Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dell-ultrasharp-49-im-test-pervers-und-luxurioes-1810-137354.html    Veröffentlicht: 29.10.2018 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/137354

Dell Ultrasharp 49 im Test

Pervers und luxuriös

Dell bringt mit dem Ultrasharp 49 zwei QHD-Monitore in einem, quasi einen Doppelmonitor. Es könnte sein, dass wir uns im Test ein kleines bisschen in ihn verliebt haben.

Programmierer, Streamer und Kreative wissen es seit langem: Zwei Monitore sind besser als einer. Entweder wird beim Videoschnitt links die Timeline, rechts die Bildvorschau ausgegeben oder beim Streamen auf dem einen Bildschirm OBS konfiguriert und auf dem anderen gespielt. Bei solchen Setups stören häufig mehrere Kabel und natürlich die Bildschirmränder zwischen den Displays. Dell bietet mit dem Ultrasharp 49 (Modellnummer U4919DW) nun quasi zwei vollwertig nutzbare Bildschirme in einem.

Dells Entscheidung, den U4919DW in einer Größe von 49 Zoll und mit einer Auflösung von 5.120 x 1.440 Pixeln zu fertigen, bietet mehrere Vorteile. Die Bildschirmfläche ist genauso groß wie bei zwei 27-Zoll-Displays, die Auflösung ist ebenfalls identisch mit zwei QHD-Bildschirmen. QHD beschreibt die Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Angeschlossen wird der Ultrasharp 49 mit nur jeweils einem Strom- und Displaykabel. Einen sichtbaren Rand oder Übergang gibt es in der Mitte nicht. Dell setzt auf IPS-Panel mit einem leichten Krümmungsradius von 3800R.

Der ideale Mittelweg aktueller Technik

Das Schöne an dieser Konfiguration ist, dass Windows keinerlei Skalierung vornehmen muss, damit man an dem gigantischen Display angenehm arbeiten kann. Die Pixel bleiben zu 100 Prozent scharf, sind ausreichend groß und eng genug beieinander. Damit kommt es nicht zu den sonst üblichen Skalierungs-Problemen einiger Programme, wenn sie zum Beispiel auf 4K-Displays (unter 40 Zoll) ausgegeben werden.

Die Bildwiederholfrequenz beträgt 60 Hz, Übertakten lässt er sich nicht. Damit sind Nutzer auf V-Sync beschränkt, wenn es darum geht, die Bildwiederholrate von Spielen und dem Display aufeinander abzustimmen. Freesync oder Nvidias G-Sync bietet das Display nicht. Wer V-Sync deaktiviert bekommt also mitunter Tearing zu Gesicht. Tearing beschreibt das sichtbare Auseinanderreißen von Bildern, wenn Bildwiederholraten eines Spiels nicht mit dem Monitor in Einklang sind.

Das bedeutet nicht, dass der Ultrasharp 49 nicht zum Spielen geeignet wäre, im Gegenteil: Mit großer Freude und Begeisterung haben wir auf ihm Spiele im neuartigen 32:9-Bildformat (zwei Mal 16:9) ausprobiert. Der Bildeindruck ist äußerst immersiv und hat uns abgesehen vom fehlenden 3D-Effekt etwas an die Nutzung eines VR-Headsets erinnert. Vor allem Rennspiele wie Forza Horizon 4, Project Cars und V-Rally 4 bieten eine bisher ungekannte Übersicht. Details wie Rückspiegel sind auf dem großen Monitor viel deutlicher zu erkennen und damit nützlicher.

Auch in Rocket League profitieren Spieler von einer nahezu 180-Grad-Sicht des Stadions. In Assassin's Creed Odyssey erblicken wir gefühlt halb Griechenland am Horizont auf einen Blick. Selbst das Baldur's-Gate-ähnliche Rollenspiel Pathfinder Kingmaker unterstützt das 32:9-Format nativ und erleichtert die Erkundung. Wer schon einmal auf einem normalen Ultrawide-Monitor im 21:9-Aspekt gespielt hat, kann sich vielleicht vorstellen, was wir beschreiben. In 32:9 sind die angesprochenen Verbesserungen aber noch einmal deutlich extremer, nahezu pervers - aber richtig toll.

