuell abmischen und abspeichern, etwa wenn sie besonders viel Bass haben wollen oder eben doch einen Hörsturz in Kauf nehmen, um Schritte besser zu hören.

Gutes Mikrofon mit leichtem Rauschen

Das Mikrofon des Alienware-Headsets gefällt uns gut. Unsere Stimme klingt insgesamt klarer als beim Razer Nari Ultimate und die Lautstärke ist gut. Allerdings filtert es Rauschen nicht ganz so effizient heraus. Das tolerieren wir aber gerne, wenn wir bedenken, dass wir das Mikrofon durch simples Hochklappen stummschalten können - simpel und effizient. Außerdem lässt sich der Arm flexibel anpassen.

Auch die Akkulaufzeit des Alienware-Headset ist solide: Wir erreichen etwa 11 Stunden im Dauereinsatz und mit angeschalteter Beleuchtung. Die können wir in der Software beliebig anpassen.

Das AW988 ist ein sehr gut abgerundetes Headset. Allerdings kann es klanglich nicht mit dem letzten Testkandidaten mithalten. Irgendwo müssen die 450 Euro für das Audeze Mobius ja auch investiert sein.

Audeze Mobius - der Alleskönner

Wer 450 Euro für ein Headset ausgibt, der will auch Qualität haben. Das Audeze Mobius liefert auf den ersten Blick genau das: Es ist ein unauffälliges Headset, das wir so auch unterwegs tragen würden und auch getragen haben. Die schwarz-blaue Farbgebung ist recht dezent gehalten und eine Beleuchtung wurde hier weggelassen.

Das Mobius ist exzellent verarbeitet. Wir können den Bügel drehen und biegen, wie wir wollen. Wir haben nie das Gefühl, es gleich zu zerbrechen. Die Ohrmuscheln sind außen leicht gummiert und sehr weich gepolstert. Von allen getesteten Headsets ist es definitiv am längsten tragbar, obwohl es wie das Alienware AW988 etwa 370 Gramm wiegt. Auch die Akkulaufzeit ist gut: Etwa 13 Stunden hält das Headset kabellos durch, was lang genug, wenn auch nicht so überraschend ist wie die Laufzeit des Hyperx Cloud Flight.

Bluetooth in Games ein Flop

Als einziger Vertreter in unserem Test kommuniziert das Audeze Mobius per Bluetooth statt 2,4-GHz-Empfänger. Das hat den Vorteil, dass wir es beispielsweise als Kopfhörer unterwegs mit dem Telefon verwenden können. Koppeln wir das Gerät mit einem Windows-PC werden allerdings die Probleme dieser Technik klar: Die Verzögerung zwischen Bild- und Audiosignal ist merklich und in Games ein echter Nachteil. Drücken wir den Abzug unseres AK-47-Sturmgewehrs in CS:GO, knallt der Schuss erst etwa eine halbe Sekunde später nach. Hören wir Schritte hinter einer Tür, kommt auch schon der Gegner um die Ecke gerannt und wir bekommen es erst viel später mit. Wegen der Audiolatenz ist das Mobius zumindest drahtlos in Spielen unbrauchbar.

Das ist sehr schade, da das Klangvolumen des Headsets fantastisch ist - selbst im drahtlosen Modus. Hochtöne, Bässe und Mitteltöne, Schüsse, Explosionen und Umgebungsgeräusche klingen voll und klar. Verbinden wir das Headset allerdings mit dem beigelegten USB-C-Kabel, wird das Potenzial des Mobius deutlich hörbarer.

3D-Audio ist umwerfend

Mithilfe der Audeze-Software können wir den Raumklang des Mobius so einstellen, als wären wir in einem großen Raum mit einer Surround-Soundanlage. Dieser 3D-Audioeffekt wird durch die Gyroskope in den Ohrmuscheln auf eindrucksvolle Weise verstärkt. Das Headset erkennt Kopfbewegungen und passt die Richtung des Klanges auf beiden Ohrmuscheln entsprechend an. Drehen wir also unseren Kopf, dann dreht sich auch die Audioquelle - genial! Mit einem entsprechenden Knopf am Headset können wir den Klang zentrieren.

