Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nuc7-june-canyon-im-test-intels-atom-mini-ist-grossartig-1811-137372.html    Veröffentlicht: 01.11.2018 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/137372

NUC7 (June Canyon) im Test

Intels Atom-Mini ist großartig

Der aktuelle NUC7 alias June Canyon ist einer der bisher besten Mini-PCs von Intel: Er hat genügend Leistung für alltägliche Aufgaben sowie Video-Inhalte, bleibt schön leise und kostet überdies deutlich weniger als 200 Euro.

Intels eigene Mini-PC-Reihe, die Next Units of Computing, sind mittlerweile - zumindest bei den günstigen Ablegern - bei der siebten Generation angekommen; denn der Hades Canyon und der Crimson Canyon als NUC8 kosten locker 500 Euro. Den June Canyon, ein NUC7 mit Atom-Chip, gibt es hingegen schon ab 135 Euro und für diesen Preis gefällt uns der kleine Rechner richtig gut.

Mit dem NUC7CJYH und dem NUC7PJYH sind zwei Varianten erhältlich, die sich beim Prozessor unterscheiden: Das NUC7CJYS-Modell nutzt einen zweikernigen Celeron J4005, der NUC7PJYH-Ableger verwendet einen vierkernigen Pentium Silver J5005 und weist einen 2,5-Zoll-Steckplatz auf. Wir haben den flotteren der beiden NUC7 getestet.

Der NUC7PJYH misst 115 x 111 x 51 mm und ist damit klein genug, um hinter nahezu jedem Bildschirm zu verschwinden, daher legt Intel auch eine Vesa-Halterung mit in die Packung. Der Mini-PC hat einen Infrarot-Empfänger und ein Dual-Mikrofon an der Front, hinzu kommen eine Audio-Klinke für Headsets und zwei klassische USB-3.0-Anschlüsse. Der gelbe unterstützt Schnellladen mit 5 Volt bei 1,5 Ampere. Der Power-Button leuchtet im Betrieb blau, das HDD-Lämpchen jedoch rot. Links außen gibt es eine Öse für ein Kensington-Schloss und einen SD-Kartenleser mit halber Tiefe, wir erreichen anständige 85 MByte/s mit einer UHS-II-Speicherkarte.

Hinten finden wir zwei weitere USB-3.0-Typ-A-Ports, Gigabit-Ethernet von Realtek, den Anschluss für das 65-Watt-Netzteil, eine Toslink-Buchse für Ton und zwei HDMI 2.0a mit CEC. Neu sind HD Audio Passthrough und die Unterstützung für 4K-60-Hz-Displays, was bei den NUC6 mit Atom-Chips fehlt respektive nicht richtig funktioniert. Unter dem Kunststoffdeckel verbergen sich die WiFi-Antennen, eine NFC-Option gibt es beim June Canyon nicht.

Um den NUC7 in Betrieb nehmen zu können, sind DDR4-Arbeitsspeicher als SO-DIMM und eine HDD/SSD im 2,5-Zoll-Format mit maximal 9,5 mm Bauhöhe notwendig. Obwohl Intel zufolge der Pentium Silver J5005 nur 8 GByte RAM unterstützt, konnten wir den Mini-PC problemlos mit 16 GByte DDR4-2400 betreiben - 8 GByte pro Slot.

Überraschend flotter Atom

Für den Test verwendeten wir die Firmware v0045 vom 1. Oktober 2018, die aber primär kleinere Fehler behebt und keine neuen Funktionen hinzufügt. Das Intel-UEFI hat ein paar praktische Einstellungen: Der Chip darf dauerhaft 12 Watt und für 32 Sekunden auch 15 Watt aufnehmen, optional sind es bis zu 128 Sekunden. Meldet der Temperatursensor dem Spannungswandler weniger als 37 Grad Celsius, schaltet sich der radiale Lüfter ab - der ist aber ohnehin sehr leise.

Im Inneren des NUC7 steckt besagter Pentium Silver J5005 mit vier Kernen/Threads und 1,5 GHz bis 2,8 GHz. Der Codename lautet Gemini Lake, die CPU-Architektur heißt Goldmont+ und die UHD Graphics 605 nutzt 18 Ausführungseinheiten mit Gen-9.5-LP-Technik. Dadurch ist der Pentium ziemlich flott, gerade mit genügend Arbeitsspeicher: Erst mit vielen Firefox-Tabs, parallel mehreren geöffneten Open-Office-Dokumenten und einigen in Adobe Lightroom geöffneten Fotos wird das System etwas träge verglichen zu einem typischen Core-i5-Quadcore, wie er in Ultrabooks verwendet wird.

Die Geschwindigkeit des Prozessors in Benchmarks ist allerdings so niedrig, dass er selbst von einem 30 Euro billigen Celeron G4900 für Desktop-Systeme geschlagen wird. Der hat zwar nur zwei Kerne, die aber sind deutlich leistungsstärker durch Architektur und Takt. Das Multitasking-Szenario läuft auf dem Celeron anstelle des Pentium Silver trotz des niedrigklassigeren Namens runder. Gerade die weiterhin wichtige Singlethread-Performance des Gemini Lake ist niedrig, aber dennoch spürbar höher als bei bisherigen Atom-Generationen.

An Spiele ist auf dem NUC7 nur bedingt zu denken, selbst Titel wie Counter Strike Global Offensive machen in 720p mit niedrigsten Details bei gut 30 fps wenig Spaß. Diverse Emulatoren für etwa den Nintendo 64 stemmt der Pentium Silver J5005 aber klaglos. Überdies beschleunigt die Intel-Grafikeinheit moderne Video-Codecs: HEVC in 4K mit 10 Bit Farbtiefe und 100 MBit/s klappen ebenso wie Youtube in 4K mit VP9 - hier geht kein Frame verloren. Es gibt es allerdings keine HDR-Unterstützung, dafür muss es mindestens ein Core i3 sein.