Man mag sich fragen, ob so ein gigantischer Monitor im Alltag nicht auch ergonomische Nachteile mit sich bringt. Im Test haben wir uns daher auch die Spezifikationen und Anschlussmöglichkeiten genau angesehen.

Windows und MacOS auf einem Bildschirm

Dell empfiehlt eine Grafikkarte, die Dual-QHD (5.120 x 1.440) unterstützt. Tatsächlich tun das vermutlich nicht alle Grafikkarten, die bei professionellen Anwendern aktuell im Einsatz sind. Auch uns war es beispielsweise im Test nicht möglich, die volle Auflösung über ein Mini-Displayport- auf Displayport-Kabel von einem Mac Pro (2014) zu übertragen. Die maximale Auflösung bei 60 Hz beträgt mit den Fire-Pro-Chips von AMD nur 3.840 x 1.080 Pixel.

Glücklicherweise bietet der Ultrasharp 49 zahlreiche Video-Eingänge, vier an der Zahl. Neben zwei HDMI-2.0b-Anschlüssen und einem Displayport-1.4-Anschluss gibt es noch die Möglichkeit den Monitor über USB-C zu verbinden. Über die letztgenannten Kontakte werden aktuelle Notebooks direkt mit bis zu 90-Watt an Strom versorgt und berechnen gleichzeitig die volle Auflösung.

Sofern ein Grafikchip, wie im Falle unseres Mac Pro, also nicht die native Auflösung direkt übertragen kann, ist es zumindest möglich, über die Bild-neben-Bild-Funktion den Ultrasharp wie zwei Einzel-Monitore mit QHD-Auflösung anzusteuern. Diese Variante könnten einige Nutzer sowieso präferieren, da die automatische Snap-Funktion von Fenstern in Windows so praktischer ist und der Bildschirm in acht statt vier Elemente unterteilt wird. Das gilt ebenfalls für MacOS mit Tools wie Magnet, die das Gleiche tun.

Damit das Fenstermanagement auch bei 5.120 x 1.440 Pixeln gut funktioniert, muss ein Tool von Dell installiert werden. Damit können Nutzer den Bildschirm sogar in bis zu 32 Bereiche einteilen und Fenster zuweisen. Das Tool merkt sich die letzte Programm-Position und öffnet sie immer an der gewünschten Stelle.

Pixel an Pixel ohne sichtbare Trennung

Ein kleines Highlight für IT-Nerds ist natürlich, zwei PCs gleichzeitig an dem Monitor anzuschließen und nebeneinander zu betreiben - beispielsweise einen Mac und einen Linux-PC. Die beiden Desktops Pixel an Pixel gekuschelt ohne sichtbare Trennung im Blick zu haben, hat bei uns für viele grinsende Gesichter gesorgt. Die Funktion bietet aber natürlich auch echten praktischen Nutzen.

So können zum Beispiel professionelle Streamer mit dedizierten Streaming-Rechnern Konsole oder Gaming-PC nativ auf eine Bildschirmhälfte legen und dort Spiele im Vollbildmodus sehen. Auf der anderen Hälfte ist dann noch genügend Platz für den Chat, OBS, einen Internetbrowser und weitere Tools.

Wenden wir uns der Handhabung in der Praxis zu.

Gigant auf dem Schreibtisch

Für den Wechsel zwischen zwei PCs müssen nicht zwei Mäuse und zwei Tastaturen bereitliegen. (Anmerkung: Ein Setup, das uns schon des Öfteren in den Wahnsinn getrieben hat, weil man regelmäßig zur falschen Maus greift oder auf der falschen Tastatur tippt.) Der Ultrasharp 49 bietet einen integrierten KVM-Switch, mit dem Nutzer durch einen Doppelklick auf einen der frei konfigurierbaren Direkt-Tasten an der Unterseite des Monitors bequem eine Maus-Tastatur-Kombination für beide PCs nutzen kann.

