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Amazons Fire TV Stick 4K im Test

Toller Streaming-Stick auch für Nicht-4K-Geräte

Beim Fire TV Stick 4K reagiert Amazon auf einige Kritikpunkte bisheriger Fire-TV-Geräte. Damit ist der 4K-Stick auch für Nutzer interessant, die noch Full-HD-Geräte verwenden. Wer hingegen einen Smart-TV mit 4K-Wiedergabe besitzt, braucht den Stick kaum, obwohl er bei 4K alles richtig macht.

Mit einem modernen 4K-Fernseher sind externe Streaming-Lösungen nicht mehr unbedingt erforderlich. Auf einem aktuellen 4K-Fernseher sind alle wichtigen Streaming-Anbieter vertreten, die Oberflächen reagieren schnell und sind angenehm zu bedienen. Mit einem 4K-fähigen Streaming-Gerät scheint sich Amazon aber genau an diese Zielgruppe zu richten. Der aktuelle Fire TV Stick 4K ist aufgrund seines vergleichsweise günstigen Preises jedoch auch für Nicht-4K-Geräte eine sehr gute Wahl, wenn es um Streaming geht.

Auf älteren Smart-TVs reagieren die Apps mitunter so langsam und träge, dass es einfach keine Freude bereitet, sich damit herumzuplagen - hier sind externe Streaming-Lösungen die willkommene Alternative. Und Fernseher ohne App-Unterstützung bringen dem Anwender mit dem Stick viel mehr Möglichkeiten. Der Fire TV Stick erlaubt die Nutzung von Streaming-Apps, kann aber auch über die passenden Apps das klassische Fernsehprogramm abspielen, ohne einen Kabelanschluss oder eine Satellitenanlage verwenden zu müssen. Der Stick wird über WLAN mit dem Internet verbunden und erhält darüber alle Daten.

Der Fire TV Stick 4K wird über eine mitgelieferte Bluetooth-Fernbedienung gesteuert, so dass kein Sichtkontakt zum Stick erforderlich ist. Allen bisherigen Fire-TV-Geräten fehlen auf der mitgelieferten Fernbedienung Knöpfe zur Lautstärkeregelung. Seit vier Jahren wird das immer wieder bemängelt, nun hat Amazon endlich darauf reagiert und dem Fire TV Stick 4K eine neu gestaltete Fernbedienung spendiert, die dafür auch mit Infrarottechnik ausgestattet ist. Mit der neuen Fernbedienung kann entweder nur ein Fernseher oder dieser zusammen mit einem AV-Receiver oder einer Soundbar bedient werden.



Obwohl vier neue Tasten dazugekommen sind, ist alles klar und übersichtlich gestaltet; die Fernbedienung bleibt beim bisherigen Formfaktor. Unterhalb der Tasten zur Wiedergabesteuerung gibt es eine neue, gut erfühlbare Lautstärkewippe und direkt darunter eine Mute-Taste, um den Ton stummzuschalten. Damit liegen die Tasten zur Lautstärkeregelung angenehm dicht beieinander. Links oben ist ein Ein-Aus-Schalter dazu gekommen. Als weitere Neuerung gibt es nun eine LED, die aufleuchtet, sobald die Mikrofontaste betätigt wird, um Sprachbefehle in die Fernbedienung zu sprechen.

Alle Tasten sind logisch angeordnet und die Home-Taste hat eine fühlbare Markierung, so dass wir direkt ohne hinschauen zu müssen, immer gleich die richtigen Tasten treffen. Wir fänden es noch praktischer, wenn stattdessen die Pausentaste mit einer solchen Markierung versehen wäre, weil diese eben häufiger beim Schauen von Filmen und Serien verwendet wird. Alternativ kann die Wiedegabe durch Druck auf die Mitte des Steuerkreises pausiert werden. Die Fernbedienung überzeugt durch gut fühlbare Tasten mit einem angenehmen Druckpunkt.

Komfortable Einstellung der Zusatztasten

Bei der Einrichtung des Sticks werden die Geräte zur Steuerung abgefragt, das lässt sich aber auch problemlos später nachholen. Im Einstellungsmenü gibt es einen neuen Menüpunkt namens Gerätesteuerung. Hier kann bequem die Steuerung eines Fernsehers, eines AV-Receivers oder einer Soundbar konfiguriert werden. Wir haben es mit einem älteren Samsung-TV, einem aktuellen LG-TV, einer in die Jahre gekommenen Logitech-Mehrkanalanlage und der aktuellen Soundbar Beam von Sonos ausprobiert. Problemlos konnten wir alle Geräte mit der Stick-Fernbedienung steuern. Voraussetzung ist eine Sichtverbindung zwischen den Geräten und der Fernbedienung, aber das funktionierte bei uns immer reibungslos.

