Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/monster-hunter-neu-gegen-alt-warum-haesslich-manchmal-schoener-ist-1809-136437.html    Veröffentlicht: 12.09.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/136437

Monster Hunter neu gegen alt

Warum hässlich manchmal schöner ist

Alles, was es schon mal in Monster Hunter gab und noch viel mehr: Generations Ultimate für Nintendo Switch spart an gar nichts - außer der Grafik. Und kann damit sogar gegen das imposante Monster Hunter World punkten.

Im Schatten des großen Erfolges von Monster Hunter World und dem Release der PC-Version ist auch Monster Hunter Generations Ultimate für die Switch erschienen. Doch hat das grafisch schwächere Spiel neben dem imposanten Monster Hunter World überhaupt eine Chance? Wir haben uns beide Versionen angeschaut und verglichen und waren überrascht - denn während World Monster Hunter grafisch auf eine neue Ebene hebt, schafft Generations Ultimate dasselbe mit der Spielintensität.

Das grundlegende Spielprinzip ist bei beiden Titeln gleich. Die Prämisse von Monster Hunter steckt schon im Namen. Jage Monster! Spoilerwarnung, das war's auch schon mit der Handlung - jedenfalls fast. In jedem Sprössling der Serie kommen wir als der neue Jäger in ein Dorf in eins von zwei Szenarien: Entweder wird es von Monster-Angriffen geplagt oder es braucht einen anständigen Jäger, weil das in dem Gebiet einfach dazugehört. Je nach Spiel wird dann nach einigen Einführungsquests ein Monster als der Bösewicht identifiziert. Haben wir den Unhold erlegt, stellt sich heraus: Es gibt immer einen größeren Fisch. So oder ähnlich wiederholen sich diese Szenarien.



Die Motivation in Monster Hunter besteht offensichtlich nicht darin, eine spannende Geschichte zu erleben. Es geht darum, das Kampfsystem zu meistern, Monster zu besiegen und mit der erkämpften Beute neue Ausrüstungen zu bauen: Das Prinzip Jagen-looten-craften kennt jeder, der schon einmal ein Rollen- oder Actionspiel gespielt hat. Allerdings entscheidet hier nicht die Stufe eines Charakters darüber, ob er mit den teils gigantischen Ungetümen zurechtkommt, sondern es kommt auf die Fähigkeiten des Spielers an.

Wie gut kennen wir unsere Waffe, die Umgebung und natürlich auch unsere Beute? Sowohl in World als auch in Generations Ultimate gibt es 14 Waffenarten mit jeweils sehr unterschiedlichen Bewegungsmustern und Spezialfähigkeiten, die es zu lernen gilt. Es ist gleichermaßen wichtig, sowohl die eigene Waffe als auch den Gegner gut zu kennen. Wenn das Monster sein linkes Bein nach hinten zieht, stürmt es gleich auf uns zu. Reißt es die Flügel hoch, spuckt es sofort einen Feuerball in unsere Richtung. In Monster Hunter muss man das Verhalten der Monster genau analysieren und daraus lernen.

Wer auf der Jagd unachtsam ist, wird schnell merken, dass die Monster teilweise sehr viel Schaden anrichten und keine Fehler verzeihen. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir ganz schnell vom Jäger zum Gejagten.

Schön, geschmeidig und einsteigerfreundlich

Sowohl World als auch Generations Ultimate nehmen grundlegende Änderungen am Spielkonzept vor, schlagen dabei aber ganz verschiedene Richtungen ein. World nimmt sich der Komplexität und der Optik an, die potenziellen Spielern bisher den Einstieg in das Franchise erschwert haben. Auf den ersten Blick fällt auf, dass World nicht mehr so schwach aussieht, wie man es von Monster Hunter kennt: Es gibt hochauflösende Texturen und statt zwischen Gebieten wechseln zu müssen, sehen Spieler eine offene Karte, die sie ohne Ladezeiten durchqueren können.

An einigen Stellen ist das Spiel außerdem weniger komplex als vorher, weil Abläufe vereinfacht wurden - teils zum Unmut der Fans der ersten Teile . So ist es nicht mehr nötig, ein Monster mit Farbbällen zu markieren, um ihm auf der Spur zu bleiben. In World erledigen diesen Job die Spähfliegen. Sie heften sich an ein Monster und markieren es automatisch auf der Karte, sobald wir in bisherigen Missionen genug Informationen über die jeweilige Kreatur gesammelt haben. Das verhindert das planlose Herumgesuche am Anfang einer Jagd. Allerdings verlieren wir dabei auch das Gefühl für die Routen der Monster und das damit verbundene Verhalten. Wo frisst es, wenn es hungrig ist, oder wo legt es sich schlafen, wenn es erschöpft ist?



Die Spähfliegen sind zwar unter Spielern umstritten, in World sind sie allerdings unverzichtbar. Denn die Karten sind jetzt nicht nur offen, sondern auch verwinkelter und höher als bisher. Darüber hinaus gibt es weitaus mehr Möglichkeiten, mit der Umgebung zu interagieren. Es gibt Pflanzen, die uns beim Berühren heilen, andere vergiften einen bestimmten Bereich und in Höhlen können wir mit unserer Schleuder Stalaktiten von der Decke schießen und auf die Monster stürzen lassen.

Monster Hunter World hat sich auch einige der teilweise sehr sperrigen Systeme der Reihe vorgenommen und komfortabler gestaltet. Sammelgegenstände wie Spitzhacken sind immer dabei und können nicht mehr kaputtgehen. Wetzsteine, die wir zum Schärfen unserer Waffe benötigen, sind in unbegrenzter Zahl vorhanden und wenn wir einen Heiltrank schlürfen, können wir uns trotzdem noch bewegen, anstatt wie angewurzelt stehen zu bleiben und zu warten, bis die Animation vorbei ist oder wir von einem Monster getroffen werden.

