Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/foerderung-telekom-verzoegert-glasfaserausbau-in-weit-ueber-100-faellen-1808-136166.html    Veröffentlicht: 23.08.2018 18:52    Kurz-URL: https://glm.io/136166

Förderung

Telekom verzögert "Glasfaserausbau in weit über 100 Fällen"

Wenn Gemeinden eine Förderung beantragen, beginnt die Telekom plötzlich ihr Netz auszubauen. Das passiert weit öfter als bisher bekannt. Der Glasfaserausbau werde so bewusst um Monate oder sogar Jahre zurückgeworfen, haben wir aus informierten Kreisen erfahren.

Die Deutsche Telekom hat "in weit über 100 Fällen" durch plötzlichen Ausbau verhindert, dass Gemeinden gefördert FTTH/B (Fiber To The Home/Building) ausbauen. Das hat Golem.de aus informierten Kreisen erfahren. Stichproben des Landkreistags und des Städte- und Gemeindebundes bestätigen die Informationen. Bei den Fällen geht es um Überbau und nicht nur um Mitverlegung.

Einem Antrag auf Förderung für den Breitbandausbau muss immer eine Markterkundung vorausgehen, um sicherzugehen, dass das betreffende Gebiet nicht privatwirtschaftlich von einem Telekommunikationsunternehmen ausgebaut wird. Bleibt diese Abfrage von acht Wochen ergebnislos, liegt ein Marktversagen vor und Wirtschaftsförderung wird möglich.

Planung ist hinfällig

Nach der Markterkundung beginnen die Planung, die Berechnung des Finanzierungsmodells und die Antragstellung. Kommunen und Landkreise reichen ihre Förderanträge ein, der Projektträger bewertet diese und gibt nach bestandener Prüfung eine vorläufige Bewilligung. Danach können die Kommunen oder Landkreise den Auftrag zum Ausbau ausschreiben.

Wenn in der Zwischenzeit ein Netzbetreiber das geplante Gebiet mit Vectoring oder anderer Technik überbaut, ist die gesamte Planung und Finanzrechnung des Landkreises hinfällig. Das Projekt wird um Monate oder sogar Jahre zurückgeworfen. Laut den Quellen von Golem.de ist genau das das Ziel des plötzlichen Ausbaus der Telekom.

Im Februar 2017 schlossen Telekom und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur den Informationen zufolge zwar ein Stillhalteabkommen, das aber vielerorts von der Telekom nicht eingehalten wird. Die Telekom sabotiere mit ihrem strategischen Überbau viele Projekte, um eine vom Staat geförderte Konkurrenz auf dem Land zu verhindern oder kleinzuhalten, hat Golem.de erfahren. Damit kann das Vectoring länger vermarktet werden. Geschickt geht die Telekom zugleich Partnerschaften mit lokalen Glasfasernetzbetreibern ein.  (asa)


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