Wenn mit der Fernbedienung nicht nur ein Fernseher bedient werden soll, lassen sich alle wichtigen Parameter einstellen. Sobald die Fernbedienung auf einen AV-Receiver oder eine Soundbar angelernt wurde, werden diese Geräte verwendet, wenn die Lautstärketasten betätigt werden. Standardmäßig wird der Fernseher so integriert, dass wir mit der Stick-Fernbedienung beide Geräte zusammen ein- und ausschalten können. Wollen wir das nicht, können wir alles so einstellen, dass nur Fernseher oder nur AV-Receiver respektive Soundbar mit der Fernbedienung ein- oder ausgeschaltet wird.



Die Implementierung ist vorbildlich. Auf der Webseite zum Fire TV Stick 4K können sich Kunden vor dem Kauf anzeigen lassen, ob der eigene Fernseher, der eigene AV-Receiver oder die eigene Soundbar mit dem Stick gesteuert werden kann. Sobald sich der Fernseher und/oder die Anlage mit der Stick-Fernbedienung verbunden hat, agiert diese ohne den Fire TV Stick. Der Stick kann also ausgeschaltet sein und die Geräte lassen sich weiterhin über die Fernbedienung steuern. Damit ist es problemlos möglich, den Stick an einem schaltbaren USB-Anschluss zu verwenden, falls der Fernseher einen solchen besitzt. Dann startet der Stick, sobald der Fernseher eingeschaltet wird.

Wir haben die neue Fernbedienung auch mit dem Fire TV 4K ausprobiert, also dem Vorgängermodell des Fire TV Stick 4K. Sobald die neue Fernbedienung über Bluetooth verbunden wurde, gab es in den Einstellungen den zusätzlichen Menüpunkt zur Gerätesteuerung, um die Einrichtung entsprechend vornehmen zu können.

Bei der 4K-Unterstützung waren die bisherigen Fire-TV-Geräte nicht immer vorbildlich. Um so gespannter waren wir, ob sich das mit dem neuen Modell bessert.

Vorbildliche 4K-Unterstützung

Das Fire TV 4K aus dem vergangenen Jahr war das erste Streaminggerät des Herstellers, das eine HDR-Unterstützung bot. Dabei wurde aber ausschließlich das HDR10-Format mit statischen Metadaten unterstützt. Als Nachfolgemodell wurde der Fire TV Stick 4K bei der HDR-Unterstützung um dynamische Formate erweitert, die den HDR-Effekt nicht nur einmal für den gesamten Film festlegen, sondern pro Szene oder gar pro Bild. Damit diese neuen Möglichkeiten ausgereizt werden können, ist ein 4K-Fernseher erforderlich.

Zu den HDR-Systemen gehört Dolby Vision, das zwar ein proprietäres und kostenpflichtiges Format ist, aber inzwischen über eine weite Unterstützung vor allem durch Filmstudios und Produzenten verfügt. Als Alternative steht auch noch HDR10+ zur Nutzung bereit. Bei Letzterem handelt es sich um eine vergleichsweise noch recht junge Technik, die aus einer Kooperation von Samsung und Amazon hervorgegangen ist und bis auf die Mitgliedschaft in dem Konsortium für HDR10+ lizenzkostenfrei zur Verfügung steht.

Die Nutzung der dynamischen Formate klappt an den von uns getesteten Fernsehgeräten problemlos, was durch das kurze Erscheinen der Logos auf dem Display angezeigt wird. Der Stick gibt das Signal per HDMI 2.0b aus. Falls der HDMI-Anschluss am Fernseher so angebracht ist, dass sich der Stick nicht anbringen lässt oder dann andere Anschlüsse blockiert sind, liegt diesem praktischerweise ein HDMI-Verlängerungskabel bei.

