Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/koaxial-vodafone-bezeichnet-oeffnung-der-kabelnetze-als-moeglich-1808-136001.html    Veröffentlicht: 14.08.2018 15:35    Kurz-URL: https://glm.io/136001

Koaxial

Vodafone bezeichnet Öffnung der Kabelnetze als möglich

Seit dem Kauf von Unitymedia durch Vodafone wird eine Öffnung der Kabelnetze diskutiert. Doch gibt das Koaxial-Netz das überhaupt her? Open Access ist offenbar nicht machbar.

Wegen der geplanten Übernahme von Unitymedia durch Vodafone wird die Öffnung der TV-Kabelnetze gefordert und die Frage der technischen Machbarkeit aufgeworfen. Vodafone-Sprecher Alexander Leinhos sagte Golem.de auf Anfrage: "Grundsätzlich ist eine Öffnung von Kabelnetzen für Breitband-Internetangebote Dritter technisch möglich. Ob und welche Schwierigkeiten sich im Einzelnen dazu im Netz von Vodafone ergeben, können wir derzeit nicht abschließend beantworten."

Angaben dazu, ob Open Access im Kabelnetz technisch möglich ist, machte Vodafone nicht. Golem.de hat bei dem Forschungsinstitut WIK Consult (Wissenschaftliches Institut für Internet und Kommunikationsdienste) nachgefragt, und erfahren, dass die Frage eine differenzierte Antwort verlange.

Thomas Plückebaum, Abteilungsleiter Netze und Kosten bei WIK-Consult, sagte: "Einfach gesagt, funktioniert in einem Koaxialkabelnetz, bei dem nur ein Kabel zu einer größeren Gruppe von Kunden geht, eine physische Entbündelung als die einfachste Form von Open Access nicht. Es wird nicht zu jedem Kunden eine Doppelader oder eine Glasfaser geführt, sondern nur ein Kabel mit einem Hin- und Rückleiter, auf das viele Kunden zugreifen."

VULA nicht zu machen

Ein ersatzweise als Open Access vorgesehener virtueller Zugang (VULA) sei auf Koaxialkabelnetzen nicht produzierbar, weil die installierten Übertragungssysteme das nicht hergeben würden. Auch stehe auf diesem einen Kabel vorläufig keine ausreichende Kapazität für VULA als Massenmarktprodukt zur Verfügung.

"Die nächst-höhere Ebene von Vorleistungsprodukten für Wettbewerber ist der Bitstrom. Der erlaubt aber den Wettbewerbern kein ausreichendes Ausmaß von Produktgestaltungsspielraum zur Definition eigener Produkte mehr. Er muss nur als sogenannter Best-Effort-Dienst angeboten werden und wird nur an zentralen Stellen des Netzes des Vorleistungslieferanten übergeben." Dies sei nach dem Verständnis von WIK-Consult kein Open Access mehr.

Stephan Albers, Chef des Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation) hätte sich gewünscht, dass Unitymedia sagt: "Ja, wir öffnen unsere Netze". Wenn die Fusion von Vodafone und Unitymedia zustande komme, müsse ein solches Netz geöffnet werden, forderte er im Juni 2018 auf dem 9. Hessischen Breitbandgipfel. Albers sagte, bei der Open-Access-Plattform vom Breko sollte auch Unitymedia mitmachen. Derzeit betreibt Vodafone TV-Kabelnetze in 13 deutschen Bundesländern, Unitymedia ist in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aktiv. Ziel sei die Zusammenführung von Breitband, Mobilfunk, Festnetz und TV-Diensten, hatte Vodafone erklärt.  (asa)


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