Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mobile-games-auslese-bezahlbare-drachen-und-dicke-baeren-1810-136919.html    Veröffentlicht: 08.10.2018 08:51    Kurz-URL: https://glm.io/136919

Mobile-Games-Auslese

Bezahlbare Drachen und dicke Bären

Rundenbasierte Strategie auf dem Smartphone mit Chaos Reborn Adventure Fantasy von Nintendo in Dragalia Lost - und dicke Alpha-Bären: Die Mobile Games des Monats bieten spannende Unterhaltung für jeden Geschmack.

Auch bei Mobile Games gibt es eine Premiumsparte, und die kommt oft aus einer ganz anders gearteten Welt tragbarer Spielgeräte: Mit Monster Hunter Stories, Professor Layton and the Curious Village und Harvest Moon: Light of Hope haben es im September gleich drei japanische Bestseller von Nintendo DS, 3DS und Switch auch auf Geräte mit iOS und Android geschafft. Allen gemeinsam ist der von Nintendo und den anderen Konsolenherstellern bekannte Hochglanz - und der für mobile Verhältnisse hohe Preis.

Während die meisten Mobile-Games-Entwickler kaum mehr wagen, auch nur Kleinstbeträge für ihre Spiele zu verlangen und stattdessen zunehmend auf Free-to-Play setzen, bleiben die genannten Portierungen dabei, einen im Vergleich zum Konsolenpreisniveau fairen Betrag als Preis anzusetzen. Das ist aus zweierlei Hinsicht gut: Zum einen verankert es die Tatsache im Gedächtnis, dass spielerische Qualität, wie sie aus der Konsolenwelt bekannt ist, etwas wert ist und deshalb etwas kosten darf. Zum anderen zeigen die großen Titel eben auch, wie Gameplay ganz ohne Free-to-Play-Gängelei aussehen kann. Da gibt man dann eventuell auch für andere Spiele wieder Geld aus.

Der Rest der Mobile-Games-Auslese des Monats ist trotzdem zweigeteilt in Spiele, die ihr Geld sofort wert sind und solche, die es mit ihrer Monetarisierung nicht allzu wild übertreiben. Viel Spaß!

Dragalia Lost: Nintendos neuer Free-to-Play-Koloss

Wer Mobile Games im Auge behält, ist an der heiß erwarteten Veröffentlichung von Nintendos Action-Rollenspiel Dragalia Lost sicher nicht vorbeigekommen. Mit dem Free-to-Play-Erfolg Fire Emblem hat der japanische Konzern letzten Schätzungen zufolge knapp eine halbe Milliarde US-Dollar umgesetzt, Dragalia Lost soll das Kunststück wiederholen. Dabei ist das vom erfolgreichen Studio Cygames entwickelte Spiel im von Nintendo gewohnten Hochglanz ein actionlastiges Rollenspiel, in dem viele Charaktere, Upgrade-Optionen und sonstige Free-to-Play-Must-Standards für kommerziellen Erfolg sorgen sollen.

Wie heftig diese Kaufanreize tatsächlich ausfallen, lässt sich so kurz nach Release noch nicht verlässlich beantworten. Die vor allem von Fire Emblem bekannte Sammelwut nach Charakteren und hier auch Drachen dürfte sich aber einstellen. Komplexe, ineinander greifende Systeme, die Aussicht darauf, im späteren Spielverlauf Grind bis zu einem gewissen Grad zu automatisieren und ein selbst gestaltbares Schloss sorgen für hohe Motivation. Wie weit dieser Enthusiasmus im Mid- oder Endgame durch Paywalls gebremst wird, muss sich erst herausstellen. Update: Dragalia Lost wurde in Europa nicht - wie ursprünglich von Nintendo vorgesehen - wenige Tage nach der US- und Asien-Version veröffentlicht. Zu den Gründen oder den weiteren Plänen hat sich der Hersteller bislang nicht geäußert. Das Spiel ist hierzulande also nur über Umwege spielbar. Wir bitten zu entschuldigen, dies nicht gleich in dem Artikel so geschrieben zu haben. Sobald es Neuigkeiten zu dem Titel gibt, werden wir dies hier oder in einer eigenen News melden.

Erhältlich für Android ab 4.4 und iOS ab 9; Free-to-Play.

Chaos Reborn Adventures, Where Shadows Slumber und Shi-Ro

Chaos Reborn Adventures: Strategie vom Xcom-Erfinder

Julian Gollop ist eine Legende ohne Starfaktor. Der Brite ist als Erfinder von Xcom einer der einflussreichsten Strategiespielentwickler. Mit Chaos Reborn hat er vor einigen Jahren ein anderes Werk aus seiner frühen Geschichte neu aufgelegt. Wie sein 1985er-Magierduell Chaos: The Battle of Wizards ist auch Chaos Reborn aus dem Jahr 2015 ein trickreiches strategisches Spiel um den Sieg in einer Zauberschlacht.

Mit Chaos Reborn Adventures wandert das komplexe Spiel nun in einer speziell angepassten Variante auf mobile Endgeräte. An Faszination hat es dadurch nicht eingebüßt: Als mit einer Vielzahl von Zauberkarten ausgestatteter Magier gilt es, sowohl Computergegner als auch echte Kontrahenten in rundenbasierten Kämpfen mit Magie, Gewalt und Köpfchen in die Knie zu zwingen. Große Spieltiefe und strategische Herausforderung machen Chaos Reborn Adventures zum Strategieschwergewicht auch für kleine Bildschirme, im Single- wie im Multiplayermodus.

