Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/logitechs-mx-vertical-im-test-so-teuer-muss-eine-gute-vertikale-maus-nicht-sein-1809-136446.html    Veröffentlicht: 10.09.2018 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/136446

Logitechs MX Vertical im Test

So teuer muss eine gute vertikale Maus nicht sein

Logitech hat mit der MX Vertical erstmals eine vertikale Maus im Sortiment. Damit werden Nutzer angesprochen, die gesundheitliche Probleme bei der Mausnutzung haben - Schmerzen sollen verringert werden. Das Logitech-Modell muss sich an der deutlich günstigeren Alternative von Anker messen lassen.

Den Markt für vertikale Mäuse will Logitech nicht länger der Konkurrenz überlassen. Das erste Modell nennt sich MX Vertical und hat den typischen Aufbau einer vertikalen Maus. Im Unterschied zu einer klassischen Maus liegt die Hand bei einem vertikalen Modell nicht oben auf dem Mausgehäuse, sondern ist seitlich angelehnt. Mit dieser Gehäuseform sollen der Arm und das Handgelenk entlastet werden, weil sie nicht gedreht werden müssen und gerade an der Maus ruhen. Auch bei Logitech gibt es vertikale Mäuse nur für Rechtshänder.

Die Logitech-Maus liegt angenehm in der Hand und neben den Standardtasten sind auch alle vier Zusatztasten gut erreichbar. Auf Höhe des Daumens liegen zwei Tasten nebeneinander, um etwa in Webseiten oder Dokumenten zu blättern. Zudem befindet sich im Scrollrad eine Taste. Das Rad ist angenehm leichtgängig, sowohl beim Drehen als auch beim Drücken. Eine sechste Maustaste ist auf der Oberseite der Maus untergebracht und dient in der Standardkonfiguration dazu, die Geschwindigkeit des Mauszeigers umzuschalten.

Die Umschaltung der Mauszeigergeschwindigkeit ist dabei sehr komfortabel gelöst. In der Logitech-Software kann der Nutzer zwei Geschwindigkeitsprofile einstellen, zwischen denen mit einem Klick gewechselt werden kann. Wird die Taste gedrückt gehalten, kann durch seitliche Mausbewegung jede mögliche Mauszeigergeschwindigkeit gewählt werden. Wer diese Umstelloption nicht benötigt, kann darauf verzichten und die Taste mit einer beliebigen, anderen Funktion belegen.

Auch den drei zusätzlichen Maustasten können nach Belieben andere Funktionen zugewiesen werden, nur die Standardtasten lassen sich in der Logitech-Software nicht umbelegen. Für einzelne Programme können die Maustasten auch unterschiedlich belegt werden, so dass etwa die Radtaste in der Textverarbeitung eine andere Funktion hat als im Browser. Die vielen Anpassungsmöglichkeiten sind vorbildlich. Zur Vorauswahl stehen etliche Befehle und sollte da nicht das Passende dabei sein, können beliebige Tastenkombinationen abgelegt werden. Der Käufer kann die Maus also ideal an seine Bedürfnisse anpassen.

Wer das erste Mal eine vertikale Maus verwendet, wird sich zunächst an die ungewöhnliche Haltung gewöhnen müssen. Denn die Hand bewegt sich damit anders als mit einer klassischen Maus. Nach einiger Zeit haben wir uns aber daran gewöhnt. Auf diese Lernphase sollten sich Käufer in jedem Fall einstellen.

Die Logitech-Maus bietet verschiedene Anschlussmöglichkeiten und ist in dieser Disziplin besonders universell. Der Maus liegt ein USB-Kabel bei, um das Peripheriegerät an einer USB-A-Buchse zu betreiben. Das Kabel ist abnehmbar und dient ansonsten dazu, den eingebauten Akku zu laden.

