Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/it-sicherheit-us-militaer-will-wissen-ueber-schadsoftware-teilen-1811-137659.html    Veröffentlicht: 12.11.2018 11:47    Kurz-URL: https://glm.io/137659

IT-Sicherheit

US-Militär will Wissen über Schadsoftware teilen

Die US Cyber National Mission Force hat begonnen, gefundene Schadsoftware auf Virustotal bereitzustellen. Das erste hochgeladene Sample soll von der mutmaßlich russischen Hackergruppe APT28 stammen.

Der Online-Virenscanner Virustotal hat einen neuen, staatlichen Unterstützer: Am 5. November 2018 hat die US Cyber National Mission Force (CNMF) ihr erstes Malware-Sample auf die Seite hochgeladen und angekündigt, auch in Zukunft Proben von Schadcode beizutragen.

Bei Virustotal können Nutzer verdächtige Dateien hochladen oder URLs angeben, die daraufhin von mehr als 70 Antivirenscannern und Domain Blacklists geprüft werden. Wurde ein neues Sample von Schadsoftware gefunden, nutzen das auch einige Antivirensoftware-Hersteller, um ihre Produkte zu aktualisieren. CNMF ist innerhalb des zum Militär gehörigen US Cyber Command dafür zuständig, Angreiferaktivitäten zu erkennen und Angriffe abzuwehren. Das US Cyber Command ist darüber hinaus auch für offensive Cyberkriegsführung zuständig.

Die CNMF stellte klar, dass sie nur Samples teilen wird, die nicht der Geheimhaltung unterliegen. Durch die Beteiligung der CNMF an Virustotal erhoffen sich einige Hersteller dennoch neue Erkenntnisse. Alexis Dorais-Joncas, Leiter des Security-Intelligence-Teams bei der Sicherheitssofwarefirma Eset, sagte gegenüber ZDnet, das müsse nicht unbedingt bedeuten, dass solche Malware bereits der IT-Sicherheitscommunity bekannt sei. Mehr Samples zu teilen könne nur von Vorteil sein.

Das erste Sample soll zu APT28-Malware gehören

Die ersten Samples, die CNMF beitrug, gehören zu LoJax, dem ersten real eingesetzten UEFI-Rootkit. Eset stellte das Rootkit zuerst im September 2018 vor. Die Schadsoftware wird der Hackergruppe APT28 zugeschrieben, die auch unter dem Namen Fancybear oder Sofacy bekannt ist. APT28 wurde bereits mit Angriffen auf den Deutschen Bundestag und deutsche Regierungsnetze in Verbindung gebracht und steht in Verdacht, im Auftrag der russischen Regierung zu arbeiten.

Auch die Einflussnahme auf den US-Wahlkampf im Jahr 2016 wird der Gruppe vorgeworfen. Gegenüber Motherboard sagte ein Pressesprecher des US Cyber Command, man wolle mit seiner Beteiligung bei Virustotal Informationen teilen und richte sich nicht gegen bestimmte Gegner. Mike Wiacek, der Sicherheitschef von Chronicle, dem Unternehmen hinter Virustotal, begrüßt die Teilnahme der CNMF und hofft, dass sich weitere internationale Regierungsbehörden diesem Weg anschließen.  (abi)


Verwandte Artikel:
LoJax: UEFI-Rootkit in freier Wildbahn gesichtet   
(28.09.2018, https://glm.io/136837 )
US Cyber Command: USA bauen Cyberwar-Truppe aus   
(28.01.2013, https://glm.io/97199 )
Fancy Bear: Microsoft verhindert neue Phishing-Angriffe auf US-Politiker   
(20.07.2018, https://glm.io/135601 )
Nach Gipfeltreffen: Trump glaubt Putin mehr als US-Geheimdiensten   
(17.07.2018, https://glm.io/135508 )
Russische Agenten angeklagt: Mit Bitcoin und CCleaner gegen Hillary Clinton   
(15.07.2018, https://glm.io/135477 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/