Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sky-ticket-mit-tv-stick-im-test-sky-kann-s-gut-netflix-und-amazon-koennen-es-besser-1809-136615.html    Veröffentlicht: 19.09.2018 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/136615

Sky Ticket mit TV Stick im Test

Sky kann's gut, Netflix und Amazon können es besser

Gute Inhalte, aber grauenhafte Bedienung: So war Sky Ticket bisher. Die neue Version macht vieles besser, und mit dem Sky Ticket TV Stick lässt sich der Pay-TV-Sender kostengünstig auf den Fernseher bringen. Besser geht es aber immer noch.

In diesem Jahr hat sich der Pay-TV-Sender Sky endlich dazu durchgerungen, die seit Jahren vernachlässigte Sky-Ticket-App grundlegend zu überarbeiten. Das ist erfreulich, denn bisher war die App wirklich erstaunlich schlecht - für sich genommen und erst recht im Verhältnis zur Konkurrenz von Amazon Prime Video und Netflix. Es kann also eigentlich nur besser werden.

Als Sky Ticket noch als Sky Online vermarktet wurde, zeichnete sich Skys Streaming-Abo vor allem durch viele Beschränkungen aus. Funktionen, die für Kunden von Amazon Prime Video und Netflix schon selbstverständlich waren, fehlten bei Sky komplett. Dazu zählten neben einem stabilen und zuverlässigen Stream eine zügig arbeitende Oberfläche, eine synchronisierte Merkliste, eine vernünftige Suche, ein bequemes Weiterschauen begonnener Inhalte, das Überspringen von Vorspännen, das unkomplizierte Schauen einer Serie am Stück und die Nutzung der App auf beliebig vielen Geräten.

Auf der Inhalteseite wird seit langem bemängelt, dass Sky-Ticket-Kunden nicht einmal Full-HD-Auflösung, geschweige denn 4K-Auflösung bekommen. Zudem wird den Kunden Surroundton vorenthalten, sie müssen sich mit Stereoklang begnügen. Diese vielen Beschränkungen bescherten der Sky-Ticket-App im Play Store und App Store entsprechend viele Ein-Stern-Bewertungen.

Mit der neuen Sky-Ticket-App will der Anbieter gegensteuern - bisher mit bescheidenem Erfolg. Die jahrelange Untätigkeit in diesem Bereich rächt sich. Sowohl im Play Store als auch im App Store hat die Sky-Ticket-App insgesamt derzeit nicht einmal zwei Sterne. Kein Wunder: Leider sind nicht alle der aufgezählten Nachteile mit der neuen Sky-Ticket-Version beseitigt worden.

Wir haben das neue Sky Ticket auf verschiedenen Plattformen getestet. Außer über den Sky Ticket TV Stick haben wir es auf dem aktuellen Apple TV 4K, auf einem Android-Smartphone und einem iPhone installiert. Die Nutzung auf mehr Geräten erlaubt das Sky-Ticket-Konto nicht. Dabei geht es nicht darum, Inhalte parallel auf mehreren Geräten anzuschauen - das ist mit Sky Ticket generell nicht möglich.



In dieser Konstellation können wir keine Inhalte auf einem Chromecast abspielen, weil dieser dann als fünftes Gerät angesehen wird, wie uns Sky auf Nachfrage bestätigt hat. Damit wir den Chromecast mit dem Sky-Ticket-Abo nutzen konnten, mussten wir erst einen Eintrag aus der Geräteliste entfernen. Dann ließen sich Inhalte auf dem Google-Dongle abspielen. Für Chromecast wird im Fall von Sky Ticket beispielsweise ein Smartphone benötigt, weil dieses quasi als Fernbedienung dient. Wer also seine Sky-Inhalte auch via Google-Dongle schauen möchte, muss bedenken, dass dafür die Hälfte aller Geräteeinträge benötigt wird, obwohl der Chromecast ohne ein Zuspielgerät überhaupt nicht nutzbar ist.

Beschränkung auf vier Geräte ist nicht zeitgemäß

Wir können die Geräteliste zwar bearbeiten, aber pro Kalendermonat dürfen Sky-Ticket-Kunden nur ein Gerät neu anmelden. Vergleichbare Beschränkungen kennen weder Amazon Prime Video noch Netflix. Sky sollte die jetzige Gerätebeschränkung abschaffen - sie ist alles andere als zeitgemäß. Heutzutage sind vier Geräte in einem Mehrpersonenhaushalt wahrlich keine Seltenheit. Außerdem fragen wir uns, welchen Zweck das Gerätelimit haben soll, wenn ohnehin zur selben Zeit immer nur auf einem Gerät gestreamt werden kann.

In anderen Bereichen bringt das neue Sky Ticket deutliche Verbesserungen - die aber auch mehr als überfällig gewesen sind.

Sky Ticket holt auf

Die sichtbaren Verbesserungen beginnen gleich bei der Oberfläche, die nun zügig reagiert und Inhalte unverzüglich darstellt - auf allen getesteten Geräten. Das klingt für Prime-Video- und Netflix-Kunden nicht nach etwas Besonderem, für Sky-Ticket-Kunden ist es das aber durchaus. Denn mit der alten Version mussten Kunden durchaus mal warten, bis die Inhalte einer Rubrik geladen waren und dann führte der Wechsel in eine andere Rubrik gleich wieder zu langen Wartezeiten.

Uns gefällt auch die von Sky gewählte Struktur und Aufbereitung der Inhalte. Sky verspricht für das neue Ticket endlich eine synchronisierte Merkliste und hält dieses Versprechen auch. Wenn wir in der Android-App einen Inhalt auf die Merkliste setzen, findet sich dieser auf allen drei anderen angemeldeten Geräten wieder. Auch das kennen Kunden von Prime Video und Netflix bereits.

Die langjährigen Probleme beim Speichern von Serien in der Merkliste sind ebenfalls gelöst worden. In der alten Sky-Ticket-Version wurde von einer Serie immer jede einzelne Folge in die Merkliste aufgenommen. Wer also die Staffel einer Serie mit 24 Folgen in die Merkliste aufgenommen hatte, flutete diese mit allen 24 Folgen. Das neue Sky Ticket handhabt es wie Netflix so, dass eine Serie mit allen Staffeln nur einen Eintrag einnimmt. Amazon wirkt etwas abgeschlagen, denn bei Prime Video lässt sich weiterhin keine komplette Serie in die Watchlist aufnehmen, sondern immer nur eine einzelne Staffel.