In der Praxis müssen die Eingabegeräte dafür mit dem USB-Hub am Monitor verbunden sein. Der wiederum wird mit beiden PCs über zwei separate USB-Kabel verbunden. Das Prozedere ist bei der ersten Einrichtung durch die schwere Erreichbarkeit der hinteren Anschlüsse etwas fummelig.

Schwerer als zwei QHD-Monitore

Der Dell Ultrasharp 49 ist kein Leichtgewicht. Wer nur das Panel, auf Wunsch an einem eigenen Vesa-Mount anbringen möchte, muss knapp 12 Kilogramm in der Luft halten. Mit dem massiven, mitgelieferten Standfuß steigt das Gewicht auf etwas über 17 Kilogramm. Damit ist der Monitor deutlich schwerer als zwei der üblichen 27-Zoll-QHD-Monitore.

Auf dem Schreibtisch nimmt Dells Gigant 1,20 Meter an Spannweite ein. Wer den mitgelieferten Standfuß nutzt, benötigt 40 Zentimeter in der Breite und 25 Zentimeter in der Tiefe auf dem Schreibtisch. Den ideale Abstand zum Monitor beträgt je nach Nutzer zwischen 40 und 60 Zentimetern.

Über das äußerst übersichtliche Bildschirm-Menü lassen sich fast alle Parameter einstellen, die man sich als semi-professioneller Nutzer wünscht. Power-Knopf samt weißer LED und vier weitere Bedienungsknöpfe sind allesamt an der rechten unteren Geräteseite ideal untergebracht. Die LED stört nicht durch eine zu hohe Helligkeit und alle Knöpfe haben einen sauber definierten Druckpunkt.

Allgemein muss festgehalten werden, dass uns bei der Verarbeitung keinerlei Mängel aufgefallen sind. Der Monitor ist super verarbeitet. In der Höhe lässt er sich nur 9 Zentimeter verstellen, insgesamt 26° neigen und um 340° schwenken. Alles gelingt mit dem nötigen Widerstand und fühlt sich hochwertig an.

Ab Werk kalibriert

Dell Werkskalibrierung muss im Menü erst angewählt werden. Ohne das Profil waren die Darstellungswerte teils leicht sehr kühl eingestellt und die Abweichungen für den sRGB-Farbraum nicht ideal. Mit dem kalibrierten Profil kommt der Monitor dagegen direkt auf sehr brauchbare Werte und deckt den Farbraum laut Dell zu 99 Prozent ab. Diesen Wert können wir beim Nachmessen bei der Software-Kalibrierung mit einem i1-Display-Pro soweit grob bestätigen und kommen auf 98,4 Prozent.

Für die professionelle Fotobearbeitung ist der Ultrasharp 49 aber sowieso nicht der ideale Bildschirm. Dazu fehlen ihm im Jahr 2018 zum einen eine noch höhere Auflösung in der Höhe und allgemein die bei Foto-Monitoren üblichen Abstimmungen der Farbnuancen für Magenta, Cyan und Co.

Der Aspekt kann variiert, die Bildschirmhälften können getauscht oder die RGB-Werte sowie Helligkeit und Kontrast separat pro Panel-Hälfte justiert werden.

HDR wird nicht unterstützt, die maximale Helligkeit beträgt ausreichende 350 cd/m². Mit SDR-Quellen erreicht der Ultrasharp laut Herstellerangaben im Spielemodus 4 Millisekunden bei der Reaktionszeit. Wir haben in unserem Vergleichstest mit einem Dell-Röhrenmonitor von 2004 eine Verzögerung von 5,6 Millisekunden gemessen, ein sehr guter Wert für ein derart großes Display mit IPS-Technik.

