Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/google-nachtsicht-im-test-starke-nachtaufnahmen-mit-dem-pixel-1811-137871.html    Veröffentlicht: 28.11.2018 08:58    Kurz-URL: https://glm.io/137871

Google Nachtsicht im Test

Starke Nachtaufnahmen mit dem Pixel

Gut einen Monat nach der Vorstellung der neuen Pixel-Smartphones hat Google die Kamerafunktion Nachtsicht vorgestellt. Mit dieser lassen sich tolle Nachtaufnahmen machen, die mit denen von Huaweis Nachtmodus vergleichbar sind - und dessen Qualität bei Selbstporträts deutlich übersteigt.

Google hat seine Nachtaufnahmefunktion "Nachtsicht" für die Pixel-Smartphones verteilt. Auf dem Pixel 2 und Pixel 3 XL in unserer Redaktion können wir den Modus für verbesserte Nachtaufnahmen mittlerweile in der Google-Kamera-App aufrufen, indem wir auf "Mehr" klicken und die Option dort aufrufen.

In den letzten Jahren lagen Huawei-Smartphones bei den Nachtaufnahmen vor der Konkurrenz, besonders seit dem P20 Pro. Das Modell vom Frühjahr 2018 ist das erste, bei der Nutzer Huaweis Nachtmodus verwacklungsfrei aus der Hand verwenden können. Dank KI-Berechnungen werden kleine Bewegungen ausgeglichen, das Ergebnis ist ein scharfes und sehr ausgeglichen belichtetes Bild.

Entsprechend haben wir Googles Nachtsicht-Modus mit dem des Mate 20 Pro verglichen, Huaweis aktuellem Smartphone mit dem KI-unterstützten Nachtaufnahmemodus. Nach unserem Test steht fest: Huawei hält die Spitzenposition bei Nacht nicht mehr allein.

Googles Nachtsicht-Modus soll dem Unternehmen zufolge in geeigneten Situationen von der Kamera-App automatisch vorgeschlagen werden - Nutzer können dann einfach auf eine Schaltfläche tippen und in den Modus wechseln. Eigenartigerweise klappt das bei uns nur, wenn wir die Frontkamera verwenden. Anders als bei den Huawei-Geräten lässt sich Nachtsicht auch mit der Frontkamera unseres Testgerätes, einem Pixel 3 XL, verwenden - dazu aber später mehr. Wird der Wechsel nicht automatisch angezeigt, müssen wir Nachtsicht manuell aktivieren.

Das Grundprinzip von Googles Nachtmodus ist bekannt: In einem mehrsekündigen Prozess werden mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten gemacht, aus denen anschließend ein finales Bild errechnet wird. Für dieses werden aus den verfügbaren Fotos jeweils die korrekt belichteten dunklen und hellen Bereiche verwendet, was zu einem sehr ausgeglichen belichteten Bild führt. Nach diesem Prinzip arbeitet auch der Nachtmodus von Huawei.

Google hat es bei Nachtsicht geschafft, eine mit Huaweis Nachtmodus vergleichbare Stabilisierung zu erreichen. Wackeln wir während der Aufnahme nicht stark, bleibt das Endergebnis scharf. Selbst bei stärkeren Wacklern bekommen wir am Ende noch ein Bild, das sich durchaus vorzeigen lässt - wenngleich die Detailschärfe nicht mehr so gut ist.

Insgesamt bringt Nachtsicht beim Pixel 3 XL eine merkliche Verbesserung der Bildqualität gegenüber einer Aufnahme im normalen Aufnahmemodus. Im direkten Vergleich ähneln sich die Aufnahmen der Hauptkameras des Pixel 3 XL und des Mate 20 Pro sehr. Dunkle Bereiche werden in etwa gleich stark aufgehellt, helle Bereiche in fast gleichem Maße heruntergeregelt. Das Mate 20 Pro hat einen etwas höheren Detailkontrast, was die Nachtaufnahmen etwas knackiger wirken lässt.

Frontkamera des Pixel 3 XL macht tolle Nachtaufnahmen

Von der Schärfe her gibt es kaum nennenswerte Unterschiede zwischen den beiden Geräten - es ist erstaunlich, wie nah beieinander die Bildeindrücke sind. Der Hauptunterschied ist tatsächlich der Kontrast, hier liegt Huawei etwas vor Google. Wackeln wir absichtlich bei der Aufnahme leicht mit den Händen, sind die Ergebnisse ebenfalls kaum auseinanderzuhalten.

Diese Beobachtungen gelten allerdings nur für die Hauptkamera. Schalten wir auf die Frontkamera um, merken wir sofort einen entscheidenden Unterschied: Mit der Frontkamera des Mate 20 Pro können wir Huaweis Nachtmodus nicht verwenden. Entsprechend steht uns nur der normale Aufnahmemodus zur Verfügung, wahlweise unterstützt durch einen sogenannten Display-Blitz. Dabei leuchtet der Bildschirm während der Aufnahme weiß auf, was die aufzunehmenden Personen beleuchtet.

Wählen wir hingegen die Frontkamera des Pixel 3 XL aus und richten sie auf uns, schlägt uns die Kamera-App direkt eine Aufnahme im Nachtmodus vor. Das Ergebnis unterscheidet sich qualitativ stark von den mit dem Mate 20 Pro möglichen Bildern: Anstelle eines dunklen, verrauschten Bildes oder eines Fotos mit unnatürlich ausgeleuchtetem Gesicht erhalten wir ein sehr natürlich belichtetes Foto, das zudem noch ausreichend scharf ist.

Natürlich sieht man dem Bild an, dass es bearbeitet wurde: Die Haut wirkt etwas glattgebügelt, da Googles Algorithmus Artefakte wegretuschiert. Angesichts der wirklich sehr dunklen Situation, in der wir Nachtsicht mit der Frontkamera ausprobiert haben, ist das Ergebnis sehr überzeugend - vor allem auch auf die Konkurrenz bezogen. Bei etwas mehr Licht wirken die Bilder auch weniger bearbeitet.

Fazit

Google hat es mit Nachtsicht geschafft, einen rein Software-basierten Nachtaufnahmemodus für seine Pixel-Smartphones nachzuliefern. Besonders erfreulich ist, dass nicht nur die Nutzer des aktuellen Pixel 3 und Pixel 3 XL in den Genuss der guten Nachtaufnahmen kommen, sondern auch Besitzer früherer Modelle.

Die mit der Hauptkamera gemachten Bilder sind von der Qualität vergleichbar mit denen, die wir mit Huaweis Nachtmodus gemacht haben. Das ist durchaus eine Leistung, die mit dem P20 Pro und Mate 20 Pro gemachten Nachtbilder zählten bisher zu den besten am Markt.

Bei Aufnahmen mit der Frontkamera überflügelt Googles Algorithmus die Konkurrenz von Huawei locker: Die Fotos sind angesichts der schwierigen Lichtsituation sehr gut und absolut vorzeigbar. Zwar sieht man den Bildern an, dass sie bearbeitet wurden, die Qualität ist aber immer noch sehr hoch.

Mit dem Nachtaufnahmemodus schafft es Google, das Pixel 3 XL in unserem jüngsten Kameravergleichstest weiter nach vorne zu bringen. Zwar ist die Einzelkamera des Pixel 3 XL immer noch nicht so vielseitig wie die des Mate 20 Pro, das insgesamt drei Brennweiten hat, Nachtsicht ist aber ein starkes Verkaufsargument für das Pixel 3 XL.  (tk)


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