Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/final-fantasy-14-online-report-zwischen-cosplay-kirmes-und-kampfsystem-1811-137824.html    Veröffentlicht: 23.11.2018 08:45    Kurz-URL: https://glm.io/137824

Final Fantasy 14 Online Report

Zwischen Cosplay, Kirmes und Kampfsystem

Nach missglücktem Start konnte sich Final Fantasy 14 in den vergangenen Jahren zu einem der besten Online-Rollenspiele entwickeln. Golem.de hat sich auf dem offiziellen Fan Festival in Las Vegas angeschaut, was die Zukunft bringt - und was die Community bewegt.

Etwa 20 Minuten musste die junge Frau in der Schlange stehen, bis sie auf dem Fan Festival 2018 in Las Vegas endlich eine noch nicht öffentlich verfügbare Version von Final Fantasy 14 anspielen kann. Als sie dann vor dem Monitor sitzt, legt sie nicht gleich los - sondern zieht erst mal ein Tablet aus ihrer Tasche.

Dort hat sie ein Bild gespeichert, das offensichtlich die Benutzeroberfläche des Spiels auf ihrem heimischen Desktop zeigt. Ein paar Minuten braucht sie, um Symbolbalken, Informationsanzeigen und Chatfenster bis ins letzte Detail auf dem fremden Rechner nachzustellen. Endlich ist es geschafft: Sie kann sich zurücklehnen und in die Fantasywelt Eorzea eintauchen.

Die junge Frau ist nicht die einzige Spielerin, die sich vor dem Start die gewohnte Konfiguration zusammenbastelt - gefühlt dürfte sich ein Viertel der Besucher ähnlich verhalten. Das liegt auch daran, dass Final Fantasy 14 kein unkomplizierter Actionspaß für zwischendurch ist, sondern ein durchaus anspruchsvolles Online-Rollenspiel, das teils spürbar komplexer ist als der ewige Hauptkonkurrent World of Warcraft.

Rund 5.000 Besucher sind für die zweitägige Veranstaltung angereist, deren Eintrittspreis bei 150 US-Dollar liegt. Dafür gibt es zwar einen Rucksack mit Goodies von Square Enix, trotzdem dürfte bei so gut wie allen Fans noch eine ordentliche Summe für weitere Merchandisingartikel draufgehen. Wer sich ernsthaft auf ein derartiges Rollenspiel einlässt, der investiert zumeist viel Geld und vor allem Zeit in sein Hobby.

Derzeit gibt es nach Angaben des Betreibers Square Enix 14 Millionen Spieler - wobei die Firma nicht im Detail sagt, ob mit dieser Zahl die sonst in der Branche Monthly Active Users (MAU) gemeint ist. Wie auch immer: Die Server sind überfüllt, auf dem Fan Festival hat Square Enix die Eröffnung weiterer Rechenzentren und - damit Freunde zusammen wechseln können - kostenlose Charaktertransfers angekündigt.

Direkt nach dem Start des Programms im Jahr 2010 sah es nicht so aus, als würde Final Fantasy 14 auch nur die ersten Monate überstehen. Anfangs hatte das MMORPG mit einer schlechten Benutzerführung, massiven Bugs und viel zu wenig spannenden Inhalten zu kämpfen. Der leitende Entwickler trat mit einer öffentlichen Entschuldigung von seinem Posten zurück. Unter der Hand war schon die Rede davon, Square Enix werde wohl das Debakel kurzfristig beenden und das Programm einstellen.

Stattdessen durfte der damals in der Community so gut wie unbekannte Spieldesigner Naoki Yoshida das Programm von Grund auf überarbeiten. Das ist ihm offenkundig gelungen: Heute ist Yoshida ein Star in der Szene, der gutgelaunt durch die einstündige Auftaktshow führt und neue Inhalte vorstellt, vor allem die dritte große, für 2019 geplante Erweiterung Shadowbringers - inklusive Anspielungen auf Apple-Events am Schluss, wobei es sich bei dem "one more thing" hier um eine weitere Klasse namens Blaumagier handelt.

