Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fernsehen-ard-und-zdf-wollen-dvb-t2-nicht-5g-opfern-1810-137129.html    Veröffentlicht: 15.10.2018 19:04    Kurz-URL: https://glm.io/137129

Fernsehen

ARD und ZDF wollen DVB-T2 nicht 5G opfern

Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen DVB-T2 bis mindestens 2030 nutzen. Dann soll der Bereich für 5G-Fernsehen genutzt werden.

Rundfunkfrequenzen unterhalb 700 MHz sind keine Lösung für die Sicherstellung der mobilen Flächenversorgung mit 5G. Das geht aus einer Stellungnahme der öffentlich-rechtlichen Sender zum 5G-Konsultationsentwurf an die Bundesnetzagentur hervor, die Golem.de vorliegt. Dabei geht es um die Bereiche 2 GHz und 3,6 GHz.

Die Sender betonen die Zusage von Bund und Ländern, DVB-T2 bis mindestens 2030 als Verbreitungsweg nutzen zu können.

Der Rundfunk will perspektivisch die Versorgung auch über 5G sicherstellen, "wenn sich diese Technologie als relevanter Empfangsweg etabliert. Ein Ziel sei, Medieninhalte wie zum Beispiel die Mediatheken von ARD und ZDF, auf mobilen Endgeraten nutzbar zu machen. Vornehmlich wird dies über Kleinzellen und Kleinstzellennetze des Mobilfunks und auf Frequenzen größer als 1 GHz erfolgen."

Als weiteres Ziel sollen die laufenden Programme der Rundfunksender zukünftig auch über Broadcast-Technologien auf mobilen Endgeraten (Smartphones, Tablets) empfangbar gemacht werden. Auch hierfür biete sich die 5G-Technologie mit dem im Standard bereits etablierten 5G-Broadcast Modus FeMBMS (Further Evolved Multimedia Broadcast Multicast Service) mit der technischen Möglichkeit der Implementierung sehr großer Funkzellen mit einem Radius bis 70 Kilometer an. Damit könne effizient und wirtschaftlich die Verbreitung der Inhalte im 5G-Standard über eigenständige HPHT (High Power High Tower) Rundfunknetze realisiert und die Mobilfunknetze um diese bandbreitenintensiven Anwendungen effektiv entlastet werden.

Großzellige Rundfunk-Netze mit 5G FeMBMS als Übertragungsstandard nutzten aus Reichweitengründen die niedrigen Frequenzen im sub700MHz-Bereich und könnten neben Fernsehinhalten detailliertes aktuelles Kartenmaterial für autonomes Fahren verbreiten.

5G Aufbau: Gewinn für Konzerne statt Gemeinwohl

Dagegen seien die geplanten Vorgaben für die Vergabe von 5G-Frequenzen davon geprägt, im Wesentlichen nur auf die am Markt verfügbaren Player zurückzugreifen, denen ein wirtschaftlich tragfähiges Szenario offeriert werden müsse. Dies diene nicht dem Gemeinwohl.

Die Auflage, bis Ende 2022 eine Versorgung mit 50 MBit/s auf fahrgastreichen Bahnstrecken und 100 MBit/s auf Bundesstraßen und Bundesautobahnen zu erreichen, scheine unangemessen moderat zu sein. Die Auflage für 2 GHz-Zuteilungsnehmer, 500 Basisstationen mit mindestens 100 MBit/s in zuvor definierten weißen Flecken bis zum 31. Dezember 2022 in Betrieb zu nehmen, werde die Unterversorgung des ländlichen Raums nicht zeitnah beenden.

Die dem Mobilfunk durch die Digitalen Dividenden I und II zur Verfügung gestellten Rundfunkfrequenzen im Bereich 800 und 700 MHz würden bis heute nicht überall genutzt. Dies könne als Beleg dafür dienen, dass die Mobilfunkunternehmen bereits heute kein wirtschaftliches Interesse an einer flachendeckenden Versorgung hätten.

Für das autonome Fahren, Industrie 4.0 und Video seien aus technischen Gründen wie Latenzzeiten und der Akkukapazität der Endgerate ganz überwiegend Klein- und Kleinstzellen geeignet. "Genau für Klein- und Kleinstzellennetze im Mobilfunkbereich sind aber Frequenzen mit geringeren Reichweiten (oberhalb 1 GHz und oberhalb 6 GHz) prädestiniert", erklären die Sender. Aus diesem Grund begrüße man die anstehende Vergabe des 2 GHz- und von Teilen des 3,6-GHz-Bereiches an den Mobilfunk sowie die Öffnung des 26-GHz-Bandes für Mobilfunk durch Änderung der Frequenzverordnung.

Auch der Rundfunk will Mediencampusnetze im Frequenzbereich 3,7 bis 3,8 GHz an seinen Produktions- und Verwaltungsstandorten.  (asa)


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