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Amazons Echo Show (2018) im Test

Auf keinem anderen Echo-Gerät macht Alexa so viel Freude

Die zweite Generation des Echo Show ist da. Amazon hat viele Kritikpunkte am ersten Modell beseitigt. Der Neuling hat ein größeres Display als das Vorgängermodell und das sorgt für mehr Freude bei der Benutzung. Trotz vieler Verbesserungen ist nicht alles daran perfekt.

Technisch hat Amazon das smarte Display Echo Show erheblich aufgewertet: Es gibt ein deutlich größeres Display und die Lautsprecher wurden anders in das Gerät eingebaut. Als weitere Neuerung ist ein Smart-Home-Hub nach dem Zigbee-Standard eingebaut, so dass mancher Käufer die Anschaffung eines separaten Hubs sparen kann. Abseits der Hardware-Verbesserungen fallen vor allem Software-Neuerungen positiv auf: Denn bei unserem Test des ersten Echo Show vermissten wir schmerzlich einen Browser. Davon gibt es nun gleich zwei und mit beiden können wir endlich auf Inhalte zugreifen, die Alexa nicht bietet.

In unserem Test vergleichen wir den Neuling mit dem Vorgängermodell und zeigen, für wen sich die Anschaffung der Neuvorstellung lohnt. Auch wer mit einem Echo Show liebäugelt, muss nicht unbedingt zum Neuling greifen. Wer sich das Vorgängermodell anschafft, spart Geld, und muss sich dabei nur auf eine Einschränkung einlassen.

Der entscheidende Vorteil des neuen Echo Show ist das größere Display. Das alte Modell hat einen 7 Zoll großen Bildschirm, der Nachfolger hat einen 10,1 Zoll großen Touchscreen. Für die reinen Alexa-Funktionen ist der größere Bildschirm nicht erforderlich, aber das Schauen von Videos, Filmen oder Serien macht auf einem größeren Bildschirm mehr Spaß. Und damit steigt der Nutzwert des Geräts aufgrund des größeren Displays.



Auch beim neuen Modell hat sich Amazon für ein stark spiegelndes Modell entschieden. Durch die Wahl eines passenden Aufstellungsortes lässt sich das aber in den Griff bekommen. Das Display ist farbkräftig, kontraststark und blickwinkelstabil; die Displayhelligkeit lässt sich ausreichend hoch regeln. Die Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln führt dann nicht gerade zu Schärfehöhenflügen - hier hätte es mindestens eines Full-HD-Displays bedarft. Wer mit dem Show vor allem viel Filme und Serien konsumieren will, dem wird eine höhere Auflösung fehlen.

Oberhalb des Displays befindet sich eine 5-Megapixel-Kamera, um auch mit dem neuen Show Videotelefonate mit anderen Echo-Displaygeräten oder der Alexa-App auf dem Smartphone führen zu können. Das ganze geschieht auf Zuruf und funktioniert so gut wie mit dem ersten Show. Für Videotelefonate ist die Auflösung ausreichend, bei dunler Umgebung erhöht sich der Rauschanteil aber schnell. Wer keine Videotelefonate führen möchte, kann es auch auf reine Alexa-Telefonate begrenzen, die mit anderen Echo-Lautsprechern oder der Alexa-App möglich sind. Alle Anruf- und Videofunktionen stehen nicht für Alexa-Lautsprecher anderer Hersteller bereit, sondern sind auf die Amazon-eigenen Geräte beschränkt.

Skype kommt später

Zu einem späteren Zeitpunkt soll der Echo Show auch die Möglichkeit erhalten, über Skype zu telefonieren. Wann die Funktion angeboten wird, haben Amazon und Microsoft bisher nicht bekanntgegeben. Derzeit läuft noch ein Betatest, so dass es sein könnte, dass die Funktion dieses Jahr nicht mehr kommt. Leider bietet Amazon derzeit keine Möglichkeit, gezielt nur die Kamera des smarten Displays zu aktivieren, um diese als Überwachungskamera zu verwenden. So könnten Nutzer zu Hause nach dem Rechten sehen, ohne erst einen Anruf tätigen zu müssen. Es wäre wünschenswert, wenn diese Möglichkeit noch eingebaut wird.

