Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/google-der-markt-braucht-keine-pixel-smartphones-1810-137188.html    Veröffentlicht: 18.10.2018 14:44    Kurz-URL: https://glm.io/137188

Google

Der Markt braucht keine Pixel-Smartphones

Mit den ersten Nexus-Smartphones war Google wegweisend - starke Hardware, pures Android, niedriger Preis. Das Pixel 3 hingegen zeigt, dass der Hersteller den Anschluss verloren hat. Das Unternehmen braucht entweder bessere Ideen für die Hardware oder sollte sich wieder auf seine Software konzentrieren.

Bei der Präsentation der neuen Pixel-3-Smartphones konnte man fast den Eindruck gewinnen, Google sei selbst nicht komplett von den Geräten überzeugt. Anstatt ein großes Event zu veranstalten, stellte das Unternehmen das neue Gerät in eher kleinem Kreis vor. Lange wurde zunächst über neue Home-Geräte geredet, dann kam man zum Pixel 3. Ach ja, das haben wir ja auch noch!

Dass Google seine beiden neuen Smartphone-Modelle nicht ausgiebiger zelebriert, passt zu den Produkten: Das Pixel 3 und Pixel 3 XL sind gute Smartphones, aber bei weitem nicht die besten am Markt. Für Google, das maßgeblich für das Betriebssystem Android, wie es ein Großteil der Nutzer verwendet, verantwortlich ist, ist das einfach zu wenig.

Der Markt braucht die Pixel-Smartphones, so wie Google sie aktuell produziert, schlicht nicht. Es gibt für den gleichen Preis weitaus bessere Modelle, etwa das Galaxy Note 9 oder das P20 Pro und Mate 20 Pro von Huawei. Für deutlich weniger Geld gibt es technisch vergleichbare Geräte, etwa das Oneplus 6.

Nutzer kaufen sich Pixel-Smartphones auch aus Gründen, die in der Vergangenheit weitaus wichtiger waren als heute. Einer dieser Punkte dürfte ein pures Android sein. Zu Zeiten der Nexus-Smartphones waren die Google-Geräte im Grunde die einzigen, die ein unverfälschtes Android-System hatten. Zu dieser Zeit waren die Android-Oberflächen anderer Hersteller stellenweise sehr überladen, Samsung ist dafür ein immer gerne angeführtes negatives Beispiel.

Die Zeiten haben sich aber geändert. Zum einen bieten mittlerweile verschiedene Hersteller dank Android One eine unverfälschte Android-Oberfläche an. Zum anderen sind die Benutzeroberflächen der anderen Hersteller mittlerweile weitaus besser bedienbar und bieten stellenweise sogar praktische Funktionen, die Googles Android nicht hat.

Andere Hersteller haben bei der Software aufgeholt

Auch Updates kommen bei vielen Herstellern mittlerweile deutlich schneller und zuverlässiger, wenn auch nicht ganz so schnell wie bei Google. Die Existenzberechtigung eines Smartphones von Google, wie es sie zu Nexus-Zeiten noch gab, fehlt mittlerweile einfach. Die aktuellen Pixel-Modelle wie auch bereits ihre Vorgänger bieten anstelle dessen aber nichts, was die Konkurrenz wirklich ausstechen könnte - auch wenn Google das natürlich anders bewirbt, besonders im Hinblick auf die Kamera.

Es gibt bessere Smartphone-Kameras

Google hat sich stark auf den Fotografieaspekt konzentriert, kann die Versprechen aber nicht halten. Statt einer Dualkamera setzt Google weiterhin auf eine Kamera mit einem Objektiv, für die Qualität sollen verbesserte Algorithmen sorgen. Dieses Konzept geht Ende 2018 aber einfach nicht mehr auf.

Ende 2017 gehörte die Kamera des Pixel 2 noch zu den besten am Markt, beim Pixel 3 ist sie verglichen mit der Konkurrenz in vielen Bereichen nur noch Durchschnitt. Das betrifft unter anderem die HDR-Funktion, die Schärfe oder auch den Digitalzoom. Algorithmen haben schlicht und ergreifend Grenzen, die nur durch ein oder mehrere weitere Objektive durchbrochen werden können.

Google sollte mehr draufhaben

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Kamera-Software des Pixel 3 ist durchaus gut. Insgesamt betrachtet reicht sie aber nicht aus, um dem Pixel 3 den Stellenwert zu geben, den ein Smartphone des Unternehmens haben sollte, das für Android verantwortlich ist. Andere Unternehmen sind kreativer, und zwar auf eine Art und Weise, die für den Nutzer hilfreich ist. Das Kamerasystem von Huawei ist ein Beispiel dafür.

Zudem sind die sinnvollen neuen Funktionen beim Pixel 3 nicht so toll, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Ein Beispiel ist die Möglichkeit, sich aus einer Reihe von Aufnahmen die beste von der KI heraussuchen zu lassen. Diese liegt bei der Auswahl meistens richtig, das Bild lässt sich dann aber mitunter nur in einer deutlich geringeren Auflösung speichern.

Die Software ist zudem nur eine Seite der Medaille. Heutzutage ist es nicht leicht, sich über die Hardware eines Smartphones am Markt zu profilieren - ähnlich wie seit mehreren Jahren bei Notebooks. Googles neue Pixel-Modelle sind zum größten Teil Geräte von der Stange - von wenigen Ausnahmen wie den neuen Titan-M-Sicherheits-Chips abgesehen. Dies wird nicht durch einen attraktiven Preis ausgeglichen, wie es noch bei den Nexus-Geräten der Fall war.

Google muss seine Software mit spannender Hardware verbinden

Der Markt braucht die Pixel-Smartphones in der aktuellen Form einfach nicht. Google sollte sich überlegen, wie die herausragende Software mit entsprechender Hardware verknüpft werden kann - durch die Übernahme eines Teils von HTCs Smartphone-Abteilung sollte das nötige Know-How eigentlich vorhanden sein. Nur so können die Pixel-Smartphones auf ein Level gehoben werden, das am Markt Sinn ergibt - und Googles Vorherrschaft im Software-Bereich entspricht.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).  (tk)


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