Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fifa-19-und-pes-2019-im-test-knapper-punktsieg-fuer-ea-sports-1809-136649.html    Veröffentlicht: 21.09.2018 11:14    Kurz-URL: https://glm.io/136649

Fifa 19 und PES 2019 im Test

Knapper Punktsieg für EA Sports

Es ist eher eine Glaubens- als eine echte Qualitätsfrage: Fifa 19 oder PES 2019? Golem.de zieht anhand der Versionen für Playstation 4 den Vergleich - und kommt zu einem schwierigen, aber eindeutigen Urteil.

Egal, ob bei Derbys wie dem 1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen, dem Clasico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona oder dem prestigeträchtigen Duell Deutschland gegen die Niederlande - Rivalitäten gehören zum Fußball dazu wie das Leder selbst. Im virtuellen Sport treffen aktuell wie gewohnt die Entwickler von EA Sports und Konami aufeinander, die sich seit Jahren mit ihren Fußballsimulationen Fifa und PES ein Duell um die Spitze des Genres liefern.

Allerdings könnte dieser Zweikampf in diesem Jahr kaum ungleicher sein. Bereits Fifa 18 avancierte speziell in Europa zum Verkaufsschlager und rangierte in den Charts sogar vor Triple-A-Titeln wie Call of Duty WW2. Konami dagegen musste im Vorfeld viele Rückschläge hinnehmen: So verlor man erst die Lizenzen für Champions League und Europa League, dann sprang auch noch Borussia Dortmund als Partnerverein ab. Mit dem Reviernachbarn FC Schalke 04 fand der Hersteller schnell Ersatz, dennoch geht Konami gerade in Sachen Lizenzen angeschlagen ins diesjährige Weihnachtsgeschäft.

Dieses Ungleichgewicht zeigt sich auch im fertigen Produkt: Zwar fährt PES 2019 ein breites Lizenzpaket auf, hat sieben neue Ligen an Bord, darunter exklusiv auch die russische Premier League. Wichtige Ligen - allen voran die 1. und 2. Bundesliga - fehlen allerdings.

Dass EA Sports gerade auf die Champions-League-Lizenz stolz ist, zeigt sich schon beim ersten Spielstart von Fifa 19: Hier treten wir mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo und seinem neuen Club Juventus Turin gegen Paris Saint-Germain an.

Attraktive Wettbewerbe wie Europa League oder eben die Champions League spielen wir im neuen Fifa nun also selbst nach und entscheiden, ob wir etwa in der Gruppenphase, den Halbfinals oder im Finale einsteigen. Auch sonst sind für den Mainstream-Fan alle nennenswerten Verbände und Spielklassen vorhanden.

Optionsvielfalt bei Fifa 19

Dieser Hang zur maximalen Benutzerführung findet sich in Fifa 19 speziell bei der Auswahl der Optionen wieder. Spieler erstellen künftig eigene Profile und verfolgen damit dank verknüpfter Onlinedienste wie dem Playstation Network ihren Fortschritt auch auf anderen Endgeräten.

Wer mal keine Lust auf anspruchsvolle Simulationskost hat, der probiert sich indes an den "Hausregeln": Wir richten ein Match mit eigenen Regeln ein, die den Ablauf oder den Ausgang der Partie verändern - beispielsweise die launige Modifikation Überleben und andere, eher an Arcade-Fußball erinnernde Spielarten. Sie bieten garantiert nicht die Langzeitmotivation anderer Fifa-Spielmodi, sind aber für launige Abende mit Freunden perfekt geeignet und locken auch Neueinsteiger an den Controller.

Bei PES 2019 tut sich hinsichtlich der Spieloptionen vergleichsweise wenig. Die Meisterliga wurde zwar um ein besseres Transfersystem ergänzt, doch der Aufbau der eigenen Truppe bleibt letztlich sehr ähnlich. Der MyClub-Modus verknüpft Spiel und aktuelles Geschehen stärker miteinander. Ferner haben die Macher das Scouting-System noch einmal verbessert. Hinzu kommen Optionen wie das beliebte 3-gegen-3. Echte Innovationen gibt es aber kaum.

In Fifa 19 erwartet Fußballfans zweifellos mehr Abwechslung. Im Story-Modus The Journey: Champions erleben wir nun die Laufbahn von gleich drei Charakteren: Alex Hunter, seiner Schwester Kim Hunter und Talent Danny Williams. Im Spielverlauf wechseln wir frei zwischen den Figuren, geben in kurzweiligen Dialogen Entscheidungen vor, werten die Spieler auf und individualisieren sie. Die The-Journey-Kampagne bleibt ein wichtiges und technisch stark präsentiertes Alleinstellungsmerkmal der Fifa-Reihe und überzeugt auch im dritten Jahr.

