Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kundendaten-amazon-rueckt-keine-informationen-ueber-datenschutzpanne-raus-1811-137859.html    Veröffentlicht: 22.11.2018 10:48    Kurz-URL: https://glm.io/137859

Kundendaten

Amazon rückt keine Informationen über Datenschutzpanne raus

Bei Amazon gab es eine Datenpanne, die E-Mail-Adressen und Namen von Kunden standen im Netz. Was genau passiert ist, weiß jedoch keiner. Der Konzern schweigt sich über Details aus.

"Wir kontaktieren Sie, um Sie darüber zu informieren, dass aufgrund eines technischen Fehlers versehentlich Ihre E-Mail-Adresse und Ihr Name auf unserer Website angezeigt wurden." Eine solche E-Mail haben am Mittwoch wohl sehr viele Amazon-Kunden bekommen. Mit viel mehr Informationen rückte der Onlinehändler jedoch nicht heraus. Der Fehler sei behoben, Passwörter müssten nicht geändert werden.

Die Nachricht war knapp und ohne persönliche Anrede formuliert, manche Kunden vermuteten eine Phishing-Mail. Laut The Register stufte sogar eine britische Support-Abteilung auf Nachfrage die E-Mail versehentlich als Phishing ein und sagte einem Kunden, die Benachrichtigung stamme nicht von Amazon. Amazon bestätigte jedoch später die Echtheit der E-Mails. Auf Nachfrage von Kunden und verschiedener Medien verweigerte der Konzern weitere Informationen, viele Fragen bleiben offen: Wie viele Kunden waren betroffen? Wo und für wen waren die Daten zu sehen? Wie lange dauerte das Problem an?

Nach der ab Mai 2018 in Kraft getretenen Datenschutz-Grundverordnung haben Firmen die Pflicht, Kunden zu informieren, wenn es zu Datenschutzverletzungen kam. Die Benachrichtigungen sollten dabei zumindest folgende Informationen enthalten: Kontaktdaten einer Anlaufstelle für weitere Informationen, die wahrscheinlichen Folgen der Datenschutzverletzungen und die ergriffenen oder vorgeschlagenen Maßnahmen, um die Verletzung zu beheben.

Der Datenschutzbehörde müsste Amazon darüber hinaus mitteilen, wie viele Personen vermutlich betroffen waren. Ausnahmen für die Benachrichtigungspflichten bestehen dann, wenn aus dem Datenschutzproblem voraussichtlich kein Risiko für "die Rechte und Freiheiten" der betroffenen Personen entsteht. Laut dem Nachrichtenportal Techcrunch beobachtet die britische Datenschutzaufsichtsbehörde die Situation derzeit.

Ende November beginnt die vorweihnachtliche Verkaufssaison im Onlinehandel und Amazon versucht vor allem am sogenannten Black Friday und Cyber Monday, mit Angeboten Käufer zu locken. Am Cyber Monday 2017 generierte der Onlinehandel in den USA Marktforschern zufolge etwa 5,7 Milliarden Euro Umsatz. Ob sich der geheimniskrämerische Umgang Amazons mit dem eigenen Datenschutzproblem auf das Vertrauen der Kunden und auf die Umsätze an den kommenden Verkaufstagen niederschlägt, bleibt abzuwarten.  (abi)


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