Youtube-Inhalte laufen ohne HDR-Unterstützung

Ein für uns weiterhin bestehendes Problem ist jedoch die Suche und vor allem auch das Auffinden von entsprechenden HDR-Inhalten. Funktioniert die Suche bei Netflix zufriedenstellend über die Eingabe der schlichten Suchanfrage HDR, ist dies bei Amazon Prime schon etwas schwieriger. Das ist bedauerlich, denn die 4K-Inhalte gehören mit einem Prime-Abo automatisch dazu, während Netflix seine Inhalte nur im teuersten Abo in 4K-Auflösung bereitstellt.



Irritierend ist darüber hinaus, dass Youtube-Videos, die auf dem Amazon-Stick im Silk- oder Firefox-Browser laufen, offenbar kein echtes HDR liefern. Das zumindest zeigen die Codec-Informationen von Youtube selbst. Demnach wird hier nur der normale VP9-Codec genutzt und nicht das VP9 Profile 2 für HDR. Als Farbraum wird ebenso nur der Standard BT.709 angegeben und nicht der erweiterte Farbraum BT.2020.

Detaillierte Bildeinstellungen möglich

Ärgerlich finden wir auch, dass HDR und vor allem auch die 4K-Auflösung in der Oberfläche des Sticks nicht schön umgesetzt sind. So zeigen einige von Amazon erstellte Zwischentitel und Animationen ein ziemlich hässliches Color-Banding. Das gilt zum Beispiel für das Prime-Logo, das nicht etwa auf einem blauen Hintergrund mit sanftem Farbverlauf erscheint. Vielmehr besteht der Hintergrund aus konzentrischen blau-grauen Farbbändern mit Blockartefakten am Rand und sichtbaren harten Übergängen dazwischen.

Ähnlich wie schon beim Fire TV 4K kann sowohl der gewählte Farbraum als auch die Farbtiefe für den Fire TV Stick 4K verändert werden. In den Displayeinstellungen kann zwischen den Farbräumen RGB und YCbCr umgeschaltet werden und bei der Farbtiefe stehen 8, 10 und 12 Bit zur Verfügung. Ebenso lässt sich die Auflösung und Bildwiederholrate festlegen. Anders als etwa beim Apple TV 4K lässt sich die Farbunterabtastung jedoch nicht festlegen.

Beim Experimentieren mit diesen Einstellungen fällt auf, dass einige Kombinationen keinerlei Umstellung auslösen, das heißt, die tatsächliche Ausgabe des Bildes wird nicht verändert. Das zeigt sich auch daran, dass der sonst typische Bestätigungsdialog hier nicht erscheint. Woran das liegt, ist nicht zu erkennen.

Anpassung der Bildwiederholrate

Besonderen Gefallen finden wir an der Möglichkeit, die Bildwiederholrate des Systems automatisch an die Rate der dargestellten Inhalte anzupassen. Diese Option bietet nach einem Update mittlerweile auch der Fire TV 4K aus dem vergangenen Jahr. Auf allen übrigen Fire-TV-Geräten steht eine solche Einstellung nicht zur Verfügung. Nur das neue Modell und der genannte Fire TV 4K laufen mit Fire OS 6, für alle übrigen Fire-TV-Geräte steht nur Fire OS 5 bereit, das die Option nicht kennt.



Mit der automatischen Anpassung der Bildwiederholrate werden einige Bild- und Darstellungsfehler verhindert. Bei Kameraschwenks kann es ansonsten zu Mikrorucklern führen, die einige als sehr störend empfinden, andere hingegen gar nicht wahrnehmen. Wer sich aber an den Mikrorucklern stört, wird diese damit los. Es ist nicht bekannt, ob Amazon irgendwann vorhat, auch die alten Fire-TV-Geräte mit der Möglichkeit zu versehen, die Bildwiederholrate anzupassen. Auch in den USA haben ältere Fire-TV-Geräte bisher kein solches Update erhalten.

Die automatisch Anpassung der Bildwiederholrate muss allerdings von den Apps unterstützt werden. Neben Prime Video sind das Kodi und Plex. Die Netflix-App wurde bisher nicht angepasst, so dass sich für Netflix-Kunden hier keine Besserung zeigt, solange die App nicht aktualisiert wird.

Mit der Einführung des neuen Fire TV Stick 4K bleiben die Nachteile der Fire-TV-Oberfläche bestehen.