Sky verwaltet die Merkliste ansonsten genauso wie Amazon: Am Anfang der Liste sind immer die zuletzt hinzugefügten Inhalte zu finden, am Ende die zuerst hinzugefügten Filme und Serien. Erfreulicherweise hat Sky an dieser Stelle nicht die Netflix-Eigenart übernommen, die Merkliste bei jedem Aufruf nach einem anderen, geheimen Muster zu sortieren. Das Wiederfinden von Netflix-Inhalten in der Watchlist wird damit zur Qual, wenn diese aus mehr als zehn Einträgen besteht. Denn je nach Zeitpunkt und Endgerät wird die Netflix-Watchlist umsortiert. Das führt dazu, dass sich Kunden unmöglich darin zurechtfinden können.

Intern unterscheidet Sky bei der Merkliste auch zwischen Filmen und Serien. Für Kunden wird das aber leider nur im Browser dargestellt - dort gibt es eine Rubrik für Filme und eine für Serien. Auf allen anderen getesteten Plattformen werden Filme und Serien in der Merkliste wild gemischt. Dort entscheidet nur der Zeitpunkt der Speicherung in der Merkliste über die entsprechende Position in der Liste. Das ist schade für alle Kunden, die sowohl das Film- als auch das Serienabo bei Sky Ticket gebucht haben. Im Test kam es bei einigen Titeln vor, dass die Cover in der Merkliste nicht angezeigt wurden, das ließ sich nicht beheben.

Das Schauen kompletter Staffeln ist umständlich

Im Rahmen unseres Tests passierte es einmal, dass die Merkliste auf dem Apple TV und dem Sky Ticket TV Stick unvollständig war. Auf beiden Geräten fehlten Filme, dabei waren die Lücken mittendrin. Die Ursache dafür ließ sich nicht ermitteln. Es war erfreulicherweise nicht so, dass Inhalte von der Merkliste verschwunden waren - zum selben Zeitpunkt war die Merkliste in der Android- und iOS-App vollständig. Dieser Fehler trat zwar nur einmal auf, aber er war lästig und es lässt prinzipiell an der Zuverlässigkeit des Dienstes zweifeln. Weder bei Amazon noch bei Netflix ist uns bisher in mehreren Jahren Nutzung ein vergleichbarer Fehler aufgefallen.

Sky verspricht, dass am Ende einer Serienfolge künftig ein Einblender erscheint, damit bequem zur nächsten Folge gesprungen werden kann. Eine solche Funktion ist für Prime-Video- und Netflix-Kunden seit Jahren eine Selbstverständlichkeit - für Sky-Kunden vielfach weiterhin nicht. Denn das Versprechen wird nicht ganz eingelöst. Die Sprungfunktion fehlt bei manchen Serien oder wird so spät eingeblendet, dass Nutzer sich die nächste Folge längst selbst herausgesucht haben.



Damit die Funktion sinnvoll nutzbar ist, wird üblicherweise der Sprungbefehl mit Beginn des Abspanns eingeblendet. Genau das funktioniert bei vielen Serien nicht. Wir haben die Funktion in Stichproben mit einigen Serien ausprobiert. Bei den Serien The Big Bang Theory, King of Queens oder Brooklyn Nine-Nine klappt das wie erwartet: Mit Beginn des Abspanns können wir direkt zur nächsten Folge wechseln. Noch halbwegs akzeptabel ist es bei Greys Anatomy, hier erscheint die Einblendung nach etwa 8 Sekunden.

Als wir das mit der Sky-Eigenproduktion Babylon Berlin probieren, passiert hingegen nichts. Am Ende der jeweiligen Folge erscheint auch nach einer Minute Wartezeit kein Einblender. Bei der Serie Girls kommt der Einblender erst nach 50 Sekunden, bei The Deuce müssen wir 45 Sekunden warten und bei Game of Thrones 30 Sekunden. Als Zuschauer haben wir dann längst manuell zur nächsten Folge gewechselt. Sky sollte schleunigst nachlegen und diese versprochene Funktion für alle Serien in guter Qualität umsetzen.

Staffelübersicht schnell erreichbar

Ein kleiner Trost: Der Wechsel zur nächsten Folge einer Serie ist mit vergleichsweise wenig Aufwand möglich. In der Android- und iOS-App gibt es dafür Schaltflächen mit einer Staffelübersicht - sofern kein Chromecast verwendet wird. Auf dem Apple TV erscheint die Auswahl der nächsten Folge durch einen Wisch über die Fernbedienung, so dass diese mit einem Knopfdruck gestartet ist.

Auf dem Sky Ticket TV Stick müssen wir mit der Fernbedienung einen Schritt zurückspringen und landen dann in der Staffelübersicht, wo wir die Wiedergabe der nächsten Folge starten können. Schade, dass Sky hier eine Chance hat verstreichen lassen: Der Sky Ticket TV Stick zeigt ein Einblendmenü, in dem durchaus noch Platz gewesen wäre, um einen Knopf für den Sprung zur nächsten Folge einzubinden. Aber daran hat der Anbieter offenbar nicht gedacht.

Eine weitere Sprungfunktion hat Sky überhaupt noch nicht eingebaut: die für Vorspänne.

Sprungfunktion für Vorspänne ist in Arbeit

Weiterhin fehlt in Sky eine Möglichkeit, den Vorspann einer Serienfolge zu überspringen. Das soll irgendwann später angeboten werden. Vor allem wer eine Serie am Stück schaut, der mag sich nicht mehrmals hintereinander immer wieder denselben Vorspann anschauen. Hier bleibt nur, selbst zu spulen. Allerdings macht Sky das den Kunden besonders schwer, denn anders als bei Prime Video oder Netflix gibt es für Sky-Ticket-Kunden beim Spulen keine Vorschau - Nutzer können sich nur anhand der Zeitleiste orientieren.

Neben der Merkliste wird auch der Weiterschauen-Bereich synchronisiert. Es gibt leider keine Möglichkeit, einzelne Einträge oder den kompletten Bereich zu löschen. Wer will, dass ein Filmeintrag verschwindet, muss diesen ganz bis zum Ende schauen und darf nicht schon im Vorspann aussteigen. Serien lassen sich nicht entfernen, weil dann gleich die nächste Folge zum Weiterschauen ausgewählt wird - das ist auch sinnvoll und naheliegend, daher fehlt eine Bearbeiten-Funktion.