Anders als Blizzard, das seine Blizzcon traditionell für die Vorstellungen von Neuheiten über das gesamte Portfolio nutzt - und sich 2018 mit der Präsentation von Diablo Immortal sehr viele verärgerte Fans eingehandelt hat - konzentriert sich Square Enix ganz auf Final Fantasy 14. Selbst über Final Fantasy 15, bei dem sich derzeit ja ebenfalls viel tut, fällt kein Wort. Auch nicht durch Konzernchef Yosuke Matsuda, der sich zum Schluss der Auftaktveranstaltung als Blaumagier verkleidet auf der Bühne ein paar Minuten lang gutgelaunt zum Hampelmann macht.

Analoges Chocobo-Racing

Obwohl eine gewisse Portion Klamauk und unkomplizierte Unterhaltung ebenso zu einer solchen Convention gehören wie große Burger und riesige Softdrinks: Die Stimmung bei den Fans von Final Fantasy 14 ist erstaunlich ernst. Der groß aufgezogene Cosplay-Wettbewerb mit seinen teils beeindruckenden Kostümen findet zwar viel Zuspruch, und auch für Wettbewerbe im Kirmesstil wie ein witziges (analoges) Chocobo-Multiplayermatch muss man ein paar Minuten anstehen.

Sogar das E-Sport-Turnier ist gut besucht - obwohl Final Fantasy 14 eigentlich nicht für E-Sport geeignet ist und die Kommentatoren sich sehr viel Mühe geben müssen, erst das Geschehen auf der Leinwand halbwegs verständlich zu erklären und dann für angemessen ausreichend Applaus für das siegreiche Team zu sorgen.

Dennoch: Die große Haupthalle ist vor allem dann fast vollständig gefüllt, wenn die Entwickler ganz sachlich über Inhalte und Gameplay sprechen, und Fragen der Spieler beantworten. Derlei eher ruhige Momente würde sich wohl so mancher Besucher wenigstens ab und zu auch auf Großveranstaltungen wie der Gamescom wünschen.

Die Entwickler auf dem Fan Festival von Final Fantasy 14 legen während dieser Programmpunkte sehr ausführlich dar, wie sie gegen Cheats und Hacker kämpfen, welche Bugs bald behoben werden und welche Schwierigkeiten es beim Balancing etwa der Klassen gibt.

Naoki Yoshida, aber auch andere leitende Entwickler wie der für das Kampfsystem zuständige Tsuyoshi Yokozawa erklären dann ausführlich, wie sie Bosskämpfe gestalten und dass es inzwischen auch wichtig ist, diese Gefechte kompatibel mit Streamern zu machen - was die Community mit Applaus quittiert. Relativ ausführlich geht es auch um die sogenannte Woken-Mechanik in Final Fantasy 14, die ziemlich wichtig ist, weil sich dadurch Kräfte der Spielfiguren bündeln lassen.

Es gibt ein paar weitere Details, über die sich Erstbesucher eines solchen Fan-Festivals durchaus wundern können. Das ist einerseits die selbstverständliche, dann aber doch ungewohnt spürbar ernsthafte Aufgeschlossenheit gegenüber dem Spiel selbst und andererseits das riesige Interesse mehrerer Tausend Menschen bei teils langen Erläuterungen der Entwickler bei durchaus komplexen Inhalten - über derlei Leidenschaft würde sich so mancher Uniprofessor durchaus freuen.

Aber klar, auch Kommerz spielt eine Rolle: Ebenso wichtig wie neuste Infos über Final Fantasy 14 sind vielen ganz unverhohlen möglichst große Mengen an Merchandisingartikeln. Die werden auf dem Fanfest nicht einfach so über den Tresen verhökert, sondern zu großen Teilen nach Vorbestellungen und zu festen zeitlichen Slots ausgegeben - die entsprechende Halle erinnert eher an kommunistische Verkaufsstellen denn an westliche Konsumtempel - und das ausgerechnet in Las Vegas.

Wer sich übrigens selbst über Final Fantasy 14 auf den neusten Stand bringen oder Merchandise kaufen möchte: Europäer können Anfang Februar 2019 am europäischen Fan Festival in Paris teilnehmen.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Square Enix an dem Fan Festival 2018 in Las Vegas teilgenommen. Die Reisekosten wurden vollständig vom Gastgeber übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.  (ps)


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