Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hoettges-telekom-chef-warnt-vor-5g-desaster-1811-137626.html    Veröffentlicht: 09.11.2018 14:45    Kurz-URL: https://glm.io/137626

Höttges

Telekom-Chef warnt vor 5G-Desaster

Tim Höttges sieht in der laufenden Diskussion um ein möglichst flächendeckendes 5G-Netz die Gefahr eines industriepolitischen Desasters mit dem neuen Netz.

Telekom-Chef Tim Höttges hat vor laut seiner Darstellung zu hohen Anforderungen an das 5G-Netz in Deutschland gewarnt. Er sagte am 8. November 2018 nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse: "Hier gibt es einen politischen Wettbewerb um möglichst hohe Auflagen, ohne Rücksicht darauf, ob die Betreiberunternehmen das überhaupt leisten können. Deutschland droht ein industriepolitisches Desaster."

Zu der Forderung des Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation) und aus der Politik, einen vierten Netzbetreiber wie den MVNO (Mobile Virtual Network Operator) United Internet zuzulassen, erklärte er: "Wer das fordert, stellt sich gegen den Ausbau im ländlichen Raum und verliert die digitale Zukunft Deutschlands."

Laut Telefónica-Chef Marcus Haas ist mit den 3,5-GHz-Frequenzen, die im Frühjahr 2019 vergeben werden sollen, in Deutschland eine "umfassende Versorgung aber weder physikalisch noch wirtschaftlich möglich. Dies würde zigtausende neue Mobilfunkmasten erfordern und wäre - wie Kanzleramtsminister Helge Braun unlängst richtigerweise festgestellt hat - unfassbar teuer." Tatsächlich ist der 5G-Ausbau laut Informationen von Golem.de teuer und würde durch die vielen neuen Sites, die errichtet werden müssten, pro Netzbetreiber einen Betrag im unteren zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich kosten. Um Kosten zu sparen, wäre der Aufbau eines gemeinsamen Netzes eine logische Möglichkeit.

Für eine Versorgung der Bevölkerung mit einer Datenübertragungsrate von 300 MBit/s wären mit dem derzeit verfügbaren Umfang an Flächenspektrum über 200.000 Mobilfunkstandorte in Deutschland erforderlich. Das wandte die Telefónica in einem Positionspapier an die Beiratsmitglieder der Bundesnetzagentur im September 2018 ein. Es gibt pro Mobilfunkbetreiber in Deutschland gegenwärtig rund 25.000 Antennenstandorte, insgesamt also circa 75.000.

Die Forderung des Beirats vom 25. Juni 2018, bis Ende des Jahres 2025 98 Prozent der Bevölkerung mit 300 MBit/s zu versorgen, ist laut Telefónica mit dem vorhandenen Flächenspektrum faktisch nicht erfüllbar, weil deutlich zu wenig Spektrum unter einem GHz verfügbar ist. Würde man hierzu Kapazitätsspektrum verwenden, das wesentlich weniger Fläche versorgen kann, wären in der Folge rund 70.000 zusätzliche Basisstationen und Investitionen in Höhe von über 25 Milliarden Euro pro Netzbetreiber nötig. "Inklusive der vom Beirat gewünschten Versorgung der Verkehrsinfrastruktur mit 5G müsste allein Telefónica insgesamt rund 76 Milliarden Euro investieren und über 200.000 Mobilfunkstandorte in Deutschland betreiben", betonte die Telefónica.

FDP will Frequenzen gegen Auflagen verschenken

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Carl-Julius Cronenberg fordert, dass die Bundesregierung bei der Versteigerung der Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard komplett auf Auktionserlöse verzichten soll. Mit den dann eingesparten Milliarden Euro sollten die Anbieter schnelles Internet auch im ländlichen Raum ermöglichen, sagte Cronenberg der Westfalenpost.

Es sollten "scharfe Bedingungen formuliert werden, die Wettbewerb und Breitbandausbau fördern, innovative Geschäftsmodelle zulassen und bundesweites Roaming erleichtern", sagte Cronenberg der Zeitung. Die FDP-Fraktion im Bundestag unterstütze seine Forderung, betonte der Politiker.

"Die GroKo muss der Versuchung widerstehen, über hohe Auktionserlöse alte Netze zu fördern. Wir haben kein Geld zu verlieren, aber Zeit", sagte Cronenberg.  (asa)


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