Die Suchfunktion ist deutlich verbessert worden - allerdings konnte die auch nur besser werden. Die Suche in der alten Sky-Ticket-App war im Grunde unbenutzbar. Selbst wenn der Filmtitel komplett richtig eingegeben worden war, listete die Suche diesen nicht ganz oben auf, sondern weit unten. Außerdem fehlte eine automatische Vervollständigung, so dass Sucheingaben mit einer Fernbedienung außerordentlich lästig waren.



Beim neuen Sky Ticket gibt es endlich eine Wortvervollständigung und offenbar einen besser gepflegten Suchindex. Jetzt bekommen wir immer die Ergebnisse, die wir suchen. Damit schließt Sky zur Konkurrenz auf - etwas zumindest, denn Sky findet nur Film- und Serientitel. Wollen wir uns die Filme oder Serien eines Schauspielers anzeigen lassen, versagt die Suche jämmerlich und findet keinerlei Einträge. Amazon und Netflix finden auch Ergebnisse, wenn wir nach Personen suchen. Hier muss Sky noch einiges tun, bis die Suchfunktion konkurrenzfähig ist.

Löblicherweise hat Sky zumindest auf reinen Streaminggeräten nach Jahren endlich den lästigen Nachfragedialog abgeschafft, wenn etwa eine begonnene Serie fortgesetzt wird. Dann startete nicht gleich die Wiedergabe, sondern der Zuschauer wurde jedes Mal gefragt, ob er die Episode fortsetzen oder von vorne anfangen will. Nun verhält sich Sky wie die Konkurrenz: Die Serie oder auch ein Film wird einfach fortgesetzt und innerhalb des Streams kann bei Bedarf bequem von vorne begonnen werden.



In der Smartphone-App gibt es den lästigen Nachfragedialog jedoch ärgerlicherweise weiterhin. Dabei ist es gerade auf diesen Geräten durch die Fingerbedienung immer schon mühelos möglich, den Film oder die Serie zum Anfang zu spulen. Hier sollte Sky unbedingt nachbessern und diese unnötige Nachfrage auch in der Smartphone-App entfernen.

Wie bisher merkt sich die App nicht die eingestellte Sprache. Standardmäßig wird alles in deutscher Sprache abgespielt. Wer Inhalte vor allem im Originalton genießen will, muss für jeden Film und jede Serienepisode die Sprache entsprechend manuell umschalten - das ist lästig.

Komfortfunktionen bleiben weiter außen vor

Weiterhin bietet Sky weder ein Bewertungs- noch ein Kommentarsystem an. Innerhalb des Dienstes ist es also nicht möglich, sich über die Inhaltsangabe hinaus über einen Film oder eine Serie zu informieren. Netflix hat dafür sein umstrittenes Bewertungssystem, mit dem man versucht, Kunden passende Inhalte anzupreisen. Bei Amazon sollen die Rezensionen der Kunden helfen, sich über die angebotenen Inhalte zu informieren.

Mit dem Start der neuen Sky-Ticket-Version bleiben diese Optionen weiterhin außen vor. Das Gleiche gilt für die praktische X-Ray-Funktion von Prime Video. X-Ray blendet bei Bedarf Informationen zu den in der aktuellen Szene agierenden Schauspielern ein. Wer sich fragt, wo bestimmte Schauspieler mitgemacht haben, der erhält auf diese Weise unkompliziert eine passende Antwort. Auf derartige Komfortfunktionen müssen Sky-Ticket-Kunden weiterhin verzichten - hier hat Amazon der Konkurrenz einiges voraus.

Erfreulicherweise zeigt auch die neue Sky-Ticket-Version weiterhin das Ablaufdatum an - aber die letzte Konsequenz lässt der Anbieter vermissen.

Ablaufdatum sollte immer leicht zu finden sein

Amazon, Netflix und Sky setzen alle drei auf ein Abomodell, bei dem Inhalte immer wieder ausgetauscht werden. Einige Filme und Serien verschwinden, andere kommen neu hinzu. Sky ist der einzige der drei Anbieter, der dazu in seinen Apps Daten nennt. Kunden können also darauf achten, ob ein wichtiger Inhalt bald aus dem Sortiment entfernt wird, und diesen vorher ansehen. Netflix rückt dazu gar keine Informationen heraus und Amazon liefert diese Daten nur in der Watchlist im Browser; wobei es bei einer prall gefüllten Watchlist recht mühsam ist, an die Informationen zu kommen, weil dafür der Mauspfeil kurz über jeden einzelnen Eintrag gehalten werden muss.

In dieser Disziplin ist Sky der Konkurrenz einige Schritte voraus. In den Details von Filmen und Serien wird das Ablaufdatum in der Sky-Ticket-App gut sichtbar angezeigt - jedenfalls auf einigen Geräten. In der Merkliste erscheint das Ablaufdatum direkt zu jedem Eintrag - aber nicht auf allen Plattformen. Es bleibt unverständlich, weshalb Sky hier kein einheitliches Erscheinungsbild anbietet.

In der Smartphone-App gibt es die Informationen zum Ablaufdatum bei Filmen erst, nachdem der betreffende Inhalt auf die Merkliste gesetzt wurde. Bei Serien gibt es das Ablaufdatum hingegen auch in den Details, bevor der Inhalt auf der Merkliste gelandet ist. In der Merkliste werden in der Übersicht die Ablaufdaten angezeigt, wenn diese bekannt sind - zumindest bei Filmen. Bei Serien fehlt diese Information wieder.



Das klingt verwirrend, es wird aber noch verworrener. Im Browser werden generell keine Informationen zum Ablaufdatum angezeigt. Auf dem Sky Ticket TV Stick und dem Apple TV ist das Ablaufdatum in den Details von Filmen und Serien zu finden. Dafür fehlen auf dem Sky Ticket TV Stick in der Merkliste alle Hinweise dazu. Auf dem Apple TV ist die Merkliste am besten umgesetzt: Gleich in der Übersicht ist bei Filmen und auch bei Serien das Ablaufdatum zu sehen, sofern es bekannt ist.

Es ist uns unbegreiflich, weshalb Sky diese für den Zuschauer praktische Funktion so inkonsequent umgesetzt hat. Im Grunde ist es ein bisschen Glückssache, ob der Zuschauer die Informationen findet oder nicht. Leider schneidet dabei der hauseigene Sky Tickt TV Stick nicht sonderlich gut ab.

