Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oneplus-6t-im-test-neues-oneplus-kommt-mit-display-fingerabdrucksensor-1810-137369.html    Veröffentlicht: 29.10.2018 17:30    Kurz-URL: https://glm.io/137369

Oneplus 6T im Test

Neues Oneplus kommt mit Display-Fingerabdrucksensor

Das Oneplus 6T kostet nur geringfügig mehr als sein Vorgänger, dafür bekommen Käufer einen größeren Bildschirm, einen Fingerabdrucksensor unter dem Displayglas und eine kleinere Notch. Für die gebotene Hardware ist der Preis wieder ein gutes Angebot, wie unser Test zeigt.

Oneplus hat mit dem Oneplus 6T eine verbesserte Version des im Mai 2018 vorgestellten Oneplus 6 vorgestellt. Das neue Modell setzt wie der Vorgänger beim Prozessor auf Qualcomms Snapdragon 845, auch das Design und die Kamera sind identisch. Das 6T bringt aber auch einige Neuerungen wie einen Fingerabdrucksensor, der unter dem Displayglas eingebaut ist.

Das OLED-Display ist mit 6,41 Zoll ein wenig größer als das des Oneplus 6, erfreulicherweise hat der Hersteller auf sinnlose Spielereien wie abgerundete Displayränder verzichtet. Die Auflösung liegt bei 2.340 x 1.080 Pixeln, auf ein sehr hochauflösendes Display verzichtet Oneplus weiterhin. Das Format beträgt 19,5:9.

Die Farben sind trotz OLED-Technologie angenehm und nicht übersättigt, die Blickwinkelstabilität ist sehr gut. Eine automatische Anpassung der Bildschirmfarbtemperatur an die des Umgebungslichts hat das Oneplus 6T nicht, dafür können wir in den Einstellungen verschiedene Farbräume auswählen. Insgesamt betrachtet gefällt uns das Display sehr gut.

Am oberen Rand des Bildschirms gibt es wie beim Vorgänger eine Einbuchtung, die sogenannte Notch. Diese ist tropfenförmig und damit deutlich kleiner als beim Oneplus 6 geraten. Möglich wird das durch eine Verlagerung des Ohrlautsprechers in den Bereich zwischen Metallrahmen und Displayglas. Nachteil der Konstruktion: Das Smartphone hat keine Stereolautsprecher, der obere Speaker wird bei der Audiowiedergabe nicht mitbenutzt.

Wir können das Oneplus 6T mit einem Gesichtsscan entsperren, der allerdings auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie eine Infrarotkamera verzichtet. Dafür ist die neue Notch zu klein. Entsprechend funktioniert die Entsperrung nicht im Dunkeln bei zu wenig Licht. Dann können wir auf eine alternative biometrische Entsperrung zugreifen.

Das Oneplus 6T ist nach dem Mate 20 Pro und dem Porsche Design Mate RS von Huawei eines der ersten Geräte auf dem Markt, das einen Fingerabdrucksensor unter dem Display eingebaut hat. Wie bei den anderen beiden Geräten leuchtet an der Stelle des Sensors ein kleines Piktogramm auf, wenn wir das Smartphone in die Hand nehmen. Dorthin müssen wir unseren registrierten Finger legen, und das Gerät wird entsperrt.

Unter dem Glas sitzt eine kleine Kamera, die den Fingerabdruck erfasst. Von der Geschwindigkeit ist der Sensor des Oneplus 6T in etwa so schnell wie der des Mate 20 Pro, also ebenfalls langsamer als ein traditioneller Fingerabdrucksensor, wie ihn Oneplus selbst noch beim 6er-Modell verwendet hat. Wir haben aber den Eindruck, dass der Sensor beim 6T etwas zuverlässiger ist, sprich: Wir erhalten kaum eine Fehlermeldung, dass unser Finger nicht erkannt wurde. Beim Mate 20 Pro hingegen bekommen wir diese ab und an.

Gleiche Dualkamera wie beim Oneplus 6

Auf der Rückseite hat das Oneplus 6T eine Dualkamera, das gleiche Modell verwendete Oneplus bereits im Vorgängermodell. Die Hauptkamera hat 16 Megapixel, die unterstützende Kamera 20 Megapixel. Oneplus zufolge wurden die Algorithmen besonders im Porträtbereich neu abgestimmt, was zu natürlicheren Aufnahmen führen soll.

