Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/autonomes-fahren-ford-will-lieber-langsam-sein-1808-136026.html    Veröffentlicht: 16.08.2018 09:23    Kurz-URL: https://glm.io/136026

Autonomes Fahren

Ford will lieber langsam sein

Wie sollte man bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge vorgehen: Langsam und beständig? Dann riskieren Unternehmen, von der Konkurrenz überrundet zu werden. Ford verzichtet lieber darauf, der Erste am Markt zu sein.

Ford will nicht das erste Unternehmen sein, das selbstfahrende Autos der Öffentlichkeit präsentiert. Vielmehr will der US-Autobauer die Marke sein, die mit dem Wort Vertrauen gleichgesetzt wird, schreibt das Unternehmen in seinem Selbstfahrsicherheitsbericht, den es dem US-Verkehrsministerium übergeben hat. Das 44-seitige Dokument mit dem Titel A Matter of Trust beschreibt die Technik und die Verfahren, mit denen Ford seine Flotte autonomer Testfahrzeuge einsetzt.

Die Branche steht nachhaltig unter dem Eindruck des Unfalls mit einem Uber-Testfahrzeug, das eine 49jährige Frau überfahren hatte, während es im Selbstfahrmodus unterwegs war.

"Ford glaubt, dass es bei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge nicht nur um die Technologie geht - es geht darum, das Vertrauen unserer Kunden und jener Städte und Unternehmen zu gewinnen, die sie letztendlich nutzen werden", so Sherif Marakby, Chef von Ford Autonomous Vehicles, in einem Brief an US-Verkehrsministerin Elaine Chao, der dem Bericht beiliegt.

Ford betont, wie wichtig es sei, einen langsamen und stetigen Ansatz zu verfolgen. "Wir sind nicht in einem Wettlauf, um der Öffentlichkeit selbstfahrende Fahrzeuge anzubieten", heißt es in dem Schreiben.

Der Sicherheitsbericht ist freiwillig und neben Ford haben auch Waymo und General Motors derartige Schreiben verfasst. Ford geht darin detailliert darauf ein, wie er seine Fahrer ausbildet, die zur Sicherheit die Fahrzeuge überwachen und notfalls eingreifen können. Hinzu kommen Geräte, die sämtliche Fahrzeugaktionen aufzeichnen. Das Unternehmen testet derzeit seine selbstfahrenden Fahrzeuge in Miami und plant ab 2021 die Produktion eines komplett fahrerlosen Autos ohne Lenkrad und Pedale. Dieses müsste dann Level 5 erreichen - denn der Fahrer kann gar nicht mehr eingreifen. Im gleichen Jahr will Ford selbstfahrende Lieferwagen auf den Markt bringen.

Die Konkurrenz wagt wesentlich schnellere Schritte als Ford. Noch 2018 will Waymo in Phoenix einen fahrerlosen Fahrdienst starten. GM Cruise will ab 2019 einen eigenen Robotertaxi-Service in San Francisco einführen.

Ford hat einige Unternehmen im Softwarebereich übernommen und das Tochterunternehmen Ford Autonomous Vehicles gegründet.



Andernorts wird einigen Entwicklern das Tempo schon bei der Entwicklung automatisierter und nicht einmal autonomer Fahrfunktionen zu schnell. Bei Tesla warnen Ingenieure vor allem davor, dass mit dem Leben der Kunden gespielt werde, und diskutieren, wie viel Zeit man dem Fahrer geben müsse, um das Lenkrad wieder zu übernehmen, wenn die automatisierten Fahrfunktionen eines Autos nicht mehr funktionieren. Es fehlten auch Mechanismen, um sicherzustellen, dass der Fahrer konzentriert bleibe. Warnungen, dass das Produkt nicht fertig sei, werden offenbar nicht ernst genug genommen.

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