Kunden würden sich sicherlich freuen, wenn sie einfach in einer Rubrik nachsehen könnten, welche Inhalte bald verschwinden, damit sie diese vorher noch anschauen können. Das hat sich Sky zwar auch gedacht und eine solche Funktion bereitgestellt - allerdings nicht für zahlende Sky-Ticket-Kunden. Diese Sonderrubrik namens "letzte Chance" gibt es nur für Sky-Q-Kunden. Sky-Ticket-Kunden müssen sich selbst manuell durch das Angebot wühlen, falls sie gezielt Inhalte anschauen wollen, die bald auslaufen.

Stream stabiler als früher

Wir haben Sky Ticket mehrere Tage getestet und dabei vor allem darauf geachtet, wie die Stream-Qualität in den Abendstunden ausfällt, wenn vermutlich die meisten Kunden den Dienst in Anspruch nehmen. Bei unserem letzten Sky-Ticket-Testlauf Anfang 2017 plagten wir uns wiederholt mit Streams, die zwischendurch hängenblieben oder bei denen sich die Auflösung während der Wiedergabe so massiv verschlechterte, dass ein Weiterschauen keine Freude bereitete.



Diese Schwierigkeiten sind in unserem Testlauf weniger häufig aufgetreten, ganz weg waren sie aber nicht. An einem Abend haben wir die Wiedergabe eines Spielfilms auf dem Apple TV nach 10 Minuten entnervt aufgegeben, weil wir uns keinen Film in verpixelter Auflösung anschauen wollten. Immer wieder brach die Stream-Qualität ein, obwohl die Internetverbindung mehr als genug Reserven hatte. Wir wechselten direkt auf den Sky Ticket TV Stick und konnten denselben Spielfilm ohne Aussetzer zu Ende schauen.

Diese Erfahrung wiederholte sich so auf dem Apple TV kein zweites Mal. Dennoch fiel uns ein merklicher Unterschied auf: Wenn wir einen Stream auf dem Sky Ticket TV Stick starteten, hatten wir ab der ersten Sekunde ein scharfes HD-Bild. Auch nach dem Spulen hatten wir immer sofort ein klares Bild, wenn wir die Wiedergabe fortsetzten.

Ganz anders auf dem Apple TV: Hier dauerte es oft zwei bis drei Sekunden, bis das Bild in HD-Auflösung vorlag. Bis dahin war es stark verpixelt. Das gleiche Phänomen trat auf, wenn wir nach einem Spulvorgang oder nach einer Pause die Wiedergabe fortsetzten. Auch auf einem Android-Smartphone und einem iPhone haben wir dieses Verhalten beobachtet. Hier werden Käufer des Sky Ticket TV Stick klar bevorzugt und das wird nicht alle Sky-Ticket-Kunden freuen.

Während unseres Tests kam es an einem Abend zu einem vierstündigen Ausfall aller Sky-Dienste, von kurz vor 18 Uhr bis etwa 22.30 Uhr konnten keine Inhalte wiedergegeben werden. Sky selbst bezeichnete diesen vierstündigen Ausfall in den Abendstunden als kurzzeitige Störung, die "schnell behoben wurde". Viele Kunden fordern eine Entschädigung dafür, aber Sky hat unseres Wissens darauf bisher nicht reagiert. Sky-Kunden berichten, dass es in den vergangenen Wochen bereits mehrere Sky-Ausfälle gegeben habe.

Pikanterweise war der Ausfall genau an dem Tag, an dem der seit dem April 2018 immer wieder erwähnte Sky Ticket TV Stick erstmals offiziell vorgestellt wurde.

Sky Ticket TV Stick ist halbwegs überzeugend

Der neue Sky Ticket TV Stick ist schnell eingerichtet. Nach Verbindung mit dem WLAN müssen nur noch die Zugangsdaten eingegeben werden und schon kann es losgehen. Den Stick hat Sky wieder in Zusammenarbeit mit Roku entwickelt. Das ist auf dem US-Markt einer der führenden Hersteller von Streaming-Geräten, der eine eigene App-Infrastruktur betreibt. In den USA glänzen die Roku-Geräte damit, dass viele Streamingdienste damit verwendet werden können. Von diesen Vorzügen bleibt mit dem Sky Ticket TV Stick so gut wie nichts übrig.

Auf dem Stick gibt es unter anderem Apps für die Mediatheken von ARD, Arte und ZDF sowie eine Youtube- und eine Vimeo-App. Für Deutschland fehlen Amazon Prime Video und Netflix, was den Nutzen des Sticks einschränkt. Wer parallel Prime Video oder Netflix nutzen möchte und noch keinen passenden Smart-TV besitzt, muss sich also ein weiteres Streaming-Gerät anschaffen, um damit alle wichtigen Dienste nutzen zu können. Und dann muss man dauernd zwischen den Streaminggeräten zu wechseln.

Der Sky Ticket TV Stick ähnelt zunächst dem Fire TV Stick von Amazon. Zum Stick gehören ein USB-Netzteil sowie eine RF-Fernbedienung, über die der Stick bequem gesteuert werden kann. Während auf dem Fire TV Stick alle Amazon-Inhalte sofort und unmittelbar auf dem Fire-OS-Startbildschirm zur Verfügung stehen, müssen Sky-Kunden immer erst die Sky-Ticket-App aufrufen. Und wenn die App verlassen wird, fliegt sie sofort aus dem Speicher und muss erneut geladen werden.



Nicht nur an dieser Stelle wirkt der Stick nicht aus einem Guss, sondern wie ein Stick, auf dem die Sky-Ticket-App läuft, ohne Hardware, die speziell darauf zugeschnitten ist. Schalten wir den Sky Ticket TV Stick ein und starten die Sky-Ticket-App, dauert es geschlagene 20 Sekunden, bis die App genutzt werden kann. Das ist im Vergleich zur Konkurrenz zu lange.

Wenn wir jetzt versehentlich die App verlassen und die Sky-Ticket-App sofort wieder aufrufen, sind wohl Teile davon noch im Speicher, denn die Wartezeit verkürzt sich auf 9 Sekunden - das ist aber immer noch eine lange Wartezeit. Leider wird die App nicht komplett im Speicher gehalten, wie es die Konkurrenzgeräte vormachen.

Start der Sky-Ticket-App dauert lange

Zum Vergleich: Der Start von Sky Ticket auf dem Apple TV dauert ungefähr 8 Sekunden und wenn wir die App verlassen, ist sie sofort wieder da. Netflix und die Prime-Video-App sind auf dem Apple TV jeweils nach 6 bis 7 Sekunden einsatzfähig und danach sofort wieder verfügbar, falls wir sie verlassen. So verhält es sich auch bei der Netflix-App auf einem Fire-TV-Gerät: Beim ersten Aufruf kann Netflix nach 14 Sekunden verwendet werden. Damit ist Netflix schneller als die Sky-Ticket-App auf einem speziell dafür zugeschnittenen Gerät - wenig rühmlich für Sky.



