Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/arca-os-im-test-die-auferstehung-von-os-2-1811-137422.html    Veröffentlicht: 19.11.2018 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/137422

Arca OS im Test

Die Auferstehung von OS/2

Mit Arca OS wird das fast vergessene Betriebssystem OS/2 von IBM wieder aktiv gepflegt und vor allem weiterentwickelt. Die Benutzeroberfläche bleibt die gleiche, darunter wurde jedoch ziemlich viel modernisiert.

Als wir das erste Mal davon hörten, dass die Firma Arca Noae IBMs OS/2 unter dem Namen Arca OS weiterentwickeln will, stellten wir uns spontan die Frage: Warum? Aus reiner Nostalgie? Wohl eher nicht, schließlich ist die Lizenz für Arca OS recht teuer. Wir fragten bei Arca Noae nach und bekamen die Antwort: aus wirtschaftlichem Interesse. Es gebe nach wie vor Unternehmen, die für OS/2 entwickelte Software einsetzten, etwa IBMs Data Warehouse. Auch gibt es noch Geldautomaten, auf denen OS/2 läuft. Wir haben die neueste Version von Arca OS getestet und dabei durchaus Nostalgie verspürt. Wir haben aber auch gemerkt, wie stark sich andere Betriebssysteme inzwischen weiterentwickelt haben.

IBM selbst hat im Jahr 2005 mit dem Betriebssystem abgeschlossen und die Weiterentwicklung mit OS/2 Warp 4.52 beendet. Allerdings gibt es bis heute Dritte, die das Betriebssystem lizenziert haben und weiterentwickeln, etwa unter dem Namen Ecomstation. Auch Arca Noae besitzt eine Lizenz, das Unternehmen zielt vornehmlich auf Kunden aus der Wirtschaft.

Es investiert einiges an Zeit, um OS/2 auch auf moderne Rechner zu bringen, inzwischen ist Arca OS in Version 5.03 erschienen. Die erweiterte Unterstützung für aktuelle Hardware kann sich sehen lassen: Arca OS lässt sich vom USB-Stick booten, auf Rechnern mit UEFI-Bios - zumindest im Kompatibilitätsmodus - einrichten, hat einen ausgereiften generischen Grafikkartentreiber für höhere Auflösungen und liefert beispielsweise eine Vielzahl von Treibern für aktuelle Netzwerkkarten. Dabei bedient sich Arca Noae reichlich aus der Open-Source-Welt, etwa bei FreeBSD.

Technisch seiner Zeit voraus

Die vergleichsweise kurze, aber technisch außerordentliche Geschichte von OS/2 beginnt in den 1980er Jahren als Partnerschaft von IBM und Microsoft. Ziel ist es, gemeinsam ein multitaskingfähiges Betriebssystem für PCs zu entwickeln, das zunächst den Namen CP-DOS trägt. Anfang Dezember 1987 veröffentlicht IBM die erste Version des inzwischen in Operating System/2 umbenannten Betriebssystems für die damals weit verbreiteten 80286-Prozessoren. Für die bis zu zwölf parallel lauffähigen OS/2-Sitzungen sind satte 2 MByte Arbeitsspeicher nötig, auf einer Festplatte müssen mindestens 5 MByte vorhanden sein. Schon die erste OS/2-Version unterstützt damals sagenhafte 16 MByte RAM. Für DOS-Anwendungen gibt es zusätzlich eine spezielle Sitzung, eine grafische Oberfläche gibt es aber noch nicht.

Microsoft folgt kurz darauf mit einer eigenen Version von OS/2, die das Unternehmen getreu seiner künftigen Verkaufsstrategie an OEMs lizenziert.

Im Oktober 1988 erscheint OS/2 1.1 mit einer grafischen Oberfläche und der Unterstützung von Partitionen mit mehr als 32 MByte Speicher. Mit der beigelegten Softwaresammlung Sidekick von Borland wächst der Speicherbedarf auf der Festplatte auf 8 MByte. Sidekick ist ein Personal Information Manager, der aus einem Kalender, einem Adressbuch, einem Texteditor, einem Taschenrechner und einer ASCII-Zeichentabelle besteht. Das Besondere an Sidekick sind seine einfachen Multitaskingfähigkeiten: Die Anwendung läuft im Hintergrund und kann per Hotkey in den Vordergrund gebracht werden - Terminate and Stay Resident nennt man das.

