Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mordprozess-amazon-will-alexa-aufzeichnungen-nicht-preisgeben-1811-137677.html    Veröffentlicht: 13.11.2018 09:33    Kurz-URL: https://glm.io/137677

Mordprozess

Amazon will Alexa-Aufzeichnungen nicht preisgeben

In einem Mordprozess weigert sich Amazon, Alexa-Sprachaufzeichnungen preiszugeben. Ein Gericht will mit den Aufnahmen einen Doppelmord aufklären.

Ein Gericht im US-Bundesstaat New Hampshire verlangt von Amazon, die Sprachaufzeichnungen eines Echo-Lautsprechers zu veröffentlichen. Der Richter hoffe, damit einen Mordprozess aufklären zu können, berichtet CBS Boston. Amazon weigert sich mit Verweis auf die US-Verfassung, solche vertraulichen Kundendaten preiszugeben. "Amazon wird keine Kundendaten veröffentlichen, ohne dass eine gültige und verbindliche rechtliche Anforderung vorliegt, die ordnungsgemäß an uns gerichtet wurde", sagte ein Amazon-Sprecher Cnet.

Es ist derzeit unklar, ob Amazon bei seiner Ablehnung bleibt oder aufgrund rechtlicher Verfügungen doch entsprechende Daten freigibt. In dem aktuellen Fall will das Gericht einen Doppelmord aus dem Januar 2017 aufklären, bei dem zwei Frauen im Alter von 32 und 48 Jahren getötet wurden. Die Ermittler gehen davon aus, dass eine der beiden Frauen in der Küche umgebracht wurde, wo sich ein Echo-Lautsprecher befand. Die Richter vermuten, dass dieser etwas von dem Verbrechen aufgezeichnet habe. Die Polizei stellte den Echo-Lautsprecher sicher.

Zudem will das Gericht von Amazon erfahren, welche mobilen Geräte mit dem smarten Lautsprecher verbunden gewesen waren. Möglicherweise könnten alle Geräte bei der Aufklärung des Mordes hilfreich sein. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt einen 36 Jahre alten Mann, dem im Mai 2019 der Prozess gemacht werden soll. Der Tatverdächtige weist die Anschuldigungen zurück.

Alexa wurde bereits in einem anderen Mordfall bemüht

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, welche Details das Gericht in den Alexa-Aufzeichnungen vermutet. Ein Alexa-Lautsprecher lauscht mit den eingebauten Mikrofonen beständig auf das Signalwort, das standardmäßig Alexa heißt. Sobald das Signalwort erkannt wurde, werden die Sprachbefehle zu den Amazon-Rechenzentren geschickt, die dann die Anfrage verarbeiten. Diese Anfragen können vom Nutzer jederzeit eingesehen und bei Bedarf gelöscht werden. Nur wenn der Echo-Lautsprecher während des Mordes mit dem Signalwort aktiviert wurde, dürften überhaupt Sprachaufzeichnungen auf den Amazon-Servern zur Verfügung stehen.

Es ist bereits der zweite Fall, in dem Alexa-Sprachaufzeichnungen bei Mordermittlungen zum Einsatz kommen sollen. Im März 2017 gab Amazon den Widerstand auf und veröffentlichte Alexa-Daten, nachdem der Tatverdächtige zugestimmt hatte.  (ip)


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