Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0105/13752.html    Veröffentlicht: 03.05.2001 12:29    Kurz-URL: https://glm.io/13752

Audentify - Software soll MP3s am Inhalt erkennen

Bonner Informatiker entwickeln Suchmaschinen für Musikstücke

Liedtexte im Internet zu finden ist mittlerweile kein Problem mehr. Die Möglichkeit, durch Eingabe eines Musikfragments Informationen zum entsprechenden Titel zu finden, gab es dagegen bislang nicht. Dem wollen nun Bonner Informatiker mit ihren Software-Produkten "audentify!" und "notify!" abhelfen, die inhaltliche Anfragen an Musikstücke beantworten können sollen - was auch für die Musikindustrie und Unternehmen wie Napster nicht uninteressant ist.

So soll "audentify!" nicht nur digitalisierte Musikstücke, sondern auch Variationen selbiger erkennen können. Beispielsweise wird ein Klassik-Stück als "Vivaldis Vier Jahreszeiten" erkannt - und darüber hinaus, dass es sich um die Version vom 15. März in der Bonner Beethoven-Halle handelt und nicht um die der Berliner Philharmoniker. Zudem soll die Software robust gegen Veränderungen der Audiodaten sein, wie sie beispielsweise bei der MP3-Kompression entstehen.

An "audentify!" sollen laut den Programmierern Prof. Dr. Michael Clausen und Dr. Frank Kurth, beide vom Institut für Informatik III der Universität Bonn, momentan vor allem die Musikfirmen interessiert sein, da sich mit der Software Filter realisieren lassen, die den Austausch rechtlich geschützter Musikdateien im Internet kontrollieren.

Eher an Musikwissenschaftler, Komponisten und Verwertungsgesellschaften wie die GEMA richtet sich hingegen die ebenfalls von Clausen und Kurth entwickelte Software "notify!", die jedoch im Gegensatz zu "audentify!" keine MP3s, sondern MIDI-Dateien durchsucht. Die Suchanfragen werden entweder per Noteneingabe im Programm oder per MIDI-Keyboard gestellt. Dabei soll das Programm die eingegebene Notenabfolge auch in solchen Stücken erkennen, in denen sie eine andere Tonhöhe hat oder im Takt an einer anderen Stelle beginnt. Sogar nach leichten Variationen des Themas kann der Nutzer suchen. Zukünftige Versionen sollen Clausen zufolge auch irgendwann einmal gepfiffene Melodien erkennen können - für den Musikhandel sicherlich ein Segen, falls mal wieder Kunden kommen, denen nur die Melodie eines gewünschten Musikstücks geläufig ist.

Die beiden Wissenschaftler planen derzeit, ihr Know-how über eine eigene Firma zu vermarkten.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Clausen
Institut für Informatik III der Universität Bonn
Tel: +49 (0)228/73-4296
Fax: +49 (0)228/73-4402
E-Mail:
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