Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/xmg-neo-15-im-test-endlich-ein-vernuenftiges-gaming-barebone-1808-136093.html    Veröffentlicht: 21.08.2018 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/136093

XMG Neo 15 im Test

Endlich ein vernünftiges Gaming-Barebone

Auf den ersten Blick ein überzeugendes Gaming-Notebook: Das 144-Hz-Display, die mechanische Tastatur und die Kombination aus Coffee Lake H und Geforce GTX 1060 des XMG Neo 15 haben Potenzial. Auch das Gehäuse ist eine erfrischende Abwechslung zur Masse an immer gleichen Clevo-Barebones.

Gamer, die ihrem Hobby am Laptop statt auf dem Desktop-PC nachgehen, haben es nicht leicht: Der Markt ist mittlerweile übersät mit unterschiedlichen Spiele-Notebooks - darunter von namhaften Herstellern wie Acer, Asus, Dell, Medion oder Razer. Allerdings scheint sich das Sortiment zumeist auf recht klotzige, subjektiv gesehen, teils hässliche LED-Maschinen zu beschränken. Wem dieser typische Gamer-Look in Raumschiffoptik nicht zusagt, dem bleiben wenige Alternativen, die meist auch noch absurd teuer sind - wie das von uns getestete Razer Blade zeigt.

Und dann ist da noch der Barebone-Markt. Bei den selbst konfigurierbaren Gehäusen gibt es praktisch nur einen großen Spieler: Clevo. Doch wer will schon ein Notebook haben, das weder besonders außergewöhnlich aussieht noch außergewöhnliche Verarbeitungsqualität vorweisen kann - ein nächstbesserer Vertreter der Kategorie 0815 also. Das ist anscheinend auch dem Anbieter Schenker Notebooks aufgefallen.

Was auch immer die Motivation des Herstellers ist, das XMG Neo 15 scheint ein erfrischender Neuzugang zu sein, der aus der Masse an Clevo-Designs heraussticht. Das 15,6-Zoll-Notebook hat Schenker in Eigenregie gebaut. Und obwohl sich die Entwicklung und damit eine Teststellung für unsere Redaktion um mehrere Wochen verschoben haben, ist das Ergebnis ein überraschend kompaktes und leistungsfähiges Gaming-Notebook. Konfigurierbare Tastaturbeleuchtung und mechanische Tasten sind immer im Startpreis von 1.400 Euro enthalten. Und keine Sorge: Es gibt auch ein optionales 144-Hz-Panel. Schenkers Eigenkreation ist nach unserer Meinung endlich ein vernünftiges Gaming-Barebone.

Qualität auf dem Schoß

Das XMG Neo 15 besteht zu einem Großteil aus mattschwarzem Aluminium, das sich ähnlich wie bei Razer Blade sehr hochwertig anfühlt. Die Gehäuseunterseite und die Displayränder sind aus Kunststoff. Selbst bei gewolltem Drücken gibt die Basiseinheit kaum nach. Einziger Nachteil der mattschwarzen Aluminiumoberfläche: Nach einer schwitzigen Partie Counter-Strike Global Offensive sehen wir die Handabdrücke auf der Handballenauflage und dem Deckel deutlich.

Beim Aufklappen des überraschend kompakten 15,6-Zöllers fällt auf, dass die Displayränder relativ dünn sind. Das Gehäuse misst 359 x 243 x 22 mm. Das Gewicht beträgt 1,97 kg - relativ leicht für ein Gaming-Notebook. Trotzdem passt dort eine vollständige Tastatur samt Nummernblock hinein. Wie es für ein Gaming-Notebook, das etwas auf sich halten will, üblich ist, sind die Tasten mit LEDs versehen, die sich jeweils einzeln einstellen lassen. Diverse Animationen wie knisterndes Feuer oder das Auflechten von gedrückten Tasten sind ebenfalls möglich. Die Tastenbeleuchtung lässt sich auch komplett ausschalten.

