Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/neuer-echo-dot-im-test-geht-doch-amazon-1810-137121.html    Veröffentlicht: 16.10.2018 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/137121

Neuer Echo Dot im Test

Amazon kann doch gute Mini-Lautsprecher bauen

Echo Dot steht bisher für muffigen, schlechten Klang. Mit dem neuen Modell zeigt Amazon, dass es doch gute smarte Mini-Lautsprecher mit dem Alexa-Sprachassistenten bauen kann, die sogar gegen die Konkurrenz von Google ankommen.

Viel Lautsprecherleistung für wenig Geld, das bringt Amazon mit dem neuen Echo Dot. In Anbetracht des bescheidenen Klangs des Vorgängermodells ist das eine Überraschung. Wir haben uns den kleinen smarten Lautsprecher mit Amazons digitalem Assistenten Alexa angesehen und mit dem Vorgänger, dem Google-Konkurrenten Home Mini und dem großen Echo verglichen. Dabei haben wir uns auch die Änderungen bei der Bedienung angeschaut.

Der alte Echo Dot klingt mit großem Abstand schlechter als die anderen Geräte. Das Klangbild des 60-Euro-Lautsprechers ist muffig, es fehlt an Klarheit, Dynamik und Details gehen verloren. Zudem hat der kleine Puck Mühe, den Raum mit Klang auszufüllen. Eigentlich kann das alte Modell nur für Alexa-Ansagen und vielleicht noch für den Konsum von Hörbüchern oder Hörspielen genutzt werden.

Der Home Mini von Google beweist dagegen, dass ein kleiner Lautsprecher für 60 Euro nicht ganz so miserabel klingen muss. Höhen werden stark ausgeprägt wiedergegeben, Stimmen sind gut zu verstehen. Der Mittenbereich ist allerdings sehr zurückhaltend und aufgrund der kompakten Gehäuseform gibt es keinen nennenswerten Bass. Mit dem Echo Dot zeigt Amazon nun, dass es ebenfalls einen kompakten Lautsprecher mit einem ordentlichen Klangbild bauen kann.

Das neue Modell besticht durch ausgeprägte Höhen und mit einem klaren Klang, der auch den Mittenbereich vergleichsweise gut abdeckt. Dabei betont der Echo Dot die Höhen weniger als der Home Mini. Das sorgt für ein stimmigeres und volleres Klangbild. Der neue Lautsprecher hat genügend Reserven, um einen Raum zu beschallen. Wir hören Musik lieber auf dem neuen Echo Dot als auf dem Google-Lautsprecher, auch wenn der Bassbereich aufgrund des kompakten Gehäuses ebenfalls nur gering ausgeprägt ist.

Gegen einen deutlich größeren Echo-Lautsprecher der ersten Generation muss sich der Echo Dot aber dann geschlagen geben. Hier kann der Echo-Lautsprecher von einem deutlich größeren Gehäuse profitieren. Aber der Vergleich zeigt, dass der klangliche Vorsprung längst nicht mehr so gewaltig ist wie beim alten Echo Dot. Das große Echo-Modell hat einen ausgeprägteren Mittenbereich und ist insgesamt druckvoller und agiler.

Für die Sprachsteuerung hat der Lautsprecher nur vier Fernfeld-Mikrofone, beim alten Modell sind es sieben. Dennoch konnten wir keine Unterschiede bei der Reaktionsfähigkeit feststellen. Auch in großen Räumen werden wir selbst dann verstanden, wenn wir weit weg mit dem Rücken zum Lautsprecher stehen. Bei lauter Musik müssen wir etwas lauter sprechen, aber auch das klappt vorzüglich.

Am neuen Echo Dot hat Amazon aber nicht nur den Klang verändert, auch die Einrichtung wurde vereinfacht.

Echo Dot lässt sich bequemer einrichten

Amazon hat erfreulicherweise das etwas umständliche Einrichten von Echo-Lautsprechern vereinfacht. Alte Echo-Lautsprecher öffnen einen WLAN-Hotspot, an dem sich Nutzer mit ihrem Smartphone anmelden müssen, um den Lautsprecher mit dem heimischen WLAN verbinden zu können. Dieser Schritt ist nicht mehr erforderlich.

Wenn der Echo Dot das erste Mal in Betrieb genommen wird, müssen nun Bluetooth und Standortdaten für die Alexa-App freigegeben werden. Dann zeigt die App den entsprechenden smarten Lautsprecher und nachdem dieser ausgewählt ist, muss noch das gewünschte WLAN-Netzwerk ausgewählt werden. Falls das WLAN-Kennwort bereits im Amazon-Konto hinterlegt ist, verbindet sich der Lautsprecher automatisch, ansonsten ist noch die Eingabe des WLAN-Schlüssels erforderlich. Nach der Einrichtung des Geräts verlangt die Alexa-App kein aktiviertes Bluetooth und auch keine aktivierten Standortdaten mehr.