Die Kamera ist wie beim Vorgängermodell fest verbaut und der Neigungswinkel des gesamten Geräts lässt sich weiterhin nicht verändern. Für die Displayfunktionen stimmte der vorgegebene Neigungswinkel eigentlich immer, auch wenn das Gerät etwa auf einem höheren Schrank aufgestellt wurde. Bei Videotelefonaten kann es jedoch passieren, dass der Angerufene von der Kamera nicht richtig erfasst wird und dann seine Position verändern muss, weil die Kameraposition nicht ohne Weiteres verändert werden kann.



Generell kann die Show-Kamera bei Bedarf in den Optionen komplett abgeschaltet werden, auch auf Zuruf kann die Kamera ein- oder ausgeschaltet werden. Ansonsten kann die Kamera zusammen mit den Mikrofonen mit der Stummschalttaste abgeschaltet werden. Eine separate Kamera-Aus-Taste gibt es auch am neuen Modell nicht. Die Mikrofone lassen sich wie bei allen anderen Alexa-Geräten nicht auf Zuruf ausschalten, es geht nur mit der Taste am Gerät. Wenn die Mikrofone ausgeschaltet sind, bietet auch der neue Echo Show keine Möglichkeit, Alexa mit einem Tastendruck zu aktivieren, wie es bei anderen Alexa-Lautsprechern der Fall ist. Auch auf dem Display gibt es keine Möglichkeit, Alexa manuell aufzurufen.

Insgesamt hat der neue Show acht Mikrofone, davon sind vier rund um die Frontkamera angeordnet und vier weitere auf der Oberseite des Geräts. Dadurch soll die Sprachsteuerung zusätzlich verbessert werden. Aber beim alten Modell hatten wir mit der Alexa-Erkennung keine Probleme - es ließ sich kein spürbarer Unterschied bei der Erkennungsleistung erkennen.

Wie bei den Echo-Plus-Lautsprechern hat Amazon auch in den neuen Echo Show einen Smart-Home-Hub integriert, um direkt Zigbee-kompatible Smart-Home-Geräte wie etwa Philips-Hue- oder Osram-Lampen nutzen zu können. Die Aufstellung eines separaten Smart-Home-Hubs ist nicht erforderlich. Wer also mit dem smarten Display neu in die Smart-Home-Welt eintaucht, spart hier Anschaffungskosten.

Klang ist zu basslastig

Beim neuen Echo Show hat Amazon 50-mm-Neodymium-Stereo-Treiber und einen passiven Bassradiator eingebaut. Dabei strahlen die Stereolautsprecher seitlich ab, so dass der Stereoeffekt besser wahrnehmbar ist als beim Vorgänger. Das 7-Zoll-Modell hat einen klaren Klang, der wenig Bass zu bieten hat. Das ändert sich mit dem Neuling grundlegend. Das neue Modell hat einen ordentlichen Bass, ohne aber einen mit teureren smarten Lautsprechern vergleichbaren Tiefbass zu erreichen.

Der Klang des neuen Show ist insgesamt zu basslastig, so dass die Klarheit von Stimmen darunter leidet. Gesang ist weniger gut zu verstehen und rückt dadurch merklich in den Hintergrund. Vor einiger Zeit wurde für die Echo-Lautsprecher ein Equalizer zur Klangbeeinflussung bereitgestellt. Den gibt es auch beim Show, so dass sich der überpräsente Bass etwas abmildern lässt.



Das geht auch bequem auf Zuruf: "Alexa, regele den Bass runter" erledigt das. Dabei wird kurz die Einstellung auf dem Display angezeigt und wir können mit dem Finger weitere Feinjustage vornehmen. Wenn wir den Equalizer mittels Sprachbefehl auf das Display bekommen wollen, scheitern wir. Ein "Alexa, zeige den Equalizer" zeigt auf Prime Video Filme und Serien, die ein solches Wort im Titel haben oder mit dem Film Equalizer in Verbindung stehen.

Aber selbst, wenn wir den Bassregler ganz herunterregeln, schaffen wir es nicht, den Klang so klar wie auf dem alten Show hinzubekommen. Im direkten Vergleich gefällt uns der klare Klang des 7-Zoll-Modells besser als der zu dumpf klingende Neue. Wir haben das neue Modell auch gegen den neuen Echo Plus antreten lassen. Dabei zeigten sich erhebliche Unterschiede. Der neue Echo Plus liefert einen klareren Klang und übertreibt es mit dem Bass nicht so stark, das Klangbild wirkt wesentlich harmonischer. Gegen den ausgewogenen Klang eines etwa gleich teuren Sonos One hat der neue Echo Plus keine Chance.

