Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lenovo-thinkpad-t480s-im-test-das-trotzdem-beste-business-notebook-1809-136376.html    Veröffentlicht: 12.09.2018 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/136376

Lenovo Thinkpad T480s im Test

Das trotzdem beste Business-Notebook

Mit dem Thinkpad T480s verkauft Lenovo ein exzellentes 14-Zoll-Business-Notebook. Anschlüsse und Eingabegeräte überzeugen uns - leider ist aber die CPU konservativ eingestellt und ein gutes Display kostet extra.

Seit Jahren zählen die T-Modelle mit s-Suffix zu den Thinkpads von Lenovo, die bei 14 Zoll ein geringes Gewicht und eine dünne Bauweise mit einer guten Anschlussvielfalt und recht hoher Leistung kombinieren. Im Januar 2018 kündigte der chinesische Hersteller mit dem Thinkpad T480s die neue Iteration an, die wir seit einigen Wochen in doppelter Ausführung im Büro in Betrieb haben. Die Kollegen sind bisher zufrieden und mehr noch: Wir halten die Geräte für mit die besten Business-Notebooks am Markt.

Das Thinkpad T480s misst 331 x 227 x 18,5 mm bei 1,39 kg und ordnet sich damit zwischen dem Thinkpad X1 Carbon Gen6 (Test) und dem regulären Thinkpad T480 ein. Verglichen mit dem T470s-Vorgänger hat Lenovo am Gehäuse nichts geändert, es ist weiterhin sehr gut verarbeitet. Neu sind die Anschlüsse, denn die Chinesen haben auch beim T480s das Doppel-USB-C-Docking integriert, wie wir es von anderen aktuellen Thinkpads kennen: Neben einem Thunderbolt-3-USB-C-Port befinden sich eine USB-3.0-Type-C-Buchse plus ein proprietärer (Ethernet-)Anschluss für die Ultra Docking Station von Lenovo.

Die beiden USB-C-Anschlüsse eignen sich für Daten und zum Laden, der TB3-Port bindet auch Displays an. Intern hängt er an nur zwei PCIe-Gen3-Lanes, was externe SSDs wie Samsungs Portable X5 oder eGPU-Boxen ausbremst. Weiterhin verfügt das Thinkpad T480s über zwei klassische USB-3.0-Buchsen in Type-A-Bauweise, ein HDMI 1.4 für Bildschirme, einen RJ-45 für Gigabit-Ethernet (Intel I219-V), eine Audio-Klinke, eine Kensington-Öse, einen Smartcard-Reader und einen SD-Kartenleser mit 80 MByte die Sekunde. Die meisten Geräte schaffen ähnlich viel, das Thinkpad X1 Carbon Gen6 liefert allerdings satte 200 MByte pro Sekunde beim Einlesen von Raw-Fotos mit einer UHS-II-Micro-SD.

Bei den Eingabegeräten gibt es Lenovo-typisch die sehr angenehm zu tippende Chiclet-Tastatur mit zweistufiger Hintergrundbeleuchtung, ein Precision-Clickpad und den Trackpoint mit drei dedizierten Maustasten. Wie üblich sind Fn- und Strg-Taste unsinnigerweise vertauscht, was sich aber im UEFI des Gerätes ändern lässt. Dort schalten wir auch zumeist das Clickpad ab, damit es beim Nutzen des präziseren Trackpoints nicht zu versehentlichen Bewegungen des Mauszeigers kommt.

Anders als beim Thinkpad T470s gibt es beim Thinkpad T480s optional eine kleine Blende, mit welcher die 720p-Webcam physisch abgedeckt wird. Beim Display bedient sich Lenovo der üblichen Panels, was bedeutet, dass Kunden für eine gut Helligkeit ein höher auflösendes und teureres Modell wählen müssen. Bei Startpreisen von 1.500 Euro je Angebot empfinden wir das als unnötiges Vorgehen.

CPU-Drossel müsste nicht sein

Unsere beiden Muster des T480s haben jeweils einen matten 1080p-Bildschirm mit IPS-Technik, welcher von BOE stammt. Lenovo wirbt mit 250 cd/m², die zwei Thinkpads kommen auf maximal durchschnittlich 231 cd/m² respektive 247 cd/m². Das reicht für abgedunkelte Büros oder trübe Spätsommertage, aber nicht für helle Messehallen oder den Außeneinsatz mit strahlendem Sonnenschein. Wer möchte, kann gegen Aufpreis ein 1440p-Panel bestellen, das 300 cd/m² schafft - immerhin ein bisschen mehr Helligkeit.