Fire-TV-Oberfläche ist weiterhin unübersichtlich

Wie alle Fire-TV-Geräte ist auch das neue Modell vor allem auf den Konsum von Amazon-Inhalten zugeschnitten. Für die Nutzung ist ein Amazon-Konto erforderlich, aber kein Prime-Abo. Mit einem Prime-Abo können Nutzer einige Filme und Serien anschauen, ohne dass dafür weitere Kosten entstehen.

Der Startbildschirm bewirbt vor allem Amazon-Inhalte oder auch mal kostenpflichtige Zusatzangebote wie Channels. Nach vielen Jahren Fire-TV-Nutzung ist es noch nicht vorgekommen, dass ein Film oder eine Serie von Netflix auf der Fire-TV-Startseite im Bannerbereich beworben wurde. Im Startbildschirm werden zwar auch Netflix-Inhalte integriert, aber nicht so prominent wie Amazons eigene Inhalte.

Wie gehabt, ändert sich das Sortiment von Prime Video immer wieder, neue Inhalte kommen dazu und andere verschwinden. Während bei Netflix alle Inhalte komplett verschwinden, die nicht im Abo enthalten sind, zeigt Amazon diese weiterhin an. Sie können gekauft oder gegen eine Gebühr gemietet werden. Daher ist es für Fire-TV-Nutzer besonders wichtig, die im Prime-Abo befindlichen Inhalte gut erkennen zu können.

Auf anderen Plattformen sind die Prime-Banderolen noch vorhanden

Auf dem PC, auf dem Smartphone oder dem Tablet werden die Prime-Inhalte daher auch mit einer entsprechenden Prime-Banderole im Cover markiert - sie sind damit schnell zu erkennen. Aber seit zwei Jahren sind die Prime-Banderolen auf allen Fire-TV-Geräten verschwunden. Davon sind ansonsten nur die Echo-Geräte mit Display betroffen. Amazon begründet den Wegfall der Prime-Markierung auf Fire-TV-Geräten damit, dass Inhalteanbieter damit unzufrieden gewesen seien, dass die Inhalte von Amazons Videodienst Prime durch die Banderole besonders hervorgehoben würden.



Amazon bindet seit einiger Zeit auch Netflix-Inhalte in die Fire-TV-Oberfläche ein. In der Fire-TV-Oberfläche gibt es zwar spezielle Rubriken für Prime- und Netflix-Inhalte, aber bei Suchanfragen und auch in der Watchlist ist nicht erkennbar, ob ein Titel im Prime-Abo enthalten oder auf Netflix verfügbar ist. Mühsam muss der Nutzer in den Suchergebnissen jeden einzelnen Treffer öffnen, um zu erfahren, ob der Inhalt bei Netflix oder im Prime-Abo verfügbar ist. Das ist umständlich und zeitraubend.

Fire-TV-Nutzer müssen also weiterhin jeden einzelnen Eintrag öffnen, um zu erfahren, ob dieser gerade ohne weitere Kosten angeschaut werden kann. Auf allen anderen Prime-Video-Plattformen gibt es Filter, um sich zumindest in der Watchlist nur die Prime-Inhalte anzeigen zu lassen. Auf der Fire-TV-Oberfläche fehlt eine solche Filterung schon immer.

X-Ray ist sehr praktisch

Das Videostreaming selbst funktioniert auf der Amazon-Plattform wie gewohnt reibungslos und komfortabel. Filme und Serien starten schnell, das System merkt sich automatisch die letzte Abspielposition und setzt dort wieder ein, wenn ein Film oder eine Serienepisode fortgesetzt wird. Zudem kann am Ende einer Serienepisode bequem zur nächsten Folge gesprungen werden. In vielen Filmen und Serien stehen die X-Ray-Einblendungen bereit, die eine Hilfe sind, wenn ein Schauspieler erkannt wird und schnell geschaut werden soll, wie er heißt und in welchen anderen Filmen oder Serien er mitgespielt hat. Mit einem Tastendruck stehen diese Informationen bereit.

Außerdem kann X-Ray durch die Szenenerkennung auch genutzt werden, um lästige Vorspänne etwa in Serien zu überspringen. Denn eine zu Netflix vergleichbare Überspringfunktion für Vorspänne oder Rückblenden bietet Amazon noch nicht in allen Serien an. Hoffentlich passt Amazon bald alle Inhalte an, damit das Überspringen verlässlich verfügbar ist.



