Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/google-niemand-braucht-heute-gigabit-1810-137281.html    Veröffentlicht: 23.10.2018 19:28    Kurz-URL: https://glm.io/137281

Google

"Niemand braucht heute Gigabit"

Google hält in Berlin eine flammende Rede für den Gigabit-Ausbau. Auf die Frage, warum dann Google Fiber nicht mehr ausgebaut wird, gab es nur eine ausweichende Antwort.

Laut Craig Fenton, Director für Strategy & Operations bei Google, braucht "niemand heute Gigabit, wenigstens solange, bis sie es haben". Fenton sprach am 23. Oktober 2018 auf dem Broadband World Forum (BBWF) in Berlin. Eine hohe Datenübertragungsrate und die Entwicklung von Anwendungen würden sich gegenseitig bedingen, wie bei einem Tanzpaar.

In seiner Keynote "Wer braucht schon ein Gigabit? Ein Blick auf die Treiber von Ultrafast" erklärte er, die Nutzer würden nicht auf langsame Netzwerke warten. Fünf Sekunden Verzögerung beim Aufrufen einer App oder Website seien schon ein Grund, dass der Nutzer abbreche. Gerade Dienste wie die visuelle Suche von Google benötige viel Bandbreite.

Es gebe noch immer 4 Milliarden Menschen, die noch keinen Netzzugang hätten. "Ein Fonds-Manager aus Frankfurt oder ein Farmer aus Kenia", beide hätten "dasselbe Recht auf eine schnelle Onlineverbindung", sagte Fenton.

Den Anwesenden riet er: "Machen Sie, worin Sie gut sind, selbst, und suchen Sie sich Partner für alles andere."

Auf die Frage von Golem.de, warum dann das hoffungsvolle Projekt Google Fiber in den USA praktisch eingestellt worden sei, sagte Fenton lediglich: "Google Fiber gibt es noch. Wir denken über viele verschiedene Wege für Access nach."

Alphabets Google Fiber war einst angetreten, um TV-Kabelnetz- und Festnetzbetreiber wie Comcast, Time Warner Cable und Verizon, die laut Google "träge, räuberisch und innovationsfeindlich" seien, zu ersetzen. Geplant war nicht weniger als ein nationaler FTTH-Ausbau.

Google Fiber hat nie Angaben zur Anzahl seiner Kunden gemacht. Laut Informationen von Motherboard konnte Google Fiber nur 500.000 Kundenverträge abschließen. Weil der Anbieter damit im August 2016 von den ursprünglich geplanten fünf Millionen Kunden fünf Jahre nach seinem Start noch sehr weit entfernt war, setzte die Konzernführung den Ausbau aus. Google Fiber kündigte im Oktober 2016 an, den Ausbau in zehn Städten zu stoppen oder auszusetzen und Beschäftigte zu entlassen.

Google Fiber hatte 2016 den Netzbetreiber Webpass übernommen, um den Ausbau auf der letzten Meile zu sparen. Webpass baut Dachantennen mit Richtfunkverbindungen. Im Haus wird Ethernet-Kabel verlegt. Das Unternehmen nutzt das 2,4-GHz- und 5-GHz-Band, aber auch andere Frequenzen. Es werden Datenraten von 1 GBit/s im Up- und Download für 60 US-Dollar pro Monat ohne Drosselung angeboten. Doch auch Webpass stellt den Betrieb in der ersten Stadt, in Boston, wieder ein.  (asa)


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