Als Prozessor verbaut Lenovo einen Core i5 oder einen Core i7 aus Intels aktueller 8th Gen (Kaby Lake Refresh), der auf 15 Watt eingestellt ist. Optional verlöten die Chinesen auch noch eine Geforce MX150 in der Low-Power-Variante mit 8 Watt, die allerdings abseits einer Campus-Edition nicht bei den in Deutschland verfügbaren Thinkpad T480s enthalten ist. Die Kühlung sollte über 20 Watt abführen können, denn die entsprechenden Heatpipes und Lamellenblöcke sind vorhanden. Aber auch ohne Nvidia-GPU belässt Lenovo den Prozessor bei 15 Watt, der optionale Thermal Framework Driver via Vantage-Update-Tool ändert nichts.

Der Core i5-8250U arbeitet daher langsamer als der Core i5-8250U im Thinkpad X1 Carbon Gen6 mit 23 Watt oder der Core i5-8250U in XPS 13 (9370) mit 25 Watt. Wer möchte, kann die cTDP per Intels XTU auf 20 Watt setzen, die Lüftersteuerung des T480s reagiert aber nicht auf die höhere Leistungsaufnahme. Der Chip läuft damit bei knapp unter 100 Grad Celsius, was ein Heruntertakten gerade noch verhindert. Wir fänden es sinnvoll, wenn Lenovo dem Prozessor des Thinkpad T480s ohne Geforce MX150 zumindest ein wenig mehr Geschwindigkeit spendieren würde, da der Lüfter genug Reserven hat.

Trotz der dünnen Bauweise ist das Thinkpad T480s aufrüstbar: Neben 8 GByte verlötetem DDR4-Speicher gibt es noch einen SO-DIMM-Slot für ein weiteres Modul. Als NVMe-SSD stecken M.2-2280-Modelle wie Samsungs PM961 oder PM981 im Notebook, wobei letztere ein bisschen schneller ist. Beide Varianten schaffen sequenziell lesend über 3 GByte die Sekunde und mindestens 1,2 GByte pro Sekunde schreibend. Für ac-2x2-WLAN und Bluetooth 4.2 verbaut Lenovo ein 8265-Kärtchen, die Option auf die theoretisch doppelt so schnelle 9260 mit 1,73 GBit/s und Bluetooth 5 fehlt. Dafür sind Antennen für das LTE-Modem vorverlegt, was beim X1 Carbon Gen6 nicht der Fall ist.

Lenovo verbaut einen 57-Wattstunden-Akku, welcher das Thinkpad T480s bei 200 cd/m² im Productivity-Test des Powermark für 11:23 Stunden mit Energie versorgt. Das ist eine typische Laufzeit für ein solches Gerät, das aktuelle XPS 13 (9370) oder besagtes X1 Carbon Gen6 halten ähnlich lange durch. Das 65-Watt-Netzteil mit USB-C-Anschluss lädt das Thinkpad T480s in gut einer Stunde auf knapp 80 Prozent auf.

Hohe Leistungsaufnahme unter Linux

Unter Linux ist die Energieverwaltung und auch die Leistungsaufnahme ohne manuelles Nachjustieren überraschend schlecht: Mit der aktuellen Ubuntu-Version 18.04 LTS alias Bionic Beaver liegt die Leistungsaufnahme im idle-Betrieb bei eingeschaltetem WLAN je nach Display-Helligkeit zwischen 7 und fast 10 Watt. Selbst bei minimaler Nutzung hält das Gerät so vielleicht einen halben Arbeitstag durch.

Die üblichen und einfachen Optimierungsmaßnahmen unter Linux etwa über das Werkzeug Powertop führen auch nicht wirklich zu den gewünschten Verbesserungen. Selbst wenn alle der in Powertop angebotenen Optimierungen auf den Wert 'Gut' eingestellt werden, pendelt die Leistungsaufnahme um 5,5 Watt. Das ist zwar schon ein etwas besserer Wert als zu Anfang, für eine moderne Ultrabook-Plattform aber immer noch zu viel.

Besonders hilfreich ist in solchen Situationen, wie so oft, die Dokumentation im Wiki des Arch-Linux-Projektes. Dort wird empfohlen, im UEFI des Rechners die Option 'Thunderbolt BIOS Assist Mode' auf 'Enabled' zu stellen. Unter Windows 10 und je nach Gerät auch unter Linux übernimmt der Thunderbolt-Treiber des Betriebssystems im sogenannten Thunderbolt Native Mode unter anderem die Energieverwaltung der Technik. Mit dem T480s scheint das aber noch nicht zu funktionieren.

