Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fritzos-7-im-test-im-zeichen-von-mesh-gastzugang-und-einfacher-bedienbarkeit-1809-136627.html    Veröffentlicht: 20.09.2018 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/136627

FritzOS 7 im Test

Im Zeichen von Mesh, Gastzugang und einfacher Bedienbarkeit

FritzOS 7 bringt viele Neuerungen, die eine Fritzbox zu einem noch vielfältigerem Gerät machen. Uns gefallen besonders der sehr einfach einrichtbare WLAN-Gastzugang und die automatisch erstellte Netzwerktopologie. Die noch immer nicht sehr ausgereifte NAS-Funktion ist aber erwähnenswert.

AVMs Fritzboxen und das darauf installierte FritzOS sind nicht ohne Grund in Heimanwendungen weit verbreitet: Sie sind recht einfach einzurichten und verfügen über alle notwendigen Funktionen, die Heimanwender erwarten. Die Bedienungsoberfläche des FritzOS ist dabei erfahrungsgemäß übersichtlich und umfangreich zugleich.

FritzOS 7 folgt dieser Tradition und fügt einige sinnvolle Neuerungen hinzu, die wir in unserem Test auf dem aktuellen Topmodell Fritzbox 7590 ausprobieren. Wir bauen uns ein kleines Mesh-System mit Fritz-Repeater und Powerline-Adapter auf und schauen uns die neue Mesh-Übersicht, Gäste-Hotspots und die NAS-Funktion an. Die Dect-Smarthome-Funktion und -Telefonie können wir nicht testen, da uns die entsprechende Peripherie momentan fehlt. Trotzdem gibt es einige kleine Dinge, über die weniger erfahrene Nutzer sicherlich stolpern könnten - Stichwort: Server Message Block 1.0.

Eines vorweg: FritzOS 7 bietet weiterhin eine der übersichtlichsten Weboberflächen bei Multifunktionsroutern, die wir bisher ausprobieren konnten - etwa im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten von Asus oder Draytek. Optisch hat sich das Interface kaum verändert. An der linken Seite sind selbsterklärende Menüpunkte aufgelistet, die sich beim Klick in verschiedene Unterpunkte aufteilen. Im rechten Fenster Können die jeweiligen Einstellungen vorgenommen werden - etwa WLAN-SSIDs, Port Forwarding oder Einstellungen des Internet-Providers. Weiterhin nicht gerade gut sichtbar sind hingegen einzelne Tabs, die wir in einem Unterpunkt durchschalten können - die dunkelblaue Farbe und blasse Schrift müsste etwas mehr hervorstechen. So haben wir beim ersten Ausprobieren den ein oder anderen Punkt zuerst nicht gefunden.

AVM versucht bei Begriffen und Menüpunkten, möglichst wenig Fachbegriffe zu verwenden. Und sollten Nutzer doch einmal Fragen haben, bietet der Hersteller eine sehr umfassende Dokumentation des Systems - vorbildlich. Lediglich der Stilbruch beim Fileserver FritzNAS ist ein wenig verwirrend. Eventuell arbeitet an diesem Modul ein anderes Entwicklerteam.

Netzwerktopologie in Echtzeit im neuen Mesh-Menü

Neu in FritzOS 7 ist die grafische Netzwerkübersicht, die die Fritzbox vom Heimnetz erstellt. Der neue Unterpunkt im Bereich Heimnetz stellt alle verbundenen Clients, Repeater, Mesh-Knoten und andere Access Points in einer übersichtlichen Topologie dar. Das ist ziemlich praktisch, denn auch Verbindungsinformationen und Geschwindigkeiten sind sichtbar. Außerdem können wir in dieser Übersicht Updates für verschiedene Fritz-Geräte direkt durchführen. Unser per WPS eingebundener Fritz Repeater 1750E hat direkt ein Update gemeldet, welches wir - ohne die Oberfläche der Fritzbox verlassen zu müssen - einfach starten konnten. Der Repeater wird momentan aber nicht mit dem aktuellen FritzOS 7 beliefert. Stattdessen führt er das Update auf Version 6.93 aus.

