Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vr-rundschau-80er-jahre-trips-und-adrenalinbaeder-1809-136312.html    Veröffentlicht: 05.09.2018 08:38    Kurz-URL: https://glm.io/136312

VR-Rundschau

80er-Jahre-Trips und Adrenalinbäder

Ereignisreiche Wochen für Virtual-Reality-Fans: Auf der Gamescom in Köln war das Thema kaum zu übersehen, und auch die VR-Plattformen erhalten derzeit reichlich Nachschub. Wir stellen die spannendsten Titel vor.

Die Gamescom 2018 hat für VR-Freunde einige Überraschungen geboten, zum Beispiel A Fisherman's Tale, das im Herbst erscheint. Das neue Escape-Room-Game von Innerspace (La Péri) erzählt die Geschichte eines Leuchtturmwärters, der an einem Miniaturmodell seines eigenen Häuschens baut und vertrackte Rätsel nach dem Matrjoschka-Prinzip lösen muss. Einige Titel, die gezeigt wurden, sind noch in der Entwicklung, zum Beispiel das asymmetrische Koop-Game VR Giants, der Shooter Telefrag mit seinen Wandläufen à la Prey und die Crazy Machines VR, die Rube-Goldberg-Maschinen in die virtuelle Realität versetzt.

Gamescom-Besucher konnten sich nach Herzenslust auf den Spielflächen von Hologate und Holocafé austoben, und HTC demonstrierte die Leistungsfähigkeit seiner neuen Vive Pro (Test) an dem Wolfenstein-Spinoff Cyberpilot.

Schon vor der Gamescom gab es gute Nachrichten für VR-Fans, als Nvidia seine neuen Raytracing-Grafikkarten vorstellte - diese dürften die Grafikpracht PC-gebundener VR-Spiele weiter vorantreiben. Kurz gesagt: Die vergangenen Wochen und Monate haben wieder einmal gezeigt, dass VR alles andere als tot ist. Zumal eine ganze Reihe toller VR-Titel erschienen ist, die ein breites Spektrum von Achtziger-Jahre-Nostalgie über Shooter-Variationen bis hin zu ausgewachsenen Fantasy-Rollenspielen abdeckt. Die besten VR-Games und -Experiences des Sommers stellen wir hier in kompakter Form vor. Viel Spaß!

Pixel Ripped 1989 - Nostalgietrip und Meta-Zockerei

Die Indie-Entwicklerin Ana Ribeiro liefert mit Pixel Ripped 1989 eine großartige Zeitreise durch die Games-Geschichte ab. Wir schlüpfen in die Rolle des videospielbesessenen Mädchens Nicola, das in den Achtzigern und Neunzigern aufwächst - und dabei auf ihrer Konsole Gear Kid zockt, um den bösen Goblin namens Cyblin Lord zu besiegen. Pixel Ripped beginnt als simples Jump 'n' Run, geht dann aber konsequent auf die Meta-Ebene. In einem der ersten Level sitzt Nicola in ihrem Klassenzimmer und spielt heimlich auf dem Gear Kid. Um nicht von der Lehrerin ertappt zu werden, müssen wir immer wieder mit Blasrohr und Papierbällchen Ablenkungsmanöver starten. Später im Spiel vermischen sich die Spielebenen dann noch stärker. Als VR-Spiel beamt uns Pixel Ripped mitten hinein in die gute alte Videospielzeit, der mitreißende Chiptune-Soundtrack tut sein Übriges, um Retro-Gamer zu begeistern. Aber Vorsicht: Auch der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist eine Hommage an vergangene Zeiten.

Für Rift, Vive, Windows Mixed Reality und PSVR. Preis: 25 Euro

Firewall: Zero Hour - Adrenalinschub an der PS4



Taktische Multiplayer-Shooter sind in VR bisher Mangelware. Das liegt nicht nur an der technischen Herausforderung, die schnellen Bewegungen möglichst so umzusetzen, dass den Nutzern nicht übel wird, sondern auch daran, dass die Nutzerbasis groß genug sein muss, um gut gefüllte Server zu garantieren. Natürlich spielt auch die Inszenierung selbst eine Rolle: Der Sony-Titel Bravo Team ist an der eher langweiligen Präsentation gescheitert. Shooter wie Onward und Pavlov VR machen es besser, sind aber noch nicht für Playstation VR verfügbar. Das gerade erschienene Firewall: Zero Hour füllt genau diese Lücke, denn es bietet reihenweise spannende Settings. Zwei Zweierteams treten gegeneinander an: Das eine Team verteidigt einen Laptop mit Hochsicherheitsinfos, das andere Team versucht ihn zu erobern und zu hacken. In den fünfminütigen Sessions herrscht Hochspannung, was auch an den ausgezeichnet gebauten Levels liegt. Bei Firewall kommt der VR Aim Controller von Sony zum Einsatz, der schon bei Farpoint gute Dienste leistete - er vertieft die Immersion beträchtlich. Spielen lässt sich der Shooter aber auch mit einem herkömmlichen DualShock4-Controller.

