Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hitman-2-im-test-agent-47-in-alter-hoechstform-1811-137661.html    Veröffentlicht: 12.11.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/137661

Hitman 2 im Test

Agent 47 in alter Höchstform

Ein Autorennen, eine indische Metropole und eine wunderschöne Kleinstadt in den USA sind einige der Schauplätze, in denen Agent 47 seine Auftragsmorde in Hitman 2 plant und durchführt. Das ist teils sehr spannend - da stört es kaum, dass es wenig Neuerungen gegenüber dem Vorgänger gibt.

Wir wissen nicht viel über den Auftragskiller Agent 47, aber eines ist klar: Er ist jetzt in jedem Fall erwachsen - schließlich feiert die Reihe gerade ihren 18. Geburtstag. Das erste Hitman erschien im Jahr 2000 mit dem Untertitel Codename 47. Seitdem arbeitet das dänische Entwicklerstudio IO Interactive an der Serie - in der es bereits 2002 ein Spiel namens Hitman 2 gab, damals mit dem Untertitel Silent Assassin.

Das neue Hitman 2 wiederum setzt ziemlich direkt das 2016 in Episodenform veröffentlichte Hitman fort - das neue Spiel erscheint allerdings nicht in Episodenform, sondern "am Stück".

Uff - klingt irgendwie kompliziert? Wer bei dieser Erläuterung ausgestiegen ist, sollte erst recht die Finger von den neuen Abenteuern des Killers mit dem Barcode im Nacken lassen. Der bekommt in Hitman 2 nämlich sechs komplexe Hauptaufträge vorgesetzt, in denen wieder auf Köpfchen statt auf Knalleffekte gesetzt wird. Als Agent 47 sollen wir während eines Autorennens bei Miami den Manager einer dubiosen Firma für Waffentechnik ausschalten - und dessen ebenso zwielichtige Tochter, die selbst Rennen fährt.

Eine der Herausforderungen ist es, überhaupt in die Nähe der Zielpersonen zu gelangen, schließlich gibt es bei derartigen Veranstaltungen viele gut von Wachpersonal und Personenschützern abgesicherte Bereiche. Also müssen wir uns als Techniker oder VIP verkleiden, als Personal hinter einem Bartresen die Gespräche der Gäste belauschen und so an Informationen kommen - und uns notfalls sogar mit einem riesigen Flamingokostüm tarnen, um ungesehen voranzukommen.

Die Handlung dreht sich wie in den Vorgängern zum einen um die Herkunft der mysteriösen Hauptfigur, deren Herkunft und Ausbildung nach wie vor ungeklärt sind. Zum anderen geht es um Geheimorganisationen wie Providence, die unfassbar mächtig sind und natürlich nur Böses im Schilde führen. Agent 47 kämpft also für das Gute - falls wir und er die Lage korrekt einschätzen, was immer wieder offengelassen wird.

In Hitman 2 haben wir ähnlich viele Freiheiten wie im Vorgänger, wenn es um das Erledigen der Aufträge geht. Wir können mit Rattengift in Cocktails töten, unser Opfer mit der Klaviersaite in einer Toilette von hinten erdrosseln, Sprengsätze deponieren oder das ganze wie einen Unfall aussehen lassen, indem wir die Befestigung von Fässern lösen oder einen Motor explodieren lassen.

Damit Einsteiger trotz der Vielfalt an Optionen klarkommen, gibt es zahlreiche Hilfen, etwa Markierungen von benutzbaren Gegenständen, sowie das Adlerauge, das unser nächstes Ziel auf Knopfdruck rot hervorhebt. Fortgeschrittene Spieler können die meisten dieser Hilfen ausschalten, dann steigt der Schwierigkeitsgrad spürbar an.

Verfügbarkeit und Fazit

Aber im Grunde ist Hitman 2 darauf ausgelegt, dass man die Missionen nach dem ersten Durchgang noch mal absolviert, um einen anderen Schwierigkeitsgrad und vor allem alternative Vorgehensweisen auszuprobieren - oder eleganter durchzukommen. Die Welten sind so groß und gut gestaltet, dass das hier richtig Spaß macht! Neben dem Rennzirkus bei Miami sind wir unter anderem in einem tollen Einsatz im indischen Mumbai unterwegs, besuchen einen wunderschönen herbstlichen US-Vorort namens Whittleton Creek und eine düstere Insel im Nordatlantik.