Erst Klick, dann Tastendruck

Interessant sind die von Schenker entwickelten mechanischen Schalter, die mit ihrem Klick Konkurrenzprodukte wie Cherry MX Blues imitieren. Der Klick ist definiert und es braucht einiges an Kraft, um diesen zu überwinden. Der eigentliche Schaltweg ist jedoch relativ gering. Damit fühlt sich die Tastatur des XMG Neo 15 ein wenig wie ein Apple-Keyboard mit mechanischen Tasten an. Viele Gamer sind Fans der blauen Schalter. Wir verwenden für Spiele wie CSGO, bei dem schnelle Seitwärtsschritte essenziell sind, aber lieber lineare Schalter ohne Klick.

Die Tasten registrieren auf einen Druck auch ohne Klick, wenn wir die Tastenkappen an der unteren Kante drücken. So ist es möglich, eine Taste nach dem Klick gedrückt zu halten und dann leicht einzudrücken, um Eingaben zu tätigen, da die für das Geräusch zuständige Feder an der oberen Seite des Tastensockels statt in der Mitte angebracht ist. Das ist zunächst verwirrend und führt anfänglich zu einigen falschen Tastendrücken.

Trotzdem sind die Tasten definitiv gut, vor allem beim Schreiben von Texten. Gamer dürfte es ebenfalls erfreuen, dass viele Kabel auch an der Rückseite des Notebooks eingesteckt werden können.

Anschlüsse an den richtigen Stellen

Es mag trivial klingen, doch die Position der Anschlüsse ist gerade bei einem Gaming-Notebook, in dem praktisch immer Headset und Maus stecken, sehr wichtig. So zeigte etwa das von uns getestete Thunderobot ST Plus, wie sich das Klinkenkabel des Kopfhörers schnell in die Maushand bohren kann. Dieses Problem hat das XMG Neo nicht - zumindest bei Rechtshändern. Externe Monitore können an zwei Mini-Displayport-1.4-Buchsen oder einen HDMI-2.0-Anschluss gesteckt werden. Zudem befindet sich dort ein USB-C-Anschluss mit USB-3.0-Geschwindigkeit.

An den Gehäuseseiten befinden sich ein ausklappbarer RJ45-Port für Gigabit-Ethernet, drei USB-A-Anschlüsse, wovon zwei nach USB 3.0 und einer nach USB 2.0 spezifiziert sind, und ein SD-Kartenleser. Die zwei 3,5-mm-Klinkenanschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon sind aber für Linkshänder an einer ungünstigen Stelle angebracht - und zwar vorne links. Den gleichen Fehler macht auch das von uns so stark kritisierte Thunderobot-Notebook auf der rechten Seite.

An der Vorderseite des Notebooks verbaut der Hersteller eine ebenfalls konfigurierbare LED-Leiste. Darüber ist das Touchpad zu finden, das wir als angenehm groß empfinden. Es reagiert zudem verzögerungsfrei auf Eingaben und unterstützt Gestensteuerung, was bei Touchpads heutzutage aber auch Standard sein sollte. Letztlich schalten wir es bei angeschlossener Maus so oder so ab.

Ein Display, das Gamer mögen

Neben dem 60-Hz-Panel in der minimalen Ausstattung lässt sich für einen Aufpreis von 90 Euro ein 144-Hz-Display einbauen, das sich auch in unserem Testmuster befindet. Beide 15,6-Zoll-Bildschirme haben eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln. Die Investition lohnt sich unserer Meinung nach: Gerade schnelle Spiele sehen darauf einfach schärfer aus. Die maximale Helligkeit ist dabei ebenfalls sehr überzeugend: Wir messen immerhin etwa 357 cd/m² im Durchschnitt. Das ist für die heimische Zockerstube, aber auch eine Partie unter indirektem Sonnenlicht, mehr als genug. Das Display ist zudem entspiegelt, was nervige Reflexionen und damit einen eventuellen Nachteil beim Spielen verhindert.

Denn Spielen lässt es sich auf dem Notebook sehr gut: Dafür sorgen der Core i7-8750H mit sechs Kernen und die auf der Hauptplatine fest verlötete Grafikeinheit vom Typ Nvidia Geforce GTX 1060 mit 6 GByte Videospeicher. Zudem stehen unserem Testmuster 16 GByte DDR4-RAM zur Verfügung. Diese Konfiguration bietet eine sehr gute Leistung in grafisch wenig anspruchsvollen Spielen wie den Team-Shootern CSGO und Overwatch. Beide Titel profitieren merklich von einer hohen Framerate. Und diese liefert das XMG Neo 15. In CSGO erreicht es auf hohen Details und auf der Map 'de_nuke' knapp 120 Bilder pro Sekunde. In Overwatch sind es auf der höchsten Grafikeinstellung und aktiviertem 4x MSAA immerhin 79 Bilder pro Sekunde.