Auf dem Panel haben wir keine störende Schlierenbildung entdecken können. Natürlich sind Objekte in Bewegung bei 60 Hertz nicht so scharf dargestellt, wie auf den von uns getesteten 240-Hz-Gaming-Monitoren von Viewsonic und Asus. Gerade im Vergleich mit dem einzigen anderen Super-Ultrawide-Monitor am Markt von Samsung, fällt aber das deutlich schärfere Bewegtbild bei dunklen Bildinhalten am Dell auf.

Lichthöfe von der Hintergrundbeleuchtung (weißes LED-Edgelight) fallen nur in völlig abgedunkelten Räumen ab einer Helligkeitsstufe von 20 von 100 und aufwärts negativ in der unteren Bildmitte und den oberen Ecken auf. Im Normalbetrieb mit etwas Restlicht sind die Lichthöfe allerdings nur noch auf Kameraaufnahmen mit erhöhten ISO-Werten erkennbar, nicht mit dem bloßen Auge.

Bei normalem Tageslicht mussten wir die Helligkeit auf 69 von 100 einstellen, um den Idealwert von 200 cd/m² zu erreichen. Wir gehen davon aus, dass die Hintergrundbeleuchtung dadurch einige Jahre genügend Reserven haben wird, auch wenn sie in ihrer Leuchtkraft nachlassen sollte. Beim Kontrast kommt Dells Super-Ultrawide auf einen ausreichenden Wert von 998:1.

Im Standby begnügt sich der Monitor mit 0,5 Watt, bei normalen Arbeiten steigt der Energiebedarf auf typische 70-100 Watt.

Verfügbarkeit und Fazit

Laut Dell kostet der U4919DW rund 1.649 Euro, aktuell ist er im Webshop für 1.324 Euro gelistet aber nicht verfügbar. Eine Alternative stellt bislang nur Samsungs C49HG90DMU dar, der allerdings mit seinem VA-Panel sichtbar langsamere Pixelschaltzeiten hat und damit Schlieren zieht. Die Auflösung ist mit 3.840 x 1.080 Pixeln zudem deutlich geringer und macht den Monitor recht ungeeignet fürs Arbeiten. Bei Spielen punktet Samsungs Super-Ultrawide dafür mit Support für Freesync, HDR 400 (also kein echtes HDR) und Bildwiederholfrequenzen bis zu 144 Hertz.

Fazit

Ade, lieber Displayrand, endlich sind wir Dich los. Dells neuer Doppelmonitor Ultrasharp 49 ist pervers. Damit meinen wir, dass er den aktuellen Monitorstandard derart verfremdet, dass er auf den ersten Blick wie ein Monstrum aussieht - ein schönes Monstrum, bei dem man gerne genauer hinsieht.

Im Test hat sich der Monitor als hervorragender Allrounder bewiesen, der in manchen Nischen einen völlig neuen Standard setzt. Beim Streamen, Coden oder der Videobearbeitung ist er ein äußerst angenehmer Gefährte, der galant zwei QHD-Monitore mit einer Größe von 27' ersetzt.

Die Verarbeitung ist edel, vom Bedienungsmenü bis hin zu den Komfortfunktionen stimmt beim Ultrasharp 49 einfach alles. Spielerisch beeindruckt er auch beim Zocken von aktuellen Computerspielen durch das extrem immersive 32:9-Format.

Einzig Spieler, die absolut nicht mehr bei 60 Hertz spielen wollen, müssen sich entweder noch etwas gedulden oder zu Samsungs Alternative greifen. Als moderner Film-Editor sehnt man sich unter Umständen trotzdem bereits nach voller 4K-Auflösung oder HDR. Auch diese beiden Ausstattungsmerkmale bietet Dell nicht.

Alle anderen finden im Ultrasharp 49 von Dell einen Traum von einem Monitor, der unser Herz im Test erobert hat.  (mw)


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