Beim Hangeln durch die Sky-Ticket-Menüebenen ist es uns öfter passiert, dass wir die App ungewollt geschlossen haben. Denn es fehlt eine Taste, um gezielt den Startbildschirm der Sky-Ticket-App aufzurufen. Daher müssen wir uns durch wiederholtes Drücken der Zurücktaste rückwärts bewegen, wenn wir zum Startbildschirm wollen. Drücken wir die Zurücktaste dabei einmal zuviel, ist die App beendet und wir müssen die App erneut aufrufen - mit einer lästigen Wartezeit von knapp zehn Sekunden.

Live-TV für Filme und Serien fehlt beim Sky Ticket TV Stick

Der Sky Ticket TV Stick hat eine unschöne Einschränkung mit dem Apple TV, den unterstützten Smart-TVs sowie der Playstation gemeinsam. Auf allen diesen Geräten gibt es Live-TV ausschließlich im Sportbereich, ansonsten stehen nur die Inhalte auf Abruf bereit. Nicht einmal Käufer des Sky Ticket TV Stick werden hiervon ausgenommen. Damit bleiben nur drei Sky-Ticket-Plattformen, auf denen Live-TV möglich ist - ein sehr schwaches Bild. Das sollten Käufer bedenken, bevor sie den Sky Ticket TV Stick bestellen.

Die Stick-Fernbedienung ist ordentlich verarbeitet und hat ein klar strukturiertes Tastenlayout. Es gibt sogar einige pfiffige Ideen, die aber unzureichend umgesetzt wurden.

Die Stick-Fernbedienung hat gute Ansätze

Auch die an sich durchdachte Fernbedienung ist in manchen Aspekten am Anspruch der Nutzer vorbei entwickelt worden. Zunächst zu den positiven Eigenschaften. Die Fernbedienung braucht durch Einsatz von RF-Technik keinen Sichtkontakt zum Stick. Zudem hat die Fernbedienung einen Infrarotsender, um bei Bedarf auch Fernseher damit zu steuern. Bluetooth-Tastaturen lassen sich am Stick leider nicht betreiben. Mit einer Harmony-Fernbedienung von Logitech lässt sich der Stick ebenfalls steuern, wir mussten allerdings nach einem Roku-Gerät suchen lassen, weil das Logitech-System den Sky Ticket TV Stick noch nicht kennt.

Auf der Fernbedienung zum Sky Ticket TV Stick gibt es auch Lautstärketasten. Diese sind etwas ungewohnt auf der rechten Seite des Gehäuses untergebracht, aber nachdem wir uns daran gewöhnt hatten, klappte die Lautstärkeregelung darüber problemlos. Eine vergleichbare Lösung fehlt allen Fire-TV-Geräten von Amazon; beim Apple TV ist ebenfalls ein Infrarotsender zur Lautstärkeregelung vorhanden. Die Tasten an der Fernbedienung sind alle nicht beleuchtet.

Bedauerlicherweise funktioniert die Lautstärkeregelung über die Sky-Ticket-TV-Stick-Fernbedienung tatsächlich nur mit Fernsehgeräten. Wer also den Stick an einer Surround-Anlage oder einer Soundbar betreibt, kann diese nicht mit der Fernbedienung steuern. Auf diese unschöne Beschränkung wird in den Geräteeinstellungen auch hingewiesen.



Die Fernbedienung ist gut verarbeitet, die Tasten haben einen gut fühlbaren Druckpunkt und die Anordnung der Tasten folgt einer klaren Logik. Im oberen Bereich gibt es eine Ein-Aus-Taste, mit der sich ein Fernseher ein- oder ausschalten lässt. Eine Reihe darunter sind die Zurück- und die Home-Taste untergebracht - an sich eine gute Lösung, aber nicht so, wie die Sky-Ticket-App auf dem Stick implementiert ist. Denn mit der Home-Taste geht es zum Startbildschirm des Sticks, wir verlassen damit also in jedem Fall die Sky-Ticket-App und müssen dann warten, bis sie wieder gestartet ist.

Der Fünfwegenavigator darunter ist angenehm groß und gut bedienbar. Direkt darunter befindet sich eine Rücksprungtaste, die sehr praktisch ist, denn damit können wir gezielt nur 10 Sekunden zurückspringen. Wenn wir mehrfach auf die Rücksprungtaste drücken, summieren sich weitere 10 Sekunden dazu. Drücken wir also dreimal auf die Taste, können wir 30 Sekunden zurückspulen. Schade, dass es keine Vorspringtaste gibt.

Eine Anleitung wäre toll

Welche Funktion die Sternchentaste hat, ist erst mal nicht ersichtlich. Denn Sky legt seinem Stick keine Anleitung bei. Es gibt nur eine Kurzanleitung, in der die Einrichtung beschrieben wird. Aber die Funktionen der Tasten auf der Fernbedienung werden darin nicht erklärt. Wir haben bei Sky nachgefragt und innerhalb der Sky-Ticket-App hat die Taste keine Funktion. In der Hauptoberfläche des Sticks können wir mit der Sternchentaste die Apps anders sortieren.

Eine Reihe darunter befinden sich die Tasten zur Wiedergabesteuerung, die wie erwartet funktionieren. Allerdings müssen sich Sky-Ticket-Kunden generell damit abfinden, dass es beim Spulen keine Vorschau gibt. Zudem gibt es eine Reihe von Sondertasten, die gut gedacht, aber dafür unfassbar schlecht umgesetzt sind.



Die Suchen-Taste öffnet den Suchbereich der Sky-Ticket-App und die anderen Spezialtasten rufen die entsprechenden Untermenüs in der Sky-Ticket-App auf. Dazu gehören "Meine Inhalte", "TV-Programm" und "Kids-Bereich". Falls die Sky-Ticket-App noch nicht gestartet wurde, wird diese dann im entsprechenden Menüpunkt geöffnet.

Funktion der Kurztasten miserabel umgesetzt

Genau das passiert aber immer: Wenn die Sky-Ticket-App bereits aktiv ist und wir auf eine der Kurztasten drücken, wird die App beendet, es wird der Startbildschirm des Sticks gezeigt und die Sky-Ticket-App wird gestartet. Der gesamte Vorgang dauert um die 12 Sekunden - das ist viel zu lang. Da sind wir schneller mit der Fernbedienung zum passenden Menüpunkt gewechselt und damit sind die Abkürzungstasten so gut wie nutzlos. Dann verzichten wir lieber auf die Nutzung der Tasten, was schade ist, denn ordentlich umgesetzt wäre das ein Pluspunkt.