Das Mittelalterrollenspiel Kingdom Come Deliverance ist da schon fordernder: Auf sehr hohen Details erreichen wir bei einem Ritt durch die Stadt Rattay 45 Frames pro Sekunde. Ein Spaziergang durch den Wald verringert die Bildrate auf 40 fps - ein noch immer solider Wert. Auch im Sci-Fi-Shooter Destiny 2 gibt das Notebook während eines Public Events minimal 65 Bilder pro Sekunde aus - bei aktiviertem 4x MSAA und auf hohen und höchsten Details. In wenig belebten Zonen geht die Bildrate auf bis zu 85 fps hoch.

Die von Schenker verbaute NVMe-SSD ist schnell genug: Es handelt sich um eine Samsung 970 Pro, die per M.2-Schnittstelle und mit vier PCIe-Gen3-Lanes an das Mainboard angeschlossen ist. Sie erreicht maximal 3.478 MByte/s im sequenziellen Lesen und 2.344 MByte/s im sequenziellen Schreiben. Unser Testmuster hat ein Exemplar mit 512 GByte Kapazität verbaut. Optional gibt es auch die Möglichkeit, eine zweite M.2-SSD und ein 2,5-Zoll-Laufwerk zu verbauen. Unserem Testmuster liegt dafür ein entsprechender Einbauschacht bei. Wir können eine optionale HDD oder Sata-SSD beim Hersteller dazubestellen oder selbst einbauen. Das Aufschrauben des Notebooks ist zumindest recht einfach. Alle Komponenten sind gut erreichbar, nachdem wir die wenigen Schrauben lösen.

Allerdings gibt es da mit der Lautstärke und der Akkulaufzeit zwei Punkte, die viele Gaming-Notebooks nicht überzeugend lösen. Das XMG Neo 15 macht da keine Ausnahme. Dabei wollte Zweiteres Schenker eigentlich clever lösen.

In Spielen wird der Kopfhörer Pflicht

Ein Problem kann auch das sehr gute Chassis des XMG Neo 15 nicht überzeugend lösen: Die Lautstärke unter Last ist extrem hoch. Die zwei Lüfter drehen dabei schon bei recht simpler Last hörbar auf, etwa beim Multitasking zwischen Browser und Schreibprogramm. In Spielen ist das laute Rauschen so laut, dass auf jeden Fall Kopfhörer eingesetzt werden sollten. Das ist ein weit verbreitetes Problem bei Gaming-Notebooks und hier nicht anders. Trotzdem müssen wir Kritik anbringen. Beim Schauen von Serien auf Netflix wie The Expanse oder Star Trek Discovery bleibt das Notebook aber angenehm leise.

Das laute Lüftergeräusch ist nicht umsonst: Selbst unter voller Last wird das Notebook niemals unangenehm heiß. Zudem wird die Abwärme größtenteils nach hinten und damit vom Körper weggeleitet. An der Unterseite ist ein großes Lüftungsgitter zu sehen, durch das wir sogar die Hardware des Notebooks erkennen können. Am Chip wird eine maximale Temperatur von knapp 80 Grad erreicht, was akzeptabel ist. Ungewöhnlich: Oberhalb der Tastatur und neben dem Power-Knopf ist ein Schalter verbaut, mit dem sich die Lüfter auf 100 Prozent stellen lassen. Das erhöht die Kühlleistung und das permanent hohe Betriebsgeräusch noch einmal mehr.

Ohne Netzteil ist schnell Schluss

Das zweite Problem ist die kurze Akkulaufzeit des XMG Neo 15, die aber zumindest für ein Gaming-Notebook in Ordnung geht. Im Home-Conventional-Test des Benchmark-Tools PcCark 8, der Webbrowsing und Casual Gaming simuliert, erreicht das Notebook mit seinem 47-Wattstunden-Akku bei einer Helligkeit von 200 cd/m² immerhin 3:10 Stunden. Im Productivity-Test des Tools Powermark sind es 3:58 Stunden bei gleicher Helligkeit. Bei diesem wenig fordernden Benchmark zeigt sich die recht kurze Laufzeit am besten.