Logitech-Maus mit vielen Anschlussmöglichkeiten

Wer es lieber kabellos mag, kann zwischen Bluetooth und Logitechs eigener Unifying-Technik wählen. Letztere setzt eine USB-A-Buchse am zu steuernden Gerät voraus, in die das entsprechende Dongle gesteckt wird. Damit können auch Geräte drahtlos mit der Maus gesteuert werden, die kein Bluetooth unterstützen. Ansonsten ist Bluetooth praktischer, denn es wird kein USB-Port mit dem Dongle belegt. Schade: Die Maus hat keine Möglichkeit, den Unifying-Adapter aufzunehmen. Bei einem Transport muss dafür also ein anderer Platz gefunden werden.



Wir haben die Maus an einem Notebook mit Windows 10 betrieben und hatten weder über Bluetooth noch über Logitechs Drahtlostechnik irgendwelche Verbindungsprobleme. Bis zu drei Geräte können drahtlos mit der Maus gekoppelt werden. Auf der Unterseite befindet sich ein Schalter, um bequem zwischen diesen wechseln zu können. Wer die Maus also mit verschiedenen Computern nutzen möchte, findet hier eine elegante Möglichkeit dazu.

Die MX Vertical hat einen USB-C-Anschluss, um darüber den fest verbauten Akku zu laden. Ist er geladen, verspricht der Hersteller eine Laufzeit von vier Monaten - das ist auf dem Niveau heutiger Drahtlos-Peripherie. Wenn der Akku leer ist, soll eine Ladezeit von einer Minute ausreichen, um die Maus wieder acht Stunden nutzen zu können. Sollte der Akku also erschöpft sein, genügt eine kurze Kaffeepause und schon ist die Maus wieder einsatzbereit. Die Herstellerangaben konnten wir bislang nicht überprüfen.

Wir haben das aktuelle Logitech-Modell mit einer vertikalen Maus von Anker verglichen.

Viele Gemeinsamkeiten mit der Anker-Maus

Bei Golem.de wird seit über eineinhalb Jahren eine ergonomische Maus von Anker verwendet, die wir mit der Logitech-Maus verglichen haben. Die Anker-Maus verhält sich weitgehend wie das Logitech-Modell. Sie ist minimal anders geformt, das hat aber keine großen Auswirkungen auf die Handhaltung.

Die Anker-Maus liegt gleichfalls gut in der Hand und alle Zusatztasten sind gut erreichbar. Auf der linken Seite befinden sich ebenfalls im oberen Bereich zwei weitere Tasten. Eine Taste auf der Oberseite der Anker-Maus dient zur Umstellung der Mauszeigergeschwindigkeit. Die Lösung ist allerdings nicht so elegant wie bei Logitech. Hier kann der Nutzer nur drei Geschwindigkeiten nacheinander durchschalten. Es gibt also weniger Geschwindigkeiten und die Umschaltung an sich ist nicht ganz so komfortabel.

Die Anker-Maus verfügt ebenfalls über sechs Tasten, allerdings gibt es vom Hersteller keine Software zur Anpassung. Wir verwenden die Anker-Maus mit der Maus-Software X-Mouse Button Control, mit der sich die Tasten individuell belegen lassen. Wie bei der Logitech-Software können die Tasten für einzelne Programme anders belegt werden. Im E-Mail-Programm wäre also eine andere Funktion für die Seitentasten denkbar als etwa im Browser.



Hier wäre es natürlich schön, wenn Anker eine eigene Lösung anbieten würde, damit Kunden sich nicht selbst darum kümmern müssen. Falls einem die Logitech-Software nicht zusagt, kann auch X-Mouse Button Control eingesetzt werden, damit funktioniert die Logitech-Maus ohne Probleme.

Die Anker-Maus unterstützt im Unterschied zur Logitech-Maus kein Bluetooth, sondern nutzt einen USB-Drahtlos-Adapter, der so aber auch immer einen USB-Steckplatz belegt. Wer also unbedingt eine Bluetooth-Maus sucht, wird lieber zur Logitech-Maus greifen, falls einem das den entsprechenden Aufpreis wert ist.

