Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/rebble-im-test-meine-pebble-lebt-wieder-1809-136367.html    Veröffentlicht: 06.09.2018 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/136367

Rebble im Test

Meine Pebble lebt wieder

Seit Fitbit die Pebble-Server abgeschaltet hat, können Nutzer ihre Pebble-Smartwatch nur noch eingeschränkt verwenden. Mittlerweile sind allerdings die Ersatzserver des Rebble-Projekts gestartet - unseren Autor und Pebble-Fan der ersten Stunde freut das ungemein.

Die erste Pebble-Uhr gilt als die erste kommerziell erfolgreiche Smartwatch, was das gleichnamige Unternehmen leider nicht vor dem Aus bewahrt hat. Die Software und Teile der Belegschaft wurden von Fitbit übernommen, die Pebble-Server sind am 30. Juni 2018 endgültig abgeschaltet worden.

Für leidenschaftliche Nutzer der Pebble-Uhren wie mich bedeutete dieser Schritt einen deutlichen Rückgang des Funktionsumfangs der Smartwatch. Einige Apps, die ihre Einträge für die Timeline über die Pebble-Server an die Uhr senden, können dies nun nicht mehr - entsprechend fehlen diese Benachrichtigungen. Auch der Wetterdienst in der Timeline funktioniert nicht mehr. Ein weiteres Problem ist, dass der App Store nicht mehr erreichbar ist: Neue Anwendungen oder Updates bereits installierter Apps sind damit passé. Generell funktioniert nichts mehr, was mit dem Pebble-Kontenlogin zu tun hat.

An diesem Punkt kommt Rebble ins Spiel: Das Projekt ist ins Leben gerufen worden, kurz nachdem Fitbit angekündigt hatte, die Pebble-Server abzuschalten. Ziel von Rebble ist es nicht, eine komplett neue Firmware mit einer anderen grafischen Benutzeroberfläche zu schreiben; das Projekt will die Server im Hintergrund durch eigene ersetzen und so den Funktionsumfang der Pebble-Uhren wiederherstellen. Ich bin mit meiner Pebble 2 auf den Rebble-Server umgestiegen - und bin überrascht, in welchem Umfang sich die Uhr wieder so wie vor der Abschaltung nutzen lässt. Ganz perfekt ist die Wiederherstellung aber noch nicht.

Die Rebble-Server sind seit dem 1. Juli 2018 online, passend zur Abschaltung der originalen Server also. Bereits vor der Aktivierung konnten sich interessierte Pebble-Nutzer wie ich registrieren; neben dem Austausch von Informationen war dieser Schritt auch deshalb wichtig, da man die Informationen seines Pebble-Kontos auf den neuen Rebble-Server migrieren konnte. Auf diese Weise sollten keine Informationen verloren gehen. Wer dies nicht gemacht hat, startet nach der Anmeldung bei Rebble mit einem neuen Konto, vorige App-Käufe über Kiezel Pay sollen sich allerdings wiederherstellen lassen.

Daten sind dank Vorregistrierung erhalten geblieben

Für mich hat sich die Vorregistrierung ausgezahlt, da ich meine Pebble einige Monate lang nicht verwendet habe und mittlerweile auf ein neues Smartphone umgestiegen bin. Nachdem ich die Uhr nach der Serverabschaltung auf einem neuen Smartphone eingerichtet hatte, konnte ich mich nicht mehr mit meinem Pebble-Konto anmelden. Entsprechend waren meine Watchfaces und Apps verschwunden, die ich aufgrund des fehlenden Appstores nicht mehr neu installieren konnte. Meine Nutzungserfahrung war entsprechend langweilig. Mit dem Umstieg auf Rebble hat sich das schlagartig geändert.

Rebble erleichtert den Umstieg

Der Umstieg an sich ist äußerst einfach und komfortabel: Ich musste mich lediglich auf dem Smartphone, mit dem meine Pebble 2 verbunden ist, auf einer speziellen Internetseite mit meinem Rebble-Konto anmelden und anschließend eine zweite Webseite besuchen und dort eine Schaltfläche drücken. Nach dem Neustart der Pebble-App war der Login-Bildschirm durch den von Rebble ersetzt worden, ich konnte mich problemlos einloggen.

Nachdem die App ein Update auf meine Uhr gespielt hatte, standen mir sofort wieder alle meine Watchfaces sowie Apps zur Verfügung - die vorher durchgeführte Verknüpfung meines Kontos hat also funktioniert. Allerdings lassen sich nicht mehr alle Ziffernblätter verwenden: Eines ist als deaktiviert aus der Liste der verfügbaren Watchfaces verschwunden, andere lassen sich zwar noch anklicken, laden aber nicht mehr.

Schade ist, dass im Grunde alle Watchfaces, die Termine anzeigen können, nicht mehr funktionieren. Google hat den Zugriff auf die Kalenderdaten blockiert, da die Ziffernblätter nicht mehr als sicherer Zugriff gelten. Solange die Programmierer der jeweiligen Watchfaces daran nichts ändern, lassen sie sich nicht mehr verwenden.

Seit dem Umstieg auf den Rebble-Server kann ich auch wieder den Pebble-Appstore verwenden. Dieser sieht genauso aus wie früher, auch die Installation von Apps funktioniert in meinen Tests problemlos. Eine der vorinstallierten Anwendungen - Sports - arbeitet interessanterweise nicht mehr korrekt: Hier bekomme ich die Meldung, dass keine Verbindung zum Internet hergestellt werden kann, offenbar auch ein API-Zugriffsproblem.

