Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wlan-standards-umbenannt-ein-schritt-nach-vorn-ist-nicht-weit-genug-1810-136936.html    Veröffentlicht: 04.10.2018 17:42    Kurz-URL: https://glm.io/136936

WLAN-Standards umbenannt

Ein Schritt nach vorn ist nicht weit genug

Endlich weichen die nervigen Bezeichnungen für WLANs chronologisch sinnvollen. Doch die Wi-Fi Alliance sollte noch einen Schritt weiter gehen.

Welcher dieser WLAN-Standards ist gerade aktuell: 802.11ac, 802.11b, 802.11ax oder 802.11n? Sicherlich können viele Endkunden diese Frage nicht beantworten. Das ist auch nicht schlimm, denn selbst technikaffine Personen haben Erklärungsbedarf. Die zuständige Organisation Wi-Fi Alliance hat endlich eine Lösung für das Problem gefunden: Die Standards werden künftig einfach durchnummeriert. Der aktuelle Standard 802.11ac wird zu Wi-Fi 5, der Nachfolger 802.11ax zu Wi-Fi 6. Die Umbenennung ist sinnvoll, reicht allerdings nicht.

Positiv ist, dass Nutzer künftig zumindest auf Anhieb erkennen, ob ihr Gerät den aktuellen Standard unterstützt oder nicht. In der alten Namensgebung gibt es nicht einmal ansatzweise eine chronologische Struktur. Die alphabetische Bezeichnung wurde bereits 2003 mit der Einführung von 802.11g aufgegeben, das direkt auf 802.11b folgte. Und warum die Wi-Fi Alliance irgendwann zwei Buchstaben statt nur einem angehängt hat, wissen wohl nur die Entwickler selbst. Dabei enthalten bisherige Bezeichnungen nicht einmal relevante Informationen, denn ein 802.11ac-WLAN gleicht nicht dem anderen. Die neuen Bezeichnungen machen zumindest die chronologische Reihenfolge klar.

Noch unklar ist allerdings, wie es um die diversen wenig etablierten WLAN-Standards steht. Wie wird das im 60-GHz-Band funkende 802.11ad bezeichnet? Und was ist mit 802.11ah, das für Smart-Home-Systeme verwendet wird? Eine simple Nummerierung reicht da nicht aus. Und zwei parallele Namensformen zu nutzen, wäre nur noch verwirrender als zuvor.

Der Standard verrät nichts über die Datenrate

Schade ist zudem, dass die Wi-Fi Alliance die Umbenennung nicht nutzt, um mehr Informationen zum jeweiligen Funknetz sichtbar zu machen. Zumindest werden Access Points in Zukunft den verwendeten WLAN-Standard mit einem entsprechenden Logo zeigen. Hier wäre es zusätzlich sinnvoll, etwa die zu erwartende maximale Datenrate hinzuzufügen. Die Kanalbandbreite ist dafür ausschlaggebend. Ein Netzwerk könnte also etwa dem Schema Wi-Fi 5-160 oder Wi-Fi-5-80 entsprechen. Schließlich ist ein Wi-Fi-5-Netzwerk - vormals 802.11ac - mit 160-MHz-Kanälen im 5-GHz-Band theoretisch schneller als ein gleiches Wi-Fi-5-Netz mit 80 MHz Kanalbreite.

Auf die Geschwindigkeit wirkt sich zudem die dem Access Point zur Verfügung stehende Multiple-Input-Multiple-Output-Kapazität aus. Die wird auch mit der neuen Namensgebung nicht ersichtlich. Ein Router mit 4x4-Antenne kann theoretisch eine wesentlich bessere Übertragung leisten als ein System mit 2x2-Antennenanordnung. Würden wir dem Namen Wi-Fi-5-120 noch 4x4 hinzufügen, dann wäre die Bezeichnung allerdings ebenso sperrig wie das nichtssagende 802.11ac.

Da Endkunden die Kanalbreite und die Anzahl der Antennen auch nicht unbedingt wissen müssen, schlagen wir vor, hinter der Bezeichnung einfach die maximale theoretisch mögliche Geschwindigkeit anzuhängen, also beispielsweise Wi-Fi 6 11G für maximal theoretische 11 Gbit/s oder Wi-Fi 4 6M für ein 802.11n-Netz mit 600 MByte/s Bandbreite. So können Nutzer sich ein Bild davon machen, welche Datenraten sie maximal erwarten können.

In welcher Form auch immer, die Neubenennung wird in Deutschland auf ein Problem stoßen, an dem die Wi-Fi Alliance kaum Schuld hat: Die meisten Menschen hierzulande kennen den Begriff Wi-Fi gar nicht, sondern nur den Begriff WLAN. Laien werden damit zunächst verwirrt sein. Der neue Name könnte nach einer gewissen Zeit allerdings den international gebräuchlichen Begriff Wi-Fi einbürgern. Die Bezeichnung Wi-Fi für alle verpflichtend zu machen, würde dabei definitiv helfen. Das muss mit der Namensänderung seitens der Wi-Fi Alliance geschehen - damit sich die Verwandtschaft im Ausland nicht mehr fragt, wo denn das WLAN sei.

Auch zu diesem Thema:  (on)


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