Im direkten Vergleich sind uns dabei aber keine nennenswerten Unterschiede aufgefallen. Auch normale Aufnahmen unterscheiden sich sowohl in der Belichtung als auch der Schärfe für uns nicht. Das bedeutet gleichzeitig, dass auch das Oneplus 6T gute Fotos macht. Wie sich die Kamera mit der anderer aktueller Topsmartphones schlägt, werden wir in einem separaten großen Kameratest untersuchen. Dann schauen wir uns auch den neuen Nightscape-Modus für Nachtaufnahmen genauer an. Die Frontkamera hat 16 Megapixel und macht gute Aufnahmen.

Im Inneren des Oneplus 6T arbeitet Qualcomms Snapdragon-845-SoC, also dasselbe wie im Oneplus 6. Entsprechend gibt es keine Überraschungen bei den Benchmark-Tests: Das neue Modell erreicht die gleichen Ergebnisse wie sein Vorgänger. Im Geekbench-Benchmark kommt das Smartphone auf einen Single-Wert von 2.424 Punkten, was auf dem Level anderer Geräte mit dem Snapdragon 845 liegt. Das gilt auch für die 65.397 Zähler aus dem Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark. Im Car-Chase-Test des GFX Benchmarks erreicht das Oneplus 6T 35 fps, auch das entspricht den Ergebnissen der Konkurrenz.

Das Oneplus 6T gibt es wahlweise mit 6 oder 8 GByte RAM und mit 128 und 256 GByte Flash-Speicher. Zusammen mit der Chipausstattung führt das zu einem flott reagierenden System, auch anspruchsvolle Anwendungen wie grafisch aufwendige Spiele sind für das Smartphone kein Problem. Mobile-Gamer können zudem den Gaming-Mode verwenden, den Oneplus bei seinem neuen Modell verbessert hat. Wir können hier unter anderem die Bildschirmhelligkeit fixieren, Benachrichtigungen unterdrücken oder unauffällig als weiße Schrift am oberen Bildschirmrand einblenden lassen. Die Funktion Smart Boost soll zudem die Ladezeiten von Apps beschleunigen.

Ausgeliefert wird das Oneplus 6T mit Android 9 und Oneplus' eigenem Android-Fork OxygenOS. Dieser bietet einige erweiterte Einstellungen und eine Gestensteuerung. Mit dieser können wir die übliche Navigationsleiste ausblenden und stattdessen verschiedene Wischgesten verwenden - so gewinnen wir noch etwas Platz auf dem Display. Die Gesten sind recht intuitiv und funktionieren gut: Ein Wisch mittig von unten in den Bildschirm hinein bringt uns zum Hauptbildschirm, ein Wisch von unten links oder rechts in das Display bringt uns zurück.

Gestensteuerung funktioniert gut

Wischen wir mittig in das Display und behalten unseren Daumen auf dem Bildschirm, wird die Übersicht der zuletzt verwendeten Apps geöffnet. Oneplus will mit einem Update demnächst auch noch die Möglichkeit bringen, in der Gestensteuerung den Google Assistant aufzurufen: Nutzer sollen dann einfach den Einschaltknopf länger drücken, um den Sprachassistenten zu aktivieren.

OxygenOS bringt nicht alle Neuerungen von Android 9 mit sich. So konnten wir beispielsweise die Einstellungen zu Digital Health nicht auf dem Smartphone finden. Damit können Nutzer normalerweise ihren App-Konsum verfolgen und einschränken, indem beispielsweise Zeitlimits für bestimmte Anwendungen eingestellt werden. Das ist auf dem Oneplus 6T nicht möglich. Ein großer Verlust ist das für uns allerdings nicht unbedingt: Die Digital-Health-Beschränkungen lassen sich im Ernstfall einfach übergehen; ohne den Willen, wirklich etwas an seinem Nutzungsverhalten zu ändern, bringen die Einstellungen nichts. Und wer wirklich etwas ändern will, schafft dies auch ohne App-Limitierungen.

