Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nerf-laser-ops-pro-im-test-pew-pew-statt-schaumstoffpfeile-1811-137750.html    Veröffentlicht: 16.11.2018 09:04    Kurz-URL: https://glm.io/137750

Nerf Laser Ops Pro im Test

Pew Pew statt Plop

Nerf-Guns machen Spaß. Die Spielzeuge von Hasbro schießen nervige Bälle oder Darts ab. Laser Ops Pro macht das anders: Hier tragen wir Duelle mit futuristisch aussehenden Infrarotstrahlern aus. Kann das genauso viel Spaß machen?

Das Rattern von Mechanik und Motoren ist zu hören, Schaumstoffpfeile fliegen pfeifend durch das Büro. Bei Golem.de bricht des Öfteren eine spaßige Schlacht mit Nerf-Guns aus - geeignet ab 8 Jahren. Kleine und große Kinder finden die größtenteils aus Kunststoff gefertigten Spielzeuge spaßig. Deshalb bringt Hasbro, der Betreiber der Marke Nerf, jedes Jahr neue Schaumstoff schießende Kanonen heraus - sehr zur Freude von Kollegen, Söhnen und Töchtern.

Abgesehen davon gibt es von Hasbro immer wieder den Versuch, das Nerf-Spielzeug auch ohne Darts zu verkaufen, etwa die wassersprühenden Super Soaker oder die neue Reihe Laserops Pro. Diese Spielzeuggewehre verschießen Licht anstelle von Darts und machen nebenbei Geräusche, die an Sience-Fiction B-Movies erinnern. Ein Vorteil: Das nicht sichtbare Infrarotlicht kann niemanden im Auge verletzen. Doch macht Pew Pew, statt des typischen Plop dann überhaupt noch Spaß? Golem.de will es wissen und wird für die Dauer des Tests wieder zum Kind.

Coole Weltraumblaster

Hasbro sendet der Redaktion die zwei momentan in Deutschland erhältlichen Markierer - wie sie in Sportarten wie Paintball oder Airsoft genannt werden - zum Testen zu: Der Laser Ops Pro Alphapoint und der Laser Ops Pro Deltaburst sehen in ihrem weiß-schwarzem Look aus wie coole Weltraumblaster. Dass es sich dabei um Nerf-Guns handelt, sehen wir am groß aufgedruckten Logo und den typischen orangen Akzenten am Lauf und dem Abzug. Allerdings spart Hasbro auch hier Farbe ein, da nur eine Seite der Markierer bedruckt ist.

Die Verarbeitungsqualität ist für ein Spielzeug serientypisch sehr gut: Hier wackelt und knarzt nichts. Laser Ops Pro lässt sich dabei gut mit anderen Nerf-Produkten vergleichen. Die mit Spritzgussverfahren gefertigten Teile passen gut ineinander und sind stabil. Details am Lauf und am Griff sorgen für einen Sci-Fi-Look, etwa ein Hexagonmuster am Griffstück oder eine Kohlefasertextur an der Schulterstütze.

Was uns besonders gut gefällt: Die Blaster sind auch für erwachsene Hände groß genug. Griff und Abzug fühlen sich gut an. Die Schulterstütze des Deltaburst-Gewehrs ist ausreichend lang. Allerdings dürfte ganz kleinen Kindern gerade dieses Produkt wohl doch etwas zu groß sein. Dazu kommt, dass sie durch die vielen AA-Batterien schwerer sind, als sie vorerst aussehen. Die Pistole Alphapoint wiegt mit vier benötigten AA-Zellen 430 Gramm, das Gewehr Deltaburst kommt auf etwa 1.060 Gramm und benötigt sogar sechs AA-Batterien.

Auf Dauer nervt das Schussgeräusch

Die im Karton nicht enthaltenen Batterien sind für den Betrieb der Lasertag-Blaster zwingend erforderlich. Schließlich werden darüber die Infrarotleuchte, der Sender und die Displays mit Strom versorgt. Die Blaster betriebsbereit zu machen, ist dabei denkbar einfach: An der rechten Seite über dem Abzug befindet sich der Power-Schalter, den wir nur drücken müssen. Die Blaster leuchten anschließend auf und geben durch die Lautsprecher laute Geräusche von sich. Der typische Pew-Pew-Ton wird immer abgespielt, wenn wir den Abzug betätigen oder von einem Mitspieler getroffen werden. Das Golem.de-Kind in uns sagt: Die Töne sind cool und tragen zum Science-Fiction-Setting der Serie bei. Die Eltern in uns sagen: Das geht nach einiger Zeit auf die Nerven.

