Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/eve-online-raumschiffe-in-der-glitzerstadt-1810-137262.html    Veröffentlicht: 23.10.2018 11:14    Kurz-URL: https://glm.io/137262

Eve Online

Raumschiffe in der Glitzerstadt

Eve Online bekommt neue Strukturen im All und als Ableger einen PC-Shooter: Golem.de hat das vielversprechene Actionspiel auf einer Veranstaltung ausprobiert und mit CCP-Studiochef Hilmar Pétursson über die Zukunft des futuristischen Universums gesprochen.

Die Macher von Eve Online wissen, wie man feiert. Besonders deutlich wurde das Mitte Oktober 2018 an einem Samstag im Drai's, einem Edel-Club von Las Vegas: Dort hüpften drei Mitglieder der Band des Entwicklerstudios CCP Games in goldenen Glitzerklamotten über die Bühne, sangen Klassiker wie Killing is just a means oder Wrecking Machine - und wurden dafür von den Eve-Fans frenetisch bejubelt.

Die Party über den Dächern der Glitzerstadt war der Höhepunkt von Eve Vegas: einer jährlichen Fan-Convention, bei der sich Eve-Spieler aus den USA und anderen Teilen der Welt treffen. Rund tausend Fans kamen letzte Woche ins Linq Hotel & Casino nach Las Vegas, um die Community zu feiern, mit den Entwicklern zu sprechen - und sich darüber zu informieren, wie es bei Eve in der nahen Zukunft weitergeht.

Genau dabei gab es nämlich etliche Fragezeichen. 2017 entließ CCP rund 100 Mitarbeiter, schloss Studios und verabschiedete sich von VR. Die Sparmaßnahmen wurden von vielen Fans mit Argwohn aufgenommen - ganz offensichtlich war das Unternehmen unter zunehmenden Druck seiner Investoren geraten. Am 6. September 2018 verkündete der südkoreanische Publisher Pearl Abyss überraschend, er werde CCP für über 400 Millionen US-Dollar übernehmen. Das Ende der Unabhängigkeit von Eve?

Fans fürchten um die Unabhängigkeit von Eve

Bei Eve Vegas war die Übernahme natürlich eines der Hauptthemen: In den Gesprächen und Roundtables der Convention kam es immer wieder zur Sprache. Nicht wenige Fans befürchten nämlich, Pearl Abyss könnte Mikrotransaktionen ins Eve-Universum bringen - schließlich ist der Publisher (Black Desert Online) für seine aggressiven Monetarisierungsstrategien bekannnt.

Am Rande von Eve Vegas konnte Golem.de darüber mit CCP-Chef Hilmar Veigar Pétursson sprechen. "Pearl Abyss wird keinen Einfluss auf das Design von Eve Online haben", versichert der Isländer, der seit Anbeginn die Geschicke von CCP lenkt. Pétursson sieht die Übernahme durchweg positiv: "Unsere Firma gehörte vorher Investoren - und jetzt einem MMO-Entwickler. Das eröffnet neue Chancen auf längerfristige Investitionen in Eve." Die Unternehmen können zudem viel voneinander lernen, sagt Pétursson, auch bekannt als CCP Hellmar. "Die Firmenphilosophie von Pear Abyss ähnelt der von CCP stark." Ob die Firmenfusion tatsächlich die gewünschten Synergie-Effekte bringt, bleibt abzuwarten.

Ein weiteres großes Eve-Vegas-Thema - und ebenfalls nicht unumstritten - war Project Nova. Der PC-Shooter ist im Universum von Eve Online angesiedelt und wird von CCP in Kooperation mit dem britischen Studio Sumo Digital (Sonic & All-Stars Racing Transformed, Crackdown 3) entwickelt. Beim Festival gab CCP bekannt, dass der Alpha-Zugang von Project Nova - übrigens nur ein Arbeitstitel - im November 2018 auf Einladung beginnen wird. Besucher von Eve Vegas konnten den Shooter sogar bereits ausprobieren. CCP hatte in einem der Konferenzräume mehrere Anspielstationen aufgebaut - die Fans machten von dem Angebot denn auch regen Gebrauch.

Auch Golem.de konnte Project Nova anspielen. Im Spiel übernehmen wir die Rolle eines Elite-Klonsoldaten, der gegen Sansha's Nation kämpft, einen illegalen, totalitären Staat. Sansha's Nation hat sich durch Hirnwäsche gefügige Kampfsklaven erschaffen, die von den True Guardians überwacht werden, einer kybernetisch verstärkten Elite. Die ersten Player-vs.-Environment-Gefechte (PvE), an denen wir teilnehmen durften, fanden auf dem Minmatar-Battleship Maelstrom statt. Im Onslaught-Modus versuchen vier Spieler, gemeinsam die Energie des Raumschiffs wiederherzustellen - und werden dabei mit immer neuen Wellen von Feinden konfrontiert.