Verfügbarkeit und Fazit

Der beliebte Sammelkartenmodus Fifa Ultimate Team erfährt einige Anpassungen. Speziell im Onlinespiel müssen sich Anhänger künftig dank der sogenannten Division Rivals auf Veränderungen einstellen: Das Spiel sortiert nun seine Teilnehmer nach Niveau und lässt sie in Divisionen gegeneinander antreten. Dadurch soll es zu weniger Frust im Onlinebetrieb kommen. Ob die Balance stimmt und dieses Konzept aufgeht, konnten wir zum Testzeitpunkt allerdings noch nicht klar bestimmen - die Server sind vor dem offiziellen Release des Spiels noch vergleichsweise leer.

Zu guter Letzt wäre da noch der Karrieremodus, den wir wahlweise als Spieler oder als Trainer angehen. Dieser stagniert aber auf hohem Niveau und wurde nahezu 1:1 vom Vorgänger übernommen. Wer Fifa hauptsächlich wegen der Karriere spielt, wird in diesem Jahr enttäuscht. In puncto Optionsvielfalt und Lizenzen hat Fifa 19 dennoch die Nase vorn - PES 2019 enttäuscht mit nahezu identischen Optionen wie im Vorjahr.



Entscheidung auf dem Platz

Fußballpuristen ist das Drumherum aber oftmals egal - Hauptsache, ihr Spiel liefert auf dem Platz anständig ab. In den Vorjahren dominierte PES noch mit eingängigem Offensivfußball und authentischen Animationen. In diesem Jahr schmilzt der Vorsprung merklich zusammen. PES 2019 drosselt zwar das Tempo leicht, bleibt aber bei den Spielermodellen und Bewegungsabläufen weiterhin Spitzenreiter. Der Konami-Kick bietet den flüssigeren und intuitiveren Fußball. Die lizenzierten Spieler wirken zudem einen Tick authentischer als bei der Konkurrenz. Fifa 19 punktet wiederum mit der runderen Inszenierung: Ob Wiederholungen in Zeitlupe, Stadionkulisse oder Kommentar - das Geschehen erinnert stärker an eine TV-Übertragung als jemals zuvor.

EA Sports schraubt spürbar an der Spielbarkeit. Die Computer-Akteure laufen sich diesmal besser frei und bieten sich auf den Flügeln oder im Zentrum mehr an. Insgesamt ist mehr Bewegung auf dem Feld. Pässe und Flanken kommen präziser, was der Vielseitigkeit im Angriffsspiel guttut. Erfahrene Spieler setzen die erweiterten Schüsse ein, die gutes Timing und eine perfekte Position zum Ball erfordern. Die Zweikämpfe profitieren obendrein von der überarbeiteten Ballannahme. Das Leder verspringt häufiger und ist dadurch unberechenbarer - gerade bei Tacklings.

PES 2019 auf der anderen Seite trumpft mit Neuerungen wie der dynamischen Ermüdung der Balltreter auf und ist in der Offensive eine Bank. Passstafetten und Flankenläufe machen hier einfach noch mehr Spaß. Fernschüsse fühlen sich ebenfalls einen Tick satter an als bei Fifa 19. Insgesamt wirkt die Ballphysik bei PES 2019 etwas ausgeglichener, während sie bei Fifa 19 gelegentlich zu stark zwischen Luftballon und Kanonenkugel schwankt. Größte Schwäche von PES 2019 bleibt das Abwehrsystem: Tacklings und Grätschen funktionieren bei der Konkurrenz zweifellos besser, bei Fifa 19 ist es einfacher, in die Zweikämpfe hineinzukommen.

Fifa 19 erscheint am 28. September 2018 für Windows-PC und in einer angepassten Variante für Nintendo Switch (rund 60 Euro) sowie für Xbox One und Playstation 4 für rund 70 Euro. Ungeduldige Naturen dürfen bereits ab dem 20. September bei den Bezahldiensten EA Access auf Konsole und Origin-Access-Premier auf dem PC zehn Stunden Probe spielen.

PES 2019 ist seit dem 30. August 2018 für Windows-PC (Download) sowie für Playstation 4 und Xbox One für jeweils rund 50 Euro erhältlich. Für unseren Vergleich haben wir die Versionen für Playstation 4 getestet. Beide Titel haben von der USK eine Freigabe ohne Altersbeschränkung erhalten.

Fazit

Auch in diesem Jahr ist das Duell zwischen Fifa und PES denkbar knapp. Allerdings geht EA Sports als Punktsieger aus dem Vergleich hervor: PES 2019 spielt sich zwar noch immer einen Hauch besser, stagniert aber trotz kleiner Neuerungen auf hohem Niveau.

Fifa 19 dagegen legt deutlich zu und macht einen größeren Sprung. Ebenfalls entscheidend: Der Spielumfang fällt bei Fifa 19 größer und vor allem variantenreicher aus. Hier toben sich auch Einsteiger aus, während PES 2019 nur einige aufgewertete Optionen des Vorjahres anbietet.  (obl)


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