Sehr viele Neuheiten beim Gameplay gegenüber dem Vorgänger finden sich nicht. So können wir uns nun im Laub verstecken, vor allem aber in Menschenmassen untertauchen - sofern wir dabei tatsächlich aus der Sichtlinie der Verfolger verschwinden. Es gibt eine neue Anzeige, die uns anstelle einer Texteinblendung zeigt, wie und wo ein von uns versteckter Körper gefunden wurde. Dazu kommen ein paar weitere Details, etwa mehr Verkleidungsoptionen sowie das aus früheren Serienteilen bekannte Köfferchen mit dem Scharfschützengewehr.

Mit den Missionen der Hauptkampagne dürften Spieler unserer Schätzung nach mindestens 15 Stunden beschäftigt sein. Wer Spaß am Knobeln und dem Ausprobieren alternativer Vorgehensweisen hat, kann aber locker drei- oder viermal so viel Zeit mit Agent 47 verbringen. Der Spielstand wird regelmäßig automatisch gesichert, außerdem können wir jederzeit eigene Savegames anlegen. Nervig: Hitman 2 unterscheidet (für uns ohne erkennbaren Grund) zwischen Savegames aus dem Onlinemodus und dem Offlinemodus, beide sind nicht kompatibel. Wer nicht im Onlinemodus antritt, bekommt keine Punkte, Fortschritte und Herausforderungsabschlüsse gutgeschrieben.

Das Programm erlaubt außerdem den Download der Aufträge aus dem direkten Vorgänger, dazu kommen spezielle Missionen für zwei Spieler im Koop sowie für zwei Spieler im Wettbewerb um das schnelle Töten von Zielpersonen. Ab dem 20. November 2018 soll es außerdem auf Basis bestehender Missionen neue Herauforderungen namens "Schwer zu fassendes Ziel" geben, die Spieler nur einmal und dann nicht wieder versuchen können.

Hitman 2 erscheint am 13. November 2018 für Windows-PC, Xbox One und Playstation 4 für rund 60 Euro. Die Grafik sieht aus wie im Vorgänger, was bedeutet: schöne und vor allem Umgebungen mit teils extrem vielen Figuren, aber relativ einfache Animationen und starre Mimik. Die Sprachausgabe erfolgt nur auf Englisch, dazu gibt es zuschaltbare Untertitel in einstellbarer Größe. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Selbst wer kein Geheimagent ist, merkt beim Spielen von Hitman 2: Die Entwickler wissen inzwischen, wie maximal interessante Herausforderungen für Agent 47 gestrickt werden. Das neue Abenteuer des mysteriösen Meuchelmörders wirkt jedenfalls sehr ausgefeilt. Kaum ein Spiel mit einer offenen Welt bietet so viele unterschiedliche Möglichkeiten, die Aufgaben zu lösen. Wir können mit der schallgedämpften Pistole töten oder mit der Klaviersaite, mit Tarnung ebenso agieren wie mit simpler Ablenkung durch einen Münzwurf.

Trotz der vielfältigen Optionen haben auch Einsteiger dank des guten Tutorials und der zuschaltbaren Hilfen relativ schnell Erfolgserlebnisse. Da stört es auch kaum, dass es abgesehen von den zusätzlichen Spielmodi eigentlich keine Neuerungen gibt. Über weite Strecken fühlt sich Hitman 2 an wie eine extrem große Erweiterung.

Das stört uns nicht so sehr wie die schwache Handlung. So interessant das alles auf den ersten Blick wirkt: Die ständigen Andeutungen darüber, dass demnächst bestimmt das große Rätsel hinter Agent 47 gelöst wird, funktionieren schon lange nicht mehr. Entsprechend offensichtlich ist es, dass die Hintergrundstory über mysteriöse Geheimorganisationen ziemlich sinnlos ist.  (ps)


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