Wir haben uns Sky Ticket auch auf dem Apple TV angeschaut. Es ist abseits des Sky Ticket TV Stick das einzige reine Streaming-Gerät, für das Sky eine passende App anbietet.

Sky Ticket ist auf dem Apple TV etwas anders

Die Sky-Ticket-App auf dem Apple TV sieht auf den ersten Blick wie auf dem Sky Ticket TV Stick aus. Im Detail gibt es aber einige sonderbare Unterschiede, vor allem bei der Einblendung des Ablaufdatums, wie bereits beschrieben. Apple-TV-Besitzer können sich darüber freuen, dass sie von Sky vor allem in der Merkliste mehr Informationen angezeigt bekommen als die Käufer des hauseigenen Sky-Ticket-TV-Sticks.

Auch auf dem Apple TV stellt Sky seinen zahlenden Kunden Live-Kanäle nur im Sportbereich zur Verfügung. Alle anderen Live-TV-Kanäle im Film- und Serienbereich sind über die Sky-Ticket-App auf dem Apple TV generell nicht verfügbar. Das Wechseln der Tonspur oder das Einblenden zusätzlicher Informationen geht über den Touchbereich der Fernbedienung leicht von der Hand. Beim Spulen finden wir den Touchbereich weniger angenehm als dezidierte Spultasten, die auf der Apple-TV-Fernbedienung generell fehlen.

Nachdem wir uns an die 10-Sekunden-Rücksprungtaste des Sky Ticket TV Sticks gewöhnt hatten, fehlte uns diese auf dem Apple TV sofort. In so kleinen Zeitschritten zurückzuspulen, ist mit der Apple-TV-Fernbedienung nicht so einfach. Wie bereits beschrieben, liefert die Sky-Ticket-App auf dem Apple TV meist nicht gleich von der ersten Sekunde an ein HD-Bild, so dass der Anfang eines Films oder einer Serie noch verpixelt ist. Vergleichbares fiel beim Sky Ticket TV Stick nicht auf, hier war das Bild immer sofort in HD-Auflösung vorhanden.



Leider ist die Navigation innerhalb der Sky-Ticket-App auf dem Apple TV etwas unlogisch geraten. Mit einem seitlichen Wisch können wir in der Oberfläche normalerweise einen Schritt zurückspringen. Aber wenn wir zur Hauptmenüebene zurückwollen, gelangen wir mit dem seitlichen Wisch nicht zurück, sondern müssen die Menütaste bemühen. Wir haben uns daher angewöhnt, immer die Menütaste zu nehmen, weil wir damit immer einen Schritt zurück gelangen. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn beide Optionen zur Bedienung vorhanden wären.

Wenn wir mit der Fernbedienung Text eingeben müssen, ist das mit dem Apple TV mühsamer als mit dem Sky Ticket TV Stick. Denn die Apple-TV-Tastatur springt am Ende der Tastaturzeile nicht wieder an den Anfang, so dass wir viel mehr auf der Bildschirmtastatur hin- und herspringen müssten. Auf dem Stick können wir vom linken Rand der Bildschirmtastatur zum rechten Rand springen und umgekehrt.

Sky-Ticket-App auf dem Smartphone

Die Sky-Ticket-App läuft auch auf einem Smartphone schnell und lässt sich gut bedienen. Eine angenehme Funktion ist es, dass wir in einer Wiedergabe gezielt 10 Sekunden zurück- oder 10 Sekunden vorspringen können. Aber das gilt nur, wenn keine Chromecast-Verbindung besteht. Absurderweise verschwinden die beiden praktischen Sprungfelder, sobald eine Chromecast-Verbindung aufgebaut ist.



Denn dann kann nur durch Schieben des Verlaufsbalkens gespult werden - auch hier ohne irgendeine Vorschau. Und selbst auf großen Smartphone-Displays ist es kaum möglich, gezielt nur wenige Sekunden zurückzuspulen, wenn ein Film unterbrochen werden musste.

Die unzureichende Chromecast-Unterstützung zeigt sich auch an anderer Stelle: Erlauben die Smartphone-Apps eigentlich den bequemen Zugriff auf die Staffelübersicht, fehlt diese bei aktiver Chromecast-Unterstützung. Auch das Wechseln der Tonspur oder das Umschalten der Untertitel ist im Chromecast-Betrieb schlicht nicht vorgesehen. Es ist sehr ärgerlich, dass der Chromecast-Nutzer hier so stark benachteiligt wird.



In der Merkliste wünschten wir uns, dass das Ablaufdatum auch bei Serien direkt angezeigt wird und Ablaufdaten auch in den Filmdetails aufgeführt werden. Mit der neuen Sky-Ticket-App wurde in der iOS-App die Airplay-Funktion entfernt. Künftig ist es nicht mehr möglich, aus der App heraus Inhalte über Airplay an andere Geräte zu übertragen. Wer ein älteres Apple TV besitzt, kann dieses somit nicht mehr zum Anschauen der Sky-Ticket-Inhalte verwenden.

Googles vergleichbare Cast-Unterstützung für das Streamen auf einen Chromecast ist - wie erwähnt - weiterhin vorhanden. Allerdings erfordert eine Chromecast-Nutzung eben, dass dafür zwei Einträge in der ohnehin knapp bemessenen Geräteliste zur Verfügung stehen müssen.

Im Laufe des Tests kam es mit den Smartphone-Apps vor, dass wir keine Inhalte abspielen konnten, obwohl wir laut App angemeldet waren. Wir mussten uns dann abmelden und neu anmelden. Das ist etwas lästig und Vergleichbares ist uns mit Prime Video und Netflix in mehreren Jahren Nutzung nicht einmal passiert.

Weiterhin gibt es keine Offline-Funktion, um Sky-Inhalte auf dem Smartphone zu speichern und diese auch ohne Internetverbindung anschauen zu können. Sky teilte Golem.de auf Nachfrage mit, dass an dieser Funktion gearbeitet werde. Wann die Funktion zur Verfügung stehen wird, ist aber nicht bekannt.