Wo World auf weniger setzt, macht Generations Ultimate das Gegenteil: mehr, und zwar von allem!

Kantig, komplex und umfangreich

Generations Ultimate bringt so ziemlich alles, was es schon mal in der Monster Hunter Geschichte gab - und noch mehr. Der Switch-Ableger Monster Hunter Generations Ultimate ignoriert sämtliche in World gemachten Anpassungen und ist damit eine umfangreiche und verbesserte Fassung des 2015 für Nintendos 3DS erschienenen Monster Hunter Generations.

Instanzierte Gebiete mit Ladezeiten, lange Animationen, zerbrechende Spitzhacken und auch die Farbbälle sind wieder mit an Bord. Statt uns aber zu Beginn einer Quest wie ein kopfloses Huhn nach unserem Ziel suchen zu lassen, zeigt uns ein am Himmel schwebender Heißluftballon auf ein Winken hin große Monster auf der Karte.

Und Karten sehen wir in diesem Spiel sehr viele. Es sind fast alle bisher in der Reihe erschienenen Gebiete im Spiel eingebaut. Diese Gebiete aus älteren Iterationen der Reihe in aufgepeppter Fassung wieder zu sehen, weckt ein wohliges Nostalgiegefühl. Jeder, der schon einmal Teil des japanischen Jäger-Phänomens war, wird sich freuen, altbekannte Gebiete und Monster wieder zu sehen - egal, ob er seit dem ersten Teil 2005 auf der Playstation 2 dabei ist, seit Monster Hunter Tri für die Wii oder seit den Handheld-Ablegern für PSP und Nintendo 3DS.



Das Spiel wartet mit 27 Gebieten und 89 großen Monstern auf. Durch die große Anzahl an Monstern fällt das Waffen-Rüstungsarsenal entsprechend riesig aus. Damit setzt sich Monster Hunter Generations Ultimate in Sachen Umfang mit einigem Abstand an die Spitze der Reihe. Zum Vergleich: Das bis dato umfangreichste Monster Hunter 4 Ultimate hatte 19 Gebiete und 70 große Monster. World hingegen hat nur neun Gebiete und nach mehreren Updates 34 große Monster.

Beim Kampf hat World, bis auf kleinere Anpassungen in Bewegungsmustern der Waffen, alles beim Alten belassen. Generations Ultimate wiederum bringt mit den Gildentechniken - aktiv im Kampf einsetzbare Fähigkeiten - eine völlig neue Dimension in das Kampfsystem. Auf Knopfdruck können wir eine mächtige Abfolge von Schlägen auf unser Ziel loslassen oder über eine besonders große Distanz ausweichen.

Auch das Craftsystem wurde im Switch-Ableger angepasst. So benötigen wir nun auch zum Aufwerten unserer Rüstungen die Teile der entsprechenden Monster, statt einfach nur die Standardaufwertsteine. Das gibt dem etwas eingestaubten System neue Frische.

Fazit



Monster Hunter Generations Ultimate hat nicht die besten Startbedingungen in Europa. Das grafisch imposante Monster Hunter World ist bereits Anfang des Jahres für Playstation 4 und XBox One und im August für den PC erschienen. Natürlich ist Grafik bekanntermaßen nicht alles, jedoch kann es verständlicherweise schwerfallen, von der modernen Erscheinung von World auf die in einem anderen Jahrzehnt steckengebliebene Darstellung der Oldschool Monster Hunter zu wechseln. Trotzdem sollte jeder, der eine forderndere und umfangreichere Erfahrung sucht, Generations Ultimate eine Chance geben.

Monster Hunter World ist ohne Frage ein gutes Spiel. Es ist nicht einfach mehr vom Gleichen, sondern bringt Abwechslung und erfrischende Ideen in die sonst eher starre Serie. Ein bisschen mehr vom Gleichen hätte aber trotzdem nicht geschadet. Den fehlenden Umfang versucht World mit Aussehen und pompöser Inszenierung wettzumachen. Monster Hunter World ist nicht einfacher, weil die Monster schwächer sind oder die Waffen mehr Schaden machen. Monster Hunter World ist leichter, weil es dem Spieler entgegenkommt. Es lässt uns geschmeidiger in die komplexe Reihe einsteigen, nimmt uns aber auch die Möglichkeit, diese Komplexität zu meistern und mit dem Spiel zu wachsen. Nichtsdestotrotz ist Monster Hunter World ein sehr guter Einstieg in die Serie vor allem für jene, die von der steilen Lernkurve und dem sehr japanischen Stil der Vorgänger abgeschreckt waren.



Monster Hunter Generations Ultimate bringt mit der Formel der vorherigen Spiele alte Schwächen, aber auch Stärken mit sich. Natürlich können die Ladezeiten zwischen den einzelnen Arealen stören, sie geben der Monsterjagd aber auch eine Struktur. Farbbälle statt Spähfliegen sorgen dafür, dass wir uns Routen und Verhalten der Monster besser einprägen.



Die Änderungen am Kampfsystem bieten mehr Raum für individuelle Spielstile. Auch der visuelle Stil des Spiels ist wieder viel japanischer. Also schrägere Waffen und Rüstungen statt der teilweise westlich angepassten Ausrüstungen aus Monster Hunter World.

Monster Hunter Generations Utlimate ist mehr als nur ein Best-of der alten Gebiete, Monster und Ausrüstungen. Es ist in seiner Verschrobenheit, mit all seinen Eigenarten und dem enormen Umfang, die schon im Titel enthaltene "ultimative Monster Hunter Erfahrung".  (cbo)


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