Auf den Fire-TV-Geräten läuft Amazons Alexa und seit einiger Zeit können Fire-TV-Geräte auch mit Alexa-Lautsprechern verbunden werden, um das Fire-TV-Gerät mit der Sprache zu bedienen, ohne einen Knopf an der Fernbedienung drücken zu müssen. Dann lässt sich etwa mit "Alexa, spule 10 Minuten vor" die entsprechende Zeit vorspulen oder mit "Alexa, Pause" die Wiedergabe anhalten. Aber nur mit einem Echo-Gerät reagiert das Fire TV unmittelbar auf die gesprochenen Befehle.

Fire-TV-Stick mit einem Echo-Lautsprecher steuern

Mit Alexa-Lautsprechern anderer Hersteller dauert es bis zu drei Sekunden, bis etwa eine Wiedergabe pausiert ist. Das hört sich nicht nach einer langen Zeitspanne an, reicht aber aus, dass wir als Anwender denken, das Kommando sei nicht verstanden worden - wir wollen es dann wiederholen.

Das Sideloading ist mit dem neuen Fire TV weiterhin möglich, es lassen sich also Apps jenseits vom Fire-TV-Store installieren. Vor allem Kodi ist für so manchen eine Bereicherung und die App gibt es nicht in Amazons App Shop. Ansonsten stehen die meisten wichtigen Streaming-Dienste und Fernseh-Dienste-Anbieter für Fire-TV-Geräte zur Verfügung. Unrühmliche Ausnahme bleibt weiterhin Sky. Der Pay-TV-Sender hat jemals weder für Sky Ticket noch für Sky Go oder das neue Sky Q eine App für Fire-TV-Geräte angeboten. Nach Aussage von Amazon steht es Sky frei, Apps für Fire-TV-Geräte anzubieten. Aber wiederholte Nachfragen bei Sky haben gezeigt, dass der Pay-TV-Anbieter bisher kein Interesse daran hat.

Seit Anfang September 2018 verkauft Sky mit dem Sky Ticket TV Stick eine Lösung, um ohne Anschaffungskosten für Hardware Sky Ticket auf den Fernseher zu bekommen. Offenbar will Sky den Kunden lieber einen Stick anbieten, auf dem kein anderer wichtiger deutscher Streaming-Anbieter vertreten ist, denn weder Amazon Prime noch Netflix können über den Stick genutzt werden.

Der Fire Stick 4K hat nur einen USB-Anschluss zur Stromversorgung. Wer daran USB-Geräte anschließen möchte, muss einen USB-OTG-Y-Adapter verwenden. Die Nutzung eines USB-Sticks bereitete keine Probleme, aber bei einer externen Festplatte schaltete der Stick sich ab, nachdem wir die Festplatte damit verbunden hatten. Das gewählte Modell bezieht den Strom über den USB-Anschluss. Die gleiche Festplatte ließ sich über den gleichen USB-OTG-Y-Adapter problemlos am Fire TV 4K betreiben.



Der USB-Anschluss kann ebenfalls dazu verwendet werden, eine Tastatur oder eine Maus anzuschließen. Sowohl Tastatur als auch Maus können aber über Bluetooth eingebunden werden. Allerdings gibt es weiterhin keine deutsche Tastenbelegung für externe Tastaturen. Seit einigen Jahren schert sich Amazon nicht darum und bietet immer nur ein US-Tastenlayout an. Dabei hat es mit einer alten Fire-OS-Version einmal geklappt, dass ein deutsches Tastenlayout verwendet wird, sobald eine externe Tastatur angeschlossen wird. Aber die Erfahrung aus den vergangenen Jahren gibt keinen Anlass zu hoffen, dass die Unterstützung externer Tastaturen mit deutschem Tastenlayout von Amazon nachgereicht wird.