Knapp ein Jahr später folgt OS/2 1.2. Es kann Treiber für Dateisysteme laden. Bislang lief OS/2 ausschließlich auf FAT16 mit seiner Begrenzung auf 8+3-Dateinamen. Jetzt gibt es mit HPFS (High Performance File System) ein eigenes Dateisystem mit schnelleren Zugriffszeiten, Unterstützung für Partitionen mit bis zu 2 GByte Speicherkapazität und vor allem langen Dateinamen - und das bereits im September 1989.

Bruch zwischen IBM und Microsoft

1990 kommt es zum Bruch zwischen IBM und Microsoft. Der Konzern mit Sitz in Redmond forciert die Entwicklung seines Betriebssystems Windows 3.0 und setzt parallel dazu auf 32-Bit und die 80836-Architektur der Prozessoren. IBM hingegen folgt den Wünschen seines Kundenstamms und bleibt zunächst bei der 80286er-Architektur und deren vergleichsweise ineffizienter Speicherverwaltung. Mit dieser Arbeitsaufteilung übernimmt IBM die Entwicklung von OS/2 2, während Microsoft an OS/2 3 arbeitet. Daraus entsteht später Windows NT und damit die Grundlage für Microsofts aktuelle Betriebssysteme.

Die unterschiedlichen Entwicklungskonzepte sind nicht der einzige Grund, warum Microsoft auf sein eigenes Betriebssystem setzt. Denn die Verkaufszahlen von Windows 3.0 sind deutlich höher als die von OS/2. IBMs Betriebssystem ist nur auf den eigenen Rechnern vorinstalliert und ansonsten als Kaufversion erhältlich, während Microsoft bereits zu dieser Zeit OEM-Verträge mit anderen Computerherstellern schließt und so auch für eine sprunghafte Verbreitung von Windows sorgt. Auch deshalb läuft die Entwicklung von OS/2 eher schleppend. Zudem konzentrieren sich die Hardware-Hersteller bei der Entwicklung ihrer Treiber bereits auf Windows.

Hybrid aus OS/2 und Windows

Um möglichst viele Kunden anzulocken, erhält OS/2 2.0, das im April 1992 erscheint und bereits Intels 80368-CPU-Architektur unterstützt, eine lizenzierte Version von MS-DOS 5.0, auf dem sogar Windows 3.0 läuft. Unter dem Nachfolger OS/2 2.1 wird die Kompatibilität auf Windows 3.1 ausgeweitet, das in einer eigens bereitgestellten virtuellen DOS-Maschine (VDM) und auch im Vollbildmodus läuft. OS/2 2.x unterstützt Multitasking in zweierlei Weise: Zum einen ist es möglich, mehrere DOS/Windows-Anwendungen in einer VDM zu betreiben, andererseits können auch mehrere VDMs verwendet werden. Copy and Paste zwischen Windows-Anwendungen und OS/2 wird durch Dynamic Data Exchange (DDE) bereitgestellt.

Dieses erfolgreiche Konzept wird in OS/2 3 alias Warp noch verfeinert. Damit wird die Treiberunterstützung erweitert und es werden die Multimedia- und Netzwerkfähigkeiten auf den zu dieser Zeit aktuellen Stand gebracht, etwa um mit dem Internet zu funktionieren. In der letzten veröffentlichten Consumer-Version OS/2 Warp 4 werden die Benutzeroberfläche und das grafische Subsystem vollständig auf die 32-Bit-Architektur gehoben. Auch wenn OS/2 Warp 4 dem damals bereits erschienenen Windows 95 technisch überlegen ist, erfährt IBMs Betriebssystem im PC-Bereich nicht die Verbreitung, die Windows damals schon hatte.

Weil IBM erst in buchstäblich letzter Minute mit Microsoft einen Lizenzvertrag für Windows 95 schließt, leidet auch der Verkauf von IBMs PCs, was letztendlich dazu führt, dass IBM sich mit OS/2 schließlich auf den Businessbereich konzentriert.

Moderne Treiber für ein antikes System

Gerade auf diesen Businessbereich setzt auch Arca Noae mit Arca OS, das auf OS/2 Warp 4.52 basiert. Das Unternehmen hat einen Lizenzvertrag mit IBM zur Nutzung des Codes von OS/2. Es entwickelt damit Treiber weiter und modernisiert weitere Bereiche. So unterstützt Arca OS das UEFI-Bios im Kompatibilitätsmodus und mit Hilfe von PAE (Physical Address Extension) bis zu 4 GByte RAM. Besonders viel Arbeit haben die Entwickler bei Arca Noae in den neuen SMP-Kernel gesteckt, der bis zu 64 physische CPU-Kerne nutzen kann.