Daher ist es gut, dass wir den Sound in der zum Spielzeug gehörenden App leiser oder stumm schalten können. Allerdings kann die Software noch viel mehr.

Team Deathmatch mit dem Smartphone am Arm

Zu den Laser-Ops-Produkten bietet Hasbro eine kostenlose App für Android und iOS an. Diese macht einen großen Teil der Spielerfahrung aus: Zuerst verbinden wir mit unserem Smartphone einen Blaster per Bluetooth. Das Pairing erfolgt durch Drücken des Power-Knopfs und des Abzugs gleichzeitig, was auch ein Kind hinbekommt. Ein gepairtes Gerät können wir anschließend in diversen Spielmodi verwenden - etwa alle gegen alle oder Team Deathmatch. Nach jedem Spiel erhalten wir Punkte, mit denen wir unsere Blaster aufrüsten können.

Wir probieren zuerst den Einzelspielermodus aus. Dabei handelt es sich um ein Augmented-Reality-Spiel, bei dem vor uns auf dem Smartphonedisplay Drohnen auftauchen. Die müssen wir mit unserer Nerf-Gun abschießen, weshalb dem Karton auch eine entsprechende Smartphonehalterung aus Kunststoff und ein weiches Gummiband beiligen. Das Band können wir uns wie eine Uhr um den Arm binden oder mit der Halterung am Lauf des Blasters befestigen.

Wir finden das gelatineartige Material ziemlich gewöhnungsbefürftig, zumal kleine Kinder wohl ihre Probleme mit dem Befestigen am Spielzeug haben werden - da sind die Eltern gefragt. Durch die elastische Konsistenz ist es aber mit eigentlich jedem Smartphonetyp kompatibel. Das gilt zumindest dann, wenn es nicht die Kamera des Telefons verdeckt. Bei dem von uns genutzen Xiaomi Mi Mix 2 mit zentral verbauter Linse war genau das der Fall.

Einzelspieler auf Dauer langweilig

Anfangs macht uns die virtuelle Drohnenschießbude viel Spaß. Allerdings werden die endlosen und immer gleichen Gegner auf Dauer ziemlich langweilig - auch weil der Schwierigkeitsgrad nur sehr träge ansteigt. Es gibt zudem bisher keine anderen Spielmodi. Das Konzept eines Augmented-Reality-Shooters finden wir spannend. Hasbros Umsetzung ist aber wenig kreativ.

Erst mit zwei oder mehr Spielern macht Laser Ops Pro wirklich Spaß: Ein Mehrspielerspiel können wir mit einem Smartphone als Spielserver oder mit einem Telefon pro Mitspieler bestreiten. Während einer Partie speichern die Blaster ihre Trefferdaten intern auf einem flüchtigen Flash-Speicher. Nach der Spielzeit sammeln sich alle Mitspieler beim Besitzer des Hostsmarthones. Sie senden ihre gespeicherten Daten dann an die Software. Zum Schluss wird ein Sieger oder Siegerteam ermittelt. Das Konzept funktioniert gut. Dass wir auf unseren Geräten während eines Spiels verschiedene Power-Ups nutzen können, erinnert dabei ein wenig an ein interaktives Videospiel. Auf Knopfdruck verursachen wir etwa beim nächsten Schuss doppelten Schaden oder ziehen beim Treffer dem gesamten gegnerischen Team Lebenspunkte ab. Das funktioniert allerdings nur, wenn jeder Mitspieler sein eigenes Smartphone benutzt.

Spielen auch ohne App möglich

Während des Testes fällt uns auf, dass Blaster-Upgrades und Power-Ups uns eher stören, da der virtuelle Lebensbalken immer 10 Trefferpunkte lang ist. Dieser Wert lässt sich leider nicht umstellen und ist bei Alphapoint und Deltaburst gleich. Das gilt auch für die Munitionskapazität der Blaster, die bei der Pistole 10 Schuss und beim Gewehr 18 Schuss beträgt. So passiert es ziemlich schnell, dass Mitspieler alle ihre Lebenspunkte verlieren und erst einmal nicht schießen können. Es wäre gut, wenn wir Werte für Munition, Nachladezeit und Lebensenergie selbst einstellen dürften - schade.

Allerdings können wir Laser Tag auch ganz ohne App und Blaster-Pairing spielen. Dazu schalten wir Alphapoint oder Deltaburst ein. Nach einer Art Bootsequenz drücken wir die Nachladen-Taste, um ein Team auszuwählen: Rot, Blau oder Violett für den Jeder-gegen-jeden-Modus. Ein Druck auf den Abzug bestätigt die Auswahl und wir können direkt loslegen. Das Punktezählen müssen wir allerdings selbst übernehmen.

