Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dear-moon-kuenstler-sollen-zum-mond-fliegen-1809-136612.html    Veröffentlicht: 18.09.2018 09:55    Kurz-URL: https://glm.io/136612

SpaceX

Milliardär will Künstler mit zum Mond nehmen

Ein japanischer Milliardär ist der mysteriöse erste Kunde von SpaceX, der um den Mond fliegen will. Er will eine Gruppe von Künstlern zu dem Flug einladen. Die Pläne für das Raumschiff stehen kurz vor der Fertigstellung.

Yusaku Maezawa ist ein japanischer Kunstsammler und Milliardär, der sein Vermögen während der Zeit der Dotcom-Blase durch die Gründung der Modeplattform Zozo im Jahr 1998 gemacht hat. In der vergangenen Nacht stand er in einer der Werkhallen von SpaceX und sagte: "Endlich kann ich Ihnen mitteilen: Ich habe mich entschlossen, zum Mond zu fliegen". Damit zitierte er die Worte, mit denen US-Präsident John F. Kennedy das Apollo-Programm 1962 der Weltöffentlichkeit vorstellte und das Rennen zum Mond startete.

Maezawa war auch die anonyme Person, die zuvor schon einen Flug um den Mond mit dem Dragon-Raumschiff von SpaceX gebucht hatte. Die kleine Kapsel des Crew Dragon hätte auch nicht genug Platz für Maezawas Pläne gehabt, denn er will nicht allein zum Mond fliegen. Das Projekt heißt Dear Moon und umfasst mehr als nur einen Sitz in dem BFS genannten Raumschiff von SpaceX. Er lädt sechs bis acht Künstler auf der ganzen Welt zu der Reise ein, die aus der Erfahrung heraus Kunstwerke erschaffen sollen.

Um sich selbst vorzustellen, zeigte Maezawa ein Bild von sich aus dem Jahr 1998 in Santa Monica mit einem Skateboard. Er sei schon damals an der amerikanischen Kultur, Musik und Mode fasziniert gewesen und habe daher seine Firma gegründet. Der Flug zum Mond sei sein Lebenstraum, ein Beitrag für die Welt und zum Weltfrieden. Er wolle die Erfahrung aber nicht allein machen, sondern sie mit möglichst vielen anderen Menschen teilen, und zwar mit Künstlern.

Elon Musk lobt mutigen Menschen

Eines Tages habe er sich gefragt, was wohl gewesen wäre, wenn der New Yorker Künstler Jean-Michel Basquiat den Mond gesehen hätte und welche Kunstwerke er wohl erschaffen hätte - oder andere Künstler wie Andy Warhol, John Lennon, Pablo Picasso, Michael Jackson oder Coco Chanel. Eingeladen sind Künstler aller Richtungen: Maler, Bildhauer, Fotografen, Musiker, Filmemacher, Architekten und Modedesigner. Es gebe aber auch noch Pläne, die er noch nicht ankündigen könne und in Zukunft mitteilen werde. Die Details des Auswahlprozesses stünden noch nicht fest, allerdings sei dafür auch noch genug Zeit.

Elon Musk sagte über Maezawa: "Er ist der größte Abenteurer. Er ist vorgetreten und hat sich angeboten. Nicht wir haben ihn ausgesucht, sondern er uns." Er bezahle auch einen erheblichen Anteil der Entwicklungskosten - die genaue Summe werde nicht verraten. Er helfe damit auch anderen Menschen, eines Tages zum Mars zu fliegen. Der Flug sei gefährlich und keine absolut sichere Sache. Es gibt eine gewisse Chance, dass etwas schiefgeht, auch wenn wir alles tun werden, um das zu verhindern. Man müsse ein mutiger Mensch sein, um den Flug anzutreten.

Eine Rakete wie im Comic

Der angekündigte Zeitpunkt des Fluges ist laut Musk wieder optimistisch früh gewählt. Musk sagte, man brauche einen Termin für den Fall, dass alles gut läuft. Allerdings sei es normal, dass Probleme auftauchten, durch die sich Dinge verzögerten. Es sei nicht 100 Prozent sicher, dass die Trägerrakete BFR fliegen werde. Aber SpaceX werde alles Menschenmögliche tun, um sie so schnell wie möglich und so sicher wie möglich fertigzustellen.

Im Vergleich zu früheren Entwürfen aus den vergangenen beiden Jahren ist das Raumschiff BFS noch weiter vereinfacht worden. Beim Start vom Boden, zusammen mit der Trägerrakete BFR, ist es 110 m hoch. Das Raumschiff selbst macht die Hälfte dieser Länge aus. Es soll ein Innenvolumen von über 1.000 Kubikmetern haben und eine Nutzlast von 100 Tonnen (t) in den niedrigen Erdorbit bringen. Ein Teil der Nutzlast soll in Behältern am Heck des Raumschiffs untergebracht werden.

Das Raumschiff soll mit diesen 100 t Nutzlast auch auf dem Mond oder dem Mars landen können, muss dafür aber im niedrigen Erdorbit wieder aufgetankt werden. Zum Vergleich: Die Mondlandefähre des Apollo-Programms landete auf dem Mond mit einer Masse von 6,8 t, inklusive der vollgetankten Rakete zur Rückkehr in den Mondorbit. BFS soll auf den drei Heckflossen landen, von denen nur zwei zur Steuerung in der Atmosphäre dienen sollen. Die dritte Flosse auf der Oberseite des Raumschiffs dient lediglich als drittes Landebein. Ihre Form soll hauptsächlich der Symmetrie dienen und dafür sorgen, dass das BFS etwas mehr wie die klassische Mondrakete in Tim-und-Struppi-Comics aussieht.

