Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/underworld-ascendant-im-test-unterirdischer-etikettenschwindel-1811-137884.html    Veröffentlicht: 23.11.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/137884

Underworld Ascendant im Test

Unterirdischer Etikettenschwindel

Die Versprechen der Kickstarter-Kampagne werden nicht mal im Ansatz erfüllt, als inoffizielle Fortsetzung von Ultima ist Underworld Ascendant eine herbe Enttäuschung. Wer sich allerdings auf eine Art unterirdisches "Thief Light" einstellt, bekommt ein paar Stunden Spaß.

Für Fans von PC-Rollenspielen waren die 90er Jahre eine besondere Zeit: Ohne großen Vorlauf erschien 1992 zuerst Ultima Underworld - ein technisch innovatives, packendes Abenteuer in einer riesigen Höhlen- und Tunnelwelt. Nur wenige Monate später folgte Ultima Underworld 2, das noch größer und schöner war und zahlreiche Detailverbesserungen bot. Obwohl sich das Szenario bestens für Fortsetzungen eignet, hat sich seitdem nichts mehr in der Serie getan - bis jetzt: Paul Neurath, einer der leitenden Entwickler, hat sich von Electronic Arts die Rechte am Namen "Underworld" gesichert (das "Ultima" wollte EA offenbar nicht herausrücken). Per Crowdfunding hat Neurath mit Weggefährten wie Warren Spector über 860.000 US-Dollar gesammelt.

Um es gleich zu sagen: Ascendant hält die meisten der Versprechen nicht, die etwa im Rahmen der Kampagne auf Kickstarter gemacht wurden. Statt einer "aufwendig umgesetzten Unterwelt" gibt's teils düstere und teils kitschig bunte Gänge und Hallen, anstelle von "dynamisch agierenden Fraktionen" nur merkwürdige Saurianer und Skelettkrieger. Wir sparen uns die weiteren Hinweise darauf, was alles fehlt - die Liste ließe sich noch länger fortsetzen.

Was Underworld Ascendant bietet, erinnert kurioserweise an den Klassiker Thief, der ebenfalls von Entwicklern aus dem Umfeld von Neurath ersonnen wurde. Dabei spielt simulierte Physik eine große Rolle: Wir können im Schatten ungesehen an Wachen vorbeischleichen und müssen dabei sogar Geräusche vermeiden. Damit es richtig dunkel ist, können wir vorher mit Wasserpfeilen alle Fackeln ausschießen.

Dazu kommen meist eher einfache Schalterrätsel, bei denen wir Kisten suchen und auf einer beweglichen Steinplatte stapeln müssen, so dass ein Tor geöffnet wird. Holztüren lassen sich durch Schläge oder durch Feuer zerstören, um weiterzukommen. Das alles ist ordentlich, aber nicht sehr gut umgesetzt. Kistenstapel etwa sind etwas überempfindlich und fallen unglaubwürdig leicht in sich zusammen. Immerhin, wenn man einen Schalter hinter einem Abgrund mit einem Wurfgegenstand umlegen möchte, funktioniert das Zielen viel besser als in den meisten anderen Spielen.

Die Handlung der etwa zehn Stunden langen Kampagne dreht sich um den Streit von Überwesen, echte Zwischensequenzen gibt es nicht. Die Grafik basiert auf Unity und hinterlässt keinen guten Eindruck: Einige Umgebungen sind zwar fantasievoll in Szene gesetzt, aber insgesamt wirken die Höhlen detailarm und steril, außerdem gibt es viele Bildfehler. Das Speichersystem ist so angelegt, dass man einen Speicherbaum als Rücksetzpunkt pflanzen muss.

Klingt kompliziert, ist im Spiel einfach und hat Folgen. Einerseits muss man mit etwas Pech immer wieder längere Abschnitte wiederholen, andererseits behalten Gegner ihren Schaden nach dem Ableben des Spielers, so dass mit genug Ausdauer jeder Feind irgendwann fällt. Es gibt noch mehr solcher Unstimmigkeiten, darunter riesige Kisten, in denen wir statt toller Ausrüstung nur ein paar langweilige Pfeile oder Krümel mit Eisenerz finden.

Underworld Ascendant ist für Windows-PC als Download auf Steam erhältlich und kostet 25 Euro. Später sollen Umsetzungen für Linux und MacOS folgen, Termine gibt es noch nicht. Die Sprachausgabe, Bildschirmtexte und Beschriftungen in der Spielewelt liegen in mehreren Sprachen vor, auch in Deutsch. Die Entwickler haben angekündigt, per Patch unter anderem das Speichersystem zu überarbeiten und Grafikfehler zu korrigieren. Noch sind aber keine Details und Termine bekannt.

Fazit

Ascendant ist ein nettes Spiel - aber mit den beiden Ultima Underworld hat es, anders als von den Entwicklern dargestellt, fast nichts gemein. Statt in einer lebendigen Welt sind wir in sterilen, oft merkwürdig bunten Tunneln unterwegs. Statt einer interessanten Handlung folgen wir sinnfreien Monologen seltsamer Überwesen. Dazu kommen viele Programmfehler und generell eher die Anmutung einer Demoversion statt eines fertigen Spiels.

Immerhin: Wer Titel wie Thief mag, kommt mit Underworld Ascendant einigermaßen auf seine Kosten. Es macht durchaus Spaß, nach und nach die Lichter in einem Saal mit Wasserpfeilen auszuknipsen und sich dann um die Gegner zu schleichen, oder die einfachen Physikrätsel zu lösen. Trotzdem fällt es schwer, diesen unausgereiften Etikettenschwindel zu empfehlen.

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 (ps)


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