Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dragonfly-google-schweigt-zu-china-plaenen-1810-137099.html    Veröffentlicht: 13.10.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/137099

Dragonfly

Google schweigt zu China-Plänen

Die Abgeordneten wollten es ganz genau wissen: Wie hält Google es in China mit der Zensur? Google-Chef Sundar Pichai hingegen wich der Anfrage aus und sagte, es sei nicht einmal klar, ob es eine neue Google-Suchmaschine in China geben werde.

Keine Details: Google will zwar nach China zurück, der Suchmaschinenbetreiber macht aber keine Angaben darüber, wie seine Aktivitäten in dem asiatischen Land aussehen sollen. Einer Anfrage von US-Abgeordneten wich Google-Chef Sundar Pichai aus.

Anfang August wurde bekannt, dass Google eine neue Suchmaschine für China plant. Sechs Senatoren, darunter Mark Warner, Demokrat aus dem US-Bundesstaat Virginia, forderten das Unternehmen auf, sich zu seinen Aktivitäten in China zu äußern.

Pichai antwortete wenige Tage später, am 31. August 2018, mit einem anderthalbseitigen Schreiben auf die Anfrage. Das Schreiben wurde jetzt erst bekannt - es wurde unter anderem an das US-Onlinemagazin The Intercept sowie an die US-Nachrichtenagentur Bloomberg durchgestochen, laut Bloomberg von Warners Büro.

Pichai drückt sich um konkrete Antworten

Die Senatoren stellten neun konkrete Fragen, wie Google mit der Zensur in China umgehen wolle, etwa ob es eine Liste mit verbotenen Wörtern geben werde oder ob es Begriffe gebe, die Google nicht blockieren wolle. Darauf ging Pichai jedoch nicht ein. Das Unternehmen prüfe mehrere Optionen, welche Dienste es in China anbieten könne. "Wir gehen diese Probleme mit Bedacht an", schreibt Pichai. "Ob wir einen Suchangebot in China einrichten können oder wollen, ist noch unklar. Entsprechend sind wir nicht in der Lage, detaillierte Fragen zu beantworten."

Nach im August von The Intercept veröffentlichten Dokumenten plant Google allerdings, eine Suchmaschine für China einzurichten. So soll das Unternehmen auch bereits mit Regierungsvertretern über Filtermechanismen verhandelt haben. Die für Mobilgeräte entwickelte Suche Dragonfly soll sogar eine Suchanfrage mit der Telefonnummer des Nutzers verknüpfen.

Offensichtlich fürchtet Google, in China den Anschluss zu verlieren - das Land ist das einzige, in dem Google nicht Marktführer bei der Internetsuche ist. 2010 hatte das Unternehmen sein chinesisches Angebot abgeschaltet, weil es Suchergebnisse nicht mehr filtern wollte. Seither sei die technische Entwicklung vorangeschritten, schreibt Pichai. Chinas große Internetunternehmen seien immer dynamischer und innovativer geworden, sie hätten Milliarden in die Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle investiert und expandierten nun ins Ausland. "Wir hoffen, ganz vorne bei den technologischen Entwicklungen dabeizubleiben und glauben, dass Googles Tools Informations- und Lernaustausch fördern können, was großen Nutzen in China wie außerhalb hätte."  (wp)


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