Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/auto-wissenschaftler-stellen-biosprit-aus-holzabfaellen-her-1811-137489.html    Veröffentlicht: 02.11.2018 14:30    Kurz-URL: https://glm.io/137489

Auto

Wissenschaftler stellen Biosprit aus Holzabfällen her

Benzin aus dem Container: In einem europäischen Projekt haben Forscher eine mobile Anlage entwickelt, um Treibstoff für Autos aus Holzabfällen zu erzeugen.

Biosprit ist zwar gut für die Kohlendioxidbilanz. Aber er hat trotzdem einen schlechten Ruf: Oft genug werden für den Anbau von entsprechenden Pflanzen Flächen verwendet, die für die Nahrungsmittelproduktion benötigt würden. Forscher haben im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes Biogo ein Verfahren zur Erzeugung von ökologisch unbedenklichem Biotreibstoff entwickelt.

Die Idee ist, als Rohstoff organische Abfälle zu nutzen, die in großer Menge vorhanden sind und die für keinen anderen Zweck genutzt werden. "Holzabfälle und Baumrinden sind europaweit in großen Mengen verfügbar, werden bisher aber kaum genutzt. Das macht sie zu einem idealen Rohstoff - man muss sie nicht extra anbauen und tritt daher auch nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion", sagt Projektkoordinator Gunther Kolb vom Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme (IMM).

Die Holzreste werden zunächst erhitzt, bis sich ein Pyrolyseöl bildet. Dieses wird in Mikroreaktoren im ersten Schritt unter Zufuhr von Wärme, Luft und Wasserdampf zu Synthesegas umgewandelt. In einem zweiten Schritt wird aus dem Synthesegas Methanol gewonnen. Schließlich wird dem Methanol Sauerstoff entzogen, um das synthetische Benzin zu bekommen. "Die Herausforderung lag darin, den Prozess so zu optimieren, dass am Ende ein Treibstoff herauskommt, der sich chemisch nicht von Normalbenzin unterscheidet", sagt Kolb.

Katalysatoren ohne Edelmetalle

Bei den verschiedenen chemischen Vorgängen werden Katalysatoren eingesetzt. Normalerweise werden dafür Edelmetalle und Metalle der Seltene Erden verwendet. Forscher im Projekt Biogo nutzen stattdessen Nanokatalysatoren mit aktiven Substanzen.

Untergebracht ist die Anlage für die Erzeugung von Biosprit aus Holzresten in einem 40-Fuß-Container. Die mobile Raffinierie könnte so dorthin transportiert werden, wo die Holzabfälle anfallen, die verwertet werden sollen. Damit sollen Transportwege entfallen.

Die Forscher haben den Prototyp einer solcher Anlage fertiggestellt - der Container steht auf dem Gelände des Fraunhofer IMM in Mainz. Die Anlage soll in Zukunft so weiterentwickelt werden, dass in einem Container bis zu 1.000 Liter Ökotreibstoff am Tag produziert werden können.

Wirtschaftlich ist das Verfahren aber aktuell nicht, wie Kolb zugibt: "Bei den derzeitigen Ölpreisen ist die neue Technik nicht konkurrenzfähig. Entscheidend wird sein, ob wir in Europa wirklich von den fossilen Rohstoffen wegkommen möchten und dafür bereit sind, Ökotreibstoffe von der Steuer zu befreien oder ihre Herstellung zu subventionieren."  (wp)


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