Nur HD-Auflösung und kein Surround-Ton

Wer sich als Kunde auf Sky Ticket einlässt, den beschleicht weiterhin das Gefühl, dass er von Sky als Kunde zweiter Klasse angesehen wird. Denn in heutiger Zeit ist ein Streaming-Dienst ohne Full-HD-Auflösung, ohne 4K-Inhalte und ohne Surround-Ton eigentlich ein Unding, aber Sky bleibt hier bei den gewohnten Beschränkungen. Langfristig sollen auch Sky-Ticket-Kunden Surround-Ton erhalten. Wann das passieren wird, ist aber noch nicht bekannt. Alle Sky-Ticket-Inhalte werden derzeit nur in Stereo-Ton zur Verfügung gestellt und bei HD-Auflösung ist Schluss; es gibt nicht einmal Full-HD-Auflösung. Trotzdem zahlen Kunden bei Buchung des Entertainmentpakets zusammen mit dem Cinema-Paket monatlich 25 Euro dafür - das ist deutlich mehr als bei der Konkurrenz.



Surround-Klang und Full-HD-Auflösung sind bei Prime Video für 8 Euro im Monat schon immer dabei gewesen, sofern der Inhalt das hergibt. Bei Amazon gibt es dafür sogar 4K-Inhalte. Bei Netflix unterscheiden sich die Abopreise auch nach der Bildqualität. Das Standardabo für 8 Euro im Monat liefert nur SD-Qualität, für 11 Euro monatlich gibt es Inhalte in HD. 4K-Inhalte stehen im Premiumabo bereit, das 14 Euro im Monat kostet. Bei beiden Anbietern haben Kunden immer Zugriff auf alle Filme und Serien, die gerade im Abo enthalten sind.

Es ist keineswegs so, dass es die Sky-Inhalte nicht auch mit Surround-Ton und Full-HD-Auflösung gibt. Sogar 4K-Inhalte sind verfügbar. Aber diese Formate bietet Sky nur den Kunden, die sich einen Sky-Empfänger anschaffen und sich vertraglich zwei Jahre an das Pay-TV-Angebot binden. Wobei auch diese Kunden 4K-Inhalte nur gegen Aufpreis erhalten.

Sky hat besondere Inhalte

Das Besondere an Sky Ticket sind die Inhalte und damit unterscheidet sich der Dienst von der Konkurrenz. Vor allem im Spielfilmbereich sind aktuelle Kinofilme meist zuerst bei Sky zu sehen und erst wesentlich später bei Prime Video oder Netflix. Aber auch manche Serie wird zuerst bei Sky zu sehen sein und erst mit Verzögerung bei den beiden Konkurrenten - wenn überhaupt. Vor allem die HBO-Produktionen wie Game of Thrones oder Westworld werden wohl nie bei Prime Video oder Netflix Bestandteil des Abos sein, weil Sky eine langjährige exklusive Partnerschaft mit HBO geschlossen hat.

Im Serienbereich sind aber sowohl Amazon als auch Netflix sehr umtriebig und wollen Kunden mit Eigenproduktionen gewinnen, die wiederum bei Sky nie zu sehen sein werden. Während sich Sky-Kunden bei Filmen in den meisten Fällen darauf verlassen können, aktuelle Kinofilme dort als Erstes zu bekommen, gilt das bei Serien daher längst nicht mehr.

Sky-Ticket-Kunden erhalten alle HBO-Serien wie Game of Thrones, Westworld, True Detective, Rome, Vinyl, The Deuce, Sopranos oder Sex and the City exklusiv. Auch Sky-Produktionen wie Babylon Berlin, Gomorrha, Riviera oder die Ende November 2018 startende TV-Serie von Das Boot und einige Showtime-Serien hat Sky nach eigenen Angaben exklusiv. Diese Serien wird es also weder bei Prime Video noch bei Netflix geben.

Sky-Ticket-Kunden sollten sich aber vor einer Buchung informieren, ob die gewünschte Serie auch bei Sky verfügbar ist. Das ist über die Sky-Ticket-App auch ohne Anmeldung möglich. Denn selbst die exklusiv bei Sky angebotenen Serien verschwinden immer wieder mal aus dem Sortiment. So ist die HBO-Produktion Westworld kurz nach Ausstrahlung der zweiten Staffel derzeit nicht verfügbar und bald verschwinden auch die Serien Game of Thrones und Babylon Berlin aus dem Sortiment. Das ist bei Amazon und Netflix anders; alle Eigenproduktionen der beiden Anbieter waren bislang noch nie aus dem Abosortiment entfernt worden und jederzeit für den Zuschauer verfügbar.

Verfügbarkeit

Nach vielen Wochen Verzögerung ist die neue Version von Sky Ticket mittlerweile auf allen wichtigen Plattformen verfügbar. Eigentlich war das Update für Mai 2018 versprochen worden, die Android-App kam im Juni 2018 und erst drei Monate später folgte im August 2018 die iOS-Version der neuen Sky-Ticket-App.

Mit der neuen Sky Ticket Version hat sich an der Tarifstruktur nichts geändert. Weiterhin wird der Sky-Ticket-Inhalt auf drei Pakete verteilt und alle drei Abos können erst nach einer Laufzeit von zwei Monaten das erste Mal gekündigt werden. Das Entertainment-Paket mit Zugriff auf alle derzeit bei Sky verfügbaren Serien kostet 10 Euro monatlich. Für 15 Euro im Monat gibt es das Cinema-Paket; hier haben Kunden Zugriff auf die Spielfilme von Sky. Wer also sowohl Filme als auch Serien von Sky schauen möchte, muss dafür 25 Euro im Monat bezahlen.

Das dritte inhaltliche Standbein sind Sportübertragungen. Für 30 Euro im Monat gibt es das Supersport-Monatsticket, um einen Monat lang alle Sportinhalte von Sky anschauen zu können. Wer nur an maximal ein oder zwei Tagen die Sportinhalte schauen möchte, kann das Sportsport-Tagesticket wählen, das 10 Euro kostet und einen Tag lang gilt.



Alle Sky-Ticket-Abos haben zwar eine Laufzeit von einem Monat, können aber von Neukunden erst im zweiten gebuchten Monat das erste Mal gekündigt werden. Zudem müssen Kunden penibel darauf achten, sieben Tage vor Ablauf des Monats zu kündigen, ansonsten verlängert sich das Abo. Zum Vergleich: Sowohl Prime Video als auch Netflix können bei monatlicher Buchung jederzeit gekündigt werden - auch nach nur einem Monat.

