Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/radeon-rx-590-im-test-amds-grafikkarte-leistet-viel-fuer-ihren-preis-1811-137568.html    Veröffentlicht: 15.11.2018 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/137568

Radeon RX 590 im Test

AMDs Grafikkarte leistet viel für ihren Preis

Der Refresh des Refreshs: AMDs Radeon RX 590 ist eine schnellere Radeon RX 580 und die war schon eine flottere Radeon RX 480. Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt dennoch - wer in 1080p oder 1440p spielt, kann zugreifen. Nur der Strombedarf ist happig, wenn auch kühlbar.

Während AMD im CPU-Segment mit der zweiten Ryzen- und der zweiten Threadripper-Generation dieses Jahr neue Prozessoren in den Handel brachte, tat sich bei Grafikkarten bisher nichts. Das ändert sich mit der Radeon RX 590: Die kostet 260 Euro bis 330 Euro und tritt als Mittelklasse-Modell für 1080p/1440p-Gaming gegen Nvidias Geforce GTX 1060 an. Wir haben die quietschblaue Variante von Sapphire getestet und finden, AMDs Polaris strahlt immer noch.

Der Codename für den Chip der Radeon RX 590 lautet Polaris 30, dahinter verbirgt sich ein optimierter Ableger des Polaris 20 der Radeon RX 580 (Test) und des Polaris 10 der Radeon RX 480 (Test). Bisher ließ AMD die Polaris-10/20-GPUs im 14LPP-Verfahren (14 nm Low Power Plus) beim Auftragsfertiger Globalfoundfoundries herstellen, für die Polaris 30 erfolgt der Wechsel auf den 12LP (12 nm Leading Performance) genannten Node des Partners. Diese Technik wird bereits für die Pinnacle Ridge, etwa den Ryzen 7 2700X (Test), verwendet und ist somit seit Monaten erprobt.

Bedingt durch Änderungen an der Middle-End- und der Back-End-of-Line wie den Metall-Layern, welche die Transistoren verknüpfen, ist per 12LP verglichen mit 14LPP ein kleinerer Chip möglich. AMD macht davon beim Polaris 30 aber keinen Gebrauch - der Chip bleibt gleich groß und die Transistoranzahl auch. Stattdessen nutzt AMD den Prozess für höhere Taktraten (plus 15 Prozent) und damit eine höhere Geschwindigkeit bei allerdings auch steigender Leistungsaufnahme. Die Referenzfrequenzen von AMD sind nicht bindend, unser Sapphire-Sample taktet flotter als die offiziellen 1.545/8.000 MHz (Boost/Speicher) und rechnet ergo auch etwas schneller.

Sapphire sieht 1.560/8.400 MHz bei der Radeon RX 590 Nitro+ Special Edition vor und geht damit den richtigen Weg: Neben der GPU läuft auch der GDDR5-Videospeicher schneller, da ansonsten der Chip tendenziell auf Daten warten müsste. Die Grafikkarte hat einen Schalter, um zwischen den beiden UEFI-Versionen umzuschalten: Voreingestellt ist der Nitro-Boost, im Standardmodus sinkt der Takt auf 1.545/8.000 MHz - das entspricht dann wieder der Vorgabe von AMD. Der Firmware-Wechsel ändert laut Sapphire die Zieltemperatur von 75 Grad nicht, was unsere Messungen bestätigen.

Vorerst bringen Asus, Powercolor, Sapphire und XFX ihre Modelle der Radeon RX 590 in den Handel - später sollen weitere Partner, darunter wohl Asrock und Gigabyte sowie MSI, folgen. Die Grafikkarten werden im Bundle mit drei Spielen verkauft, Versionen mit 4 GByte oder GDDR5X sind nicht geplant. Wir haben die Radeon RX 590 Nitro+ Special Edition von Sapphire gegen ihre direkte Vorgängerin, die Radeon RX 580 Nitro+, und Nvidias eigene Geforce GTX 1060 als Founder's Edition antreten lassen - ein übertaktetes Modell stand uns nicht zur Verfügung.

Schneller, aber auch durstiger

Als Basis nutzen wir einen Core i9-9900K (Test) auf einem Asus Maximus X Hero mit Z370-Chip und 16 GByte DDR4-Arbeitsspeicher. Windows 10 x64 v1803 und alle Anwendungen sowie Spiele sind auf einer Samsung PM981 installiert. Die beiden Radeon-Karten laufen mit der Radeon Software 18.11.1 und die Nvidia-Karte mit dem Geforce 416.94 jeweils mit Standardeinstellungen für anisotrope Filterung etc.

