Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/studie-veroeffentlicht-mehr-fremdenfeindliche-angriffe-nach-facebook-hasspostings-1808-136139.html    Veröffentlicht: 22.08.2018 17:54    Kurz-URL: https://glm.io/136139

Studie veröffentlicht

Mehr fremdenfeindliche Angriffe nach Facebook-Hasspostings

Gibt es in deutschen Kommunen einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Facebook und Fremdenfeindlichkeit? Eine Studie sieht eine direkte Korrelation. Sogar Internetausfälle sollen sich auswirken.

In einer umfangreichen Studie wollen Wissenschaftler einen direkten Zusammenhang zwischen fremdenfeindlichen Angriffen und der Nutzung sozialer Medien wie Facebook in deutschen Kommunen ermittelt haben. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass soziale Medien nicht nur einen Nährboden für die Verbreitung von Hassbotschaften darstellen, sondern auch zu realen Handlungen anreizen", schreiben die Wissenschaftler Karsten Müller von der US-Universität Princeton und Carlo Schwarz von der britischen Universität Warwick in der 75-seitigen Untersuchung (PDF).

Bei der Verknüpfung detaillierter lokaler Daten zur Facebook-Nutzung mit nutzergenerierten Inhalten werde sichtbar, so Müller und Schwarz, wie Online-Beiträge mit flüchtlingsfeindlichen Vorfällen in Deutschland korrelierten. Unterbrechungen beim Internet- oder Facebook-Zugang der Nutzer unterstützten die Annahme, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen den Korrelationen gebe. Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler aus, wie groß innerhalb einer Kommune der Anteil der Bewohner ist, die sich auf dem Facebook-Account der AfD engagieren.

Mehr als 3.000 Angriffe registriert

Nach Ansicht der Forscher hätte ein Rückgang fremdenfeindlicher Äußerungen auf Facebook auch einen Rückgang realer Attacken wie Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte zur Folge. Sollte sich die Zahl flüchtlingsfeindlicher Beiträge auf den Facebook-Seiten der AfD um 50 Prozent reduzieren, könnte es 12,6 Prozent weniger flüchtlingsfeindliche Vorfälle geben. Bei 3.335 registrierten Vorfällen zwischen Januar 2015 und Anfang 2017 entspräche dies 421 Vorfällen.



Die Forscher behaupten in der Studie jedoch nicht, dass die sozialen Medien alleine die Angriffe gegen Flüchtlinge hervorbrächten. Vielmehr funktionierten sie als ein Verbreitungsmechanismus für das Aufflackern hasserfüllter Gefühle. Diese hätten viele unterschiedliche Ursachen. Allerdings legten die Ergebnisse der Studie nahe, dass quasi-zufällige Änderungen beim Kontakt zu flüchtlingsfeindlichen Äußerungen in sozialen Medien auch Unterschiede bei der Zahl flüchtlingsfeindlicher Angriffe zur Folge hätten.

Zur Überprüfung ihrer These werteten die Forscher Daten und Berichte zu Internetausfällen in deutschen Kommunen aus. Dazu griffen sie unter anderem auf den iMonitor von Heise.de zurück oder nutzten Berichte von Golem.de und anderen Medien. Dabei wollen Müller und Schwarz herausgefunden haben, dass solche lokalen Ausfälle zur Folge hatten, dass es in Kommunen mit Internetausfällen keinen Anstieg an flüchtlingsfeindlichen Angriffen gegeben habe, wenn bundesweit eine Anti-Flüchtlingswelle zu mehr Angriffen geführt habe. Das treffe auch bei bundesweiten Facebook-Ausfällen zu.  (fg)


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