Project Nova bietet strategische Herausforderungen

Unser erster Eindruck von Project Nova ist positiv: Die Steuerung ist knackig, die Gegner-KI ziemlich schlau und die Atmosphäre der offenen Spielareale angenehm grimmig. Unser Klonsoldat verfügt über klassenbezogene Waffen und Spezialfunktionen, zum Beispiel einen Slide, mit dem er rutschend schnell größere Entfernungen überbrücken kann. Die Gegner bewegen sich vergleichsweise langsam, sind aber gerade in der Masse eine ernstzunehmende Bedrohung - mehrere KI-Manager sorgen dafür, dass jedes Gefecht neue Überraschungen parat hält.

"In Project Nova geht es nicht in erster Linie um schnelle Reflexe", sagt Lead Designer Paul Wright von Sumo Digital, "sondern um strategische Herausforderungen." So können Spieler die eroberten Energieknoten mit verschiedenen Verteidigungswaffen aufrüsten, um die Feindeswellen abzuwehren. Zugleich müssen die Spieler intensiv kommunizieren und sich gegenseitig den Rücken freihalten - sonst ist die Schlacht im Nu gekippt.

Besonders vielversprechend: Neben dem PvE- soll es auch einen PvP-Modus (Player vs. Player) mit zwei Sechzehner-Teams geben. "Bei noch mehr Spielern würde nur ein Chaos entstehen", sagt Game Director Snorri Árnason alias CCP Rattati. Die PvP-Variante von Project Nova konnten wir in Vegas allerdings noch nicht ausprobieren. Laut CCP sollen sich Spieler darin als Söldner verdingen und Geld verdienen können. Die Macher versprechen ein starkes Progressionssystem mit saisonalen Belohnungen - das soll die Spieler zur Wiederkehr motivieren.

Bleibt allerdings die Frage, wie gut sich Project Nova in das Eve-Universum einfügen wird. Zwar ist die Lore nach unserem Ersteindruck sorgfältig eingebunden und erweitert das Spiel um neue Geschichten. Allerdings gab es schon einmal einen Versuch, einen Shooter in Eve Online einzubetten - der 2013 erschienene PS3-Titel Dust 514 konnte sich allerdings nie durchsetzen und wurde schließlich eingestellt. Bei Eve Vegas beteuerte CCP, aus den Fehlern gelernt zu haben. "Die Hauptherausforderung bei Dust war die Shooter-Erfahrung von Augenblick zu Augenblick", so Hilmar Veigur Pétursson. "Darauf konzentrieren wir uns jetzt bei Project Nova."

Langfristiges Ziel: "One universe, one war"

Ein weiterer Fehler war, dass CCP bei Dust auf das falsche Konsolen-Pferd gesetzt hat: Die PS3 wurde schneller von der PS4 überholt, als die Entwickler vermutet hatten. Project Nova erscheint deshalb als reiner PC-Titel. Über eine direkte Verknüpfung von Eve und Project Nova ("one universe, one war") will CCP erst nachdenken, wenn die Fundamente des Shooter stehen. Spieler könnten dann zum Beispiel Blueprints erbeuten - oder auch direkt von den Raumschiffkapitänen als Söldner angeheuert werden.

Bei allem Wirbel um Project Nova: Viele Festivalbesucher interessierten sich vor allem für die geplanten Eve-Neuerungen. Zu den interessantesten Updates zählen die Upwell Structures, die ältere, von Spielern erstellte Sternenbasen ersetzen sollen. "Ich denke, sie werden die Struktur der Welt mit der Zeit ziemlich verändern", so Pétursson. "Die Navigation Gates beispielsweise werden neue Pfade in der Welt erschließen." Updates wird es auch in Abyssal Deadspace geben: Unter anderem zeigte CCP in Vegas mehrere neue triglavianische Raumschiffe, die bei den Besuchern für bewunderndes Raunen sorgten.

Als eines der wichtigsten Updates sieht Pétursson den sogenannten Activity Tracker. "Er verfolgt so ziemlich alles, was man im Spiel macht", erläutert der CCP-CEO. "Er gibt dir eine Art Timeline all dessen, was du bisher gemacht hast - und auch Ziele, die du erreichen kannst. Das wird den Spielern helfen, auf bestimmte Dinge zu fokussieren und auch zu lernen, was im Spiel alles möglich ist." Gerade für Einsteiger dürfte der Activity Tracker eine wichtige Orientierungshilfe sein. Bei einem legendär schwierigen Spiel wie Eve Online keine schlechte Idee.  (ml)


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