Auf der Oberseite des Show gibt es wieder drei Tasten. Eine Stummschalttaste, um Kamera und Mikrofon abzuschalten, sowie zwei Tasten zur Lautstärkeregelung. Es gibt keine Taste zur manuellen Aktivierung von Alexa; auch über das Display kann Alexa nicht manuell aufgerufen werden, sondern immer nur durch das Signalwort. Am Gerät gibt es nur einen Stromanschluss, mit einem 3,5-mm-Klinkenkabel ließen sich drahtgebunden andere Lautsprecher damit nutzen. Dadurch können andere Lautsprecher nur über Bluetooth bespielt werden.

Bei den Software-Funktionen gibt es auch viele Verbesserungen, vor allem das Nachreichen eines Browsers war überfällig.

Viele Software-Verbesserungen

Mit dem neuen Show führt Amazon eine Reihe von Software-Verbesserungen ein, die auch für den Echo Show der ersten Generation und in Grenzen auch für den Echo Spot angeboten werden. Im Detail gibt es einige Unterschiede bei der Darstellung, weil beim neuen Show einfach mehr Platz auf dem Bildschirm vorhanden ist. Das macht sich etwa bei der Darstellung von Medieninhalten bemerkbar, das große Display sorgt hier für eine bessere Übersichtlichkeit im Vergleich zum 7-Zoll-Modell.

Die entscheidende Neuerung sind die beiden Browser Silk und Firefox. Wie bei den Fire-TV-Geräten erhalten die beiden Echo-Show-Modelle neben Amazons eigenem Silk-Browser auch noch den Browser von Mozilla. Damit können auf einem Show nun auch Informationen abgerufen oder Videos angesehen werden, die nicht über das Alexa-Ökosystem abrufbar sind. Mal eben eine Newsseite im Browser anschauen ist kein Problem, auch eine Wikipedia-Recherche ist möglich. Beide Browser reagieren schnell, wir können uns zügig durch die Inhalte bewegen. Auch Youtube-Videos lassen sich abspielen, so dass sich Show-Nutzer nicht mehr auf das Videoclip-Sortiment von Dailymotion und Vimeo beschränken müssen - die im Gegenzug Sprachbefehle unterstützen.



Auch die Wiedergabe von Inhalten aus den Mediatheken der deutschen Fernsehsender ist kein Problem. Eine Netflix-Wiedergabe ist hingegen nicht möglich. Mit Firefox können wir uns nicht einmal bei Netflix anmelden, mit Silk klappt das hingegen. Sobald wir aber etwas abspielen wollen, werden wird zur Play-Store-Webseite verwiesen - und sollen die Android-App von Netflix installieren.

Hier bleibt die vage Hoffnung, dass Netflix irgendwann mal direkt unterstützt wird. Zumindest auf der Fire-TV-Plattform arbeitet Amazon eng mit Netflix zusammen und in den USA sind mit Hulu und NBC zwei neue Videostreamingdienste auf dem Show gestartet, die nicht von Amazon stammen. Also prinzipiell unterstützt Amazon hier die Konkurrenz. Aber auch in den USA gibt es bisher für die Echo-Show-Geräte keine Netflix-Unterstützung.

Beide Browser lassen sich unsinnigerweise ausschließlich mit einem Sprachbefehl aufrufen, obwohl jede weitere Interaktion dann nur mit den Fingern möglich ist. Wir fänden es viel praktischer, wenn wir die Browser auch mit einem Fingertipp auf das Display starten könnten. Schön wäre es auch, wenn es eine Smartphone-App gäbe, um Suchanfragen an den Echo Show zu senden und sich diese darauf anzuschauen, ohne erst zum Smart Display hingehen zu müssen.

Browser-Bedienung nur über das Display

Mit "Alexa, starte Silk" oder "Alexa, öffne Silk" erscheint der Amazon-Browser auf dem Display; die gleiche Befehlsfolge ist für Firefox möglich. Auf der Startseite der beiden Browser lassen sich Lesezeichen ablegen. Nur das Youtube-Lesezeichen kann mit dem Befehl "Alexa, öffne Youtube" gestartet werden. Andere Lesezeichen können nicht auf Zuruf geöffnet werden. Befehle wie "Alexa, öffne Firefox mit Golem.de" werden nicht verstanden.