Auch mit der neuen Sky-Ticket-Version bedient der Anbieter viele Plattformen weiterhin nicht. So gibt es weder für Fire-TV-Geräte noch für Android-TV-Fernseher eine Sky-Ticket-App. Sky Ticket ist für Android, iOS sowie für das Apple TV ab der vierten Gerätegeneration, für Microsofts Xbox One, für Sonys Playstation 3 und 4 sowie für Smart-TVs von Samsung und LG verfügbar. Die unterstützten Smart-TVs sollten 2014 oder später auf den Markt gekommen sein. Die neue Sky-Ticket-Version unterstützt weiterhin Googles Cast-Protokoll und damit auch den Chromecast; Apples Airplay-Protokoll ist hingegen nicht mehr verfügbar.

Auf dem Sky Ticket TV Stick, dem Apple TV, den Smart-TVs sowie der Playstation bekommen Kunden Live-TV nur für die Sportinhalte. Film- und Serienkunden erhalten auf diesen Geräten nur die Inhalte auf Abruf. Lediglich auf der Xbox One, auf Android-Smartphones und iPhones stehen die Live-TV-Funktionen zur Verfügung.

Sky Ticket Stick gibt es quasi kostenlos

Sky macht es Kunden mit dem neuen Sky Ticket TV Stick etwas einfacher, bei Bedarf darüber die Sky-Ticket-Inhalte auf den Fernseher zu bekommen - wenn für das vom Kunden verwendete Gerät eben keine Sky-Ticket-App bereitsteht. Den neuen Ticket TV Stick gibt es de facto kostenlos, weil dieser bei Buchung eines der drei Monatspakete dazugegeben wird.



Derzeit wird der Sky Ticket TV Stick für 30 Euro abgegeben, Versandkosten fallen bei der Onlinebestellung nicht an. Auf der Sky-Webseite wird der eigentliche Stick-Preis mit 55 Euro angegeben, aber auf Nachfrage teilte Sky Golem.de mit, dass es derzeit keinen Endtermin für den Angebotspreis gebe. In den Media-Markt-Filialen soll der Sky Ticket TV Stick zusammen mit einem Supersport-Monatsticket sogar für 15 Euro verfügbar sein. In Kürze soll der Stick auch bei anderen Händlern zu bekommen sein.

Online sind alle drei Varianten verfügbar: Wer den Stick mit dem Entertainment-Ticket im Wert von 10 Euro nutzen möchte, erhält das betreffende Abo für drei Monate. Wer sich für das Cinema-Ticket im Wert von 15 Euro entscheidet, kann dieses zwei Monate lang nutzen, ohne dafür erneut bezahlen zu müssen. Das Supersport-Monatsticket im Wert von 30 Euro ist einmal im Kaufpreis enthalten.

Fazit

Das neue Sky Ticket ist um Klassen besser als die Vorgängerversion - allerdings wäre alles andere auch eine gewaltige Blamage geworden. Das alte Sky Ticket war dermaßen unkomfortabel, träge und funktionsarm, dass es einfach keine Freude gemacht hat, sich mit der App herumzuquälen. Die neue Sky-Ticket-App ist um Längen besser, sie ist gut strukturiert, reagiert schnell und lässt sich angenehm leicht bedienen. Dennoch schafft es Sky weiterhin nicht, alle von der Konkurrenz bekannten Grundfunktionen den eigenen Kunden zur Verfügung zu stellen.

Ob der bequeme Sprung zur nächsten Serienfolge möglich ist, hängt vom Zufall ab. Der Vorspann einer Serie lässt sich nicht überspringen und wenn wir spulen, fehlt eine Vorschau. Auf Smartphones gibt es keine Möglichkeit, Videos offline herunterzuladen. Wenn wir nach Schauspielern oder Regisseuren suchen, weiß Sky damit nichts anzufangen. Bei der neuen Sky-Ticket-Version war der Anbieter wohl vor allem damit befasst, lange fehlende Basisfunktionen nachzuliefern. Dinge wie Bewertungen, Rezensionen oder X-Ray-Informationen sind für Sky weiterhin kein Thema.

Mit dem Sky Ticket TV Stick gibt es eine preiswerte Möglichkeit, den eigenen Fernseher Sky-Ticket-fähig zu machen. Das ist erforderlich, weil Sky noch immer auf vielen populären Plattformen fehlt. Die App läuft auf dem Stick gut und zuverlässig, die Bildqualität ist immer sofort in maximaler Auflösung da - vorbildlich. Die Verzahnung von Hard- und Software ist aber nicht immer überzeugend, der Start der Sky-Ticket-App dauert zu lange. Schade ist, wie schlecht die an sich pfiffige Idee der Sprungtasten auf der Fernbedienung umgesetzt ist - hier wird viel Potenzial verschenkt.



Wir finden es enttäuschend, dass es für Skys Streaming-Stick keine Apps für Amazons Prime Video oder Netflix gibt, obwohl die Roku-Plattform an sich beide Anbieter vollständig unterstützt. Wer bei Sky Ticket Wert auf Live-Fernsehen legt, sollte bedenken, dass diese Funktion auf den meisten Geräten nur für den Sportbereich verfügbar ist, dazu gehört auch der Sky-eigene Stick. Es ist schade, dass Sky keinen einheitlichen Dienst auf allen Geräten anbietet.

Trotz aller Verbesserungen werden sich Sky-Ticket-Kunden nach wie vor wie Kunden zweiter Klasse fühlen. Eine Rubrik mit bald ablaufenden Filmen und Serien gibt es bei Sky Ticket nicht, sondern nur bei Sky Q mit langer Vertragsbindung. Zudem kann Sky Ticket nur auf maximal vier Geräten verwendet werden, ohne dass parallele Streams möglich wären. Als wären diese Beschränkungen nicht schon ärgerlich genug, müssen zahlende Sky-Ticket-Kunden immer noch auf Surround-Klang und Full-HD-Auflösung verzichten. Die Beschränkung auf Stereo-Ton und HD-Auflösung ist schon lange nicht mehr zeitgemäß und Sky hätte diese Beschränkungen mit der neuen Sky-Ticket-Version hinter sich lassen sollen - schließlich zahlt der Kunde viel Geld für das Abo.

Dafür bekommt der Kunde im Spielfilmbereich eine wesentlich aktuellere Auswahl und erhält so manche Serie, die es auf anderen Plattformen erst später oder gar nicht gibt. Es macht einfach wenig Freude, aktuelle Blockbuster auf einem 4K-Fernseher mit ordentlicher Surroundanlage anzusehen und dabei nur HD-Auflösung und Stereo-Ton zu bekommen.  (ip)


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