Unter der Topologie-Ansicht sind noch einmal alle im Netzwerk verbundenen Geräte aufgelistet. Wir können dieser Tabelle etwa auch entnehmen, dass wir am USB-Port der Fritzbox ein USB-2.0-Laufwerk angeschlossen haben oder in welchen Frequenzbändern sich Clients eingewählt haben. Neben diesen Informationen befindet sich ein Link zu einer Detailansicht des jeweiligen Gerätes. Dort können wir diesen beispielsweise manuell IP-Adressen und Hostnamen zuweisen. Außerdem lassen sich dort verschiedene Zugangsprofile einstellen - praktisch! In älteren FritzOS-Versionen mussten wir dazu noch in diversen Untermenüs navigieren.

Ebenfalls neu im Mesh-Menü ist der Unterpunkt für Mesh-Einstellungen. Hier können wir eine Fritzbox als Mesh-Master oder als Mesh-Repeater konfigurieren. Ein Mesh-Repeater konfiguriert Netzwerkeinstellungen, das Gateway, den DHCP-Server, DNS, die WLAN-Kennung (SSID) und andere Informationen nach den Vorgaben des Mesh-Masters. Wir können also sehr einfach einen Fritz-Router als weiteren Mesh-Knoten verwenden. Das ist dann sinnvoll, wenn Nutzer beispielsweise eine Fritzbox zu viel auf Lager haben oder unsere Fritzbox in ein bereits vorhandenes Mesh einbinden wollen, dessen Master kein AVM-Gerät ist. Der Hersteller unterstützt beispielsweise Hardware der Deutschen Telekom. Die WLAN-Netzwerke unseres Ubiquiti-Systems werden hingegen nicht als mögliche Meshes angezeigt.

Wir nutzen unsere Fritzbox 7590 daher als Mesh-Master. Die Verbindung funktioniert sehr gut. Außerdem können wir dadurch eine zweite neue Funktion testen, die sehr praktisch ist: dedizierte WLAN-Gastzugänge.

Gastzugang mit wenigen Knopfdrücken

Endlich: WLAN-Gastzugänge sind in FritzOS 7 sehr einfach realisierbar. Der neue Unterpunkt im WLAN-Menü ermöglicht es der Fritzbox, ein separates WLAN-Netzwerk aufzuspannen. Wir können diesem Gastnetzwerk eine eigene SSID und einen passenden Netzwerkschlüssel geben. Wichtig ist, dass die Fritzbox für alle Geräte im Gast-WLAN ein eigenes Subnetz mit einem anderen IPv4-Adressraum bereitstellt. In unserem Test ist das das Subnetz 192.168.189.0, das parallel zum Standard-Netzwerk 192.168.178.0 betrieben wird.

Das hat den Vorteil, dass je nach Einstellungen die Gäste-Clients nicht oder nur nach bestimmten Regeln mit Clients im Hauptnetzwerk kommunizieren dürfen. Wir können sogar die Kommunikation von Gästen untereinander verbieten. FritzOS7 vergibt jedem Client eine entsprechende Benutzergruppe Gast, für welche wir im Betriebssystem Filterregeln nach einem simplen Whitelist- und Blacklist-System erstellen können. Wir können auch festlegen, zu welcher Uhrzeit ein Gastzugang nur aktiv sein darf. Geräte dürfen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme nicht auf das Gateway - in diesem Fall unsere Fritzbox 7590 - zugreifen. Es ist erfreulich zu sehen, wie einfach dieses nützliche Feature zu verwenden ist. Selbst Laien dürften relativ schnell einen von wichtigen Clients logisch getrennten Gastzugang erstellen können.

Sehr gute WLAN-Leistung in der Theorie

FritzOS 7 bringt zwei neue weitere Funktionen mit sich, die die Leistung des WLANs verbessern. In der neuen Version ist Zero Wait DFS automatisch aktiv. Dadurch scannt die Fritzbox Funkkanäle im 5-GHz-Spektrum in regelmäßigen Intervallen ab, die oberhalb des Kanals 48 liegen. Diese sind per Gesetz normalerweise für Radar-Systeme oder als Notfunkfrequenzen reserviert. Normalerweise würde eine Kanalsuche laut AVM mindestens eine Minute bis zu zehn Minuten dauern. Zero Wait DFS soll das verhindern.

