Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/funkloecher-telefonica-spottet-ueber-netzabdeckung-im-wald-fuer-pilze-apps-1811-137654.html    Veröffentlicht: 12.11.2018 11:15    Kurz-URL: https://glm.io/137654

Funklöcher

Telefónica spottet über Netzabdeckung im Wald für Pilze-Apps

Der Telefónica-Deutschland-Chef macht sich darüber lustig, dass es gutes Netz sogar im Wald geben soll. Für den flächendeckenden 5G-Ausbau fehlen die Mittel.

Telefónica Deutschland bezeichnet eine hundertprozentige Flächenabdeckung mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G mit den 3,5-GHz-Frequenzen als nicht machbar. "Eine vollständige Abdeckung der Bevölkerung mit schnellem Internet brauchen wir, ja, eine 100-prozentige Flächenabdeckung ist aber unmöglich", sagte Markus Haas, Vorstandsvorsitzender von Telefónica Deutschland, der Süddeutschen Zeitung. "Inzwischen soll es am liebsten ein gutes Netz im Wald geben, damit Pilzsucher über eine App ihre gesammelten Pilze bestimmen können", sagte Haas. Hintergrund für den Spott ist, dass die Telefónica aus der verschuldeten Konzernzentrale in Madrid nicht genügend finanzielle Mittel bekommt, um ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen.

Insgesamt sei die Akzeptanz für den Mobilfunk und den notwendigen Ausbau in der Bevölkerung sehr gestiegen. "Inzwischen unterstützen die Gemeinden und selbst die Grünen den Ausbau des Mobilfunks", erklärte Haas.

"Es wird nicht auf jeder kleinen Straße, in jedem Waldstück und in jeder Anwohnersackgasse 5G geben. Dafür müssten wir mehrere Hunderttausend Antennen bauen, das ist weder wertstiftend noch finanzierbar", sagte Haas. Tatsächlich ist der 5G-Ausbau laut Informationen von Golem.de kostspielig und würde durch die vielen neuen Sites, die errichtet werden müssten, pro Netzbetreiber einen Betrag im unteren zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich kosten. Um Kosten zu sparen, wäre der Aufbau eines gemeinsamen Netzes eine logische Möglichkeit.

Bundesinnenminister Seehofer hatte zuletzt 5G in jedem Dorf gefordert. "Wir brauchen eine ehrliche öffentliche Diskussion und sollten uns nicht immer mit unrealistischen Vorschlägen überbieten, die technisch gar nicht machbar sind", sagte Haas dazu. Etwa für das autonome Fahren sei künftig eben ein Technologiemix nötig, auch mit Hilfe von Sensoren, Satelliten und anderen Technologien.

Ende November will die Bundesnetzagentur die Bedingungen öffentlich machen, darunter laut Süddeutscher Zeitung auch der Zwang zu einem flächendeckenden Aufbau. Hass fordert nun deutlich geringere Minimumangebote, damit mehr in die Infrastruktur investiert werden kann. "Der Staat hat doch derzeit kein Einnahmeproblem. Wenn in drei Jahren gewählt wird, werden die Bürger sich fragen, ob die Netze besser ausgebaut wurden, nicht, wie viel bei der Frequenzauktion in den Staatshaushalt floss", sagte Haas.  (asa)


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