Es ist sehr gut, dass wir sofort mit dem Spielen loslegen können. Das ist einer der Gründe, warum herkömmliche Nerf-Guns so viel Spaß machen: Es gibt keine Regeln, keine Wartezeiten und keine Gnade für die Kollegen. Ja, das Lasertag-Prinzip ist für die spontane Nerf-Schlacht weniger geeignet, da wir mit einem unsichtbaren Lichtsignal niemanden zum Mitmachen anstacheln können. Ein Schaumstoffpfeil ist da effizienter. Für das Laserscharmützel nach Feierabend oder mit den Kindern zu Hause ist die Anschalten-und-loslegen-Mentalität trotzdem spannend.

Für ein faires Match ist es dabei ratsam, dass jeder Mitspieler die gleiche Nerf-Gun nutzt.

Pistolero oder Space-Marine?

Nicht nur äußerlich unterscheiden sich die Pistole Alphapoint und das Gewehr Deltaburst voneinander. Sie lassen sich auch sehr unterschiedlich spielen. Beide Markierer zeigen ihre Munition und verbliebene Trefferpunkte an. Bei der Pistole sind diese durch einen Blitz und ein Kreuz erkennbar, die je nach Restwert Grün, Gelb oder Rot leuchten. Das virtuelle Magazin der Alphapoint fasst 10 Schuss. Danach laden wir durch einen Druck auf einen großen Knopf am Griff nach.

Die Deltaburst hat anstelle der zwei LED-Anzeigen ein kleines Display verbaut - wir fühlen uns direkt an fiktive Waffen wie das M41A-Pulsgewehr aus dem Sci-Fi-Klassiker Aliens und dessen digitaler Munitionsanzeige oder dem MA5-Sturmgewehr aus der Spieleserie Halo erinnert. Das kleine Display gefällt uns am Nerf-Gewehr besonders gut.

Aber auch das Abfeuern der Lasermarkierer unterscheidet sich voneinander. Die Pistole schießt semiautomatisch, feuert also mit Betätigen des Abzuges immer ein Signal ab. Die Deltaburst versendet pro Knopfdruck eine Drei-Schuss-Salve, die von einem Vibrieren des Verschlusses begleitet wird - cool! Ein Nachteil daran ist, dass das Deltaburst nur einen Lebenspunkt pro Treffer abzieht, während die Alphapoint zwei Punkte Schaden verursacht.

Wir sollten uns vor einer Partie daher entscheiden, mit welcher Art Markierer wir spielen. Soll es ein Pistolero-Duell oder doch ein Match unter Space-Marines sein? Wir würden sagen, dass das Deltaburst-Gewehr durch das haptische Vibrationsfeedback und das Display etwas mehr Spaß bereitet, die Alphapoint aber definitiv die praktischere und stärkere Alternative ist.

Ziel auf den roten Punkt

Den Produkten ist dabei gemein, dass sie sowohl Sender, als auch Empfänger integriert haben. Wir brauchen also keine zusätzliche Weste oder einen Helm anziehen. Die Trefferzone ist oberhalb der Mündung in einer roten Kunststoffkuppel. Die darin befindlichen LEDs leuchten bei einem Treffer kurz auf. Auf dem Empfänger befindet sich das Korn zum groben Anvisieren der Mitspieler. Wir müssen dabei nicht sehr präzise sein, da eine gewisse Grundstreuung im Lichtsignal und eine hohe Toleranz der Empfänger auch auf sehr große Entfernungen gegeben ist.

Ein wenig zielen müssen wir trotzdem. Für ein Spielzeug dieser Art finden wir die Reichweite beider Laser-Ops-Pro-Blaster beeindruckend: Besonders gut funktioniert der Outdoor-Modus, den wir mit einem Schalter an der Seite umstellen können. Sogar auf gut 50 Meter werden Treffer im Freien noch erkannt. Allerdings reflektiert der Lichtstrahl auch gerne auf Oberflächen. So kann der Fernseher im Wohnzimmer zum Schießen um die Ecke augenutzt werden oder der Spiegel im Fahrstuhl unerwartete Treffer hervorrufen.