Beim Ausprobieren dieser Funktion konnten wir aber keinen praktischen Vorteil dafür finden. Es ist zwar möglich, relativ schnell auf Kanal 49 oder höher zu wechseln, allerdings ändern sich Belegungen für Kanäle nicht sehr häufig. Von daher ist es sinnvoll, die zweite Funktion zu aktivieren, die allerdings Zero Wait DFS deaktiviert. FritzOS 7 ermöglicht die Konfiguration des 5-Ghz-Frequenzbandes, so dass ein Router mit 4x4-Antenne, wie die Fritzbox 7590, 160 MHz breite statt 80-Mhz-Kanäle nutzen kann. So angebundene Clients können merklich höhere Datenraten erzielen, gerade wenn diese ebenfalls mit 4x4 funken. Allerdings sind dazu bisher kaum Geräte in der Lage. Trotzdem: Wir konnten mit unserem 2x2-Notebook messbar etwa 10 Prozent höhere Datenraten erzielen.

Um das zu testen, laden wir eine 2 GByte große Datei aus dem Fritz-NAS-Speicher per WLAN auf unseren Laptop. Mit 160-MHz-Kanalspektrum konnten wir maximal 41 MByte pro Sekunde, im Standardmodus etwa 39 MByte pro Sekunde erreichen. Das Notebook steht dabei direkt neben dem Router. Nebenbei konnten wir die WLAN-Reichweite unseres kleinen Meshes testen. Die Fritzbox und der daran angeschlossene Mesh-Repeater decken etwa einen Radius von 20 Metern - die Länge unseres Büroflures - ab , in denen die Datenraten akzeptabel hoch bleiben. Ab diesem Punkt dauert ein Download spürbar länger. Ein Gerät mit FritzOS 7 funkt standardmäßig sowohl im 2,4-GHz- als auch im 5-GHz-Netz und muss nicht erst so konfiguriert werden. An der Reichweite ändert sich im Vergleich zum älteren FritzOS 6.93, das auf unserer Test-Fritzbox vorinstalliert war, merklich wenig.

Allerdings: FritzOS 7 macht weitere AVM-Geräte meshfähig. Wir können unser WLAN also schneller erweitern. Die Plug-and-Play-Natur von Mesh-Netzwerken kommt dabei der einsteigerfreundlichen Philosophie von AVM-Geräten zugute. Gleichzeitig werden Datenraten nicht praktisch halbiert, wie es normalerweise bei traditionellen Signalrepeatern ohne Mesh-Anbindung der Fall ist.

Bei all den positiven Punkten zum neuen FritzOS, müssen wir allerdings die NAS-Funktion kritisieren. Laien stolpern über fehlende SMB-3.0-Unterstützung und die Weboberfläche verhält sich merkwürdig.

Noch immer nur SMB 1.0 unterstützt

Ein Problem mit der Nutzung eines FritzOS-7-Gerätes als Dateiserver bleibt weiterhin bestehen: Es unterstützt nur das mittlerweile von zwei Generationen abgelöste Netzwerkprotokoll SMB 1.0, das für die Datenübertragung genutzt wird. Ein Windows-10-Gerät, das unsere Fritzbox 7590 als Netzlaufwerk einbinden möchte, verweigert die Verbindung komplett - mit einem kritischen Sicherheitsfehler. Windows 10 weist richtigerweise darauf hin, dass SMB 1.0 nicht sicher ist. Erst mit Version 3.0 wurde eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Datenübertragung eingeführt.

Dieses Problem lässt sich umgehen, wenn wir in Windows manuell SMB 1.0 als Windows-Feature aktivieren. Das ist sicherlich für geübte Admins kein Problem, Laien hingegen stehen erst einmal rätselnd da: Was ist falsch? Warum funktioniert das nicht? Das sind Fragen, die oft zu vermeidbarem Frust führen. AVM schafft zumindest Abhilfe, indem der beschriebene funktionierende Workaround in der Online-Dokumentation Schritt für Schritt erklärt wird.