Die Timeline, also der Zeitstrahl mit Terminen und Benachrichtigungen von Apps, ist in der aktuellen Version von Rebble noch nicht wieder komplett funktionsfähig. Von Apps lokal an die Uhr gesendete Beiträge wie beispielsweise im Kalender eingetragene Termine werden angezeigt. Einige Apps haben in der Vergangenheit aber ihre Benachrichtigungen an einen Pebble-Server gesendet, die diese dann mit der Smartwatch synchronisiert hat. Diesen Service hat das Rebble-Team noch nicht wiederherstellen können, da er zu großen Teilen an den Entwicklern der jeweiligen App hängt. Ändern diese die Weiterleitungen ihrer Apps, sollte eine Anzeige in der Timeline wieder möglich sein.

Wetter in der Timeline kostet monatlichen Beitrag

In der Timeline kann ich mir nach dem Umstieg auch wieder das Wetter anzeigen lassen, was vorher nicht ging. In der Grundversion von Rebble, die den Nutzer nichts kostet, funktioniert das allerdings nicht: Die Wettereinbindung und die Diktierfunktion für das Beantworten von Kurzmitteilungen haben die Rebble-Macher kostenpflichtig ausgegliedert. Laut Rebble entstehen Kosten aufgrund der Nutzung der Wetterdaten-APIs und der Google-Sprachsynthese, die für die Diktierfunktion verwendet wird.

Wer die Wettervorschau und die Diktierfunktion verwenden möchte, muss 3 US-Dollar im Monat bezahlen. Ich bin bereit, das Projekt über diese Möglichkeit zu unterstützen, da ich die Funktionen schätze. Wer sie nicht benötigt oder nicht dafür zahlen will, kann trotzdem auf Rebble umsteigen - die restlichen Funktionen laufen unabhängig von einer Zahlung. Watchfaces, die Wetterdaten unabhängig vom Systemwetter anzeigen, machen dies übrigens auch ohne das monatliche Abo weiterhin.

Die Diktierfunktion arbeitet aktuell übrigens noch nicht in Verbindung mit einem iPhone. Auch die SMS-Antworten funktionieren auf iPhones nicht. Dem Rebble-Team zufolge dürfte sich das in Zukunft auch nicht ändern, da die Funktion auf Vereinbarungen zwischen Pebble und den Netzanbietern basierte.

Cloudpebble soll wiederkommen

Für die Zukunft plant das Rebble-Team, weitere Funktionen wiederherzustellen. So arbeiten die Programmierer beispielsweise daran, Cloudpebble zurückzubringen. Cloudpebble war Pebbles Online-Entwicklungsumgebung, deren Entwicklerin Katharine Berry Teil des Rebble-Teams ist. Auch soll es wieder möglich sein, neue Apps im Appstore zu veröffentlichen - bisher ist dieser nur eine 1-zu-1-Spiegelung des ursprünglichen Pebble-Stores, ohne dass neue Inhalte ergänzt wurden.

Fazit

Der Umstieg auf die Rebble-Server hat sich für mich gelohnt. Meine Pebble ist nach dem 30. Juni 2018 etwas langweilig geworden, bedingt auch durch die Tatsache, dass ich häufiger das Smartphone wechsle. Bei einer Neuinstallation konnte ich aufgrund des fehlenden Pebble-Logins nicht auf meine Watchfaces und Apps zugreifen und diese konfigurieren.

Mit dem neuen Server kann ich mich wie früher einloggen und die gewohnten Pebble-Dienste verwenden. Allerdings läuft noch nicht alles perfekt. Auch wenn Drittanbieter-Apps mitunter keine Beiträge in der Timeline anzeigen, ist diese dennoch schon wieder gut nutzbar. Das liegt auch an der Wetterintegration, für deren Nutzung ich gerne bereit bin, einen monatlichen Beitrag zu zahlen.

Das Rebble-Team hat es geschafft, den Umstieg auf ihre Server sehr unkompliziert und problemlos zu gestalten. Nach dem Einloggen in mein Rebble-Konto musste ich tatsächlich nur eine Schaltfläche drücken, und schon war die App auf Rebble umgestellt. Aufwendige Neuinstallationen sind nicht nötig, auch technisch weniger begabte Nutzer sollten mit dem Umstieg daher keine Probleme haben.

Ein perfekter Ersatz für die ursprünglichen Pebble-Server ist Rebble noch nicht. Der Appstore ist zwar wiederhergestellt, enthält aber noch keine neuen Anwendungen. Die bisherige Bibliothek zur Verfügung zu haben ist aber natürlich besser als gar nichts. Es dauert hoffentlich nicht mehr allzu lange, bis Entwickler auch neue Anwendungen veröffentlichen.

Rebble ist noch nicht fertig, aber sehr vielversprechend

Insgesamt ist der aktuelle Stand des Rebble-Projekts drei Monate nach dem Start aber durchaus sehenswert - und fertig sind die Macher noch nicht. In den kommenden Monaten erhöht sich der Funktionsumfang hoffentlich weiter. Wer die Programmierer über das monatliche Abonnement der Wetterdaten unterstützen will, kann dies über eine Patreon-Seite tun. Für mich persönlich bedeutet Rebble, dass meine Pebble 2 wieder am Leben ist - Gott sei Dank, ich habe sie nämlich vermisst.  (tk)


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