Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/telekoms-smart-speaker-im-hands-on-der-magenta-assistent-klingt-schon-sehr-gut-1809-136332.html    Veröffentlicht: 01.09.2018 11:50    Kurz-URL: https://glm.io/136332

Telekoms Smart Speaker im Hands On

Der Magenta Assistent klingt schon sehr gut

Die Deutsche Telekom hat den selbst entwickelten Magenta-Assistenten vorgestellt. Wir haben ihn uns auf dem smarten Lautsprecher der Telekom angehört. Interessierte Kunden können an einem Vorabtest teilnehmen und erhalten den Smart Speaker kostenlos.

Sie klingt natürlich und spricht schon ziemlich gut: Telekoms eigener digitaler Assistent namens Magenta hat eine weibliche Stimme erhalten. Hierbei wurde eine reale Frauenstimme aufgenommen, um daraus die Magenta-Stimme zu erzeugen, erklärte die Telekom auf Nachfrage von Golem.de. Zwei Jahre wurde bisher an dem Dienst bei der Telekom entwickelt.

Die Telekom tritt mit dem Magenta-Assistenten in Konkurrenz zu Amazons Alexa, dem Google Assistant und Apples Siri. Auf der Ifa 2018 hat die Telekom die Magenta-Stimme der Öffentlichkeit präsentiert und einen Testlauf angekündigt. Er hat noch nicht den vollen Funktionsumfang, konnte aber schon zeigen, was damit möglich ist. Dabei macht die Aussprache des Magenta-Assistenten bereits einen guten Eindruck.

Die Telekom setzt sich dabei nicht das Ziel, den kompletten Funktionsumfang von Alexa oder Google Assistant abzudecken. Zumal der Telekom-Lautsprecher ohnehin zum Verkaufsstart die Nutzung von Alexa erlauben wird, so dass Kunden zu Amazons digitalem Assistenten wechseln können, wenn ihnen bestimmte Funktionen noch fehlen. Der Amazon-Assistant wird mittels Alexa-Zuruf aktiviert, der Telekom-Assistent hört auf das Signal "Hallo Magenta". Beide könnten parallel verwendet werden, sagte uns die Telekom. Im Rahmen des Testlaufs ist Alexa noch nicht implementiert, zum Verkaufsstart wird Alexa vorhanden sein.

Von der noch zum Mobile World Congress in Barcelona Ende Februar 2018 in Aussicht gestellten Integration des Google Assistant ist vorerst keine Rede mehr. Die Telekom arbeite derzeit nicht aktiv daran, diesen zu integrieren, sagte das Unternehmen auf Nachfrage. Man könne sich aber vorstellen, dass dies irgendwann komme. Konkrete Pläne gebe es derzeit allerdings nicht.

Bei der Entwicklung des Magenta-Assistenten stehe die Telekom vor ähnlichen Problemen wie die Konkurrenz, erklärte das Unternehmen Golem.de auf dem Ifa-Messegelände. So müssen dem Assistenten alle erdenklichen Phrasen beigebracht werden, die der Nutzer verwendet, etwa um das Wetter abzurufen. Bei der Sprachsteuerung gibt es also nicht nur den einen Befehl, das System muss auf die unterschiedlichsten Arten von Anfragen reagieren. Auf die Fragen "Wie wird das Wetter?", aber auch auf "Muss ich einen Schirm einstecken?" oder "Kann ich heute kurze Sachen anziehen?" sollte das System mit dem gewünschten Ergebnis reagieren. An diesem Ziel arbeite die Telekom beständig, heißt es.

Den Smart Speaker bewirbt die Telekom damit, dass die Daten des Assistenten nicht auf US-Servern landen, sondern auf deutschen Servern gelagert sind. Das Grundkonzept ist das gleiche wie bei anderen smarten Lautsprechern: Das Gerät lauscht ständig, ob die betreffende Aktivierungphrase gesagt wird und erst dann wird Gesprochenes in die Cloud übertragen, um dort verarbeitet zu werden. Wenn aber Alexa genutzt wird, ist der Vorteil ausgehebelt, weil die Daten dann wieder bei Amazon landen.



Der Magenta-Assistent dient vor allem dazu, Telekom-eigene Dienste mit der Stimme zu nutzen. So wird das Telekom-eigene Smart-Home-System ebenso unterstützt wie Entertain-TV-Empfänger. Auf Zuruf lässt sich der gewünschte Fernsehsender aufrufen und auch die Suche nach Inhalten ist möglich. Dabei wird die Suche von Entertain TV verwendet, der Nutzer erspart sich damit das lästige Eintippen mittels Fernbedienung und Bildschirmtastatur. Sowohl die Lampensteuerung als auch die Entertain-TV-Steuerung funktionierte bei der Ifa-Vorführung gut. Um sich gefundene Inhalte ansehen zu können, ist es derzeit noch notwendig, diese mit der Fernbedienung auszuwählen. Langfristig soll es aber möglich sein, die Inhalte direkt auf Zuruf abzuspielen.

Die Basisfunktionen werden vorhanden sein

Die Telekom hat das Ziel, die Basisfunktionen eines smarten Lautsprechers abzudecken und nicht jede Möglichkeit der Konkurrenzprodukte zu implementieren. Das Umschalten des Lichts ist für den Assistenten problemlos möglich und auch der Wetterbericht wird angesagt; er stammt von Wetter Online. Zudem kann der Lautsprecher Tagesschau-Nachrichten ansagen und mittels Radio-Player auch Musik spielen. Dabei merkt sich das Gerät den zuletzt eingestellten Sender, so dass der Lieblingssender nicht jedesmal mit angesagt werden muss.