Auch eigene WLAN- und Netzwerktreiber für aktuelle Hardware hat Arca Noae beigesteuert. Deren Code stammt aus dem FreeBSD-Projekt. Die Liste der Treiber ist ziemlich lang, es sind auch viele für aktuelle Chipsätze darunter. Panorama etwa ist ein generischer VESA-Treiber, der die meisten aktuellen Grafikchips unterstützt, allerdings noch ohne Hardwarebeschleunigung. Mit Uniaud, dessen Code aus dem quelloffenen ALSA-Projekt stammt, gibt es einen universellen Audio-Treiber. Und für den Zugriff auf Datenträger gibt es die Unterstützung für das AHCI (Advanced Host Controller Interface). Einige Treiber hat Arca Noae aus eCommerce Station übernommen, das übrigens ebenfalls noch dieses Jahr in einer überarbeiteten Version erscheinen soll. Unterstützung für USB 2, die in der ursprünglich letzten offiziellen Version von OS/2 noch nicht vorhanden war, gibt es ebenfalls. Die aktuelle Version 5.0.2 von Arca Noae unterstützt das Starten von USB.

Installation in VM problemlos

Das Standard-Dateisystem ist das JFS (Journaled File System) von IBM, das HPFS (High Performance File System) wird ebenfalls noch unterstützt. Auch das FAT-Dateisystem lässt sich mit Arca OS nutzen, ebenso wie die Dateisysteme CDFS und UDF, wie sie auf optischen Datenträgern vorkommen. Für den Zugriff auf Datenserver gibt es mit Samba 4 die Unterstützung für Microsofts Server Messaging Block (SMB), das in IBMs NetDrive für OS/2 integriert wurde. Durch die Implementierung von CUPs und Postscript gibt es eine Vielzahl von Druckertreibern.

Die Installation in einer virtuellen Maschine erfolgte bei unserem Test problemlos, wenn auch mit zahlreichen Neustarts, bis endlich die altehrwürdige Benutzeroberfläche von OS/2 erschien, mit dem Arca-OS-Schriftzug auf dem Desktop. Noch ist die Benutzeroberfläche ausschließlich in Englisch gehalten, deutsche Schriftzeichen und deutsches Tastatur-Layout werden aber unterstützt. Eine eingedeutschte Version soll später nachgereicht werden.

Mit Windows-Software von anno dazumal

Bis auf die Treiber für die Verwendung unter Virtualbox, die spezielle Funktionen wie die automatische Freigabe des Mauszeigers oder die Unterstützung von gemeinsamen Netzwerkordnern bieten, gab es keinerlei Probleme mit der virtuellen Hardware. Wir konnten die Bildschirmgröße manuell anpassen, Maus, Tastatur und Netzwerk wurden automatisch korrekt eingerichtet.

Überraschenderweise fanden wir unter den zahlreichen Command Prompts eine vollständige Windows-3.1-Umgebung samt Dateimanager, Paintbrush und Write. Außerdem gibt es die klassische 4DOS-Umgebung in einer portierten Variante, die mit zusätzlichen Befehlen, Verlaufsspeicher und einer ausgereiften Skriptsprache glänzt. Mit dem Emulator Odin soll es möglich werden, 32-Bit-Software für Windows bis Version 2000 auch unter OS/2 laufen zu lassen.

Läuft auf modernen Rechnern

Mit ein paar Schwierigkeiten gelang uns die Installation auf dem etwas betagten Netbook Dot S von Packard Bell. Dort hatten wir zunächst Probleme mit der Festplatte, der der Installer eine falsche Partitionsgröße unterstellte. Unsere Versuche, die Partition mit dem Live-System Gparted vorab mit JFS zu partitionieren, brachten keinen Erfolg. Auch mit dem Verwaltungsprogramm für Festplatten des Installers von Arca OS ließ sich die Partition nicht formatieren. Allerdings half uns die Fehlermeldung, dass die Festplatte von einer anderen Anwendung belegt sei.

In den Startoptionen, die wir über den zweiten Eintrag im Bootmenü der Installations-DVD erreichten, legten wir fest, dass die Datenträgerprüfung beim Start unterlassen werden soll. Noch bevor der Installer das Partitionierungsprogramm startete, wechselten wir in das System Management, das allerlei Verwaltungswerkzeuge bereitstellt. Dort gelang es uns zunächst, den MBR der Festplatte zu löschen. Nach einem Neustart mit den gleichen Parametern wechselten wir erneut in das System Management, um eine unformatierte Partition anzulegen, diesmal mit der von Arca OS berechneten Größe - mit Erfolg.

