Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/120-wochenstunden-musk-beklagt-unertraegliches-jahr-bei-tesla-1808-136064.html    Veröffentlicht: 17.08.2018 15:05    Kurz-URL: https://glm.io/136064

120 Wochenstunden

Musk beklagt "unerträgliches Jahr" bei Tesla

Nach seiner Äußerung zum Börsenrückzug Teslas steht Firmenchef Elon Musk noch stärker unter Druck. In einem Interview räumt er die hohe Belastung ein, die ihn zu Schlafmitteln greifen lässt. Kiffen findet er allerdings nicht so gut.

Tesla-Chef Elon Musk hat eine enorm hohe Arbeitsbelastung wegen der anhaltenden Produktionsprobleme beim US-amerikanischen Elektroautohersteller beklagt. "Das vergangene Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste Jahr meiner Karriere", sagte er in einem emotionalen Interview mit der New York Times und fügte hinzu: "Es war unerträglich." Freunde machten sich inzwischen Sorgen um seinen Gesundheitszustand. Dieser sei derzeit nicht gerade großartig.

Musk räumte ein, zuletzt 120 Stunden in der Woche gearbeitet zu haben, was durchschnittlich mehr als 17 Stunden pro Tag bedeutet. Seit dem Jahr 2001 habe er nie mehr als eine Woche am Stück Urlaub genommen. An seinem 47. Geburtstag habe er in diesem Jahr komplett gearbeitet. Die Hochzeit seines Bruders habe er als Trauzeuge beinahe verpasst. Das alles mache es sehr schwer, seine Kinder oder Freunde sehen zu können, habe Musk mit stockender Stimme berichtet.

Das Schlimmste soll noch kommen

Er habe eigentlich gedacht, das Schlimmste sei überstanden. "Von einem operativen Standpunkt bei Tesla aus gesehen ist das Schlimmste vorbei", sagte Musk mit Blick auf die aktuellen Produktionszahlen beim Model 3. "Aber aus der Perspektive des persönlichen Schmerzes kommt das Schlimmste noch." Die Schuld dafür gibt er Börsenspekulanten, sogenannten Shortsellern, die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse bei Tesla spekulierten. Er erwarte wenigstens einige Monate lang noch "extreme Qualen durch Shortseller, die verzweifelt ein Narrativ verbreiten wollen, das möglicherweise in einer Zerstörung Teslas mündet".

Um überhaupt einschlafen zu können, nehme er gelegentlich das Schlafmittel Ambien. "Es gibt oft nur die Wahl zwischen gar keinen Schlaf oder Ambien", sagte Musk. Nach Angaben der New York Times sind Verwaltungsratsmitglieder von Tesla besorgt über den Schlafmittelkonsum. Zudem lasse das Mittel Musk offenbar nicht immer einschlafen, sondern führe zu nächtlichen Twitter-Sitzungen. Einigen Verwaltungsratsmitgliedern sei bekannt, dass Musk zu Freizeitdrogen greife.

Kein Code für Cannabis

Drogen sollen hingegen nicht im Spiel gewesen sein, als Musk am 7. August 2018 überraschend einen möglichen Börsenrückzug ankündigte, dessen Finanzierung schon gesichert sei. Er habe den Tweet auf dem Weg zum Flughafen abgesetzt, sagte er der New York Times. Die Nachricht habe der Transparenz dienen sollen. Niemand anderes habe sie vor dem Absenden gesehen oder überprüft.

Hinter dem Preis von 420 US-Dollar, den Anleger für ihre Tesla-Aktien erhalten sollten, stecke auch kein Code für den Cannabis-Konsum, sagte Musk. Er sei auf den Betrag gekommen, indem er auf den aktuellen Kurs 20 Prozent aufgeschlagen habe. Das rechnerische Ergebnis, 419 US-Dollar, habe er dann auf 420 US-Dollar aufgerundet. "420 Dollar schienen mir ein besseres Karma zu haben als 419 Dollar", sagte Musk und fügte hinzu: "Das hat gar nichts mit Gras zu tun, um das klarzustellen. Gras hilft nicht dabei, produktiv zu sein. Es gibt einen Grund für das Wort 'stoned'. Man sitzt herum wie ein Stein, wenn man bekifft ist."

Musk steht zu Tweet über Börsenrückzug

Inzwischen soll die US-Börsenaufsicht SEC Mitglieder des Verwaltungsrats sowie Musk vorgeladen haben, um die Hintergründe des Tweets zu erläutern. Börsenhändler, die auf fallende Kurse des Unternehmens gewettet hatten, klagten inzwischen wegen des Tweets auf Schadenersatz. Dennoch bedauert Musk seine Äußerung bislang nicht. "Warum sollte ich?", fragte er in dem Interview. Er verwies auf Gespräche mit einem saudischen Investmentfonds über die mögliche Finanzierung des Börsenrückzugs.

Auch wolle er seine Twitternutzung nicht einschränken. Zum Ärger von Verwaltungsratsmitgliedern, wie es heißt. Sie sollen Musk aufgefordert haben, mit dem Twittern aufzuhören und sich auf das Bauen von Autos und Raketen zu konzentrieren. Ärger bekam Musk zuletzt auch, weil er einen britischen Taucher im Zusammenhang mit der Rettung Jugendlicher aus einer Höhle in Thailand als Pädophilen bezeichnet hatte.

Sheryl Sandberg vergeblich umworben

Die Überlastung Musks dürfte auch damit begründet sein, dass es keinen zweiten Mann oder keine zweite Frau hinter dem Firmenchef gibt, der ihm Entscheidungen bei Tesla oder der Raketenbaufirma SpaceX abnehmen könnte. Der Versuch, Facebooks Chief Operating Officer Sheryl Sandberg abzuwerben, sei gescheitert, sagte Musk. Derzeit werde nicht nach einem Stellvertreter gesucht. Eine Darstellung, der nach Angaben der New York Times firmenintern widersprochen wird. Angesichts der jüngsten Tweets sei die Suche sogar intensiviert worden.

Trotz aller Probleme will Musk jedoch nicht seine Doppelrolle als Verwaltungsratsvorsitzender und Geschäftsführer (CEO) bei Tesla aufgeben. Allerdings fügte er ironisch hinzu: "Wenn Sie jemanden kennen, der den Job besser machen kann, lassen Sie es mich wissen. Die können den Job haben. Ist da jemand, der den Job besser machen kann? Die können die Zügel gleich übernehmen."

 (fg)


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