Nach der ersten Einrichtung wird in einem kurzen Video gezeigt, wofür Alexa verwendet werden kann. Außerdem können Nutzer gleich festlegen, ob der Echo Dot mit dem eingebauten Lautsprecher genutzt werden soll oder ob externe Lautsprecher damit betrieben werden sollen. Externe Lautsprecher oder auch eine Anlage können über Kabel oder Bluetooth mit dem Echo Dot verbunden werden; in beiden Fällen wird der eingebaute Lautsprecher umgangen.

Der Echo-Leuchtring ist gut zu erkennen

An der Tastenbelegung auf der Oberseite hat sich nichts verändert - es gibt wieder vier Tasten. Neben zwei Lautstärketasten sind das der Knopf zum Stummschalten des Mikrofons und der Alexa-Knopf. Damit lässt sich der digitale Assistent per Knopfdruck ohne Aufweckwort aktivieren. Wie bei den anderen Echo-Modellen gibt es keinen Knopf, um Wiedergabe zu pausieren.

Geblieben ist auch der Leuchtring, der blau erstrahlt, sobald Alexa aktiv ist. Der LED-Ring leuchtet rot, wenn das Mikrofon deaktiviert ist. Der Leuchtring ist so angebracht, dass er im Grunde von überall gut zu sehen ist, selbst aus dem Augenwinkel heraus. Das ist praktisch, denn das Aktivierungswort "Alexa" kann auch schon mal in normalen Unterhaltungen vorkommen und den Lautsprecher versehentlich aktivieren.



Besitzer eines Echo-Lautsprechers haben immerhin die Möglichkeit, das Signalwort in "Amazon", "Echo" oder "Computer" zu ändern. Diese Möglichkeit stellt Amazon aber ganz bewusst nicht anderen Herstellern für ihre Alexa-Lautsprecher zur Verfügung. Amazon will offenbar, dass Käufer eines solchen Lautsprechers wissen, dass sie ein Alexa-Gerät haben.

Neuer Stromanschluss

Am neuen Echo Dot gibt es wieder eine 3,5-mm-Klinkenbuchse und ansonsten nur einen Stromanschluss, der nun eine proprietäre Buchse ist. Der alte Echo Dot hat einen Micro-USB-Anschluss. Dadurch kann das Gerät bei Bedarf auch mit einem Akkupack betrieben werden, was den Einsatz flexibler macht.

Mit dem Echo Dot lassen sich alle Alexa-Funktionen nutzen. Wir können uns also auf Zuruf das Wetter oder tagesaktuelle Nachrichten ansagen lassen. Mit ein paar Worten ist eine smarte Lampe im Haushalt ein- oder ausgeschaltet und wir können Dinge mit Sprachbefehlen auf die Einkaufsliste setzen. Schnell ist auf Zuruf ein Timer gestellt und wir können den kleinen Lautsprecher auch als Wecker nutzen - bei Bedarf werden wir mit Musik geweckt. Bei der Musikwiedergabe können Amazon Music, Spotify und Deezer komplett per Sprache gesteuert werden und es können Hörbücher oder Hörspiele angehört werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Amazon verkauft den neuen Echo Dot für 60 Euro. Alle bisherigen Echo-Lautsprecher wurden vor allem für Prime-Kunden immer mal wieder in Aktionen zu vergünstigten Preisen angeboten. Es ist davon auszugehen, dass dies beim neuen Modell auch der Fall sein wird.

Fazit

Der neue Echo Dot ist ein gelungener kompakter Lautsprecher mit dem digitalen Assistenten Alexa. Amazon hat auf die Kritik am Vorgängermodell reagiert und die Klangqualität deutlich verbessert. Der alte Echo Dot bringt keinen Musikgenuss, der neue hingegen spielt Höhen klar und deutlich ab und erreicht dabei ein für das kleine Gehäuse überraschend angenehmes Klangbild.

Natürlich fehlt dem kleinen Puck-artigen Lautsprecher der Bassbereich - bei der kompakten Bauweise ist das aber nicht anders machbar. So gut wie der große Echo-Lautsprecher klingt er also nicht. Im Vergleich zum etwa gleich großen Home Mini von Google gewinnt er aber, weil er ein harmonischeres Klangbild liefert.

Die Mikrofonleistung ist auf dem gleichen hohen Niveau wie beim Vorgängermodell, obwohl es nun weniger Fernfeldmikrofone gibt. Der Lautsprecher versteht auch leise Befehle und muss bei lauter Musik nicht angebrüllt werden. Insgesamt ist der neue Echo Dot deutlich besser als der Vorgänger und macht mit seinem niedrigen Preis den Einstieg in die Welt smarter Lautsprecher attraktiv.  (ip)


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