Ausgereifter Installer

Derweil hatten wir Zeit, das System Management des von Arca Noae entwickelten Installationsprogramms genauer unter die Lupe zu nehmen. Neben dem bereits erwähnten Werkzeug zur Datenträgerverwaltung gibt es dort auch zwei Konsolenprogramme. Eines startet einen Interpreter im MS-DOS-Stil, das andere das Kommandozeilenprogramm von OS/2. Sie unterscheiden sich aber kaum im Funktionsumfang. Außerdem gibt es einen Prozessmanager, in dem wir vergeblich versuchten, das Programm zu stoppen, das wir zunächst für die Sperre des Datenträgers verantwortlich gemacht hatten.

Nützlich war, dass die umfangreiche Hilfe zum Installer von Arca OS im System Management aufgerufen werden kann. In den Startoptionen lässt sich bereits die Netzwerkkarte konfigurieren. Dann kann der im System integrierte Browser genutzt werden, um weitere Infos aus dem Internet zu holen.

Noch nicht ganz so modernisiert

Aus dem System Management kehrten wir zurück zum Installer, der jetzt endlich die interne Festplatte zur Installation anzeigte. Wir wählten dort das Dateisystem JFS aus, das als Default im Drop-Down-Menü angezeigt wurde. Alternativ gibt es HPFS zur Auswahl. FAT steht nicht zur Verfügung. Dummerweise setzten wir auch die Option, das Dateisystem gleich einer Fehlerprüfung zu unterziehen, was mehrere Stunden dauerte.

Nach diversen Neustarts begrüßte uns endlich die Benutzeroberfläche. Wir scheiterten aber daran, das WLAN einzurichten, denn in unserer Version fehlte der entsprechende Treiber. Die LAN-Netzwerkkarte wurde jedoch sofort erkannt und per DHCP automatisch ins Netzwerk eingebunden. Der Laptop ließ sich aber nicht in den Ruhezustand versetzen. Ansonsten lief Arca OS einwandfrei. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die mangelnde Unterstützung für das Scrollen in der Benutzeroberfläche. In aktuellen Anwendungen wie Firefox funktionierte das jedoch.

Insgesamt macht der Installer einen sehr guten Eindruck und gibt erste Hinweise, wie viel Arbeit in der modernisierten Fassung von OS/2 steckt - besonders was die Treiber betrifft, die weitgehend auf moderne Systeme angepasst worden sind.

Auch auf unserem Arbeitsrechner mit AMDs Ryzen-CPU und UEFI-Bios im Kompatibilitätsmodus gelang uns in ähnlicher Weise die Installation auf einer per SATA angebundenen SSD unter Verwendung des integrierten AHCI-Treibers.

Viel Idealismus

Zu den vorinstallierten Programmen zählen unter anderem Firefox und Thunderbird. Für deren Portierung auf Arca OS sind die Entwickler bei dem deutschen Unternehmen Bitwise verantwortlich, die wir nach ihrer Motivation befragten.

Bitwise erklärte, dass sie "die Schönheit und das durchdachte Konzept des Systems" schätzten, die - bei allen Vorzügen dieser Systeme - weder die diversen Linuxe noch Windows jemals erreicht hätten. Natürlich sei auch eine Portion Nostalgie dabei, zudem mache es Spaß " jetzt zu beobachten, dass etwas, was es unter OS/2 bereits jahrzehntelang gibt, unter Linux oder Windows Einzug hält und als Fortschritt gepriesen wird", wie etwa die PowerShell unter Windows, die im Prinzip ähnliche Dinge tun könne wie REXX unter OS/2 seit Anfang der 1990er Jahre.

"Auch der Gedanke, jene Dinge, die IBM bei der Aufgabe des Systems halbfertig gelassen hat, auch ohne den originalen Quellcode zu erneuern oder zu vervollständigen, war und ist einer der Reize des Systems", teilte das Unternehmen weiter mit. Hier seien die Netzwerkprotokolle für SMB zu nennen, die man durch die Portierung von Samba auf eine moderne Ebene gehoben habe, oder auch Firefox, das man immerhin bis Version 45.9 gebracht habe.

Viel Open Source

Es gehört wohl eine gehörige Portion Idealismus dazu, Anwendungen für Arca OS bereitzustellen. Dass die Entwickler bei Bitwise und Arca Noae es jenseits der Nostalgie mit der Weiterentwicklung von OS/2 ernst meinen, zeigen nicht nur die neuen Treiber. Auch eine komplette Entwicklungsumgebung auf Basis der GNU Compiler Collection (GCC) und des GUI-Toolkits Qt 4 gibt es bereits vorinstalliert oder nachzuladen über den eigens angepassten YUM-Paket-Manager vom Fedora-Projekt.