Verfügbarkeit und Fazit

Für Nerf-Produkte sind die Laser-Ops-Pro-Markierer nicht übermäßig teuer: Die Alphapoint kostet im Einzelset 30 Euro und beinhaltet den Blaster, das Gummiarmband und die Smartphonehalterung. Die Pistole gibt es ohne Halterung aber auch im Zweierset zum Preis von 50 Euro. Wesentlich mehr kostet das Deltaburst-Gewehr, das es zum Preis von 50 Euro nur im Einzelset gibt. Käufer sollten beachten, dass Batterien noch einmal extra kosten. Auch andere Nerf-Blaster sind im Bereich von 20 bis 50 Euro angesiedelt. Die nur in den USA erhältlichen Ballblaster der Nerf-Rival-Serie sind meist noch einmal teurer - zwischen 50 und 100 Euro.

Fazit

Dass Hasbro Lasertag-Produkte neben den kultigen Schaumstoff verschießenden Dartblastern verkauft, ist nicht neu. Allerdings kommt uns die Laser-Ops-Pro-Reihe in vielen Dingen recht ausgereift vor.

Sowohl die Alphapoint-Pistole, als auch das Deltaburst-Gewehr eignen sich ergonomisch für kleine und große Nerf-Fans, da sie auch für erwachsene Hände groß genug sind. Die Verarbeitungsqualität entspricht der anderer Nerf-Produkte aus Kunststoff. Sie ist für ein Spielzeug gut. Allerdings spart Hasbro Geld, indem nur auf einer Seite Logos aufgedruckt sind.

Beide Markierer haben sowohl den Empfänger, als auch die Sendeeinheit direkt integriert. Das ist praktisch, da wir keine zusätzliche Ausrüstung benötigen. Die Reichweite der Infrarotstrahlen ist ziemlich beeindruckend: Selbst auf 50 Meter im Freien treffen wir unsere Mitspieler zuverlässig. Die Streuung könnte einigen größeren Spielern etwas zu groß sein: Das Schießen bedarf keiner großen Zielkünste. Für kleinere Mitspieler ist das hingegen optimal und mit weniger Frust verbunden.

Ein Kernelement der Serie ist die dazugehörige App. Per Bluetooth können wir verschiedene Blaster mit einem Smartphone verbinden. Besonders gut gelungen ist der Mehrspielermodus, den wir mit einem oder mehreren Smartphones, mit Powerups und Blaster-Upgrades spielen können. Während einer Partie können so automatisch Punkte gezählt und am Ende ein Gewinner und ein Scoreboard eingeblendet werden.

Weniger gelungen ist der Augmented-Realitiy-Drohnenschießstand, den wir alleine spielen. Die ständig gleichen Gegner und der langsam steigende Schwierigkeitsgrad machen das Erlebnis schnell eintönig. Auch fehlen uns Einstellungen, um die Munitionskapazität und die Lebenspunkte der Markierer einzustellen. Lediglich die sehr lauten Lautsprechereinstellungen lassen sich in der Software ändern.

Das Deltaburst-Gewehr macht uns beim Spielen etwas mehr Spaß. Der Markierer hat ein integriertes Display, das uns Munition und Lebensenergie anzeigt. Außerdem vibriert der Verschluss des Spielzeugs für ein echtes Lasergewehrgefühl. Die praktischere Variante ist allerdings die Alphaburst-Pistole, die Anzeigen zwar nur mit zwei LEDs anzeigt, dafür mehr Schaden pro Treffer verursacht und durch den semiautomatischen Feuermodus statt der Drei-Schuss-Salve schneller schießen kann. Wir würden daher immer Spiele mit gleichen Blastern empfehlen.

Laser Ops Pro macht definitiv Spaß. Die Markierer funktionieren sehr gut und ermutigen, an der frischen Luft zu spielen. Gleichzeitig müssen wir nicht aufpassen, dass wir unser Gegenüber im Gesicht verletzen. Wir vermissen allerdings den Reiz, den das Verschießen von echten Schaumstoffprojektilen ausmacht und wollen wieder unsere Kollegen mit einer Salve blauer Pfeile anstacheln. Deshalb rüsten wir uns im Büro lieber mit neuen Dartblastern aus und überlassen die Lichtschlachten den jüngeren Kindern, die damit garantiert eine Menge Spaß haben werden.  (on)


Verwandte Artikel:
Golem.de-Hobbys fürs Social Distancing: Nerf-Gun-Basteleien erfreuen auch große Kinder   
(15.04.2020, https://glm.io/147703 )
Nerf Laser Ops Pro: Nerf-Laser-Tag-Blaster verschießen Licht statt Schaumpfeile   
(23.07.2018, https://glm.io/135629 )
Hasbro: Neue Nerf-Guns haben wohl Kopierschutz integriert   
(24.09.2019, https://glm.io/144044 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/