In der Anker-Maus ist erfreulicherweise Platz für das USB-Dongle, so dass die Maus komplett für unterwegs mitgenommen werden kann. Im Unterschied zur Logitech-Maus läuft die Anker-Maus mit Batterien, zwei AAA-Batterien sind erforderlich, damit kann die Maus mehrere Monate verwendet werden. Und wenn die Batterien leer sind, lassen sie sich unkompliziert wechseln und der Nutzer kann weiterarbeiten. Die Anker-Maus hat einen anfangs gewöhnungsbedürftigen Stromsparmodus: Nach einigen Minuten schaltet sie sich aus und eine Taste muss betätigt werden, um die Maus wieder zu aktivieren. Aber nach einigen Tagen haben wir uns daran gewöhnt.

Weil die Anker-Maus nur die eine Verbindung zum USB-Dongle kennt, gibt es auch keine Umschaltfunktionen. Außerdem ist ein Kabelbetrieb nicht vorgesehen, wie es bei der Logitech-Maus möglich ist.

Verfügbarkeit und Fazit

Logitechs Maus MX Vertical gibt es für 110 Euro. Zum Vergleich: Die vertikale Maus von Anker kostet derzeit bei Amazon um die 20 Euro; der Hersteller arbeitet seit Jahren eng mit Amazon zusammen.

Fazit

Logitech bietet mit der Vertical MX eine gute vertikale Maus, die allerdings ihren Preis hat. Die Maus liegt angenehm in der Hand, die Zusatztasten sind bequem erreichbar und können mittels Software sehr umfangreich angepasst werden. Wer noch nie mit einer vertikalen Maus gearbeitet hat, wird sich anfangs umgewöhnen müssen. Nach einiger Zeit ist das aber erledigt und danach kann sich der Nutzer auf eine gut in der Hand liegende Maus freuen.

Die Logitech-Maus hat einen fest verbauten Akku, der aber vier Monate durchhalten soll und mittels Schnellladung zügig wieder einsatzfähig ist. Zudem kann die Maus notfalls bei der Aufladung mit Kabel verwendet werden. Dadurch sollte es keine Probleme geben, sollte der Akku mal unerwartet schlapp machen. Die Vertical MX ist besonders anschlussfreudig, aber in der Praxis bringt das nur für Anwender etwas, die ständig mehrere Notebooks oder Computer im Einsatz haben und unbedingt auf die Anschaffung einer zweiten Maus verzichten wollen.



Für all das verlangt Logitech mit 110 Euro ziemlich viel Geld. Wer auf die Anschlussvielfalt verzichten kann und nicht unbedingt eine Bluetooth-Verbindung benötigt, bekommt von Anker eine deutlich günstigere vertikale Maus, die sich bezüglich der ergonomischen Eigenschaften nur in Nuancen von der Logitech-Maus unterscheidet. Die Gehäuseformen beider Mäuse sind im Detail etwas anders, ohne dass wir bei der Nutzung einen spürbaren Unterschied feststellen konnten.

Wer sich bei einer Maus nicht mit der vom Hersteller festgelegten Standardbelegung der Zusatztasten abfinden möchte, muss bei Anker etwas Engagement zeigen und sich eine eigene Software zur Veränderung der Tastenbelegung besorgen. Hier hat die Logitech-Software den Vorteil, dass der Nutzer vom Hersteller mit einer komfortablen Lösung versorgt wird.

Wem es vor allem darum geht, eine drahtlose ergonomische Maus zu verwenden, kann getrost zur günstigen Anker-Maus greifen. Die Logitech bietet ein paar mehr Komfortfunktionen, die aber vor allem dann zum Tragen kommen, wenn die Maus an mehreren Computern verwendet wird. Bei einer Nutzung an nur einem Gerät gibt es mit der Anker-Maus keine substantiellen Nachteile gegenüber dem Logitech-Modell.  (ip)


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