Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/biometrie-chinesische-polizei-setzt-system-zur-gangerkennung-ein-1811-137556.html    Veröffentlicht: 07.11.2018 10:58    Kurz-URL: https://glm.io/137556

Biometrie

Chinesische Polizei setzt System zur Gangerkennung ein

Die Statur und der Gang sind ein gutes biometrisches Merkmal, um einen Menschen auch von hinten zu erkennen. Die Polizei in Peking und Schanghai setzt eine Software ein, die das automatisiert kann - zum Glück nicht in Echtzeit.

Biometrische Merkmale gibt es viele: die Iris, das Gesicht, den Fingerabdruck, aber auch das Aussehen und den Gang. Letztere nutzen chinesische Behörden dazu, ihre Bürger in Peking und Schanghai zu überwachen.

In den beiden Metropolen setzt die Polizei seit kurzem ein System des Software-Unternehmens Watrix ein. Das System ist mit der Videoüberwachung gekoppelt und erkennt einen Menschen an seiner Statur und seinem Gang. Anders als bei Gesichtserkennungssystemen bedarf es dafür keiner hochaufgelösten Bilder aus der Nähe und auch keiner Kooperation der zu erkennenden Person.

Die Software wählt die Silhouette einer Person aus einem Video und analysiert deren Bewegungen. Anschließend erstellt sie ein Modell vom Gang dieser Person, den die Software in anderen Videos erkennt. Das geht jedoch - noch - nicht in Echtzeit. Es dauert rund zehn Minuten, um eine Stunde Videomaterial nach einer Person zu durchsuchen. Spezielle Kameras sind dafür nicht notwendig - das geht mit beliebigen Videoaufnahmen.

Das System soll sich nicht täuschen lassen

Das System erkenne eine Person auch von hinten oder wenn ihr Gesicht verdeckt sei, und das bis zu einer Entfernung von 50 Metern, sagte Watrix-Chef Huang Yongzhen der US-Nachrichtenagentur Associated Press. Die Software lasse sich auch nicht austricksen: "Die Ganganalyse lässt sich nicht durch Hinken, Gehen mit gespreizten Beinen oder Vorbeugen täuschen, weil wir alle Merkmale des ganzen Körpers erfassen."

Biometriker arbeiten seit gut zehn Jahren an Systemen zur Gangerkennung. Zuletzt haben britische und spanische Wissenschaftler ein solches System vorgestellt, das mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Es analysiert aber keine Videoaufnahmen, sondern nutzt für die Eingabe eine Sensormatte, um die Schritte einer Person zu erkennen.

China setzt massiv auf Videoüberwachung sowie auf biometrische Systeme, die Gesicht, das Geschlecht oder das Alter einer Person erkennen oder das Nummernschild eines Autos lesen können. Anfang des Jahres testete die Polizei ein mobiles Gesichtserkennungssystem: Polizeibeamte bekamen eine Brille, an der eine Kamera angebracht war. Die war mit einem tragbaren Gerät verbunden, auf dem eine Datenbank mit Gesichtern gespeichert ist. Damit sollten die Polizisten auf Streife Gesuchte in Menschenmengen etwa an Bahnhöfen ausmachen.  (wp)


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