Punktabzug müssen wir auch bei der Weboberfläche des Fritz-NAS geben. Obwohl das Hochladen einer Datei mit der Größe von 2 GByte im Windows Explorer oder anderen Dateimanagern kein Problem ist, können wir dieselbe Datei in der Weboberfläche nicht hochladen. Das Problem ist, dass die Fritzbox unser Konto bei einem Versuch automatisch abmeldet und wir aus dem System geworfen werden. Diesmal hilft auch die ansonsten sehr gute Dokumentation nicht weiter. AVM gibt an, dass Fritz-NAS Dateigrößen von maximal 4 GByte erlaubt.

Verfügbarkeit und Fazit

FritzOS 7 ist für diverse aktuelle AVM-Geräte verfügbar. Dazu zählen die Fritzboxen 7590, 7580, 7560, 7490, 7362 SL, 6590 Cable und 4040. Der Hersteller will nach und nach auch andere Geräte kompatibel machen. Beispiele sind der auf der IFA 2018 gezeigte Fritz Repeater 3000 und die Einsteiger-Fritzbox 7530. Das Betriebssystem ist kostenlos verfügbar und kann über die Weboberfläche heruntergeladen werden - standardmäßig unter dem Hostnamen fritz.box. Mittlerweile ist bereits die Nachfolgegeneration des Betriebssystems FritzOS 7.01 verfügbar, welches weitere kleine Verbesserungen bringt.

Fazit

Es gibt Unternehmen, die können anscheinend Kunden-Feedback sehr gut umsetzen. AVM ist eines dieser Unternehmen, wie das neue FritzOS 7 zeigt. Dabei ist es sehr gut, dass das Unternehmen möglichst nah an Endkunden entwickelt, die nicht jeden Tag mit Netzwerktechnik zu tun haben.

FritzOS 7 bleibt so benutzerfreundlich und selbsterklärend wie seine Vorgänger. Menüs sind übersichtlich und Funktionen gut beschrieben. Bei Fragen können sich Kunden jederzeit an die sehr gute Dokumentation des Betriebssystems richten.

Eine sinnvolle Neuerung von FritzOS 7 ist die Mesh-Übersicht. Nutzer können über ein einzelnes Fenster die gesamte Topologie des Heimnetzes überblicken. Praktisch: Im Netzwerk befindliche AVM-Geräte können hier mit Updates versorgt oder zentral verwaltet werden. Außerdem können wir sehen, welches Gerät mit welcher Anbindung mit dem Netzwerk kommuniziert.

FritzOS 7 ermöglicht es zudem, Fritzboxen in bereits vorhandene Meshes als Mesh-Repeater einzubinden. Der Router übernimmt dabei die Einstellungen des ausgewählten Netzwerkes, was nervige manuelle Einstellungsarbeit erleichtert.

Ebenfalls sehr praktisch: Im neuen Betriebssystem können Heimadministratoren eigene WLAN-Gastzugänge recht einfach erstellen. Die Fritzbox spannt dazu ein separates Subnetz mit eigenem IP-Adressraum und einer SSID auf. Zur Sicherheit kann diesen die Kommunikation untereinander oder per Whitelist der Zugriff auf bestimmte Webseiten verweigert werden.

Die WLAN-Performance ist unter FritzOS 7 ein wenig besser als zuvor. Im Betriebssystem lassen sich Frequenzkanäle mit 120-MHz-Intervall einstellen. Bei bisher noch sehr seltenen Geräten mit 4x4-Antennen verbessert das die Datenrate. Aber auch beim Test mit einem herkömmlichen 2x2-Notebook zeigt sich eine Verbesserung von knapp 10 Prozent.

Eine Baustelle hat FritzOS 7 aber noch: Die NAS-Funktion der Fritzbox funktioniert noch immer mit dem überholten SMB-1.0-Protokoll, das Windows 10 mittlerweile sogar als unsicher einstuft. Mit einem Workaround können wir ein USB-Speichermedium trotzdem als Netzlaufwerk einbinden. Das Hochladen von großen Dateien klappt in der Weboberfläche auch nicht immer reibungslos: Wenn wir eine 2-Gbyte-Datei hochladen wollen, dann werden wir abgemeldet und der Download abgebrochen.

Diese Makel können aber nicht das Urteil trügen, dass FritzOS 7 ein sinnvolles und an vielen Stellen sehr gut durchdachtes Betriebssystemupdate ist. Für null Euro sagen wir dazu nicht nein.  (on)


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