Unter Last mit dem Render-Programm Blender benötigt der NUC7 rund 18 Watt und ist trotz Lüfter fast nicht zu hören. Im Leerlauf sind es etwa 7 Watt und das System gibt keinen Mucks mehr von sich. Beim WiFi sind wir ein bisschen enttäuscht, denn der verlötete ac-9462-Chip von Intel beherrscht zwar Bluetooth 5, aber nur ac-1x1-WiFi mit 433 MBit/s. Ein schnellerer 9560-NIC würde den kleinen Rechner wohl zu teuer machen.

Grafikprobleme unter Linux

Da der NUC7 vor allem in Nordamerika schon seit diesem Frühjahr verfügbar ist und die Intel-Technik oft eine vergleichsweise gute Linux-Unterstützung aufweist, haben wir eigentlich erwartet, dass wir unsere vorbereitete Linux-SSD mit Ubuntu 18.10 nur einbauen müssen und direkt loslegen können. Doch nach der Anzeige des Bootloaders Grub erhalten wir zunächst immer wieder nur ein schwarzes Bild.

Das System selbst startet dabei eigentlich wie gewünscht, was uns ein kurzes Login per SSH bestätigt, nur eben ohne Grafikausgabe. Wir probieren deshalb in verschiedenen Boot-Zyklen mehrere Optionen für den Intel-Grafiktreiber aus, allerdings ist ein grafischer Start bei uns nie erfolgreich. Lediglich bei einem Start ohne aktiviertes Modesetting bekommen wir immerhin eine Grafikausgabe, die dann jedoch per Software-Emulation LLVMpipe läuft. Zwar ist der Atom hierfür schnell genug, ein funktionierender Grafiktreiber wäre jedoch deutlich besser.

In unterschiedlichen Bugtrackern finden sich einige Fehlerberichte zum Betrieb des NUC7 unter Linux, aber auch damit können wir keine Lösung für unser Problem finden. In einem zugegeben eher verzweifelten letzten Versuch testen wir den NUC7 an einem anderen Monitor. Mit unserem Eizo Flexscan EV2785 bekommen wird dann dank HDMI 2.0 direkt eine 4K-Auflösung bei 60 Hz und sehen erfreut den Ubuntu-Desktop.

Unser wohl sehr spezieller Fehler mit dem schon etwas älteren Monitor Acer XG270HU zuvor bringen offenbar die Display-Einheit oder besser den Linux-Treiber dafür durcheinander. Immerhin wird diese Einheit samt Unterstützung von HDMI 2.0 in den Gemini-Lake-Atoms erstmals von Intel verbaut. Dass diese nicht ohne weiteres problemlos unterstützt werden können, zeigen nicht nur die vielen Einträge in Bug-Trackern, sondern beispielhaft auch ein Beitrag zum Linux-Kernel aus dem Sommer dieses Jahres. Dort setzen die Intel-Entwickler Funktionen für einen sogenannten Hardware-Quirk um, also wörtlich eine Macke im System.

Mit unserem funktionierenden Monitor lässt sich der NUC7 letztlich wie gewünscht verwenden. Der Grafiktreiber arbeitet wie erwartet samt Unterstützung für die Hardware-beschleunigte Videoausgabe für HEVC und VP9. Linux-Nutzer haben hier leider nach wie vor das Problem, dass die Hardwarebeschleunigung nicht ohne weiteres im Browser genutzt werden kann. Davon abgesehen ist der NUC7 gut für leichte Office-Arbeiten unter Linux geeignet.

Verfügbarkeit und Fazit

Intel verkauft den June Canyon als Barebone als NUC7CJYH- und als NUC7PJYH-Variante mit Celeron- respektive Pentium-Silver-Chip. Das langsamere Modell kostet im Online-Handel etwa 135 Euro und das schnellere rund 160 Euro. Zudem gibt es noch einen NUC7CJYS-Ableger mit vorinstallierten 4 GByte RAM und 32 GByte Flash-Speicher, er ist aber bisher nicht lieferbar.

Fazit

Der NUC7 ist ein überzeugendes Barebone für einen Mini-PC, wenn er mit DDR4-Speicher und einer Sata-SSD bestückt wurde: Der kleine Rechner bewältigt alltägliche Aufgaben deutlich flotter als die NUC6-Generation. Das liegt am Pentium-Chip, der trotz Atom-Architektur eine ansprechende Geschwindigkeit aufweist und seinen Vorgänger spürbar schlägt. Dennoch liegt die Leistung im besten Fall nur auf dem Niveau eines 30 Euro teuren Celeron-Prozessors für Desktop-PCs.

Uns gefällt die niedrige Lautheit gut, denn auch unter Last arbeitet der NUC7 flüsterleise und im Leerlauf steht der Lüfter still - das war bei früheren NUCs nicht selbstverständlich. Entgegen Intels Aussage unterstützt das System sogar 16 GByte RAM, wenngleich das nicht notwendig ist. Der 2,5-Zoll-Schacht für Festplatten oder Sata-SSDs hilft, den Mini günstig mit eventuell schon vorhandener Hardware auszurüsten. Der vorinstallierte WLAN-Controller samt Antennen hätte aber gerne schneller sein können, gerade mit Blick auf 4K-Streaming.

Alternativen zu dem von uns getesteten NUC7 mit Pentium Silver J5005 sind rar: Von Gigabyte gibt es das Brix (GB-BLPD-5005) für knapp 200 Euro und ähnlicher Ausstattung, MSI verkauft das Cubi N mit dem langsameren Pentium Silver N5000 und nur einem DDR4-Steckplatz für 150 Euro.  (ms)


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