Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/apple-mac-mini-late-2018-im-test-tolles-teures-teil-fuer-wen-1811-137766.html    Veröffentlicht: 26.11.2018 08:03    Kurz-URL: https://glm.io/137766

Apple Mac Mini (Late 2018) im Test

Tolles teures Teil - aber für wen?

Der Mac Mini ist ein gutes Gerät, wenngleich der Preis für die Einstiegsvariante von Apple arg hoch angesetzt wurde und mehr Speicher(platz) viel Geld kostet. Für 4K-Videoschnitt eignet sich der Mac Mini nur selten und generell fragen wir uns, wer ihn kaufen soll.

Wie passend: Vier Jahre nach der vierten Generation des Mac Mini hat Apple endlich eine neue Version des kleinen Rechners veröffentlicht. Damals war der Mac Mini mit einem Preis von 520 Euro ein ziemlich günstiger Einstieg in die Mac-Welt, das aktuelle Modell hingegen startet bei gleich 900 Euro. Genau diese Variante hat uns Apple für den Test zur Verfügung gestellt - wir wollten wissen, ob damit der tägliche 4K-Video-Workflow gut klappt und wo wir am Mac Mini selbst Hand anlegen können.

Von den Maßen her sieht das System aus wie immer - die 197 x 197 x 36 mm sind altvertraut. Statt weiß ist der Mac Mini nun aber space-grau mit schwarzem Apple-Logo. Bei den an der Rückseite zu findenden Anschlüssen hat sich der Hersteller für eine gute Mischung entschieden: Zwei klassische USB-3.0-Ports sorgen für allgemeine Kompatibilität, dazu sind vier Thunderbolt-3-Ports für Daten, Displays oder eGPU-Boxen verbaut, zudem gibt es HDMI 2.0 für Fernseher, eine Audio-Klinke und Gigabit-LAN. Ein SD-Kartenleser und ein IR-Empfänger wie beim älteren Mac Mini fehlen. Die beiden TB3-Controller hängen intern jeweils an vier PCIe-Gen3-Lanes, externe Grafikkarten oder Thunderbolt-SSDs erhalten also die volle Bandbreite. Erst ab drei Geräten wird die Geschwindigkeit gedrosselt.

Ein schönes Detail ist der Power-Button hinten rechts neben dem Netzteilanschluss, der beim Drücken eine haptische Rückmeldung gibt. Denn ob der Mac Mini eingeschaltet ist, erkennen wir nur an der kleinen weißen LED vorne rechts, weil der Rechner trotz immer drehendem Lüfter nahezu keine Geräusche macht. Ausgeliefert wird der Mac Mini mit MacOS 10.14 Mojave, die Einrichtung ist innerhalb kurzer Zeit erledigt - auch dann, wenn bisher noch kein Account bei Apple vorhanden war. Das Netzteil befindet sich im Gerät und liefert 150 Watt. Das wirkt völlig übertrieben, da unter Last selbst 50 Watt selten sind und im Leerlauf nur 13 Watt anliegen. Apple hat aber berücksichtigt, dass per Power Delivery angeschlossene Geräte über die TB3-Ports geladen werden können.

Zumindest ein Matebook X Pro und ein Pixel 2 bekamen beide 5 Volt und 3 Ampere zur Verfügung gestellt, was immerhin 30 Watt sind. Die vier TB3-Anschlüsse eignen sich für hochauflösende Displays, etwa zwei mit 4.096 x 2.160 Pixeln (4K-DCI) bei 60 Hz oder eines mit 5.120 x 2.880 Bildpunkten (5K) sowie noch eines per HDMI. Im Test mit zwei Eizo Flexscan EV2785 per TB3 und einem 55-Zoll-OLED-Fernseher klappte das dann auch wie erwartet einwandfrei. Die Grafikleistung reicht nicht für Spiele, und eine Unterstützung für 4K/HDR-Netflix fehlt MacOS auch, aber grundsätzlich ist der Mac Mini schnell. In Adobe Premiere müssen wir aber mit Einschränkungen leben.



Flott, leise, aufrüstbar

In der Basisversion verlötet Apple einen Core i3-8100B mit vier Kernen ohne Hyperthreading, der Prozessor ist ergo nicht tauschbar. Der Chip läuft mit fixen 3,6 GHz ohne Turbo und hält seinen Takt unter Last stabil. Ihm zur Seite stellt Apple immerhin 8 GByte RAM, was im Alltag ohne Foto- oder Videobearbeitung mehr als genug ist, der Mac Mini fühlte sich nie träge an. Der Arbeitsspeicher ist in Form zweier gesteckter 4-GByte-Module für Dualchannel verbaut, was die Geschwindigkeit steigert, aber das Nachrüsten etwas erschwert.

Um an den RAM heranzukommen, müssen der Boden und die WLAN-Antenne entfernt werden. Es folgt die Demontage des Radiallüfters des Kühlers, dann noch zwei Schrauben auf der schwarzen Platine und wir können das Mainboard aus dem Gehäuse ziehen. Auch wenn der Vorgang ein paar ruhige Minuten, gutes Werkzeug und etwas Fingerspitzengefühl erfordert, ist das auch für weniger versierte Anwender machbar - iFixit hilft. Besonders toll finden wir die piekfeine Verarbeitung und filigrane Details wie eingeschobene Gummipuffer an den Halterungen der RAM-Bänke, welche diese vom Käfig isolieren, der wegen Interferenzen nötig ist.