Das Oneplus 6T unterstützt Cat16-LTE und WLAN nach 802.11ac. Bluetooth läuft in der Version 5.0, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Nutzer können zwei SIM-Karten gleichzeitig verwenden, einen Steckplatz für Micro-SD-Karten hat das Smartphone nicht.

Wieder gute Akkulaufzeit

Der Akku hat eine Nennladung von 3.700 mAh und lässt sich mit Oneplus' eigenem Schnellladesystem aufladen. Der Hersteller nennt sein System nicht mehr Dash Charging, nachdem der Hersteller Bragi eine Klage gegen die Namensnutzung eingereicht hat. Bragi stellt drahtlose Kopfhörer namens The Dash her und befürchtet eine Verwechslungsgefahr.

Drahtlos lässt sich das Oneplus 6T nicht aufladen, sondern nur über einen USB-C-Anschluss. Eine Klinkenbuchse für Kopfhörer hat das neue Modell nicht mehr, Oneplus hat diesen zugunsten von USB C abgeschafft. Dem Gerät liegt ein entsprechender Adapter bei, aber kein Kopfhörer.

Einen Full-HD-Film können wir bei maximaler Helligkeit 14 Stunden lang anschauen. Das ist ein sehr guter Wert, den allerdings auch schon das Oneplus 6 erreicht hatte. Das Vorgängermodell des Oneplus 6T hat allerdings einen Akku, der mit 3.300 mAh eine etwas geringere Nennladung hat.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Oneplus 6T kostet mit 6 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher 550 Euro. Eine 64-GByte-Version gibt es nicht mehr. Mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher kostet das Smartphone 580 Euro, mit 256 GByte Speicher 630 Euro. Das sind jeweils 10 Euro mehr als beim Oneplus 6 mit der gleichen Speicherausstattung.

Die einzige verfügbare Farbe ist Schwarz, entweder matt oder glänzend. Die günstigste Version gibt es nur in glänzendem Schwarz, die teuerste nur in mattem Schwarz. Erhältlich ist das Oneplus 6T ab dem 6. November 2018.

Fazit

Das Oneplus 6T ist ein T-Modell, also eher ein Hardware-Refresh als ein komplett neues Gerät. Dafür bietet das Smartphone aber mindestens eine interessante Neuerung: den Fingerabdrucksensor unter dem Display.

Dieser funktioniert im Alltag zuverlässiger als der von Huawei, die Geschwindigkeit ist dennoch geringer als bei herkömmlichen Sensoren. Allerdings ist der Sensor schnell genug, so dass wir bei der alltäglichen Nutzung keine nennenswerten Wartezeiten hinnehmen müssen. In Kombination mit der im Hellen gut arbeitenden Gesichtsentsperrung wird das Oneplus 6T in der Praxis immer irgendwie entsperrt.

Das Display ist Oneplus wieder gut gelungen, die Farben und die Blickwinkelstabilität gefallen uns sehr. Auch die Kamera macht gute Bilder, einen großen Unterschied zum Oneplus 6 bemerken wir allerdings nicht.

Bis auf den Fingerabdrucksensor und das etwas größere Display mit etwas schmaleren Rändern und kleinerer Notch sind die Spezifikationen des Oneplus 6T nicht viel anders als die des Vorgängers. Das ist angesichts der Tatsache, dass es sich nur um einen Hardware-Refresh handelt, auch in Ordnung.

Entsprechend eignet sich das Oneplus 6T nicht für Nutzer des Oneplus 6, da die Unterschiede einfach zu gering sind. Wer hingegen ein älteres Oneplus-Smartphone besitzt, dürfte das 6T interessant finden. Das Smartphone gehört zu den aktuell leistungsfähigsten Geräten am Markt und bietet mit dem Fingerabdrucksensor unter dem Display einen interessanten Mehrwert gegenüber Konkurrenzmodellen.

Bei einem Preis ab 550 Euro ist das Oneplus 6T zudem deutlich günstiger als die Geräte vieler anderer Hersteller. Wer auf der Suche nach einem Topsmartphone ist, sollte das Oneplus 6T in seine Kaufüberlegung miteinbeziehen.  (tk)


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