Das Raumschiff fliegt wie ein Fallschirmspringer

Das Raumschiff vollzieht den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ähnlich wie das Spaceshuttle mit der Unterseite quer zur Flugrichtung. Der Zweck dieses Manövers ist das schnellstmögliche Abbremsen des Raumschiffs, mit hohem Luftwiderstand, ganz ähnlich wie es ein Fallschirmspringer vor dem Öffnen des Fallschirms macht. Während dieser Flugphase kommen die Steuerflossen zum Einsatz. Sie müssen dabei Kräfte im Meganewton-Bereich aufbringen, was der Gewichtskraft von 100 t auf der Erde entspricht.

In den tieferen Atmosphärenschichten gleichen sich Luftwiderstand und Erdanziehung aus, so dass das Raumschiff mit einer stabilen Geschwindigkeit Richtung Boden fällt. Zur Landung wird das Raumschiff gedreht und landet dann, ähnlich einer Falcon-9-Rakete, mit Hilfe von drei seiner sieben Raketentriebwerke auf den drei Landebeinen.

Das Entwicklungsrisiko des Raumschiffs BFS soll durch die Verwendung identischer Triebwerke in der Rakete und dem Raumschiff reduziert werden. In der Oberstufe der Falcon 9 wird ein Triebwerk mit einer größeren Düse verwendet, die beim Betrieb im Vakuum effizienter ist. Es verbraucht weniger Treibstoff beim gleichen Schub und ermöglicht damit den Transport einer größeren Masse. Diese Optimierung soll aber erst in späteren Versionen des Raumschiffs durchgeführt werden.

Elon Musk lobt die Nasa und das SpaceX-Team

Wie schon bei früheren Auftritten betonte Musk mehrfach den Beitrag der Nasa zu SpaceX, ohne den der Bau der Raumschiffe nicht möglich gewesen wäre. Elon Musk lobte auch das SpaceX-Team für die Arbeit am Raptor-Triebwerk. Das Problem bei dessen Entwicklung sei schon die Fragestellung gewesen, sagte er nebulös. Nachdem die Frage korrekt gestellt gewesen sei, sei der Rest sehr viel leichter geworden.

Elon Musk spielt damit auf vergangene Entwicklungen vom möglichen Nachfolger für das Merlin-1-Triebwerk der Falcon-9-Rakete an. Frühere Entwicklungspläne von SpaceX zeigten zunächst enorm große Kerosintriebwerke, das Merlin 2, die im Schub noch die F1-Triebwerke der Saturn V übertreffen sollten. Später folgten erste Pläne des Raptor-Triebwerks, das ähnlich wie die Spaceshuttle-Triebwerke mit Wasserstoff funktionieren, aber technisch verbessert werden sollte. Aber auch das wurde wegen der negativen Eigenschaften von flüssigem Wasserstoff, seiner extrem niedrigen Dichte von nur 70 Gramm pro Liter und einer Temperatur von -253 Grad Celsius verworfen.

Erste Tests schon nächstes Jahr

Schließlich entschied sich SpaceX für ein großes Triebwerk mit Methantreibstoff als Kompromiss, mit ähnlich viel Schub wie das früher vorgestellte Merlin 2. Aber schon früh in der Entwicklung zeigte sich, dass eine Rakete mit vielen kleinen Triebwerken leichter zu entwickeln und insgesamt kostengünstiger wäre, was letztlich zur heutigen Version des Raptor-Triebwerks führte.

Der Bau des BFS-Raumschiffs hat bereits begonnen. Erste kurze Flüge, wie bei den Grasshopper-Tests im Jahr 2013, sollen schon 2019 unternommen werden. Testflüge in große Höhen und mit hohen Geschwindigkeiten folgen laut Plan im Jahr 2020, von einer Anlage in der Nähe von Brownville an der Südspitze von Texas aus. Bis zu ersten orbitalen Flügen soll es noch zwei bis drei Jahre dauern. Von wo aus diese starten werden, ist noch nicht sicher. Der Start von einer schwimmenden Plattform ist eine der Möglichkeiten, die SpaceX untersucht.

Der Flug zum Mond soll Passagiere nicht belasten

Bis zum Flug von Maezawa und den eingeladenen Künstlern sollen mehrere Testflüge durchgeführt werden, um das Risiko von Fehlfunktionen des Raumschiffs und der Rakete zu minimieren. Vorgesehen ist schließlich ein einfacher Flug um den Mond herum mit einer Flugdauer von vier bis fünf Tagen. Dabei soll die maximale Beschleunigung beim Start auf das 2- bis 2,5fache der Erdbeschleunigung reduziert werden, um die Passagiere zu schonen. Die Rakete arbeitet bei so einem Flug weniger effizient, es gibt größere Gravitationsverluste, aber durch die großen Leistungsreserven des Raumschiffs wäre es dennoch möglich. Beim Wiedereintritt in der Erdatmosphäre würden aber etwas höhere Kräfte von wenigstens dreifacher Erdbeschleunigung auftreten.

Elon Musk schätzt die Entwicklungskosten auf 5 Milliarden US-Dollar - nicht weniger als 2 Milliarden, nicht mehr als 10 Milliarden. Derzeit werden weniger als 5 Prozent der Arbeit bei SpaceX für die Entwicklung von BFR aufgewendet, das soll sich in den kommenden Jahren deutlich ändern. Vorerst stehen laut Musk aber noch die Verträge mit der Nasa für den Crew Transport zur Raumstation ISS im Vordergrund. Der erste Testflug des Crew Dragons ist Ende des Jahres geplant. Hinzu kommen Verträge zum Start von Satelliten, insbesondere einige Aufträge für das US-Militär.  (fwp)


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