Den Golem-Wochenrückblick in 4K per Adobe Premiere als H.264-encodierte Datei zu exportieren, braucht 27:32 Minuten (Intel Quicksync) respektive 25:01 Minuten (Apple Metal). Bevor es aber überhaupt so weit ist, müssen wir das Video erst schneiden. Hier zeigt sich, dass die Timeline-Vorschau in 4K stark ruckelt und wir die Auflösung für halbwegs flüssiges Arbeiten auf 1/4 reduzieren müssen. Wenn Effekte wie Greenscreen-Keying verwendet werden, hilft auch das nicht. Angenehmer ist Finalcut Pro: Hier ist die 4K-Vorschau in voller Auflösung mit 'Bessere Qualität' ebenfalls ruckelig - mit 'Höhere Leistung' klappt es aber. Für Projekte mit wenigen Clips und Effekten reicht der Mac Mini zumindest, für mehr braucht es ein stärkeres System.

Im Mac Mini steckt nämlich keine dedizierte Grafikeinheit, sondern nur Intels UHD 630. Die ist langsamer als die HD 6000 des Macbook Air (2017) aber schneller als die UHD 617 des Macbook Air (2018). Für Spiele ist das zu wenig, wenngleich Half-Life 2 Lost Cost in 1080p mit knapp 40 fps läuft. Wer mehr GPU-Leistung benötigt, kann per Thunderbolt 3 aber eine eGPU-Box anschließen.

Generell gibt es für 900 Euro diverse Systeme, die mehr leisten als der Mac Mini: Ein NUC8 alias Hades Canyon in der 65-Watt-Version mit Quadcore samt SMT und Vega-Grafik rendert die BWM27-Szene in 9 Minuten und exportiert den Wochenrückblick in gut 13 Minuten - doppelt so flott wie der Mac Mini. Mit 8 GByte RAM und einer 128-GByte-SSD (Samsung PM961) kostet der Hades Canyon etwa 850 Euro zuzüglich Windows-Lizenz. Die SSD ähnelt von der Geschwindigkeit her der von Apple: Die schafft hohe 2.570 MByte/s lesend, schreibt aber wegen der geringen Anzahl an Flash-Chips mit niedrigen 650 MByte/s.

Weil die SSD nur 128 GByte hat und MacOS auch ein paar GByte braucht, ist das Laufwerk recht schnell voll. Günstige externe Festplatten mit USB-C oder teure externe SSDs mit Thunderbolt 3 gibt es in vielfältigen Ausführungen, wenngleich sich die ganzen Kabel nicht sonderlich hübsch ausnehmen. Verbauen wir 16 GByte RAM statt 8 GByte im Mac Mini, profitiert Adobe Premiere davon - das Exportieren geht per Metal mit 21:41 Minuten statt 25:07 Minuten schneller vonstatten. Schön: Selbst eine Mischbestückung aus Micron- und Samsung-Speicher mit DDR4-2133 statt DDR4-2666 akzeptierte der Mac Mini.

Verfügbarkeit und Fazit

Apple verkauft den Mac Mini in der Basiskonfiguration für 900 Euro. Dafür gibt es einen verlöteten Core i3-8100B mit vier Kernen ohne Hyperthreading, aufrüstbare 8 GByte RAM im Dualchannel und eine verlötete 128-GByte-NVMe-SSD. Alternativ ist ein Modell für 1.250 Euro erhältlich - darin steckt dann der auch verlötete Core i5-8400B mit sechs Kernen, ebenfalls 8 GByte RAM und 256 GByte Storage. Wie üblich sind beide Systeme aufrüstbar, für 16 GByte Speicher etwa verlangt Apple happige 240 Euro und für 512 GByte SSD-Kapazität statt 256 GByte den gleichen Betrag. Voll ausgestattet mit einem Core i7-8700B samt 64 GByte RAM und 2 TByte SSD kostet der Mac Mini satte 5.000 Euro. Für 500 Euro mehr gibt es bereits einen iMac Pro.

Fazit

Grundsätzlich gefällt uns der Mac Mini: Der kompakte Rechner hat eine sehr gute Auswahl an Schnittstellen, etwa klassisches USB sowie Thunderbolt 3, und wir vermissen höchstens einen SD-Kartenleser. Egal ob 4K-Display oder externe SSD, das Apple-System hat den passenden Anschluss. Überdies ist der Mac Mini im Betrieb sparsam und selbst unter Last praktisch lautlos.

Allerdings finden wir Apples Beschreibung des Geräts irreführend: Es soll "Hochleistung in Höchst­geschwindigkeit" liefern. Der Prozessor mit vier oder sechs Kernen ist einigermaßen schnell beim Kompilieren oder beim Rendering, aber für die Videoproduktion taugt die integrierte Grafikeinheit schlicht nicht. Hier eignet sich ein Macbook Pro oder ein iMac Pro mit Vega-GPU viel besser, weil ohne die Timeline-Vorschau ruckelt und somit 4K-Projekte kaum umsetzbar sind. Erst mit einer eGPU-Box taugt der kleine Mac für Videos, das kostet aber.

So toll wir den Mac Mini an sich finden, es stellt sich die Frage, welche Zielgruppe er anspricht. Ein günstiger Einstieg in die Apple-Welt ist das System mit 900 Euro ohne Display sowie Eingabegeräte nicht, die verglichen mit einem Macbook Air höhere CPU-Leistung braucht nicht jeder und für das Wohnzimmer gibt es das Apple TV. Wer aber einen kleinen Desktop mit MacOS will und weiß, dass GPU-Performance zweitrangig ist - beispielsweise wer mit Xcode programmiert, der kann zugreifen. Allerdings gibt es flottere Alternativen wie Intels Hades Canyon und günstigere kompakte System sowieso.  (ms)


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