Alle URLs müssen über die Bildschirmtastatur eingegeben werden. Hier ist Amazon in den USA bereits weiter. Hier wird Alexa auch für Diktierfunktionen genutzt und die Anwender können eine URL ansagen, die dann im Browser geöffnet wird. Zudem können in den USA Inhalte auf Youtube gesucht werden, wenn die Seite aktiv ist. Auch das Maximieren von Videos soll mit Sprachbefehlen möglich sein. Hier sollte Amazon schleunigst nachbessern, damit die Browser umfangreicher mit der Sprache gesteuert werden können.

Die Anpassung der Tastatur an deutsche Nutzer ist nicht ganz zu Ende gedacht. Für die Eingabe von URLs gibt es eine Kürzeltaste, um bequem die Domains .com, .net, .gov, .edu oder .org einzugeben. Eine solche Funktion gibt es für die de-Domain leider nicht, das würde manchmal etwas Tipparbeit ersparen.

In beiden Browsern können die Lesezeichen auf der Startseite nicht umsortiert werden. Die Reihenfolge ergibt sich daraus, wann ein Lesezeichen hinzugefügt wurde. In Firefox können wir länger auf ein Lesezeichen tippen, um es zu löschen. So bequem funktioniert es in Silk nicht. Zum Löschen eines Lesezeichens muss die betreffende Webseite erst geladen werden. Anschließend muss in der Symbolleiste auf das Lesezeichen-Symbol getippt werden - es wird im Grunde abgehakt - und dann ist das Lesezeichen nicht mehr vorhanden.

Mehr Befehle über das Display

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, mehr Funktionen auch ohne Sprachbefehl über das Display ausführen zu können. Es gibt drei neue Bereiche namens Wecker, Lampen und Routinen. Über die Weckerfunktion kann ein neuer Alarm auch ohne Sprachbefehle angelegt werden - allerdings können wir uns so nicht mit Musik wecken lassen. Das geht weiterhin nur über einen Sprachbefehl.



Mit den Lampen- und Routinen-Funktionen lassen sich Smart-Home-Komponenten über das Display umschalten oder Alexa-Routinen aktivieren. Beides ist eine praktische Verbesserung für die Geräte, weil es immer mal Situationen gibt, in denen keine Sprachbefehle erwünscht sind, aber Smart-Home-Geräte darüber gesteuert werden sollen.

Die Lampensteuerung könnte noch etwas Feintuning vertragen. Denn leider zeigt die Lampenansicht nicht, ob eine Lampe ein- oder ausgeschaltet ist. Wenn wir also nicht sicher sind, ob die Lampe in einem anderen Raum ausgeschaltet ist, können wir das auf den Echo-Displaygeräten nicht erkennen.

Wie auch bisher schon ist der Zugriff auf die Filme und Serien von Prime Video möglich - sogar sehr bequem komplett mit Sprachsteuerung. Wir können uns auf Zuruf direkt die eigene Watchlist anzeigen lassen oder uns eine speziell angepasste Prime-Video-Homepage anzeigen lassen. Wir können auch gezielt nach Prime-Filmen oder Prime-Serien suchen. Wie auch bisher fehlt hier wie auf den Fire-TV-Geräten die Prime-Banderole. Es ist zwar erkennbar, wenn ein Titel nicht im Prime-Abo enthalten ist, allerdings weniger auffällig als die auf anderen Plattformen gut sichtbare Prime-Banderole.



Während sich die neuen Echo-Modelle wie Echo Dot oder Echo Plus bequemer einrichten lassen, gilt das nicht für die smaten Displays von Amazon. Denn die Einrichtung erfolgt direkt am Gerät und nicht wie bei den Lautsprechern über die Alexa-App. Auf dem Display müssen daher WLAN-Schlüssel und Amazon-Konto eingegeben werden - diese Schritte können bei den Echo-Lautsprechern entfallen und machen deren Ersteinrichtung bequemer als beim Show.

Bei der Nutzung nervt der Echo Show mit einigen lästigen Beschränkungen, die auch noch beim neuen Modell vorhanden sind.

Einige lästige Eigenheiten sind geblieben

Trotz vieler Verbesserungen hat Amazon einige lästige Eigenheiten des Show beibehalten. Auch beim neuen Modell erwacht das Display, sobald sich eine Person dem Gerät nähert oder daran vorbei läuft. Dieses Verhalten kann nur abgeschaltet werden, indem der Bitte-nicht-stören-Modus aktiviert wird: Dann reagiert das Display nicht mehr auf Bewegungen. Dann kann das smarte Display aber nicht mehr angerufen werden.