Erhältlich für iOS ab 11.0 und Android ab 5.0; rund 11 Euro.

Where Shadows Slumber: Schattenspiele mit Vorbild

Ausnahmespiele wie Monument Valley inspirieren auf Jahre hinaus auch andere Entwickler - im besten Fall kommen dabei dann Spiele heraus, die mehr sind als bloße Epigonen. Where Shadows Slumber erinnert in Sachen simpler Steuerung und isometrischer Perspektive tatsächlich frappant an den mobilen Kulterfolg, hat aber zum Glück ganz eigene Tricks auf Lager. Statt mit unmöglichen Architekturen wird hier mit Licht und Schatten gespielt. Die Hauptfigur Obe wandert mit ihrer Laterne durch abwechslungsreiche, immer wieder atmosphärisch beeindruckende Architekturen und lässt durch Schattenspiele zuvor unpassierbare Wege frei werden oder Schalter auftauchen und verschwinden.

Zugegeben: Den ganz großen Aha-Effekt wie in Monument Valley bekommt Where Shadows Slumber nicht hin, und auch grafisch muss man das ikonische Original weiterhin als künstlerisch gelungener bezeichnen. Aber Spaß und knifflige Stunden hat auch das Spiel mit Licht und Schatten zu bieten - und eine überraschend düstere Story, die hin und wieder sogar etwas gruselig wird.

Erhältlich für iOS ab 9.0; rund 5 Euro. Demo für Android ab 5.0 verfügbar.

Shi-Ro: Meditative Wunderkiste

Manche Spiele schaffen es, selbst wie kleine, kostbare Kunstwerke zu wirken - Shi-Ro ist so eines. Das Puzzlespiel eines Berliner Entwicklerstudios macht das Smartphone zur kunstvoll verzierten Lackbox, an deren japanisch inspirierten Grafiken und eindrucksvoll schimmernder Goldfolie man sich gar nicht sattsehen kann. Vor allem der technisch gut gemachte Gold-Effekt trägt dazu bei, das Spiel zu mehr als nur einer Ansammlung mechanisch simpler, aber dennoch komplexer Rätsel um das korrekte Verbinden von Symbolen zu machen.

Was simpel beginnt, steigert sich rasch zur kniffligen Denkaufgabe. Zwischen den 60 Puzzles wird philosophische Mythologie ausgebreitet. Shi-Ro wirkt meditativ, und das ist kein Zufall: Die Macher haben ihr kunstvolles Spiel als Gewinner des schwedischen Stugan-Förderprogramms zwei Monate lang in einer zur Verfügung gestellten einsamen schwedischen Hütte verwirklicht.

Erhältlich für iOS ab 10; rund 3,50 Euro.

Wall Kickers und Alphabear 2

Wall Kickers: Gipfelsturm für zwischendurch

Manchmal genügt einfachstes Gameplay - und man kann dennoch nicht davon lassen. In Wall Kickers haben wir die banal scheinende Aufgabe, unsere Spielfigur per Fingertipp immer weiter an Baumstämmen, Stangen und anderen Hindernissen nach oben klettern zu lassen. Ein Tipp lässt sie springen, ein weiterer ändert im Flug die Richtung. Je länger, desto weiter - mehr gibt's eigentlich nicht zu tun. Dass das kleine, knuddelige Spiel immer und immer wieder gestartet wird, hat mit den freischaltbaren Figuren und Goodies sowie seinen Machern zu tun.

Das Entwicklerstudio Kumobius hat schon mit Bean's Quest und Duets bewiesen, dass es die Kunst beherrscht, kleine aber feine Perlen auf den Markt zu bringen, und auch Wall Kickers passt in diese Reihe. Bezahlen muss man nicht - wer mag, kann sich neue Kostüme per Mikrotransaktion kaufen oder durch das Ansehen von Werbung ein wenig Ingame-Kredit verdienen. Klein und knackig: So darf Mobile-Gaming sein.

Erhältlich für iOS ab 8.0 und Android ab 4.0; kostenlos.

Alphabear 2: Scrabble mit dicken Bären

Sein Gehirn anstrengen und den englischen Wortschatz auf die Probe stellen darf der Spieler in Alphabear 2. Auch dessen Macher Spryfox Games sind keine Unbekannten: Mit Triple Town, Bushido Bear und Road Not Taken haben die Amerikaner kleine Klassiker des mobilen Spielens erfunden. Oft waren die Protagonisten kleine, eckige Bären. So auch hier - nur dass die Fellknäuel in Alphabear möglichst dick und fett werden sollen, und zwar durch Spielen einer Scrabble-Variante.

Richtig gelesen, in Alphabear 2 ist wie im Vorgänger das strategisch geschickte Bilden von Wörtern zentrales Spielelement. Simple Regeln und sympathisches Drumherum machen das kleine, herausfordernde Buchstabierspiel zum Fest für all jene, die mit Englisch nicht auf Kriegsfuß stehen. Die Monetarisierung ist fair und verlangt wohl nur von den obsessivsten Spielern den Münzeinwurf, alle anderen haben wie mit den anderen Spielen von Spryfox auch ohne zu bezahlen viel kniffligen Spaß.

Erhältlich für iOS ab 11.0 und Android ab 6.0; kostenlos.

Nachtrag vom 8. Oktober 2018, 11:20 Uhr

Wir haben den Abschnitt zu Dragalia Lost um mit aktuellen Informationen über die Verfügbarkeit in Europa erweitert.  (rs)


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