Ein Musik-Streaming-Dienst wird noch nicht unterstützt, es laufen aber Gespräche, diesen mit dem Lautsprecher anbieten zu können. Die Telekom hat zudem eine Kooperation mit Rewe vereinbart. Nutzer können Lebensmittel auf Zuruf bestellen oder sich Rezepte ansagen lassen. Diese Möglichkeiten wurden auf der Messe noch nicht gezeigt.

Im Unterschied zu Apples Siri kann der Magenta-Assistant auch problemlos mehr als einen Timer stellen - mehrere Zeitschaltungen parallel sind also kein Problem. Auch das Ansagen der Timer hat wie erwartet funktioniert, so dass die Funktion auf dem Niveau der Konkurrenz von Amazon und Google ist.

Zudem können mit dem Lautsprecher Gegenstände auf die Einkaufsliste gesetzt werden, die dann in der Hallo-Magenta-App jederzeit eingesehen werden können. Gut gelöst: Abgehakte Einträge werden nicht sofort gelöscht, sondern in einen Gekauft-Bereich verschoben, aus dem sie jederzeit wieder mit einem Klick auf die Einkaufsliste gesetzt werden können. Die Reaktionsgeschwindigeit des Assistenten soll sich noch verbessern, verspricht die Telekom.

Mit dem Telekom-Lautsprecher kann über den Festnetzanschluss telefoniert werden.

Telefonieren über den smarten Lautsprecher funktioniert

Der Magenta-Speaker kann auch als Freisprechtelefon verwendet werden. Hierbei hat die Telekom gegenüber der Konkurrenz den Vorteil, dass die nötigen Genehmigungen für das Anbieten von Telekommunikationsdiensten vorliegen. Für die Anrufe wird einfach der Telekom-Anschluss genutzt und Kunden können überall anrufen. Das alles ist mit der Stimme möglich, der Kunde muss dafür nichts in die Hand nehmen.

Idealerweise legt der Nutzer die wichtigen Kontakte in der Telekom-Cloud ab - hierbei muss nicht das gesamte Adressbuch übertragen werden, der Kunde kann gezielt Kontakte auswählen. Diese werden dann nur mit dem Vornamen im Telefonbuch für den Lautsprecher gespeichert und mit einem "Hallo Magenta, rufe Charlotte an" wird die betreffende Person angerufen. Dabei versteht der Assistent auch Ansagen, wie "Rufe Charlotte auf dem Handy an" und dann ist klar, dass nicht der Festnetzanschluss gewählt wird. Das funktionierte auf dem Telekom-Stand bereits sehr zuverlässig.

Bei allen Ansagen klingt die Magenta-Stimme angenehm und spricht meist bereits mit korrekter Betonung. Gelegentlich hapert es noch mit der Pausensetzung, aber die einzelnen Wörter werden in der Regel korrekt ausgesprochen. Wie auch die Konkurrenz will die Telekom ihren Assistenten ständig verbessern und optimieren, damit dieser immer besser klingt und vor allem die Nutzer möglichst gut versteht.



Aus diesem Grund hat sich die Telekom entschieden, den Lautsprecher nicht schon jetzt auf den Markt zu bringen, sondern erst einen groß angelegten Testlauf durchzuführen. Die Deutsche Telekom sucht derzeit 1.000 Telekom-Kunden, die sich bereiterklären, den Smart Speaker zu testen. Auf der Webseite www.telekom.de/smart-speaker können sich Interessenten bewerben. Mit den aus dem Test gewonnenen Daten soll das System verbessert werden. Voraussetzung dafür ist ein Festnetzanschluss der Telekom mit laufendem Entertain TV. Die Telekom setzt das voraus, damit der Lautsprecher eben auch mit der Entertain-TV-Verzahnung ausprobiert wird. Testkunden erhalten den smarten Lautsprecher im Wert von 150 Euro kostenlos.

Der Smart Speaker hat einen Leuchtring, der an die Echo-Lautsprecher von Amazon erinnert. Der Ring erstrahlt in Magenta-Farben, wenn der Assistent lauscht und beschäftigt ist. Die Oberseite ist berührungsempfindlich und dient derzeit vor allem dazu, die Lautstärke bei Bedarf händisch zu regeln. Es gibt keine Aktivierungstaste.

Auf der Rückseite befindet sich eine Taste, um das Mikrofon am Gerät ein- oder auszuschalten. Ist das Mikrofon deaktiviert, leuchtet der LED-Ring des Lautsprechers rot. Wenn Alexa in den Lautsprecher implementiert ist, soll der Leuchtring dies mit einer anderen Farbe signalisieren. Der Nutzer kann dann auch aus dem Augenwinkel sehen, welcher der beiden Assistenten gerade aktiv ist.

Die Telekom verspricht, mit ihrem Smart Speaker einen besonders guten Klang zu liefern. Im Messegewusel lässt sich das ohne Vergleichsgerät allerdings nicht beurteilen, hier muss ein Vergleich mit ähnlich teuren Geräten zeigen, in welcher Klangliga der Lautsprecher spielt.

Noch kein fester Termin für eine allgemeine Verfügbarkeit

Bis der Smart Speaker der Telekom allgemein in den Handel kommt, wird es wohl noch dauern. Wann dies genau sein wird, kann die Telekom auf Nachfrage noch nicht sagen. Möglicherweise wird der anvisierte Zeitplan eingehalten und der Lautsprecher kommt bis Ende des Jahres auf den Markt.

Die Telekom will zunächst einmal die Erfahrungen aus dem Testlauf abwarten und dann entscheiden, wann das Produkt ausgereift genug ist, um in den offiziellen Verkauf gehen zu können. Zumindest der Preis steht bereits fest, der Smart Speaker wird 150 Euro kosten. Dann können Kunden den Lautsprecher auch ohne einen Telekom-Festnetzanschluss verwenden.  (ip)


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