Wenn der Bitte-nicht-stören-Modus aktiv ist, wird das Display ausgeschaltet, wenn keine Interaktion mit dem Gerät erfolgt. Diese Betriebsart hätten wir auch gerne, ohne damit auch gleich die Anruffunktionen zu deaktivieren. Der Nicht-Stören-Modus kann immerhin auf Zuruf umgeschaltet werden.

Startbildschirm drängelt sich nach vorne

Das Abschalten des Displays verringert den Strombedarf des Show. Bei eingeschaltetem Display liegt der Verbrauch im Standby bei 8 Watt, wenn das Display aus ist, sind es bei 3 Watt. Außerdem wird durch das Ausschalten des Displays der fehlende Leuchtring ausgeglichen. Wenn das Display anspringt, ist das ähnlich auffällig wie der Leuchtring bei den Echo-Lautsprechern, so dass wir es vorziehen, den Show meist im Bitte-nicht-stören-Modus zu betreiben.



Weiterhin bleibt das Problem, dass nach 30 Sekunden ein geöffneter Skill automatisch beendet wird. Auch Einstellungen oder Suchergebnisse etwa in Prime Video verschwinden nach dieser Wartezeit und der Startbildschirm erscheint. Wenn wir uns also etwa gerade einen Film rausgesucht, aber noch nicht mit der Wiedergabe begonnen haben, müssen wir alles nochmal machen. Wir finden diesen Zeitraum erheblich zu kurz gewählt. Ersatzweise sollte es einen Befehl geben, die letzte Ansicht aufzurufen.

Ein ähnliches Verhalten gibt es, wenn ein Browser geöffnet ist. Auch dieser wird beendet und es erscheint der Startbildschirm, wenn fünf Minuten lang keine Interaktion vom Gerät bemerkt wurde - in dem Fall also vor allem Berührungen des Displays. Lediglich Silk merkt sich dann zumindest die zuletzt aufgerufene Webseite und wenn wir Silk wieder starten, können wir einfach weitermachen.

Nach fünf Minuten hat Firefox alles vergessen

Das gilt leider nicht für Firefox: Wer also mühsam eine Webseite in Firefox herausgesucht hat, dann fünf Minuten nicht am Gerät ist, muss alle Schritte erneut vornehmen - sofern er nicht vorher geistesgegenwärtig ein Lesezeichen der Webseite angelegt hat. Amazon sollte daran arbeiten, dass auch Firefox erstmal mit der zuletzt aufgerufenen Webseite startet. Aufgrund dieser Einschränkung verwenden wir derzeit lieber Silk als Firefox.

Leider bietet der Show weiterhin keine Möglichkeit, die verfügbaren Skills auf dem Display anzuzeigen. Das Durchstöbern erfordert also weiterhin den Griff zur Alexa-App. Es gibt auch keine Übersicht der aktivierten Skills. Diese werden zwar bei Bedarf per Zuruf gleich mit aktiviert, aber nach wie vor muss der Nutzer die entsprechende Bezeichnung merken, um ihn nutzen zu können. Amazon arbeitet gerade daran, dass Skills auch ohne Ansage des korrekten Namens gefunden werden, aber das ist noch am Anfang.



Nur für die eigenen Echo-Geräte erlaubt es Amazon, das Alexa-Signalwort zu verändern. Amazon, Echo oder Computer können ergänzend zu Alexa ausgewählt werden. Dabei muss sich der Nutzer für ein Wort entscheiden, das System reagiert immer nur auf eines der vier Signalwörter. Für Alexa-Lautsprecher anderer Hersteller wird diese Möglichkeit nicht angeboten. Amazon will offenbar sicherstellen, dass der Käufer des Lautsprechers weiß, dass er ein Alexa-Gerät hat.

Mit dem Show lassen sich alle Alexa-Funktionen nutzen. Wir können uns also auf Zuruf das Wetter oder tagesaktuelle Nachrichten ansagen lassen. Mit ein paar Worten ist eine smarte Lampe im Haushalt ein- oder ausgeschaltet und wir können Dinge mit Sprachbefehlen auf die Einkaufsliste setzen. Schnell ist auf Zuruf ein Timer gestellt und wir können den kleinen Lautsprecher auch als Wecker nutzen - bei Bedarf werden wir mit Musik geweckt. Bei der Musikwiedergabe können Amazon Music, Spotify und Deezer komplett per Sprache gesteuert werden.

