Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/vw-paketlieferungen-in-den-kofferraum-kommen-naechstes-jahr-1808-136144.html    Veröffentlicht: 23.08.2018 09:58    Kurz-URL: https://glm.io/136144

VW

Paketlieferungen in den Kofferraum kommen nächstes Jahr

VW will nächstes Jahr Paketlieferungen in den Kofferraum ermöglichen. Ein erster Testlauf war offenbar erfolgreich verlaufen. Damit sollen Kunden Bestellungen unkomplizierter als bisher in Empfang nehmen können. Andere Autohersteller zögern hingegen.

Ab nächstem Jahr erhalten mehr Autobesitzer die Möglichkeit, sich Paketlieferungen in den Kofferraum legen zu lassen. Volkswagen will den Dienst We Deliver "ab 2019 in ausgewählten Serienmodellen" anbieten, sagt Roland Ottacher, der den Dienst bei Volkswagen (VW) verantwortet. Bevor We Deliver allgemein verfügbar gemacht hat, wurde der Dienst von 300 Personen in Berlin getestet. Auf der entsprechenden We-Deliver-Webseite spricht VW von einem Erfolg.

Die Paketlieferungen werden dabei über DHL in den Kofferraum des VW-Pkws des Besitzers gelegt. Derzeit ist nicht bekannt, ob andere Zustelldienste mit VW zusammenarbeiten werden. Bei der Bestellung in teilnehmenden Onlineshops kann der Kunde festlegen, wo sich der Pkw zum Zeitpunkt der Zustellung befindet und diesen als Lieferadresse auswählen. Zudem kann er ein Lieferzeitfenster festlegen, dann sollte das Auto an der entsprechenden Adresse abgestellt sein. Nach Angaben von DHL sucht der Zusteller dann im Radius von 300 Metern nach dem abgestellten Fahrzeug, um das Paket im Kofferraum des Autos zu deponieren. Es kann in Innenstadtgebieten mit knappen Parkplatzressourcen schon ein Problem sein, diesen Radius einzuhalten.

Auf einer passenden App sieht der DHL-Zusteller den Standort des Fahrzeugs und kann bei diesem mit einem einmaligen Zugangscode den Kofferraum öffnen. Der Zugangscode kann nach DHL-Angaben nur einmal verwendet werden, das soll Missbrauch verhindern. Laut VW konnten 300 Kunden in Berlin den Dienst bislang ausprobieren. Sie bekamen ein entsprechend ausgerüstetes Auto gestellt, das sie als Paketstation nutzen konnten.

Derzeit ist noch nicht bekannt, wie viel die We-Deliver-Ausrüstung kostet, wenn diese in einen Neuwagen eingebaut wird. Derzeit testet VW verschiedene Preismodelle, wobei es sein kann, dass die Kofferraumzustellung mit einem Aufpreis verbunden wird. Dann kämen zu den normalen Versandkosten weitere Gebühren dazu. Bei DHL selbst fallen derzeit keine weiteren Gebühren an, das könnte sich aber noch ändern. DHL spricht davon, dass ausdrücklich zu Beginn des Dienstes keine weiteren Versandkosten anfallen.

Bereits seit einiger Zeit können sich Smart-Fahrer Pakete ins Auto liefern lassen. Der Dienst heißt hier "Smart Ready to drop" und ist in Stuttgart, Berlin, Köln und Bonn verfügbar. "Ein weiterer Service-Rollout ist derzeit in Prüfung und Planung", sagt Joana Treffert, die Projektleiterin des Smart-Lieferdienstes. Eine erste Testphase startete das Unternehmen 2016 in Stuttgart zusammen mit DHL. Bei Smart gibt es derzeit keine Pläne, Kosten für die Zustellung im Kofferraum eines Autos zu erheben.

Technik zur Kofferraumbelieferung kostet extra

Je nach Ausstattungspaket kostet es 200 bis 300 Euro, um einen Smart-Neuwagen bereit für den Empfang im eigenen Kofferraum zu machen. Nachrüstlösungen bietet der Hersteller nicht an, so dass also nur Kunden mitmachen können, die sich ein neues Auto zulegen.

Es habe "sich herauskristallisiert, dass unsere Kunden sich eine Zustellung in den Kofferraum von möglichst vielen Onlineshops wünschen", fügt Smart-Mitarbeiterin Treffert an. Auch hier gebe es noch Optimierungsbedarf. "Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an Lösungen, um die Bestellungen in möglichst vielen Shops zu ermöglichen", so Treffert.

Im Bereich der Belieferung in den eigenen Kofferraum war der Automobilhersteller Volvo Vorreiter. Bereits 2014 startete der Hersteller einen Pilotversuch in Südschweden und ist mit dem Dienst in Schweden, der Schweiz und in den USA aktiv. Mit einer Markteinführung in Deutschland zögert Volvo noch. "Es gibt keine konkreten Entscheidungen, ob und wann 'In-car Delivery' auch hier angeboten wird", sagt Volvo-Sprecher Olaf Meidt. "Aus heutiger Sicht wird es nicht kurz- beziehungsweise mittelfristig erfolgen."

Risiken der Kofferraumbelieferung

Aus Sicht von DHL und auch von Smart wird keine große Gefahr gesehen, dass Paketboten dadurch zum Kleinkriminellen werden und die Gelegenheit ergreifen, Dinge aus dem Kofferraum zu stehlen. "Viele Kunden erlauben schon heute über einen sogenannten Ablagevertrag, Sendungen auf ihrer Terrasse oder in der Garage abzulegen", sagt Treffert von Smart. "Kundenbefragungen haben ergeben, dass eine Mehrheit die Vorteile höher einschätzt als mögliche Risiken." Und bei DHL heißt es: "In der Vergangenheit sind uns zudem keine Vorkommnisse bekannt, dass persönliche Gegenstände von Kunden entwendet worden wären. Hierbei haben sich unsere Zusteller als durchweg vertrauensvoll erwiesen."

Anja Smetanin vom Auto Club Europa (ACE) macht aber auf die grundsätzliche Gefahr eines Hackerangriffs aufmerksam. Die bestehe umso mehr, "je mehr wir digitalisieren". Autohersteller wie VW beteuern indes, der Datenschutz habe höchste Priorität. Und Treffert von Smart betont, dass die jeweilige TAN zum Öffnen des Kofferraums nur ein einziges Mal genutzt werden kann.  (ip)


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