Uns beeindruckt diese Technik in Filmen und beim Musikhören besonders, da wir denken, in einem Heimkino zu sitzen - obwohl wir Kopfhörer nutzen. So schauen wir an vielen Stellen sehr laute und basslastige Blockbuster wie Herr der Ringe und Pacific Rim, ohne dass die Nachbarn bei uns klingeln. In Spielen schalten wir den 3D-Effekt aber lieber aus, da dort unsere Spielfigur entscheiden sollte, von wo Geräusche kommen und nicht unser Kopf. Kabelgebunden gibt es zudem keine Audioverzögerung und der Klang ist merklich voluminöser als im Bluetooth-Betrieb.

Wie bei den Headsets von Alienware und Razer können wir auch beim Audeze Mobius zwei Soundgeräte verwenden und diese verschiedenen Anwendungen zuteilen. Außerdem hat das Mobius sehr viele voreingestellte Klangprofile, die wir in der Software aber nicht ändern können. Das ist eigentlich auch nicht notwendig, da ein paar der Voreinstellungen für alle Zwecke genügen.

Die Steuerung ist nicht intuitiv

Die Steuerelemente sind dabei ziemlich gewöhnungsbedürftig. Das fängt bereits beim Einschalten des Gerätes an: Wir müssen etwa fünf Sekunden lang auf den Power-Schalter drücken. Die Mikrofonstummschaltung will auch nicht so ganz in die minimalistische Optik passen. Der Schalter ist aber blind gut erfühlbar. Das können wir von den zwei Lautstärkerädern nicht behaupten. Oft verwechseln wir den Lautstärkeregler mit dem Mikrofon-Lautstärkeregler. Auch der 3D-Audio-Knopf ist ungünstig positioniert. Um das Tonprofil umzuschalten, müssen wir den Lautstärkeregler eindrücken und dann drehen - umständlich. Mit etwas Lernzeit können wir das aber verkraften.

Das Mikrofon des Audeze Mobius ist wie beim Hyperx Cloud Flight ein Ansteckteil, das wir leicht verlieren und bei Bedarf nicht einfach wegklappen können. Allerdings ist die Audioqualität sehr gut. Unsere Stimme klingt klar und wir vernehmen kein signifikantes Hintergrundrauschen. Wir müssen lediglich ein wenig lauter reden, da die Aufnahmelautstärke nicht allzu hoch eingestellt ist.

Das Mobius ist definitiv eine Referenz für Audiophile, denn es klingt exzellent. Allerdings ist es zumindest für Gamer nicht wirklich ein drahtloses Headset. Dafür ist die Audiolatenz in Bluetooth zu hoch.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Hyperx Cloud Flight gibt es bei diversen Onlinehändlern für durchschnittlich 150 Euro zu kaufen. Einige Angebote auf Amazon liegen sogar bei 100 Euro, was ein sehr guter Preis ist. Teurer wird es beim Razer Nari Ultimate, für dessen Vibrationsmotoren im Onlineshop des Herstellers 200 Euro verlangt werden. Es gibt das Headset auch ohne diese Funktion für 150 Euro. Allerdings würden wir zu diesem Preis einen besseren Sound erwarten. Das Alienware AW988 ist beim Hersteller für etwa 215 Euro zu haben. Momentan ist es aber heruntergesetzt und für den sehr guten Preis von 160 Euro verfügbar. Das Mobius von Audeze gibt es bei Musikfachhändlern wie Thomann momentan für 450 Euro.

Fazit

Wir müssen sagen: Drahtlose Headsets sind grundsätzlich ein sehr gute Investition in das heimische Gaming-Setup. Ohne Kabel spielen wir einfach angenehmer und können uns bei Bedarf freier bewegen. Das kommt - entgegen bösen Gamer-Klischees - doch des Öfteren vor. Allerdings ist es ratsam, ein Gaming-Headset mit 2,4-GHz-Dongle zu kaufen. Bluetooth ist durch die Audiolatenz nicht sehr gut geeignet, was das sehr teure Audeze Mobius beweist.

So tief in die Tasche müssen wir für drahtlose Gaming-Headsets auch nicht greifen: Ab 100 Euro gibt es das Hyperx Cloud Flight, das durch einen überraschend guten Klang in Mitten und Höhen überzeugt. Nur tiefe Töne sind recht schwammig, weshalb es eher für Games als für Musik geeignet ist. Außerdem müssen wir auf verschiedene Soundprofile, anpassbare LEDs und ein einklappbares Mikrofon verzichten.