Auf die Frage, wie aufwendig eine Portierung von Software auf OS/2 sei, antworteten die Entwickler bei Bitwise: "Das kommt sehr auf die jeweilige Software an. Teilweise ist es einfach ein Recompile mit ganz kleinen Anpassungen. Teilweise ist es aber auch eine mehrmonatige Arbeit." Generell könne man sagen, dass Backendprogramme (ohne GUI) einfacher zu portieren seien als solche mit GUI, und dass Portierungen aus der Linux-Welt einfacher seien als aus der Windows-Welt. Letzteres liege daran, dass Bitwises Toolchain auf die Linux-Welt ausgerichtet sei. Gegenwärtig arbeiten die Entwickler daran, Qt 5 für Arca Noae bereitzustellen.

Moderne Hürden bei der Entwicklung für OS/2

Wie schwierig die Entwicklung für Arca Noae ist, lässt sich am Beispiel Firefox zeigen. Der Browser wird inzwischen in der Programmiersprache Rust entwickelt. Rust auf Arca Noae zu portieren, sei jedoch zu aufwendig, berichten die Entwickler bei Bitwise. Deshalb haben sie Firefox aufgegeben und setzen künftig auf andere Anwendungen, die auf Qt 5 beziehungsweise dessen Qt-Webengine basieren.

Während die im Paket-Manager YUM bereitgestellten Anwendungen regelmäßig aktualisiert werden, gibt es für Arca OS eine solche Funktion nicht. Updates auf neue Versionen müssen getrennt erworben werden. Das wirft natürlich Fragen zum Thema Sicherheit auf, obwohl es sich für Kriminelle vermutlich kaum lohnt, Angriffsvektoren für das Betriebssystem ausfindig zu machen - zu gering ist die Verbreitung. Wer Arca OS im Unternehmensbereich einsetzt, sollte aber achtgeben.

Verfügbarkeit und Fazit

Arca OS 5.0 ist in zwei Varianten zum Download erhältlich. Die Version für Einzelanwender kostet einmalig 129 US-Dollar, die für den kommerziellen Einsatz 229 US-Dollar. Mit dem Erwerb der persönlichen Variante gibt es ein halbes Jahr lang Updates, danach sind pro Jahr 65 US-Dollar fällig. Die kommerzielle Version bietet ein Jahr lang Aktualisierungen. Danach kostet ein Abonnement 115 US-Dollar. Zudem bietet Arca OS ein Treiber- und Softwarepaket für OS/2 und Ecomstation an. Für den Einzelplatzrechner kostet das Paket 49 US-Dollar, die kommerzielle Variante kostet 79 US-Dollar.

Fazit

Ach, das waren noch Zeiten! Bei der längst untergegangenen Kette Escom wurden wir beim Kauf eines Komplett-Rechners über die Vorzüge von OS/2 samt Windows aufgeklärt, die wir tatsächlich im Laufe der Zeit zu schätzen lernten - bis uns der Fortschritt zu einem Wechsel auf Windows 95 zwang.

Arca OS lässt uns hingegen mit bedingt nostalgischen Gefühlen zurück. Zumindest wissen wir, was wir an modernen Betriebssystemen vermissen würden, wenn Dinge wie eine funktionierende Energieverwaltung noch nicht erfunden wären. Im Vergleich zu aktuellen Betriebssystemen wie Windows 10 und Linux in seinen vielseitigen Varianten wirkt die Benutzeroberfläche von Arca OS jedoch auch optisch inzwischen ziemlich altbacken.

Der Funktionsumfang von Arca OS kann sich aber im Vergleich zum Original durchaus sehen lassen. Eine halbwegs moderne Version von Firefox liegt bei, ebenso eine von Thunderbird. Weitere Anwendungen lassen sich aus dem Internet Archive kostenlos nachladen.

Hier liegt aber besonders für Privatanwender die Schwierigkeit: Moderne Anwendungen laufen unter Arca OS ohne Aufwand kaum. Wer Arca OS einsetzen will, muss wie dessen Entwickler also eine gehörige Portion Nostalgie mitbringen. Unternehmen, die noch entsprechende Programme nutzen, dürfen sich indes freuen, sie auch auf moderner Hardware einsetzen zu können.  (jt)


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