Deshalb muss die Firmware diese Arbeit übernehmen: Ist die Option aktiviert, erreichen wir idle bei eingeschaltetem WLAN und 50 Prozent Displayhelligkeit eine Leistungsaufnahme von rund 3 Watt, was unserer Erfahrung unter Linux mit vergleichbaren Ultrabook-Plattformen entspricht. So sollte der Rechner dann auch einen ganzen Arbeitstag im Akkubetrieb durchhalten. Der zu verschmerzende Nachteil an diesem Vorgehen ist, dass das Linux-System die Energieverwaltung des USB-C-Thunderbolt-3-Anschlusses nicht mehr kontrolliert.

CPU-Drossel auch unter Linux

Nutzer, die dagegen gern die volle Leistung aus ihrem Gerät herausholen wollen, stehen vor einem ähnlichen Problem wie unter Windows. Erschwerend hinzu kommt, dass die von Intel als Dynamic Platform and Thermal Framework (DPTF) bezeichnete Technik bisher nur für ChromeOS unter Linux unterstützt wird. Übliche Distributionen können die Technik deshalb nicht ohne Weiteres nutzen und verzichten bisher auch darauf.

Abhilfe schafft ein Skript, das Standardwerte in bestimmten Registern regelmäßig so überschreibt, dass der Controller die Werte nicht dauerhaft zurücksetzen kann. Damit wird die Drosselung zwar umgangen, der Hack ist aber eher weniger elegant und führt zu einer ähnlich heißen CPU wie unter Windows. Der Linux-Entwickler Matthew Garrett sieht die Schuld dafür, dass dieser Hack überhaupt nötig ist, nicht bei Lenovo, sondern an unzureichender Dokumentation durch Intel.

Unabhängig von diesen Problemen mit der Energieverwaltung und Leistungsaufnahme haben wir keinerlei Probleme unter Linux festgestellt. Sämtliche Peripherie und Hardware kann direkt eingesetzt werden - bis auf die Fingerabdrucksensoren. Diese sind anders als in Windows unter Linux aber auch prinzipiell kaum sinnvoll nutzbar.

Verfügbarkeit und Fazit

Lenovo verkauft das Thinkpad T480s in vielen Varianten: Das günstigste Modell mit mattem 1080p-Display, Core i5 samt 8 GByte Arbeitsspeicher und kleiner 128-GByte-Sata-SSD kostet rund 1.500 Euro. Gegen Aufpreis gibt es einen 1440p-Bildschirm, schnellere CPUs, bis zu 24 GByte RAM, bis zu 1 TByte als NVMe-SSD und ein LTE-Modem. Zumindest in Deutschland fehlt regulär die Option auf die dedizierte Geforce-MX150-Grafikeinheit von Nvidia, für Studenten gibt aber ein entsprechendes Campus-Sondermodell.

Fazit

Wir halten das Thinkpad T480s für das beste Business-Notebook am Markt: Es ist um Speicher und SSD aufrüstbar, hat eine Vielzahl durchdachter Schnittstellen und Sicherheitsfunktionen und Lenovo-typisch exzellente Eingabegeräte. Abzüge gibt es für den Thunderbolt-3-Port mit nur zwei PCIe-Lanes, was aber abseits von sehr schnellen externen SSDs oder eGPUs keine Rolle spielt, und bei der CPU, welche trotz genug Kühlungsreserven mit konservativen 15 Watt läuft. Andere Business-Geräte wie Dells Latitude (7390) haben mit 22 Watt mehr CPU-Leistung.

Für Coder, die meist in abgedunkelten Büros arbeiten und gegebenenfalls ohnehin einen Monitor an das Thinkpad T480s anschließen, geht das 1080p-Display mit nur 250 cd/m² Helligkeit in Ordnung. Wer es heller möchte und eine sichtlich höhere Farbraumabdeckung benötigt, der sollte aber unbedingt die rund 125 Euro Aufpreis für das 1440p-Panel investieren. Damit ausgestattet sowie mit 16 GByte RAM und einer 512-GByte-SSD samt Windows 10 Pro kostet das Notebook dann 1.850 Euro.

Alternativen sind rar und weniger empfehlenswert - neben dem Dell Latitude (7390) gibt es noch HPs Elitebook 840 G5. Bei beiden halten wir die Eingabegeräte für unterlegen, das Dell hat zudem nur einen SO-DIMM-Slot und das HP einen kleineren Akku.  (ms)


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