Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/telekom-das-geld-reicht-in-bayern-nicht-fuer-glasfaser-1808-136296.html    Veröffentlicht: 30.08.2018 16:46    Kurz-URL: https://glm.io/136296

Telekom

Das Geld reicht in Bayern nicht für Glasfaser

Vectoring wird in einem bayrischen Dorf ausgebaut, weil die Förderung nicht für FTTH für alle reicht. Und das ist laut der Deutschen Telekom kein Einzelfall.

Laut der Deutschen Telekom wird in Bayern derzeit oft Vectoring (FTTC - Fiber To The Curb) gefördert ausgebaut, weil das Geld nicht für FTTH (Fiber To The Home) ausreicht. Telekom-Sprecher Markus Jodl sagte Golem.de auf Anfrage: "Wir haben in Bayern mittlerweile in fast allen Ausschreibungen auch FTTH-Anteile. Aber es ist ein Anteil. Die überwiegende Mehrheit der Anschlüsse wird über FTTC realisiert." Das Geld würde nicht reichen, um den gesamten Kernbereich mit FTTH zu versorgen und die Außenbereiche würden gar nichts bekommen.

Diese Entscheidung müssten die Gemeinden treffen und sie täten dies "im Sinne des Allgemeinwohls". Statt nur für wenige FTTH zu bauen, werde "viel für alle" erreicht, mit FTTC und einem Anteil von FTTH, erklärte Jodl.

In Bayern werden laut Experten fast alle Projekte als FTTC-Ausbau realisiert, da das Landesförderprogramm lediglich 50 MBit/s als Mindeststandard definiert und damit FTTC als günstige Variante bevorzugt. In Bundesländern wie Schleswig-Holstein liegt der Mindeststandard höher.

Warum bekommt Balderschwang Vectoring?

Golem.de hatte angefragt, was der Hintergrund für den geförderten Vectoringausbau in der bayerischen Gemeinde Balderschwang im Oberallgäu sei. Jodl betonte: "Die Gemeinde definiert ein Ausbaugebiet und legt die Mindestversorgung von 50 MBit/s fest. Jetzt ist es in der Regel so, dass im Kernbereich die 50 MBit/s mit FTTC gut zu erreichen sind. Teile im Außenbereich (Weiler, Höfe, Ortsteile) würden aber aufgrund der Leitungslänge unter diesen Wert sinken. Die müssen dann mit FTTH angebunden werden."

Der Großteil des geförderten Ausbaus in Bayern entfällt auf FTTC-Netztopologien und Vectoring. Das ergab auch eine Studie des Forschungsinstituts WIK Consult (Wissenschaftliches Institut für Internet und Kommunikationsdienste), die die bayrischen Grünen in Auftrag gegeben und im März 2018 vorgelegt haben. Eine Ausnahme stellt das Sonderprogramm Höfebonus dar, welches einen FTTH-Anteil von 80 Prozent vorschreibt.

Finanz- und Heimatstaatssekretär Albert Füracker erklärte ebenfalls im März: "In den geförderten Projekten wird nur Glasfaser verbaut und die Kommune entscheidet, ob bis zum Kabelverzweiger (FTTC) oder bis in das Haus (FTTB). Über 90.000 Haushalte erhalten aktuell einen direkten Glasfaseranschluss. Über 1.100 Gemeinden setzen FTTB-Projekte um." Bayern sei mit rund 40.000 Kilometer aktuell im Bau befindlicher Glasfaserleitungen bundesweit Spitzenreiter.  (asa)


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