Für PSVR. Preis: 40 Euro

Hellblade: Senua's Sacrifice - noch intensiver dank VR

Das Third-Person-Abenteuer Hellblade zählt zu den besten Indiegames des vergangenen Jahres. Das Spiel von Ninja Theory begleitet die keltische Kriegerin Senua, die ihren toten Geliebten zurückholen will und dabei in die dämonischen Gefilde von Helheim vordringt.

Senua ist psychisch krank, was das Spiel auf sensible und beeindruckende Weise darstellt: Wir hören widerstreitende Stimmen in ihrem Kopf und erleben ihre Halluzinationen. Mit Headset wirkt das Ganze noch deutlich intensiver, und auch grafisch gehört Hellblade zum Besten, was es derzeit in VR gibt. Das Spiel bietet zwei Perspektiven an: die bereits bekannte Third-Person-Ansicht und eine Draufsicht im Stile von Moss.

Beides funktioniert ausgezeichnet, nur in den häufigen Zwischensequenzen verengt sich die Perspektive, um Übelkeit vorzubeugen. Für VR-Spieler ist Hellblade ein absolutes Muss. Vorbildlich: Wer die Standardversion bereits besitzt, erhält die VR-Version gratis obendrauf.

Für Rift, Vive und Windows Mixed Reality. Preis: 30 Euro

Furious Seas

Auch Hobby-Freibeuter lieben Vau Arrrrr. Zumindest dann, wenn es so daherkommt wie das Early-Access-Game Furious Seas. Als Kapitän eines Piratenschiffs liefern wir uns packende Seeschlachten mit Berufskollegen. Die türkisfarbenen Karibikgewässer, in denen das Ganze stattfindet, sehen mit ihrem realisischen Wellengang, den Sandbänken und schroffen Felsinseln einfach großartig aus - und verursachen weder Seekrankheit noch die berüchtige VR-Übelkeit. In den Kämpfen ist Multitasking gefragt: Am Steuer bringen wir das Schiff in Position und betätigen einhändig die Kanonen, die sich links und rechts auf der Brücke befinden. Mit Befehlen zum Segelsetzen oder -einholen steuern wir gleichzeitig die Geschwindigkeit. Ist die Position des Schiffs besonders günstig, kann unsere sechsköpfige Besatzung dem Gegner eine Breitseite verpassen. Da häufig mehrere Gegner angreifen, ist ständiges Manövrieren zwischen den Felsinseln Pflicht - schade nur, dass die Windstärke und Strömung (noch) keine Rolle spielen. Derzeit bietet Furious Seas eine Kampagne mit drei mehrstufigen Kämpfen gegen verfeindete Piraten. Das Potenzial des Spiels ist aber gewaltig, gerade im Hinblick auf einen möglichen Multiplayer-Modus. Arrrr!

Für Rift, Vive und Windows Mixed Reality. Preis: 17 Euro

GNOG - Ich hab' noch einen Koffer in VR

Das grenzpsychedelische Rätselspiel GNOG ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt - sowohl für PSVR als auch für herkömmliche Bildschirme. Jetzt hat das Indie-Studio KO_OP löblicherweise einen VR-Modus für Windows und für Oculus Go nachgelegt. Jedes der knallbunten Level ist ein Koffer in Form eines Monsterkopfes, der eine Geschichte in sich trägt. Um die zu enträtseln, dreht man an Schrauben, klappt Scharniere um und knackt Schlösser. GNOG kommt ohne schriftliche Anweisungen aus und setzt ganz auf die Experimentierfreude der Spieler. Die meisten Rätsel sind schnell durch Herumprobieren, manche aber auch nur durch hartnäckiges Gefrickel zu lösen. In VR macht das Spiel gleich doppelt so viel Spaß, weil die Monsterkoffer fast greifbar erscheinen.

Für Rift, Vive, Windows Mixed Reality (8 Euro), PSVR (15 Euro) und Oculus Go (5 Euro)

Electronauts - In Nullkommanix zum Star-DJ

Vor einiger Zeit haben wir das Tool Soundstage VR vorgestellt, in dem man Instrumente koppeln und vielschichtigte Tracks komponieren kann. Electronauts von den VR-Spezialisten Survios (Raw Date, Sprint Vector) verlangt weniger Vorwissen und wählt eine spielerische Herangehensweise - schon nach wenigen Tutorial-Minuten fühlt man sich wie ein Mischpult-Meister. Als Basis der Eigenkreationen dienen Tracks und Songs von rund 40 verschiedenen DJs und Bands. Effekte lassen sich als leuchtende Würfel auf dem DJ-Pult platzieren und bestimmte Grundrhythmen mit virtuellen Drumsticks einspielen. Der Sound lässt sich verzerren, indem man dreidimensionale Kurven in den Raum zeichnet - auch das sehr intuitiv. Währenddessen rast das DJ-Raumschiff durch einen bunten Tunnel zwischen pulsierenden Planeten hindurch. Leider bietet Electronauts keine Aufnahmefunktion, aber immerhin einen Zwei-Spieler-Modus für gemeinsames Musizieren. Ein Fest für Daft Punks!

Für Rift, Vive, Windows Mixed Reality und PSVR. Preis: 17 Euro <#youtube id="VUb7uMgr2B8">

Teil 2 unseres VR-Specials zeigt unter anderem: das Koop-Rollenspiel Karnage Chronicles und das trippige Museum of Symmetry.  (afe)


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