Dabei wollte Schenker das Problem der kurzen Akkulaufzeit ursprünglich mit einem interessanten Konzept lösen. Es sollte eine Variante des XMG Neo 15 geben, bei der der Akku des Notebooks auf Kosten des 2,5-Zoll-Schachtes optional größer hätte ausfallen können. Während der schon so verzögerten Entwicklung wurde diese Idee aber verworfen - schade. Es bleibt die Hoffnung, dass Schenker das Konzept in einer Nachfolgegeneration des an sich sehr guten Notebooks wieder aufgreift.

Verfügbarkeit und Fazit

Das XMG Neo 15 kann im Schenker-Onlineshop konfiguriert und gekauft werden. Alle Modelle haben als Grafikeinheit die Geforce GTX 1060 und einen Core i7-8750H als CPU verbaut. Der Startpreis mit 8 GByte DDR4-Arbeitsspeicher im Singlechannel, 250-GByte-Sata-SSD und 60-Hz-Display liegt bei etwa 1.400 Euro. In der von uns getesteten Konfiguration mit 16 GByte RAM und 512-GByte-NVMe-SSD verlangt der Hersteller 1.615 Euro. Ein zweites Sata-Laufwerk, mehr Arbeitsspeicher oder noch eine SSD treiben den Preis des Notebooks schnell in die Höhe. Wir denken, dass die uns zur Verfügung gestellte Konfiguration preislich wettbewerbsfähig ist, wenn wir das sehr gute Barebone für sich betrachten.

Fazit

Schon auf dem Papier ist das XMG Neo 15 mit einem Startpreis von 1.400 Euro ein interessantes Angebot. Die Kombination aus Coffee-Lake-H-Prozessor und Nvidia Geforce GTX 1060 liefert in allen von uns getesteten Spielen eine solide Performance ab. Dazu zählen CSGO, Overwatch, Destiny 2 und Kingdom Come Deliverance.

Aber auch, wenn wir das Notebook selbst nutzen, fällt auf, dass Schenker viel Mühe in das Design eines schlichten und exzellent verarbeiteten Gehäuses gesteckt hat. Optisch und haptisch unterscheidet es sich von den ansonsten immer gleichen Clevo-Barebones im positiven Sinne. Es bietet genug Anschlüsse für mehrere Peripheriegeräte und bis zu drei externe Monitore auf der Rückseite. Lediglich die 3,5-mm-Klinkenstecker sind an einer für Linkshänder ungünstigen Position angebracht.

Auch das matte 15,6-Zoll-Panel mit Full-HD-Auflösung kann uns mit einer maximalen Helligkeit von knapp 360 cd/m² und einer Frequenz von 144 Hz überzeugen, genauso wie die angenehme mechanische Tastatur, die sich an das taktile Gefühl und den markanten Klick von Cherry-MX-Blue-Schaltern anlehnt - einzeln einstellbare RGB-Beleuchtung inklusive.

Allerdings kann auch dieses ansonsten sehr gute Barebone zwei Probleme nicht ganz optimal lösen. Da wäre zum einen die sehr laute Lüftung des Notebooks, die in Spielen Kopfhörer eigentlich zur Pflicht macht. Die Abführung der Abwärme ist zugleich aber effizient gelöst, so dass das Gehäuse niemals unangenehm warm wird.

Die Akkulaufzeit ist zudem nicht der Rede wert. 3:10 Stunden unter leichter Last sind zwar für ein Gaming-System ein ordentlicher Wert. Mobil fühlen wir uns damit aber nicht - trotz des recht geringen Gewichts von 1.962 Gramm. Dabei wollte Schenker das Problem ursprünglich durch einen optional bestellbaren größeren Akku beheben. Das wurde innerhalb der Entwicklung aber leider gestrichen.

Grundsätzlich ist das XMG Neo 15 eine klare Kaufempfehlung für Gamer, die sich nach einem Barebone umsehen, das eben kein langweiliges oder klobiges Clevo-Chassis nutzt: endlich ein vernünftiges Gaming-Barebone.  (on)


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