Ergänzend dazu gelten die Besonderheiten bei der Bedienung, die wir ausführlich in unserem Test des ersten Echo Show aufgeführt haben. So können etwa gestellte Wecker oder Timer auf Zuruf angezeigt werden und auch der Inhalt der Einkaufsliste erscheint mit einem Sprachbefehl auf dem Bildschirm. Viele Alexa-Funktionen und Skills nutzen das Display zudem für Zusatzinformationen. Bei der Frage nach den Wetteraussichten wird immer auch gleich eine Vorschau für die nächsten Tage eingeblendet. All das macht die Alexa-Nutzung wesentlich komfortabler, als wenn wir ein Gerät ohne Display verwenden.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Echo Show (2018) mit 10-Zoll-Touchscreen kostet 230 Euro, ist aber noch nicht ohne Weiteres zu bekommen. Zwischendurch hat Amazon Kunden immer wieder damit beliefert, derzeit wird als Lieferdatum der 20. November 2018 genannt. Derzeit gibt es den neuen Show im Paket mit einer Hue-Lampe für ebenfalls 230 Euro. Beim Kauf von zwei Show (2018) gewährt Amazon einen Rabatt von 100 Euro, so dass beide zusammen mit zwei Hue-Lampen für 360 Euro zu haben sind.

Der alte Echo Show mit 7-Zoll-Touchscreen wird weiterhin zu einem reduzierten Preis von 160 Euro angeboten; der Listenpreis dafür betrug vorher ebenfalls 230 Euro und liegt nun bei 220 Euro. Das alte Modell wurde in Verkaufsaktionen auch immer mal wieder vor allem für Prime-Kunden zu günstigeren Preisen verkauft. Ähnliches wird vermutlich wieder passieren und bald dürfte es den neuen Show ebenfalls zu einem reduzierten Preis geben.

Fazit

Der neue Echo Show geht auf viele Kritikpunkte des alten Show ein - Amazon gelingt damit in den meisten Belangen das bessere Alexa-Display-Gerät. Als sichtbaren Gewinn gibt es ein größeres Display, das Informationen ordentlich anzeigt, aber weiterhin ziemlich stark spiegelt. Noch schöner wäre es, wenn das Display nicht nur weniger spiegelt, sondern auch Full-HD-Auflösung liefern würde. Bei der Klangqualität stört uns die überstarke Bassbetonung, die zu Lasten der Klarheit der Wiedergabe geht. Hier könnte ein Firmware-Update vielleich einiges ausmerzen, mit den Equalizer-Einstellungen ist kaum etwas zu retten.

Die beste funktionale Verbesserung betrifft die Integration eines Browsers, der Kunde kann hier sogar zwischen Silk und Firefox wählen. Das macht ein Alexa-Display erheblich universeller, weil so auch mal Dinge nachgeschlagen oder angeschaut werden können, die es im Alexa-Ökosystem nicht gibt. Damit ist die Wiedergabe von Youtube-Videos möglich und auch die Inhalte der Mediatheken der deutschen Fernsehsender können so abgespielt werden. Netflix funktioniert auf den Echo-Show-Browsern leider nicht.

Alle Software-Neuerungen des neuen Show gibt es bereits als Update für den Echo Show der ersten Generation. Das ist sehr lobenswert. Wer bereits einen alten Show hat und sich weiterhin mit dem kleineren Display begnügt, hat eigentlich keinen Grund, sich das neue Modell zuzulegen. Einen Browser hatten wir uns auf dem Echo Show schon von Anfang an gewünscht.



Wer über die erstmalige Anschaffung eines smarten Displays von Amazon nachdenkt, erhält mit dem neuen Modell bezüglich des Displays klar das bessere Gerät. Das größere Display ist ein gewaltiger Gewinn - das Schauen von Filmen oder Serien macht auf einem auf einem 10-Zoll-Display einfach mehr Vergnügen als auf einem 7-Zoll-Bildschirm. Die Klangqualität hat uns hingegen nicht überzeugen können, hier ziehen wir den klaren Klang des ersten Show vor und verzichten lieber auf einen dumpfen Bass, der die Höhen zu stark überstrahlt.

Wer weniger Geld ausgeben möchte, bekommt mit dem alten Echo Show weiterhin ein ordentliches Alexa-Gerät mit Display - nur eben alles eine Nummer kleiner. Auch das kleinere Modell macht die gesamte Alexa-Nutzung um einiges komfortabler als ein einfacher Echo-Lautsprecher, weil sich manche Informationen schneller ablesen als ansagen lassen. Die gesamte Alexa-Nutzung macht einfach mehr Spaß.  (ip)


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