Generell eignet sich die Radeon RX 590 gut für 1080p- oder 1440p-Gaming, denn die meisten aktuellen Titel laufen mit diesen Auflösungen mit sehr hohen oder gar ultrahohen Details flüssig. In besonders fordernden Spielen wie Assassin's Creed Origins oder dem Nachfolger Odyssey oder Kingdom Come Deliverance sollte aber die mittlere Voreinstellung gewählt werden, da bei hohen Settings nur etwa 30 fps erreicht werden. Wer E-Sport-Titel oder Spiele wie Jurassic World Evolution zockt, kann Supersampling-Kantenglättung hinzuschalten oder in 4K loslegen.

Die Radeon RX 590 Nitro+ von Sapphire mit 1.560/8.400 MHz rechnet 14 Prozent schneller als die Radeon RX 580 Nitro+ des gleichen Herstellers mit 1.411/8.000 MHz. Der Abstand zur Geforce GTX 1060 als Founder's Edition beträgt 16 Prozent, typische OC-Versionen der Partner sind gut 5 Prozent flotter und verkürzen daher den Abstand zur ebenfalls übertakteten Radeon RX 590 Nitro+ etwas. Zumindest unsere Spiele- und Szenenauswahl zeigt, dass CoD WW2 tendenziell dem Nvidia-Modell besser liegt, Jurassic World Evolution und Rocket League hingegen klar den Radeon-Karten.

Im Leerlauf benötigt die neue Sapphire-Nitro mit fast 16 Watt statt etwas über 13 Watt ein bisschen mehr Energie, die kann der Platine oder den blauen LEDs der zwei 92-mm-Lüfter geschuldet sein. Die stehen bei unter 55 Grad still, was unter anderem bei Office-Arbeiten oder beim Foto-Export mit Adobe Lightroom der Fall ist. Unter Last macht sich der höhere Takt bemerkbar, wir messen satte 226 Watt statt 188 Watt. Dennoch ist die Radeon RX 590 unter Last schön leise - dem mächtigen Kühler sei Dank. Eine Geforce GTX 1060 in der Founder's Edition ist mit 115 Watt viel sparsamer, aber dennoch lauter. Diverse Custom-Designs hingegen rechnen so leise wie das Sapphire-Modell.

Verfügbarkeit und Fazit

Die uns zum Test vorliegende Radeon RX 590 Nitro+ Special Edition (1.560/8.400 MHz) verkauft Sapphire für 300 Euro. Die Radeon RX 590 ROG Strix (1.565/8.000 MHz) von Asus kostet 330 Euro, die Radeon RX 590 Red Devil (1.576/8.000 MHz) von Powercolor rund 290 Euro und die Radeon RX 590 Fatboy (1.580/8.000 MHz) von XFX gibt es für 260 Euro. Eine leicht übertaktete Geforce GTX 1060 mit 6 GByte Videospeicher liegt zwischen 260 und 290 Euro, die bisherige Radeon RX 580 bleibt für grob 220 bis 290 Euro im Handel. Für die schnellere Geforce GTX 1070 werden 400 Euro fällig.

AMDs Partner legen jeder Radeon RX 590 folgende drei Spiele bei: Devil May Cry 5, The Division 2 und das HD-Remake von Resident Evil 2.

Fazit

Auch wenn die Radeon RX 590 der Refresh eines Refreshs ist: Die AMD-Grafikkarte liefert eine ansprechende Leistung für 260 Euro bis 330 Euro, gerade wenn die drei Spiele mit in die Rechnung einbezogen werden. Aber auch ohne ist der Aufschlag auf eine Radeon RX 580 oder Geforce GTX 1060 rechtfertigbar, da 10 Prozent bis 15 Prozent mehr Bilder pro Sekunde gegeben sind.

Der Geschwindigkeitszuwachs geht mit einer deutlich gestiegenen Leistungsaufnahme einher, zumindest die von uns getestete Nitro+ Special Edition von Sapphire benötigt über 220 Watt statt rund 190 Watt. Bei anderen Modellen der Radeon RX 590 dürfte das nicht anders sein, das legen die Taktraten nahe. Die Kühlung der blau leuchtenden Special Edition fällt ungeachtet des Energiebedarfs unter Last leise aus, im Leerlauf schalten sich die beiden Lüfter ohnehin ab.

Wem die Spiele zusagen, die der Radeon RX 590 beiliegen, der sollte zugreifen. Alle anderen sind mit einer günstigeren Radeon RX 580 oder Geforce GTX 1060 besser bedient, denn die eignen sich für 1080p/1440p-Gaming mit hohen Details praktisch genauso gut.  (ms)


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