Der Fire TV Stick 4K läuft mit einem Quad-Core-Prozessor mit 1,7 GHz, die Oberfläche reagiert immer schnell und zuverlässig. Der Arbeitsspeicher beträgt 1,5 GByte und es stehen 8 GByte Flash-Speicher zur Verfügung, wovon dem Nutzer gerade mal etwa 5 GByte verbleiben. Mit Dual-Band-WLAN nach 802.11ac wird eine stabile WLAN-Verbindung erreicht, wir hatten beim Ausprobieren keine Probleme mit der Drahtlosverbindung. Das neue Modell unterstützt Bluetooth 4.2 LE, so dass sich auch Geräte damit nutzen lassen, die auf Bluetooth-Low-Energy setzen.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Fire TV Stick 4K ist regulär für 60 Euro verfügbar. Im Rahmen der Cyber-Monday-Woche verkauft Amazon noch bis zum 25. November 2018 den 4K-Stick für 40 Euro - also zum Listenpreis des normalen Fire TV Stick, den es ebenfalls bis zum 25. November vergünstigt für 25 Euro gibt. Der normale Fire TV Stick wird von Amazon leider mit der alten Fire-TV-Fernbedienung ausgeliefert. Wer die neue Fire-TV-Fernbedienung einzeln dazu kaufen möchte, zahlt dafür 30 Euro - ein vergleichsweise hoher Preis nur für die Fernbedienung. Diese kann nur mit dem aktuellen Fire TV Stick ohne 4K-Unterstützung und dem zweiten Fire TV mit 4K-Unterstützung verwendet werden. Mit anderen Fire-TV-Geräten funktioniert die Fernbedienung mit ihren Sonderfunktionen nicht.

Fazit

Der neue Fire TV Stick 4K ist derzeit einer der besten Fire-TV-Geräte. Er reagiert immer schnell, so dass es Freude macht, sich durch die Inhalte zu bewegen. Der Stick liefert 4K-Auflösung samt Dolby Vision, HDR10 sowie HDR10+ und deckt hier ungewöhnlich viele HDR-Standards ab. Wer bereits einen 4K-Fernseher besitzt, wird aber in der Regel alle wichtigen Streaming-Apps darauf haben, so dass die Anschaffung des Sticks nicht unbedingt notwendig ist.

Bleibt als Kaufgrund die Amazon-Prime-Oberfläche, die seit einigen Jahren aber immer unübersichtlicher geworden ist, und die Alexa-Fähigkeit. Wer sein Streaming-Erlebnis mit einem Alexa-Lautsprecher mit der Stimme bedienen möchte, muss derzeit zu einem Amazon-Streaming-Gerät greifen - und dann ist der Fire TV Stick 4K eine sehr gute Wahl. Allerdings sollten dann nur Echo-Geräte eingesetzt werden, denn Alexa-Lautsprecher von Drittherstellern reagieren zu langsam auf Sprachbefehle.

Bliebe als Kaufgrund die Fire-TV-Oberfläche, in der eine sinnvolle optische Unterscheidung zwischen Film- und Serien-Covern entfallen ist und der Wegfall aller Prime-Markierungen die Orientierung erheblich erschwert. In Suchergebnissen und der Watchlist werden Prime-Inhalte mit Bezahlinhalten munter gemischt, ohne dass diese irgendwie gekennzeichnet sind.

Auch wenn der Stick 4K-fähig ist, kann er auch für Anwender interessant sein, die noch kein passendes Wiedergabegerät besitzen. Denn es gibt mit der neuen Fernbedienung einen großen Komfortgewinn. Wir können damit auch einen Audio-Receiver sowie den Fernseher steuern und es ist viel angenehmer, nicht immer zwei Fernbedienungen nutzen zu müssen. Dabei ist die Implementierung der Steuerung von TV und Audio-Receiver vorbildlich gelungen.



Der neue Stick unterstützt die automatische Anpassung der Bildwiederholrate, so dass Kameraschwenks in Filmen und Serien ruckelfrei abgespielt werden. Leider sieht es derzeit so aus, dass die meisten früheren Fire-TV-Geräte diese Funktion nie per Update erhalten werden. Schade, dass Amazon hier die alten Modelle so stark vernachlässigt.

Wer darauf großen Wert legt und bereits ein Fire-TV-Gerät besitzt, wird sich überlegen, ob er sich den neuen Fire TV Stick 4K anschafft - immerhin mit mehr Komfort bei der Bedienung aufgrund der verbesserten Fernbedienung und einem noch recht günstigen Anschaffungspreis für die gebotene Leistung. Aber auch wer sich auf einem Nicht-4K-Gerät entweder mit einer trägen Smart-TV-Oberfläche herumplagt oder noch keinen Smart-TV besitzt, sollte lieber zum Fire TV Stick 4K statt zum normalen Fire TV Stick greifen - die 20 Euro Aufpreis lohnen sich für die verbesserte Fernbedienung allemal - gepaart mit der automatischen Anpassung der Bildwiederholrate, die dem normalen Fire TV Stick fehlt.  (ip)


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