Das Razer Nari Ultimate ist für 200 Euro ein ziemlich einzigartiges Headset. Die integrierten Vibrationsmotoren sind gerade in bombastischen und basslastigen Spielen wie Battlefield 5 beeindruckend. Die scheppernden Ohrmuscheln vermitteln ein Mittendrin-Gefühl. Allerdings ist das Klangbild des Nari Ultimate ebenfalls sehr auf tiefe Töne ausgelegt. Höhen und Mitten klingen verwaschen und viel zu wenig definiert. Das hat den Effekt, dass wir in Taktikspielen wie CS:GO Gegner sehr schlecht orten können, was bei einem Gaming-Headset schon fragwürdig ist.

Das ist schade, da die Plattform sehr gut verarbeitet ist und sich komfortabel tragen lässt. Geboten werden ein Software-Equalizer, verschiedene Soundprofile und ein integriertes Mikrofon, das sich einklappen lässt. Trotzdem würden wir das Nari Ultimate maximal Spielern empfehlen, die ausschließlich Battlefield 5 spielen und dabei Musik mit viel Beat hören. Die Kopfmassage ist angenehm, aber vielen Nutzern dann doch sicherlich keine 200 Euro wert.

Das Geld ist unserer Meinung nach besser in das Alienware AW988 für 215 Euro investiert. Dessen Klangbild ist sehr ausgeglichen, durch die kleinen 40-mm-Treiber aber nicht allzu voluminös. Wir nutzen das Headset gerne in vielen Spielen, aber besonders in CS:GO, da die räumliche Darstellung von Sound sehr gut ist. Auch das Alienware-Produkt bietet Soundprofile, einen Software-Equalizer und ein integriertes Mikrofon, das sich zudem automatisch stummschaltet, wenn wir es hochklappen. Wem das recht aggressive Design nichts ausmacht, bekommt für das Geld ein sehr komfortables Headset, das wir problemlos elf Stunden tragen können, bis der Akku leer ist.

Ein klangliches Highlight ist das 450 Euro teure Audeze Mobius, das als einziger Kandidat Bluetooth nutzt. Durch die hohe Audiolatenz eignet sich das Headset für Spiele leider nicht, in Filmen und bei Musik stört das weniger. Selbst im Bluetooth-Modus klingt das Headset sehr gut und definiert. Das merken wir gerade beim Musikhören komplexer elektronischer Stücke. Wir können es drahtlos wegen des kaum auffälligen Designs und der guten Verarbeitungsqualität auch als Kopfhörer für unterwegs nutzen.

Im USB-Modus spielt das Headset seine Stärken voll aus. Das Klangvolumen ist extrem gut und durch 3D-Audio noch immersiver, da es mit Gyroskopen Kopfbewegungen erkennt. Dadurch fühlen wir uns, als säßen wir in einem Heimkinosaal - beeindruckend. Das Headset hat Schalter für Soundprofile, Mikrofonlautstärke, Lautstärke und eine Software, die eigentlich Pflicht ist. Darüber können wir den räumlichen Klang und den Software-Equalizer nutzen. Das Mikrofon ist, wie beim Hyperx Cloud Flight, ansteckbar. Es klingt aber wesentlich besser.

Die Vielseitigkeit des Mobius ist Segen und Fluch zu gleich. Für 450 Euro bekommen wir exzellente Kopfhörer. Als Gaming-Headset am PC oder der Konsole ist es wegen der Bluetooth-Verbindung aber eher ungeeignet. Als kabelgebundenes Headset ist es allerdings sehr beeindruckend.

Wir würden persönlich das Alienware AW988 nutzen. Es bietet insgesamt das am meisten abgerundete Paket, guten Sound und ist angenehm zu tragen. Und das ist es, was zählt.  (on)


Verwandte Artikel:
Razer Nari: Drahtloses Headset vibriert an den Ohren wie ein Gamepad   
(28.09.2018, https://glm.io/136848 )
Lenovos Mirage Solo im Test: Die Urlaubsmaschinen   
(14.11.2018, https://glm.io/137381 )
Azio RCK: Retrotastatur wechselt zwischen Mac und Windows-Layout   
(24.11.2018, https://glm.io/137892 )
Gaming-Tastaturen im Test: Neue Switches für Gamer und Tipper   
(27.11.2018, https://glm.io/137867 )
ROG Gaming Phone: Asus' Gaming-Smartphone kommt für 900 Euro nach Deutschland   
(14.11.2018, https://glm.io/137719 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/